Zwei neue Illuminatenlisten und einige grundlegende Gedanken zur Erfassung von Listen in FactGrid

Datensätze im Überblick

Dass mit seinem 250jährigen Jubiläum zwei neue Mitgliederlisten aus dem Illuminatenorden auftauchen würden (genauer: eine Liste in zwei Versionen), war nicht abzusehen. Tatsächlich zirkulierten ausgewählte Scans bereits etwas früher. Grundlegend neue Erkenntnisse, so die Einschätzung Reinhard Markners, der die Scans früher sah als ich, schienen hier nicht zu erhoffen.

Ich ließ mich auf den eingehenderen Blick ein, schon allein, da ich lange mit dem Gedanken einer Online-Edition aller Illuminaten-Dokumente spielte – aber auch, weil FactGrid es einfach macht, Listen sehr präzise zu verorten.

Jakob Bader, der uns die Seiten zusandte, zeigte sich extrem aufgeschlossen, uns hochauflösende Scans zukommen zu lassen und sah keinen Grund, warum wir sie nicht unter der offenen CC0-Lizenz auf Wikimedia Commons hochladen sollten, was es nun sehr viel einfacher macht, im wissenschaftlichen Austausch über sie nachzudenken. Hier die Digitalisate:

  • Vierseitige “Lista Illuminatorum” aus dem Besitz Sebastian Knorrs, Seiten 4+1/ Seiten 2+3
  • Zweiseitige “Lista Illuminatorum” aus dem Besitz Sebastian Knorrs, Seite 1/ Seite 2

Die interessante Liste ist die vierseitige – eine planvoll und repräsentativ angelegte, unerwartet strukturierte.

Vierseitige Lista Illuminatorum aus dem Besitz Sebastian Knorrs 1+4
Vierseitige Lista Illuminatorum aus dem Besitz Sebastian Knorrs, Seiten 4 und 1

München, 1784/85

Die beiden Listen sind offensichtlich authentisch, in München für die Orientierung im Gefüge der umliegenden Minervalkirchen verfasst. Man wird sie beide auf 1784/85 datieren können. Auf beiden ist der Name Sebastian Knorrs hervorgehoben; Jakob Bader erklärte nebenbei, über welchen familiären Umweg die Listen zu ihm gelangten.

Beide Listen stammen von verschiedenen Schreibern. Die zweiseitige Liste, ist offenbar eine im Fragment – bei Nummer 121 – endende Kopie der vierseitigen, die im Bogenformat beschrieben ist. Einmal gefaltet lässt sie sich von Seite 1 (vorne rechtsseitig) bis Seite 4 (im ausgebreiteten Zustand vorne links) durchblättern. Aufgeschlagen liegen auf der Innenseite die Seiten 2 und 3 einander gegenüber.

Die vierseitige Liste wurde über eine ganze Zeit hinweg benutzt, das zeigt sich vor allem am Ende, wo sieben Namen von anderer Hand nach und nach hinzugefügt wurden. In Bleistift notierte zudem jemand bei einigen der Überschriften die Klarnamen der Minervalkirchen. Eintrag 111, der Name Knorrs, ist in beiden Listen unterstrichen – mit blauem Buntstift, nachträglich, in der vierseitigen. In der zweiseitigen unterstrich der Schreiber den Namen dagegen noch beim Schreiben sofort mit Tinte.

Dass die zweite Liste eine Kopie ist, wird im Eintrag 17 zu Thomas Walpole besonders deutlich: Der Schreiber der vierseitigen Liste hatte noch halbwegs korrekt „Wallpolls“ notiert, sein großes W kam dabei wie überall in seiner Aufstellung einem großen K nahe. Der Schreiber der zweiseitigen Liste las hier, den echten Namen nicht kennend, in der Folge „Kallpolls“.

Für die Datierung auf 1784/85 sprechen inhaltliche Aspekte: In der vierseitigen Liste sind im Verlauf mehrere Mitglieder als im Dezember 1783 ausgetretene notiert; der Austritt ist da schon vollzogen, er ist nicht im Nachhinein notiert. Den terminus post quem bietet jedoch der Eintrag 100:

Xaver v. Pettenkofer Hofr. Orestes †

Der Eintrag ist in sich unstimmig: Franz Xaver von Pettenkofer (1754–1826) firmierte im Orden als „Pylades“; es war sein Bruder Joseph Carl von Pettenkofer (1754–1784) alias „Orestes“, der am 13 April 1784 starb. Offenbar konnte der Schreiber die Zwillings(?)brüder nicht auseinanderhalten.

Die am Ende hinzugesetzten sieben Namen stammen nicht von später noch eingetretenen Mitgliedern; es sind, soweit wir die respektiven Eintrittsdaten ermitteln können, Namen von Personen, die dem Anschein nach bei der ersten Aufstellung vergessen wurden.

Die Ordensverfolgung begann am 2. März 1785. Wann genau es für die Münchner Mitglieder ratsam wurde, sich selbst nicht mehr dem Orden zuzuordnen, ist nicht klar zu sagen; hier dürfte der terminus ante quem liegen. Die vierseitige Liste spricht immer noch vom Selbstbewusstsein der oberbayerischen Organisation und offenbar auch vom Stolz ihres Besitzers, sich in dieser Gesellschaft wiederzufinden.

Keine bloße Namensliste

Auch die vierseitige Liste mit ihren 248 Einträgen und sieben Nachträgen ist weit von einer Gesamtliste des Ordens entfernt. Es ist unwahrscheinlich, dass es eine solche je gab. Der Orden gliederte sich in Provinzen (mehrfach veränderter Aufteilung), deren Leiter einzelne Listen generierten. Von 2000 bis 2500 Mitgliedern soll Adam Weishaupt ausgegangen sein, so spätere Aussagen. Die neuen Listen erfassen die Situation von München aus mit punktueller Offenheit. So sind mit den Nummern 61 und 62 Göttinger Professoren München zugeordnet. Deren Namen Meiners und Feder waren dem Schreiber offenbar nicht geläufig. „Feiner“ und „Ayder“ notierte er dem Anschein nach von einer ihm vorliegenden unleserlichen Notiz (gefürchtet war aus Göttingen die Handschrift Benjamin Koppes).

Münchens Minervalkirche (das illuminatische Pendant zur regulären freimaurerischen Loge) erscheint unter zwei Rubriken zwischen den umliegenden. Die regionale Strukturierung wird dabei von einer funktionalen Sortierung überlagert. Im eröffnenden Logenzeichen ▭ finden sich in beiden Handschriften drei Punkte, offenbar für „die Mitglieder der Loge“. „▭ Soli“ wird man als „Loge allein“ lesen. Um dem einen Hintergrund zu geben, muss man verstehen, was der Orden machte: In Nachbarschaft einer bestehenden Freimaurerloge oder neben einer aus dem Orden heraus aufzubauenden, wurde eine Minervalkirche eingerichtet, deren Treffen privat und geheim stattfanden. In die Minervalkirche wurden Kandidaten aufgenommen, um an intellektuellen Debatten teilzunehmen, bevor sie nach drei internen Illuminatengraden von hier aus Freimaurer wurden, die nun in der Loge auftauchten – wo sie einige Logenmitglieder bereits aus der Minervalkirche wiedererkannten, zwischen anderen jedoch incognito als Illuminaten agierten. Die Minervalkirche wurde von hochrangigen Maurern geleitet, die im “Minervalmagistrat” eigene administrative Treffen abhielten. Hier das Schema, wie der Orden damit reguläre Logen wie ein Sandwich umschloss, sie von unten mit eigenen Mitgliedern versorgte, und über ihnen eine geheime Dachstruktur etablierte:

Die Liste Sebastian Knorrs ist, was München anbetrifft, primär an der Identifikation von Illuminaten interessiert, die in der Freimaurer-Loge auftauchten, aber nie in den Minervalkirchen. Ein höherer Kreis des Ordens wird damit greifbar und in zwei Gruppen nach Status in der Freimaurerei differenziert, so die letzte Rubrik, die noch einmal ausschließlich Logenmeister umfasst:

  1. Status Ecclesiae Aul[icae] Athen[arum] ▭ Soli
  2. Ordens Großmeisteramt
  3. Status Ecclesiae Ephes. [Ingolstadt]
  4. Status Eccles. Thebanae [Freysing]
  5. Status Ecclesiae Megarensis [Landsberg]
  6. Status Eccles. Atheniens. [München]
  7. Status Eccles. Neuphj [!] [Straubing]
  8. Status Ecclesiae Corinthiae [Regensburg]
  9. Status Ecclesiae in Menea. [Burghausen]
  10. Lista der Log. Meister so nur die Loge besuchen.

Das genannte „Großmeisteramt“ ist offenkundig nicht der „Areopag“, das Leitungsgremium des Ordens, auf das dessen höchste Ränge drangen, um Weishaupts drohendem „Despotismus“ etwas entgegenzustellen. Über das im Aufbau befindliche in manchen Illuminatenakten genannte „Geheime Kapitel“ ist im Moment nicht genügend bekannt, um einen Abgleich vornehmen zu können.

Forschungsrückblick

Wenn es heute vergleichsweise leicht ist, Listen wie die vorliegenden mit dem Forschungsstand abzugleichen, dann ist das vor allem Hermann Schüttlers bahnbrechender Arbeit zu verdanken. Seine Aufstellung Die Mitglieder des Illuminatenordens, 1776-1787/93 (Munich: ars una, 1991) reformierte die Forschung binnen eines Jahrzehnts. Bis zu ihr standen die „bayerischen Illuminaten“ im Zentrum: 1785/86 wurden sie von den Landesbehörden zur Staatsbedrohung erklärt. Weishaupt und der Staat publizierten wenig später im Ringen um die Deutungshoheit, und Provinziale wie Bode in Weimar notierten, dass erst das den Orden so richtig zugrunde richtete. W. Daniel Wilsons Geheimräte gegen Geheimbünde. Ein unbekanntes Kapitel der klassisch-romantischen Geschichte Weimars (Stuttgart, 1991) ergänzte das sich abzeichnende Bild im selben Jahr mit einem problematischen Blick in die Herzkammer der deutschen Klassik: Goethe war am 11. Februar 1783 Illuminat geworden. Das ist zwar korrekt, doch kam in Weimar keine Minervalkirche zustande. Bode wurde in Weimar aktiv, der Provinzial Ionies/Obersachsens, der von hier aus fünf Minervalkirchen in Gotha, Erfurt, Rudolstadt, Jena und Buttstädt betreute. Von einem Kampf der Geheimräte gegen den Orden wird man nicht sprechen können. Bode lud den Weimarer Herzog und seine ranghohen Regierunghsmitglieder ein, wohl um nicht im Geheimen agieren zu müssen. In Gotha war Ernst II. ranghöchstes Mitglied – seinen Bruder in Weimar außen vor zu lassen, wäre politisch unklug gewesen. Erst 1789 und mit den Ereignissen der Französischen Revolution begann eine Ära, in der Logen und die Illuminaten als ein geheimer Logen-Verband, heikel wurden – Der Orden existierte da bereits nicht mehr, das wissen wir, da wir mit der Schwedenkiste den Zusammenbruch des Ordens bei wachsender interner Ratlosigkeit nachvollziehen können.

Schüttlers Liste bot 1991 neuartig ausgewogen die weitesete Perspektive: Hier waren auf einen Schlag 1255 Mitglieder namentlich erfasst und Orten der Ordensgeographie von Altona bis Wien zugeordnet. Zu allen Personen lieferte Schüttler Quellen – neuartig: auch aus der „Schwedenkiste“, deren der DDR von der Sowjetunion restituierte Bände (der 10. Band mit den Mitgliederlisten blieb in Moskau) er als erster nach dem Fall der Mauer durchgesehen hatte. Schüttlers Buch ging auf seinen ersten 170 Seiten die 1255 Biogramme durch; weitere 92 Seiten Anhänge folgten, die die Gelisteten nun nach Ordensnamen aufschlüsselten und den Standorten der Organisation zuordneten.

Hatte Schüttler sich lange Zeit mit dem Gedanken einer revidierten Neuauflage der Publikation von 1991 getragen, so entschied er sich 2015, diesen Plan weit einfacher im „Illuminaten-Wiki“ des Forschungszentrum Gotha umzusetzen, aus dem 2018 die Wikibase-Installation FactGrid hervorging. Die Items Q25 bis Q1379 wurden in der Folge mit den Biogrammen seiner Liste bestückt. Julia Mös legte 2018/19 die Fließtext-Biogramme aus dem aufgelösten Wiki auf die Diskussionsseiten der Items (vergleiche das Datenbankobjekt und das Biogramm Schüttlers im Fall Johann Joachim Christoph Bodes). Aus der Fließtextinformation der Biogramme machte sie im nächsten Schritt strukturierte Information der Datenbank. Es ist dies die Vorarbeit, dank derer wir heute einer neuen Mitgliederliste relativ zügig bereits bekannte Personen zuordnen können.

Nicht einfach zu bewerten

Der erste Arbeitsschritt war unkritisch: Zwei Datenbankobjekte für die zwei Listen aufzumachen und zur ersten die Einträge wie die tentativen Identifikationen zu notieren: Q1895676 und Q1896166. Die Datenbank macht die Zuordnungen bequem: noch beim Eintippen unterbreitet sie laufend Vorschläge, wen man meinen könnte, und reagiert dabei auch auf die Ordensnamen. Eine andere Frage ist, ob man der Liste nach einem solchen Durchgang Quellenwert beimessen will. Es ist in diesem Fall ein Leichtes, die Aussagen zu extrahieren und nun personenseitig mit einem P91-Statement als Mitglieder auszuweisen. Das Dokument wird dabei zur laufende Quelle. Ich ging diesen Schritt am Ende, da ich die Liste zunehmend als aufschlussreiche Quelle einstufte. Hier die Liste in einer Datenbankabfrage:

Von der Liste lässt sich ein beliebiges Kurzlink (https://t1p.de/dnhdx) generieren, das sich danach im Kollegenkreis verbreiten lässt. Wir gehen im Austausch angenehm direkt miteinander um, und Reinhard Markner kommentierte umgehend kritisch. Er hatte die Liste schon vorher gesehen und nicht minder nüchtern eingeschätzt:

Ihren Quellenwert schätze ich aus den Gründen, die Du ja selbst nennst, nicht allzu hoch ein. Zu Vacchiery z. B. siehe hier.

Der Bezug gilt dem Brief, den Ferdinand Maria Baader am 27. Januar 1782 Weishaupt schickte mit Verdruss über einen der Männer, die in dieser Liste nun auftauchten – Carl Albert von Vacchiery (1746–1807) gehörte ins Feindeslager:

Die werden alle Tage grösser – vacchiery ist Hofrathsvicedirector geworden. Morawitzky hat alle Hoffnung Minister zu werden – zu seiner bekannten Unthätigkeit kömmt nun auch noch die Bibellesung – die er neulich wirklich aufgeschlagen hatte, als er Besuche bekam. Die R× in Berlin, wie mir Nicolai schreibt halten den Rosen×. in seiner Blösse 10 für ein Produkt von München.

Schüttler hatte Vacchiery und den genannten Morawitzky 1991 unter die Mitglieder gerechnet, Vacchiery 2015 entfernt, und jetzt rutschte der wieder in das Gefüge – Markner dazu weit grundsätzlicher:

…natürlich bin ich nicht dagegen, diese Liste auszuwerten, aber sie sagt leider wenig Belastbares über die Zustände (vor allem) in München aus, Vacchiery ist da nur ein Beispiel. In Hermanns gedrucktem Verzeichnis waren noch nahezu alle Mitglieder der Behutsamkeit aufgeführt, aber es spricht wenig dafür, sie für Illuminaten zu halten, wenngleich es ja Weishaupts Loge war. […] Das Problem mit der ‘Behutsamkeit’ ist, daß es von dieser Loge in München eine Liste gibt, in der die Mitglieder Tarnnamen tragen. Aber soweit ich mich erinnere, sind diese nirgends sonst bezeugt und insbesondere auch noch kein Indiz für Illuminatentum.

Die konstruktive Antwort auf den Einwand wird komplex sein: An den Listen vorbeizugehen ist, wie Markner selbst notiert, keine Option. Sie liegen vor und sie machen Aussagen, die einzustufen sind. Wir sollten alle Listen erfassen und zumindest auf Seiten der Listen notieren, wer da genannt ist, wie auch immer wir dazu stehen. Eine ganz andere Frage ist, wo genau mittlerweile das Projekt der monolithischen Liste angelangt ist, die Hermann Schüttler 1991 vorlegte – und das ist auch eine Frage nach dem „Illuminatentum“, das in Markners Replik sowohl einfach für Mitgliedschaft wie für eine kollektive Geisteshaltung stehen kann, die die Illuminaten miteinander teilten. Ein solches „Illuminatentum“ wird heute niemand mehr zu rekonstruieren versuchen.

Die vorliegende Liste ist offensichtlich das Werk eines Insiders, der mehr festhalten wollte, als den einfachen Mitgliedern in den Logen und Minervalkirchen sichtbar wurde. Auch er wird gewusst haben, dass man in der Loge zur Behutsamkeit eigene Code-Namen trug. Nehmen wir die Liste ernst, dann ist nicht die Frage, ob Vacchieri Mitglied war, sondern, was im Orden geschehen war, dass selbst ein Rosenkreuzer hier 1784/85 auftauchen konnte. Hatten Vacchieri sich bewegt? Die Alternative ist, dass der Orden Menschen wie ihn aufnahm, um sie im Gruppendruck, auf den sie sich einließen, zu bewegen.

Mit den Mitteln der Graph-Datenbank

Unter der Auswertung ließ ich die folgende (durch Anklicken vergrößerbare) Netzwerk-Visualisierung mitlaufen – ich halte sie hier als Bilddatei fest, da sich die Datenlage in rapidem Fluss befindet; wir haben gerade begonnen, die Listen jede für sich auszuwerten und kritisch zu vergleichen – das vorliegende Bild ändert sich (hier das Link für den jeweils aktuellen Stand https://t1p.de/tuckw):

Mitgliederlisten des Illuminatenordens, wo decken sie sich, wo erfassen sie vergleichsweise isolierte Netzwerke?

Ich verfolgte die Veränderungen des Bilds unter der Eingabe, da die Visualisierung mir den Vergleich mit bisherigem Wissen bot. Die Aufstellung aus dem Besitz Sebastian Knorrs fügt sich in bestehende ein, das spricht für sie. Die höchste Schnittmenge weist sie dabei mit der Liste auf, die 1787 die Originalschriften für die Jahre 1777 bis 1779 abdruckten. Nahe liegt der neuen Liste daneben die handschriftliche Liste von Mitgliedern, die sich im Lyoner Exemplar des Nachtrags von weitern Originalschriften (1787) findet, und die von Google Books reproduziert wurde – eine Liste von ganz anderer Funktionalität freilich, gemacht primär, um Ordensnamen zu dechiffrieren. Andere Listen, und das ist das Spannende an der Visualisierung, weisen dagegen gar keine Schnittmengen auf, weil sie in anderen Provinzen ohne Informationsabgleich entstanden.

Was uns im Moment fehlt, ist eine Auswertung aller zeitgenössischen Listen, insbesondere derjenigen die 1908 im zehnten Band der Schwedenkiste zusammengezogen wurden. Vielleicht beschleunigt dieser Blogpost die Arbeit an diesen Listen – wir verfügen über die Digitalisate auch des Moskauer Bandes. Meines Erachtens sind dabei gerade die Listen faszinierend, die zum Projekt einer autoritativen Gesamtliste das Wenigste beitragen. Dies (Schwedenkiste Band 10, Dokument 212) ist eine solche Liste – lokalisierbar auf Gotha, identifizierbar die Handschrift des Kammerherrn Joachim Friedrich Ernst von der Lühe, datierbar auf den Januar 1783:

Bode hatte im Spätsommer 1782 vom Wilhelmsbader Konvent zurückreisend in Gotha haltgemacht, um Ernst II. Bericht zu erstatten – auch vom Geheimsystem, mit dem Knigge ihn in Hanau bekannt gemacht hatte. Am 29. Januar 1783 trat der Herzog diesem Orden bei; von der Lühe und der Hofgärtner Wehmeyer folgten anderntags, am 31. zog der Meister der Gothaer Loge von Helmolt nach. Diese Namen sind unter G. wie Gotha notiert. N.W. steht für Neuwied. Beide Ortsnennungen zeugen davon, dass von der Lühe noch nicht über den geographischen Namensschlüssel verfügte, in dem Claudiopolis und Syracus die angemessenen Bezugspunkte gewesen wären. Die Verbindung beider Orte lässt aufmerken: Der letzte für Neuwied genannte Name ist der Stolberg-Roßlas, ab 1784 deutscher National des Ordens. Ernst II. wird diese Position ab 1785 einnehmen. Bode (aus Weimar) und Knigge (aus Nentershausen) werden stillschweigend unter G. notiert, da sie in der neuen Filiale die unmittelbaren Ansprechpartner sind. Als Quelle für die autoritative Mitgliederliste ist das Papier wertlos – bei den Neuwieder Namen scheitert von der Lühe in der korrekten Zuordnung. Als Momentaufnahme aus der Orientierung suchenden kommenden Filiale ist das Dokument dagegen unmittelbar aufschlussreich.

Eine weitere Liste von der Lühes (SK10-213) schließt an: Sie enthält eine Sammlung von Namen der vorwiegend griechischen Antike, Ordensnamen auf Vorrat, samt einer Idee dazu, welchen Funktionsgruppen welche Namen zugewiesen werden könnten. Tatsächlich erhielten schon die ersten Gothaer Mitglieder ganz andere Ordensnamen – solche aus der gesamten Geistesgeschichte. Dass sich zu ihnen interessante erste Aufsätze der Mitglieder in Auseinandersetzungen mit ihren Namenspatronen verfassen ließen, dürfte für die breitere historische Aufstellung gesprochen haben.

Die uns vorliegenden Listen weisen, darum ging es mir mit den Seiteblicken, unterschiedlichste Gestaltungen auf. Manche von ihnen scheinen Planungen Rechnung zu tragen: Wie könnte man den Orden neu strukturieren? Andere dieser Listen, wie die dem Lyoner Exemplar des Nachtrags zu den Originalschriften 1787 beigebundene, scheinen für die persönliche Orientierung verfasst gewesen zu sein – wer ist wer in den Korrespondenzen? Wieder andere sind, wie die Listen Knorrs, stolze Überblicke über eine Provinz und ihre hohe Mitgliedschaft. Gemeinsam zeugen sie von der akuten Problemstelle, an der die Geheimorganisation ihr ganzes Jahrzehnt hindurch krankte: Nichts war in ihr als offenes Wissen greifbar. Der Orden erzeugte im ganzen Berichts- und Betreuungswesen, ohne das weder Mitglieder noch Führung sich seiner Existenz lange gewiss sein konnten, eine kaum zu beherrschende Bürokratie. Spätestens wer in die höheren Ränge und damit in das Berichtswesen eintrat, brauchte Listen unterschiedlichster Funktionalität, von Orts- und Geographielisten über Listen der Ordensnamen bis hin zu den Kalenderschlüsseln für die Datumschiffrierung – und diese bilden im Gegenzug den Orden in seinen Funktionalitäten ab.

Die verschiedenartigen überlieferten Listen – wir sollten sie in ihren spezifischen Eigenarten auszuwerten. Unhandlich bleibt für den Moment, dass unsere tentative Gesamtliste nun auf 1311 Mitglieder angewachsen ist. 32 neue Namen sind darunter, über die wir erst einmal nicht viel wissen. Für sachdienliche Hinweise sind wir besonders bei dieser Auswahlliste dankbar:

https://t1p.de/4bvq9


PS. Mein besonderer Dank an Reinhard Markner für einige Korrekturen im Email-Austausch, die ich ohne Zögern einarbeitete.

Einblicke in das interne Berichtswesen des Illuminaten-Ordens. Aus der Hand Hermann Schüttlers: 71 Dokumente der Jahre 1781 bis 1785

Die folgende Materialpräsentation ist das Ergebnis eines zweimonatigen Praktikums im Forschungszentrum Gotha. Mein Projekt war es, der Forschung Vorarbeiten zu einem unvollendet gebliebenen Buchprojekt Hermann Schüttlers datenbankgestützt auf den FactGrid-Seiten zugänglich zu machen. Es handelte sich hierbei um Transkriptionen von 71 Dokumenten aus dem inneren Machtzirkel des Illuminatenordens der Jahre 1781 bis 1785. Im Gegensatz zu den von Hermann Schüttler und Reinhard Markner zuvor bereits vorgelegten Bänden der Illuminatenkorrespondenz steht hier das interne Berichtswesen des Ordens im Zentrum. Das Corpus birgt:

  • 12 für den Orden verfasste (Auto-)biographien,
  • 26 Inspektionsberichte,
  • 29 Sitzungsprotokolle der bisher wenig bekannten “zweiten” Minervalkirche Frankfurts; zu ihnen kommen drei Protokolle der Gothaer Minervalkirche und eines aus Weimar.

Es galt dabei erstens, die unterschiedlich umfangreich verfußnoteten Transkripte im Gesamtumfang von bislang 237 Seiten von ihren Word-Dateien in Wiki-Seiten des FactGrid zu überführen, sie dabei mit kurzen Einleitungen zu versehen und die Fußnotung an die Datenbank anzukoppeln oder in einem Großteil der Dokumente erst durch eigene Recherche zu erstellen – bei den Inspektionsberichten kamen im Extremfall über 200 Fußnoten im Einzeldokument in den Blick. Zu allen Dokumenten waren im zweiten Schritt Datenbankobjekte anzulegen, die die Transkripte grundlegend erschließen und Datenbankrecherchen zugänglich machen. Zentral war hier die Erfassung von Autor, Entstehungsort und -datum; erwähnten Personen, Orten und Themen. Zu den Protokollen von Sitzungen wurden zudem Ereignis-Datenbankobjekte angelegt, an die sich nun eigene Fragen, etwa zu Nachweisen persönlicher Begegnungen von Sitzungsteilnehmenden, stellen lassen.

Nachfolgend:

  1. Einige erste inhaltliche Ausführungen zu den hiermit zugänglich gemachten Dokumenten
  2. Einige Bemerkungen zur technischen Realisation und zu Problemstellen der Datenbanksoftware, die hier zur Nutzung kommt
  3. Alle Dokumente, Transkripte und Ereignis-Datensätze dieses Projektes chronologisch sortiert

Wissensakkumulation in der Phase des rasant wachsenden Geheimordens

In die erste Phase des Illuminatenordens – die Phase des primär bayerischen Ordens unter der unmittelbaren Führung Adam Weishaupts – gaben 1787 die Aktenveröffentlichungen des Bayerischen Staates Einblick, die den Orden noch im Sommer 1787 im Raum der deutschen und österreichischen Territorien kollabieren ließen. Über die Spätphase des Ordens, in der unter Johann Joachim Christoph Bode Thüringen zum neuen Zentrum wurde, sind wir auf der anderen Seite aus den Dokumenten der Schwedenkiste informiert.

Die Dokumente, die Hermann Schüttler vorliegend transkribierte, stammen vor allem aus dem Nachlass Adam Weishaupts und dem Sonderarchiv Moskau. Einige Dokumente der Schwedenkiste kamen hinzu. Zusammen geben sie einen Einblick in die turbulente Zwischenphase, in der Adolph Freiherr von Knigge für das große Wachstum des Ordens sorgte. Berichterstatter sind dabei unter anderem Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth und am häufigsten Knigge selbst. Gemeinsam präsentieren sie ein multiperspektivisches Bild der mit dem Wachstum kommenden Anforderung, Überblick zu wahren. Noch in diesen Versuchen wird klarer, dass es keine gemeinsame Ordenspolitik mehr gibt und kaum noch eine Chance, intern abzustimmen, wer in diesen Orden aufgenommen wird und Karriere macht. Zerreißproben tun sich mit Einzelfällen auf, über die es zum Streit kommen würde, wenn alle Informationen im Orden öffentlich würden; der Konflikt des Ordens mit Knigge erweist sich dabei als mehr denn ein Konflikt zwischen diesem und Weishaupt, dem Ordensinitiator.

Exemplarische Selbstauskünfte

Alle neuen Mitglieder mussten eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen: das Revers. Sie beantworteten Fragen zu ihren Erwartungen an die unbekannte Organisation, die sich ihnen damit inmitten der Freimaurerei auftat und waren aufgefordert, autobiographische Selbstauskünfte einzureichen. Zwölf dieser Selbstauskünfte umfasst die Textauswahl. Es handelt sich hierbei überwiegend um kurze Lebensläufe und um einem Frageraster folgende Reflexionen über verschiedene Aspekte der eigenen Person vom physischen Zustand bis zum politischen und moralischen Charakter. Hinzu kamen standardisierte Fragen, beispielsweise für die Aufnahme ins Schottische Noviziat, die in Stichworten beantwortet wurden. Häufig wählten die Verfasser jedoch eine freiere Form und schilderten in Fließtexten mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten ihre wichtigsten Lebensstationen und zwischenmenschlichen Beziehungen.

In einem offenkundigen Zusammenhang zu den übrigen Dokumenten dieser Materialsammlung stehen die (auto-)biographischen Einlassungen Q175807 und Q175808 zu Christian Gottlob Neefe. Neefe war im hier dokumentierten Zeitraum als Gast der “zweiten” Minervalkirche Edessas/Frankfurts aktiv. Bei den Teilnehmenden aus den drei Sitzungsprotokollen in Gotha gibt es weitere Überschneidungen mit fünf der autobiographischen Texte. Zwei Autobiographien stammen von Mitgliedern aus Neuwied, die dortige Minervalkirche taucht häufig als einflussreiches Zentrum in den Inspektionsberichten auf. Bodes autobiographische Selbstauskunft rundet die Auswahl ab – der zukünftig zentrale Akteur des Ordens ist hier mit im Geflecht der Selbstaussagen vertreten.

Besonders gewinnbringend war die Bearbeitung der autobiographischen Texte im Hinblick auf die Details, die sich aus ihnen für die bestehenden Datensätze ziehen ließen. So konnten bei jeder der Personen Aussagen zu Aufenthalten, Berufen und ähnlichem ergänzt werden. Noch spannender waren ihre Informationen für die Verdichtung von Netzwerken. Durch die Erwähnung von Verwandten, Freunden, Arbeitgebern und anderen Personen, die die eigene Entwicklung prägend tangierten, konnten viele neue Personen angelegt und in Relation zu bereits bestehenden Items gesetzt werden.

Inspektionsberichte: Wie der Orden versuchte, Überblick in der Informationsflut zu gewinnen

Extensive Quellen sind im Set die fünf Inspektionsberichte Stolberg-Roßlas. In ihnen fließen Informationen aus den Minervalkirchen geordnet nach den Provinzen, ihren Präfekturen und deren Minervalkirchen zusammen in einer Berichterstattung, die bis zu den einzelnen Mitgliedern an den verschiedenen Orten hinab reicht.

Dabei steht als größtes strategisches Problem im Raum, dass im Moment mehr Orte auf der illuminatischen Landkarte der geheimen Ordensgeographie als an diesen Orten bereits arbeitende Minervalkirchen zu finden sind.

Alle 92 Orte, die einen Illuminatenordensnamen erhielten [FactGrid Datenbankabfrage]

Der Aufbau der Minervalkirchen verlief über Mitglieder einzelner Logen, die unmittelbar zu hochrangigen Illuminaten “ihrer” Orte wurden. Von ihnen wurde erwartet, dass sie aus ihren Logen die Mitglieder für die lokalen Minervalkirchen gewinnen. Unter den Mitgliedern machten Studenten eine große Gruppe aus. Zu den flächendeckenden Rekrutierungen kamen die individuellen Vorschläge, die alle Ordensmitglieder machen konnten und über die auf höherer Ordensebene konsistent entschieden werden sollte. Aus den Dokumenten sprechen Konflikte zwischen Beteiligten, die von der Aufnahme anderer erfuhren, mit denen sie keineswegs im selben Orden sein wollten. Gleichzeitig wird sichtbar, dass die Verantwortlichen hier längst in einem Spannungsfeld persönlicher Befindlichkeiten und Verbindlichkeiten agierten, in dem sie im Ernstfall nur noch darauf hoffen konnten, dass Konflikte im Raum des Geheimordens nicht vor der inneren Öffentlichkeit sichtbar werden. Knigge berichtet am 26. September 1782 in diesem Gewirr von Aufnahmen, für die er grünes Licht gab, obwohl er ihr Konfliktpotential absehen konnte:

Mein Plan war, den Epictet nach und nach zu stimmen, und jedem in der Provinz eine Laufbahn zu eröffnen, welche sich nicht kreutzen könnte. Den Hrn. W[und] zu gewinnen, war um so nöthiger, da die neue Freymäurerey die Direction der VIII. Provinz nach Heidelberg verlegt, und ihm die Direction gegeben hat. Ich verlangte als erste Probe der Treue, daß er unsre Leute in der Pfalz mit zu der Sache ziehen sollte … [Tanskript]

Deutlich zeigt sich an dieser Stelle ein nicht mehr zu lösender Widerspruch zwischen der Zentralisierung des Informationsflusses und der Freiheit, mit der die mittlere Führungsebene agieren musste und auch agierte.

Das Berichtswesen, das mit den Dokumenten sichtbar wird, erweist sich als ausgefeilt und modern:

Aus den Minervalkirchen trafen zu allen Personen monatliche Zeugnisse ein. Im Orden wurde, um hier den Überblick zu behalten, ein standardisierter Strichcode eingeführt, mit Hilfe dessen man auf einen Blick zu erfassen hoffte, wo sich besonders interessante Personen sammelten. Aus den Inspektionsberichten schimmert jedoch durch, dass man hier eher erfasste, wo Verantwortliche auf der mittleren Ebene ihre eigene Arbeit in ein besonders gutes Licht zu stellen suchten.

Die Transkripte der Inspektionsberichte geben diese Strichcodes für Hunderte von Personen wieder. Greifbar wird im selben Moment der erhebliche Arbeitsaufwand, den dieses Berichtswesen auch in dieser Kondensierung noch bereitete. Die höhere Hierarchieebene musste Protokolle zusammenführen und Korrespondenzen in alle entstehenden und agierenden Filialen unterhalten. Knigge konnte man hier die Überlastung im Wachstum des Ordens anmerken:

Noch einmal wiederhole ich, was ich nicht genug wiederholen kann: wenn wir|
a.) Das ganze System ausgearbeitet haben,
b.) Wenn jede Provinz ihren Provinzial hat,
c.) Wenn über 3 Provinzen ein Inspector gesetzt ist,
d.) Wenn wir in Rom unsere National-Direction haben:
e.) Wenn mit diesen allen die Areopagiten nichts zu thun haben, sondern im Verborgenen das Ruder führen, folglich nicht entdeckt werden können, nicht so sehr mit verdrüßlichen Details überhäuft sind, sondern das System überschauen, verfeinern, in andere Lander ausbreiten, zur rechten Zeit der dirigirenden Classe beystehen können: – Dann, und nicht eher richten wir etwas aus. Wir bedärfen also dann keiner so lärmenden Anstalten, müßen jeden Provincial in seine Gränzen zurückweisen. – Fahren wir aber fort so in die Kreuz und Quere zu operiren, so sind wir in 3 Jahren gesprengt. Nun zu meinen Berichte… [Transkript]

Die Protokolle der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche und der Konflikt mit Knigge

Die vorgelegten Protokolle aus Frankfurt ermöglichen es, den Konstituierungsprozess einer Minervalkirche exemplarisch nachzuvollziehen und geben einen vertiefteren Einblick in die Geschichte der zwei Minervalkirchen Frankfurts, zwei nacheinander aktiven, verschiedenen Gruppen mit größtenteils denselben Mitgliedern. Die Protokolle der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche zeichnen sich dabei in der Anfangsphase durch die Regelmäßigkeit und Ausführlichkeit sowie formelle Konsistenz aus. Wie später in Gotha traf man sich monatlich in der Minervalkirche und, die höheren Mitglieder, im exklusiven Magistrat. Die Treffen lassen sich mit der Datenbank auf einen Zeitstrahl projizieren und dabei bis auf die Wochentage heranzoomen. Die Frankfurter Teilnehmendenlisten zeugen von Kontinuität und erlauben Rückschlüsse auf die Mitgliederstruktur in diesem Zeitraum. Eingehend erfasst sind in den ersten Monaten jeweils Programmpunkte wie die Planung von gemeinsamen Lesungen und inhaltlichen Diskussionen über Grundsätze der Leitlinien des Ordens, die förmliche Initiation der neuen Magistraten auf einer eigens dafür organisierten, ordentlichen Versammlung und die pünktliche Abgabe schriftlicher Ausfertigungen sowie der Austausch der Quibus Licet und Reprochen, die sich sehr ausführlich dokumentiert in den Transkripten zur weiteren Vertiefung nachlesen lassen.

In den Protokollen werden nicht minder interne Konflikte greifbar, wie sie die Aktivität des Ordens immer wieder nachhaltig prägten. Interessant ist dabei der sich noch vor dem Zerwürfnis zwischen Weishaupt und Knigge aufzeigende Konflikt vor Ort: Am 15. Juni 1783 sollte Johann Ludwig Hetzler nach einer Anweisung der Oberen ein Treffen der vormals aktiven Mitglieder der Minervalkirche Edessa initiieren, um diese nach einem großen internen Streit, der schließlich zur Inaktivität der Gruppe führte, wiederzubeleben. Knigges Wirken stand, so lässt sich in Umrissen ersehen, im Zentrum dieses Konflikts. Nach den Aussagen der anwesenden Mitglieder hatte er versucht, heimlich alle Ordensgeschäfte vor Ort unter seine Kontrolle zu bringen und darüber hinaus eine gänzlich neue Minervalkirche unter Ausschluss der bisher Aktiven zu errichten. Die Konstituierung der neuen Minervalkirche wurde daher auch nur unter der Versicherung der Oberen vollzogen, dass Knigge nichts mehr mit der Präfektur zu tun haben werde (Vgl. J.P.C. Müllers Bericht vom 15.6.1783).

Ihr Gegengewicht finden diese Dokumente in der vorliegenden Textauswahl mit den vier von Frankfurt aus verfassten Inspektionsberichten Knigges aus den Jahren 1781 und 1782. Im Juli 1781 berichtet er bereits, dass die meisten Mitglieder der örtlichen Minervalkirche, die beinahe ausnahmslos deckungsgleich mit den Aktiven und der Führungsebene 1783 sind, unbrauchbar für den Orden seien. Einzig lobend hebt er Simon Friedrich Küstner und Johann Friedrich Piehl hervor (Vgl. Knigge, Inspektionsbericht vom 11.7.1781). Während Ersterer später in der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche im Amt des Sekretärs aktiv im Magistrat der Gruppe mitwirkt, erklärte Letzterer noch zu Beginn der neu konstituierten Kirche, dass er, ehemaliger Censor und Teil der bisherigen lokalen Führungsriege, künftig nichts mehr mit dem Orden zu tun haben wolle (Vgl. J.P.C. Müllers Bericht vom 23.6.1783).

Im September 1781 schien sich die Lage noch deutlicher zugespitzt zu haben, denn nun verkündete Knigge, dass er wegen einer generellen Nachlässigkeit aller Mitglieder der Minervalkirche diese verlassen habe und keine Quibus Licet mehr von ihnen annehmen werde, bis eine deutliche Besserung eingetreten wäre. Darüber hinaus hoffe er mit der Hilfe Leonhardis und Küstners, bald eine neue Gruppe ohne die anderen bisherigen Mitglieder aufbauen zu können (Vgl. Knigges Inspektionsbericht vom 10.9.1781). Beide sollten zwei Jahre später höhere Ämter in der “zweiten” Minervalkirche innehaben.

In den Berichten Knigges vom Oktober 1781 und August 1782 findet sich kein Wort mehr zu der Minervalkirche in Frankfurt, obwohl er in beiden Fällen noch vor Ort lebte und im Orden für die Provinz zuständig war. Ab Februar 1783 kamen seine Inspektionsberichte aus Heidelberg. An diesen Weggang knüpfen jedoch drei Inspektionsberichte Stolberg-Roßlas ab März 1783 an. Dieser erwähnt explizit in dem ersten Inspektionsbericht vom 5. März 1783 über den vorherigen Monat, dass sich Knigge künftig nicht mehr mit Edessa abgebe (Vgl. Stolberg-Roßlas Inspektionsbericht vom 5.3.1783.

Stolberg-Roßlas Berichte geben weiteren Aufschluss über die Entwicklung vor Ort. Auch er kritisiert die lokale Niederlassung und die aktiven Mitglieder stark und spricht ihnen direkt oder indirekt durch die Einschätzungen Dritter den Wert für den Orden ab. Besonders deutlich wird dies durch Zeilen wie:

Alles lesen wollen, über alles lachen, alles tadeln und doch nichts thun, ist, nach Valerius [i.e. Ditfurth], der Geist der Edesser. [Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 27.3.1783]

oder

Das alte Elend! Alles ist confus. […] Alle Bbr. sind gegen einander, fast alle kalt, aufgebracht. Mittelmäßige Leute stehen oben, und andre, die ich aus Briefen als kluge und wohldenkende Männer habe kennen lernen, stehen unten und werden versäumt. Kurz der Geist der Verwirrung herrscht da im höchsten Grade. [Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 5.3.1783]

Konkreter werden die Konfliktlinien und die Probleme vor Ort indes nicht benannt, es findet sich nur eine Andeutung Hetzlers, dass in der Gruppe zu viele Reformierte seien, die herrschen wollten und ein vager Verweis auf Schwierigkeiten mit München. Im selben Bericht schreibt Stolberg-Roßla, dass alles so schön angelegt sei, den Orden auf ewig aus dieser Stadt zu verbannen und ergänzt im folgenden Bericht, Ditfurth und er kämen darüber hinaus zu dem Schluss, dass keinem Edesser, insbesondere nicht Hetzler, der Priester- und Regenten-Grad gegeben werden solle. Dem steht entgegen, dass Knigge nach Stolberg-Roßlas Kenntnisstand schon längst für diese um Erlaubnis gebeten hatte (Vgl. Stolberg-Roßlas Inspektionsbericht vom 27.03.1783). Im April 1783 berichtet Stolberg-Roßla weiter, dass Johann Leopold Bleibtreu, wie schon im März angekündigt, nun vor Ort sei und sein Möglichstes versuche, Ordnung zu schaffen (Vgl. Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 18.4.1783).

Berichte zum Konvent von Wilhelmsbad

Eine Gelenkfunktion gewinnen im hier vorgelegten Materialcorpus die Berichte rund um den Konvent von Wilhelmsbad bei Hanau im Sommer 1782. Für die kontinentaleuropäische Hochgradfreimaurerei wurde der mehrwöchige Kongress zur inneren Zerreißprobe, die die Strikte Observanz – gestützt auf nicht länger haltbaren Behauptungen von Wurzeln im Templerorden der Kreuzzugszeit, war sie das große Hochgradsystem der letzten beiden Jahrzehnte gewesen – nicht überleben sollte. Um das Geschichtsangebot, welches die Ursache des Streits war, ging es dabei nur zum Teil. Die Darlegungen drehen sich um Betrüger in der Freimaurerei, um Schwärmerei und damit um bislang in den Konfessionen ausgetragene Konflikte. All dies überlagert von persönlichen Befindlichkeiten zwischen hochrangigen Teilnehmern, die sich gegenseitig nicht angemessen respektiert sahen und mitten im Zusammenbruch der Strikten Observanz um den Zuschnitt zukünftiger Provinzen rangen.

Im ausgewählten Materialkomplex stehen hier Knigges Beobachtungen unmittelbar neben denen Franz Dietrich Freiherr von Ditfurths. Beide waren hochrangige Illuminaten, die mit ihren Berichten direkt an Weishaupt rapportierten – und die, wie aus den Dokumenten sichtbar wird, einander mit deutlicher Skepsis beobachteten. Knigge sollte am Rand des Konvents bahnbrechend J.J.C. Bode für den Orden gewinnen, der im Auftrag Ernst II. von Gotha am Konvent teilnahm, und Bode sollte wiederum im Verlauf Ferdinand von Braunschweig und Carl von Hessen-Kassel, die führenden Repräsentanten der Strikten Observanz auf dem Konvent, in den Illuminatenorden bringen und damit den Orden in eine innere Zerreißprobe führen.

In Ditfurths Bericht tauchen all diese Beteiligten auf – nun kritisch von Ditfurth beobachtet, dessen Wirken Knigge kritisch kommentiert. Ditfurths Bericht wird sich so schnell nicht zusammenfassen lassen. Auf 34 Seiten Manuskript wurde hier, ohne sichtbare Gliederung, eine Aneinanderreihung von Augenblickswahrnehmungen und Gesprächsfetzen, die den Autor aufrüttelten, sowie Charakterisierungen der Teilnehmer Weishaupt vorgelegt. Bode erscheint in diesem Gewirr als pragmatischer Politiker, der den ganzen Kongress rettet, als er allen nahelegt, hier erst einmal frei zu sprechen und später für sich zu entscheiden, welchem maurerischen System sie in Zukunft anhängen wollen. Mit Ferdinand von Braunschweig und Carl von Hessen-Kassel gerät Ditfurth in den unter höflichen Repliken verborgenen offenen Konflikt. Knigge als über Dritte informierter Beobachter nimmt Ditfurth inmitten dieser Konflikte als jemanden wahr, der sich öffentlich unmöglich macht.

Für den Illuminatenorden wurde der Konvent ein heimlicher Wendepunkt. In Knigges Bericht für den Januar 1783 wird das spektakulär deutlich. Während Ditfurth sich, so Knigges (mit Vorsicht zu lesende) Darstellung, mit seinem konfrontativen Auftreten erst einmal unmöglich machte, soll doch seltsam verbreitet bekannt gewesen sein, dass es den Orden gab, so bekannt, dass er, Knigge, am Rande von allen möglichen Seiten aus kontaktiert und mit Aufnahmeanträgen überhäuft worden sei:

Mit den Cheffs des Zinnendorfischen Systems nahm ich Gelegenheit, einen Briefwechsel anzufangen, den ich auch noch jetzt fortsetze. Die Emissarien anderer Gesellschaften forschte ich theils durch andere Wege aus, theils hatten sie selbst das Zutrauen zu mir, sich mir zu entdecken, weil sie von mir wußten, daß ich mich nicht aus Eigennutz, sondern aus Eifer für die gute Sache dabey interessiere. Die Deputierten im Wilhelmsbad aber kamen fast alle zu mir, und da sie | (ich weiß nicht woher) Nachricht von der Existenz unsrer Verbindung hatten; so bathen sie mich alle, auch der [Prinz Carl] von H[essen], um die Aufnahme. Nun hielte ich es am beßten gethan, daß ich die Mehrsten einen Revers unterschreiben ließ, ihnen also Stillschweigen auferlegte, aber keinem einzigen von ihnen, während der Convent-Zeit das geringste schriftlich mittheilte. Dieß that ich, und redete nur im allgemeinen mit ihnen. [Transkript]

Wollte Weishaupt seine Organisation eher aus reinem machtpolitischen Kalkül mit der Aura großer Geheimnisse ausgestattet haben, um das gegnerische Lager zu infiltrieren, so wird aus diesem Kalkül unter der Hand ein kaum kontrollierbares Anliegen – der Orden verändert sich mit der rasanten Aufnahmepraxis und droht unregierbar zu werden, nun nachdem er Regenten aufnimmt und ein ganzes, soeben scheiterndes, von “Schwärmerei” durchdrungenes System als Führungsebene importiert.

Die Sitzungsprotokolle aus Gotha und Weimar

Die Sitzungsprotokolle aus Gotha und Weimar tun Schritt in die letzte Phase des Ordens. Knigge hatte Bode für den Orden am Rand des Konvents von Wilhelmsbad gewonnen. Im Herbst 1782 hatte dieser Ernst II. dazu bewegt, sich auf das Experiment Illuminatenorden einzulassen. Gothas Minervalversammlung sollte der Testfall und Zentrum der Ordensarbeit in der neuen Provinz Ionien werden, die Bode binnen zweier Jahre aufbaute, und die nach seinen Planungen von Weimar regiert bis nach Berlin im Norden und Dresden im Osten reichen sollte. Während das Experiment in Gotha und im Verlauf in Erfurt, Rudolstadt und Jena glückte, sollte es in Weimar scheitern, trotz oder vielleicht gerade wegen der berühmten Teilnehmer, die hier mit Goethe und Herder die hohen Ränge der Weimarer Minervalkirche hätten bekleiden sollen. Diese Entwicklungen zeichnen sich in den ausgewählten Protokollen noch nicht ab. Sie geben Einblick in die konkreten ersten Schritte mit denen in Gotha und Weimar Minervalkirchen geplant wurden. Man agierte jeweils aus dem Magistrat von oben herab. Die Gothaer Magistratsberichte werfen dabei ein Licht auf die Infiltration, die der Orden meisterte. Es geht hier en passant um Konflikte zwischen der Gothaer und der Loge Altenburger Freimaurer-Loge. Die Freimaurerei gewinnt eine geheime Dachebene über die der Orden Einblicke erhielt. Das Protokoll vom Dezember 1784 gibt einen Einblick in die Themen der auf den Minervalsitzungen gehaltenen Vorträge und eine kurze Schilderung der Neuaufnahmen. Das Protokoll aus Weimar berichtet von der Sitzung am 17. März 1785, auf der die Verfolgungen Weishaupts, die Gründung einer Filiale in Jena, die studentische Freimaurer aufnehmen solle, und die Konstituierung der eigenen Minervalkirche in Weimar Thema waren. Die hier gegebene Auswahl ist dabei mittlerweile eingeholt von der Erschließung, mit der Markus Meumann, Olaf Simons und Christian Wirkner sämtliche Sitzungsprotokolle des 15. Band der Schwedenkiste auswerteten, um hier die behandelten Aufsätze genauer zu lokalisieren.

Einige Bemerkungen zur technischen Realisation und zu Problemstellen der Datenbanksoftware, die hier zur Nutzung kommt

Die Aktenlage des Illuminatenordens war für mich zu Beginn des Praktikums so neu wie die hier zum Einsatz kommende Technik. Desiderate der Plattform, die nun Zugriff auf die eingebrachten Transkripte und die mit ihnen korrespondierenden Datenbankobjekte erlaubt, sind bereits im Blog, in dem dieser Beitrag erscheint, notiert:

Desiderat 1: Eine Präsentationssoftware, die Transkripte und Objektdaten sichtbar macht

Wikibase verbindet ein konventionelles Media-Wiki, wie es die Wikipedien zum Einsatz bringen, mit einer Wikibase Datenbank. Das FactGrid nutzt beide Bereiche integrativ, das heißt, ich legte für die Transkripte MediaWiki Seiten mit dem aus den Wikipedien bekannten Text Markup an und koppelte diese an Datenbankobjekte, im Konkreten zu den Dokumenten und den nachweisbaren Ereignissen.

Die Koppelung erlaubt es zwar, in der Volltextsuche auf beides, also die Datenbankobjekte zu den Dokumenten und Transkriptseiten, zuzugreifen, aber beide sind lediglich mit wechselseitigen Links aneinander gebunden. Befindet man sich auf einer Textseite, muss man über den Metadaten-Link im Seitenbeginn in den Datensatz hinüberschalten, erst dort stehen die Angaben zu Datum, Autor, Quelle und allen weiteren Informationen.

Was der Software an dieser Stelle fehlt ist eine Präsentationssoftware, die die Informationen aus den Datenbankobjekten geordnet lesbar macht und die dabei in der Lage ist, die Transkripte sichtbar zu machen und auf Wunsch des Lesers zur Gänze einzuspielen.

Desiderat 2: Eine Vorbefüllung der Datenbank, die großflächig Personen zur Verfügung stellt, auf die nun nur noch verlinkt werden muss

Das wohl zeitintensivste Arbeitshemmnis des FactGrid im gegenwärtigen Zustand ist die immer noch zu geringe Anzahl der bereits vorhandenen Datenbankobjekte. Die Dichte bereits vorhandener Personen ist zwar im Projektfeld Illuminatenorden ausgesprochen hoch, doch fehlen im selben Moment kontinuierlich Personen, die hier nur am Rand auftauchen, eigentlich jedoch Schlüsselfiguren der deutschen Geschichte des 18. Jahrhunderts sind. Die Recherche dieser Personen in der GND und Wikidata war in der Regel kein Problem, die Personen mit den hier auffindbaren Daten im FactGrid als aussagekräftige Objekte anzulegen blieb jedoch mühselig und fehleranfällig. Das Problem scheint seit den ersten Editiervorgängen allen in der Datenbank vertraut – das Projekt, die gesamte GND zu importieren, trägt ihm Rechnung, doch bleibt die nützliche breite Datenlage im Moment ein Desiderat.

Desiderat 3: Eine Benutzeroberfläche, die zu guten Datenstrukturen Rat gibt

Wikibase ist konsequent Triple-basiert, theoretisch lassen sich ganz beliebige Aussagen zu ganz beliebigen Objekten formulieren. Tatsächlich lassen sich damit identische Sachverhalte jedoch nicht minder auch ganz unterschiedlich ausdrücken – etwa in sehr definierten Tripeln oder in allgemeineren Tripeln, bei denen man mit Qualifikatoren Kontexte näher bestimmt. Verschiedene Formulierungen von parallelen Aussagen finden sich in der Folge. Zu ihrer Vielzahl kam es offenbar vor allem, weil die Quellenlage mal die eine und mal die andere Variante einer Formulierung nahelegte und von hier aus dann als Muster auf weitere Bearbeiter wirkte.

Dadurch, dass es keine einheitlichen Standards bei der Erstellung von Statements gibt, kam es häufiger zu uneindeutigen oder inhaltlich identischen Aussagen oder Redundanzen, deren Erfassung eine gewisse Zeit im Arbeitsprozess beansprucht. Auch gibt es keine klaren Vorgaben, welche Informationen aus Texten in welcher Form in Triples verwandelt und an anderer Stelle rezipiert werden sollen. Diese freie Gestaltungsmöglichkeit kann gleichzeitig als Vor- und Nachteil betrachtet werden, da die Software der eigenen Arbeit und Weiterentwicklung schon bestehender Arbeit in ihrer sehr offenen Komplexität kaum Grenzen setzt, jedoch im Vergleich zu sehr standardisierter Arbeit deutlich voraussetzungsreicher ist und laufende Seitenblicke auf bestehende Objekte einfordert, um einen passenden Umgang zu finden. Man lernt hier eher eine Sprache möglicher Aussagen, die jederzeit erweitert und präzisiert werden kann, als dass Eingabeschablonen abgearbeitet werden. Das Desiderat könnte an dieser Stelle ein Sowohl-als-auch sein, eine Plattform, die für erste Objekterschließungen Eingabeschablonen gibt, die grundlegend konsistente Datenobjekte in den Basisdaten herstellen, während man bei weiterer Erforschung jederzeit dazu übergehen könnte, Aussagen nach eigenem Interesse und Nutzen bei der Materialdurchdringung frei zu formulieren.

Alle Dokumente, Transkripte und Ereignis-Datensätze dieses Projektes chronologisch sortiert

Datum Dokument Transkript Ereignis
1 1781-02-01 Johann Georg Wendelstadt, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1781-02. Transkript
2 1781-02-20 Amand Philipp Ernst von Ebersberg, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Mainz, 1781-02-20 Transkript
3 1781-07-01 Christian Carl Kröber, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1781-07 Transkript
4 1781-07-11 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-07-11. Transkript
5 1781-09-10 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-09-10. Transkript
6 1781-10-01 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-10-01. Transkript
7 1781-12-31 Johann Ludwig Carl Graf von Cobenzl, Bericht für die Provinz Franken und Schwaben des Illuminatenordens, Eichstädt, 1781-12-31. Transkript
8 1782-01-01 Johann Leopold Bleibtreu, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782 Transkript
9 1782-02-01 Otto von Gemmingen, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Wien, 1782-02. Transkript
10 1782-02-02 Costanzo Marchese di Costanzo, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, München, 1782-02-02. Transkript
11 1782-07-05 Friedrich Joseph Roth von Schreckenstein, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Immendingen, 1782-07-05. Transkript
12 1782-08-01 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1782-08. Transkript
13 1782-08-01 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-08 Transkript
14 1782-08-07 Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Wetzlar 1782-08-07. Transkript
15 1782-08-10 Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth, Anhang zu Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Wetzlar, 1782-08-10. Transkript
16 1782-09-26 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Heidelberg 1782-09-26. Transkript
17 1782-09-30 Christian Gottlob Neefe, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1782-09-30 Transkript
18 1782-10-01 Johann Joachim Christoph Bode, Autobiographisches für den Illuminatenorden. Transkript
19 1782-11-24 Georg Ernst von Rüling, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Hannover, 1782-11-24. Transkript
20 1782-12-11 Johann Benjamin Koppe, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Göttingen, 1782-12-11. Transkript
21 1782-12-31 Christian Carl Kröber, Provinzialbericht Thessalien (Westfalen) für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-12-31. Transkript
22 1782-12-31 Johann Georg Wendelstadt, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-12-31. Transkript
23 1783-01-04 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Abenmeh 1152 [November 1782], Neuwied, 1783-01-04. Transkript
24 1783-01-29 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Adarmeh [Dezember 1782] , Neuwied, 1783-01-29. Transkript
25 1783-02-01 Adolph von Knigge, Ordensbefehl, 1783-02. Transkript
26 1783-02-05 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht über die Provinz Ionien für den Monat Dimeh 1152 [Januar 1783], Heidelberg, 1783-02-05 Transkript
27 1783-03-07 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Dimeh 1152 [Januar 1783], Neuwied, 1783-03-07. Transkript
28 1783-03-25 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Benmeh [Februar 1783], Neuwied, 1783-03-25. Transkript
29 1783-04-18 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Asphandar [März 1783], Neuwied, 1783-04-18. Transkript
30 1783-06-15 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-15. Transkript Ereignis
31 1783-06-23 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-23. Transkript Ereignis
32 1783-06-26 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-26. Transkript Ereignis
33 1783-06-27 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-27. Transkript Ereignis
34 1783-07-03 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-03. Transkript Ereignis
35 1783-07-24 Christian Heinrich Wehmeyer, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Gotha, 1783-07-24 Transkript
36 1783-07-27 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-27. Transkript Ereignis
37 1783-07-30 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-30. Transkript Ereignis
38 1783-07-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-30. Transkript Ereignis
39 1783-08-01 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-08-01. Transkript Ereignis
40 1783-08-06 Christian Georg von Helmolt, Curriculum vitae, 1783-08-06 Transkript
41 1783-08-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-08-25. Transkript Ereignis
42 1783-08-28 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-08-28. Transkript Ereignis
43 1783-09-07 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, Magistratsversammlung, 1783-09-07 Transkript Ereignis
44 1783-09-25 August Gottlob Dörrien, Autobiographisches für den Illuminatenorden. Transkript
45 1783-09-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-09-30. Transkript Ereignis
46 1783-10-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-10-25. Transkript Ereignis
47 1783-11-10 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-11-10. Transkript Ereignis
48 1783-11-12 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-11-12. Transkript Ereignis
49 1783-11-17 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-11-17. Transkript Ereignis
50 1783-12-02 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-12-02. Transkript Ereignis
51 1783-12-06 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-12-06. Transkript Ereignis
52 1784-01-06 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-01-06. Transkript Ereignis
53 1784-01-07 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-01-07. Transkript Ereignis
54 1784-01-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-01-30. Transkript Ereignis
55 1784-02-02 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-02-02. Transkript Ereignis
56 1784-02-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-02-23. Transkript Ereignis
57 1784-03-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-03-23. Transkript Ereignis
58 1784-03-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-03-23. Transkript Ereignis
59 1784-04-03 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-04-03. Transkript Ereignis
60 1784-04-30 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, Magistratsversammlung, 1784-04-30 Transkript Ereignis
61 1784-05-07 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-05-07. Transkript Ereignis
62 1784-06-04 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-06-04. Transkript Ereignis
63 1784-06-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-06-25. Transkript Ereignis
64 1784-08-13 Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-08-13. Transkript Ereignis
65 1784-10-01 Friedrich Christian Rudorf, Mein Leben und Charakter, Gotha, 1784-10 Transkript
66 1784-12-21 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, 1784-12-21. Transkript Ereignis
67 1785-03-01 Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1785-03-01. Transkript Ereignis
68 1785-03-17 J.J.C. Bode, Bericht Illuminatenversammlung, Weimar 1785-03-17. Transkript Ereignis
69 1785-11-01 Heinrich August Ottokar Reichard, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Gotha, 1785-11 Transkript
70 1785-12-24 Schack Hermann Ewald, “Schilderung meines Charakters” und “Mein Lebenslauf” Informationen für den Illuminatenorden, Gotha, 1785-12-24 Transkript
71 1799-03-06 Susanna Maria Neefe, Neefes Lebensgeschichte von seiner hinterlassenen Wittwe fortgesetzt, 1799-03-06. Transkript

The Illuminati Files Online: Some remarks on the FactGrid’s first – roughly 16,000 – datasets

German Version

The FactGrid (still lacking a unique design) has, over the last six weeks, just received its first project data – data from Halle’s and Gotha’s Illuminati research of the last 20 years, which I will briefly outline in the following. Some of the datasets are still lacking the complexity we are aiming at, others have gained quite some depth:

We are presently listing some 2,000 people, about 1,350 of whom have been Illuminati members in the 1780s; the rest are mostly people mentioned in the correspondences which we are trying to map. We are hesitating here with the far more complex biographical input which he have in store, since this would be better done in joint ventures with the GND and with Katrin Möller, university of Halle, who has become the leading expert on 18th-century careers and professions. We are negotiating in both directions. Our roughly 2,000 titles of research on the Illuminati come in equally rudimentary sets. Again, we have realized that it would be more interesting to base this work on library catalogue norms from the outset.

But we are quite detailed with the more than 9,000 documents currently associated with the original Illuminati: documents that survived with the publications of Illuminati documents by the Bavarian state of 1786 and 1787 and with the archives of Adam Weishaupt, Johann Joachim Christoph Bode, of Gotha’s first lodge “The Compass”, and of Ernest II of Saxony-Gotha-Altenburg.

Some 3,000 of these documents received detailed and complex metadata on our database; they will shed light on Gotha’s Illuminati research of the last five years. Led by Martin Mulsow, Markus Meumann and I have been mapping and analysing Illuminati Essays collected in the “Schwedenkiste”, the famous “Swedish Box”. Our work had started with volume 13 and had soon moved beyond. Junior scholars had joined us with their research. Christian Wirkner dealt excessively with the minutes of the meetings collected in volume 15 and with exemplary strands of “Quibus Licet”/“Reproch” communication which the Order had designed to guide its members. Gotha’s research comes therefore with an emphasis on volumes 11 to 16 of the “Swedish Box”

The Gotha Illuminati Research Base, a conventional MediaWiki which we had set up in order to organise the team’s research became within a year of its existence the pool of ongoing work for the entire (small) community of Illuminati researchers. It attracted the first massive external data inputs: Hermann Schüttler offered us a list of members which he eventually connected with biographies to all our documents. He moved on with a technological relic: an Access database of the research he and Reinhard Markner had conducted for the two volumes of The Illuminati Correspondence (published in 2005 and 2013 respectively). These data are now the deeper layer under the special qid Item: Q11305.

Schüttler provides the following overview of this special database:

1. What is in it? Letters collected by a) Adam Weishaupt now located Hamburg’s State Archive, as deposit of the “United Five” (lodges) Hamburg, and b) the of the “Schwedenkiste”, – collected here by Johann Joachim Christoph Bode and augmented by Ernst II. of Saxony-Gotha-Altenburg, now located in the Prussian Privy State Archives, Berlin (formerly located in State Archive of the GDR, Merseburg). We have added any materials of the Illuminati context from other sources, where we could spot them.
2. Who has been working on this from when to when? The data was collected during the years of the IZEA project between early 2000 and mid-2005 by Hermann Schüttler and have been partially supplemented by Reinhard Markner.
3. Which archives have been visited? Hamburg’s State Archive, the Prussian Privy State Archives, Berlin, the Bavarian Main State Archives, Munich (Weishaupt letters in the “Kasten Schwarz” collection), the Palatine State Library, Speyer (collection Schwanckhardt).
4. Which publications are linked to this? The titles, which are listed under the qid Item: Q11305.

For the first time, the FactGrid can therefore present the tip of the iceberg of the Illuminati files online. Future projects will be able to add to this now that the grid is laid out – but we could also enter a far more dynamic process offering the digitized documents together with the metadata we have here collected. This will only be conceivable in a project for which the Grand Lodges and the archives involved remain to be won.

The creative part of the work can now begin

Compared to the previous MediaWiki, the FactGrid is structurally in one aspect at a disadvantage: The wiki offers transcripts and summaries of hundreds of documents and sessions of the Order (see here what we did with Document 70, Schwedenkiste volume 13 in our conventional Wiki and see here the respective database record: Item:Q6641). It would be exciting to make the transcripts available in the database itself. We will write out two work contracts, on the one hand to bring database information into the conventional wiki – on the other hand to develop a concept of how we could use the FactGrid as our sole repository for data, extended digests, transcripts and media files.

The database is otherwise far superior to the previous MediaWiki: It creates the grid which future research can use while it is opening the door to the data mining that can now begin. One will now be able to map the entire work of the Order between the late 1770s and 1788 (as far as it is still documented). It will be possible to examine membership careers (as soon as we get on with the personal data in greater detail): Who got into the Order on whose proposal? What kind of networking did members unfold within the Order at what stage of its brief existence?

The project will now need groups to bring their own research into the database. It should at the same moment begin to attract “data scientists” and “data visualizers”. And, of course: We are immensely curious about what information others will make visible where we can only offer our gut feelings and sketchy ideas of personal networks that developed in this web. The FactGrid blog will be a good place to present data analytics, which SPARQL enthusiasts can now do far better than the researchers behind the data resource.

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In alphabetical order: Lorenza Castella, Erik Liebscher, Reinhard Markner, Markus Meumann, Martin Mulsow, Hermann Schüttler, Olaf Simons and Christian Wirkner

Featured image: Item: Q4545 last page and Item: Q4546 first page: The membership code names used by the Minerval churches of Frankfurt (Epidamnus, continuation from the previous page), Lycopolis (Erfurt), Heidelberg (Uttica) and Thesalonica (Mannheim).

Die Illuminatenakten Online: Einige Bemerkungen zu den ersten knapp 16.000 Datensätzen des FactGrid

in English

Das FactGrid (noch immer ohne ein eigenständiges Design) erhielt in den letzten Wochen seine ersten Projektdaten – Daten aus der Illuminatenforschung Halles und Gothas der letzten 20 Jahre, die hier kurz umrissen seien.

Rudimentär sind in diesem Stadium noch die Datensätze zu den gut 2.000 gelisteten Personen. Etwa 1.350 von ihnen waren Illuminaten, die übrigen zumeist Personen, die von ihnen in Briefen erwähnt wurden. Wir schrecken im Moment vor der Eingabe der uns vorliegenden runderen Datensätze zurück, da sie weit interessanter in einer Kooperation mit der GND und unterstützt durch Katrin Möllers Hallenser Projekt zu Erwerbsbiographien geschähe. Verhandlungen in beide Richtungen laufen. Rudimentär sind im selben Moment auch die gut 2,000 Titel Forschungsliteratur zum Illuminatenorden gelistet. Auch hier wurde uns klar, dass es interessant wäre, diese Arbeit von vornherein an bibliothekarische Katalogsysteme anzulehnen.

Im Zentrum bietet das FactGrid indes nun die gut 9.000 Dokumente, die aktuell in Forschungskreisen mit dem Illuminatenorden und ihren Aktenkonstellationen in Verbindung gebracht werden: Dokumente aus den Nachlässen Adam Weishaupts, Johann Joachim Christoph Bodes, der Gothaer Loge „Zum Compaß“, Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, sowie der 1786 und 1787 geschehenen Veröffentlichungen aus Bayern.

Etwa 3.000 dieser Dokumente sind sehr viel eingehender erfasst. Sie geben in ihrer obersten Schicht Einblick in Gothas Illuminatenforschung der letzten fünf Jahre: Unter der Projektleitung Martin Mulsows untersuchten Markus Meumann und ich von Nachwuchsforschern unterstützt „Illuminatenaufsätze“, mit ihrem Schwerpunkt im 13. Band der „Schwedenkiste“. Unsere Arbeit griff schnell in die benachbarten Bände aus. Christian Wirkner erschloss dabei in mehreren Schüben die Sitzungsprotokolle sowie einzelne Stränge der Betreuungskorrespondenz zwischen Mitgliedern und den „Unbekannten Oberen“ – den Austausch von „Quibus Licet“ und „Reprochen“. Der Gothaer Schwerpunkt liegt mithin in den Bänden 11 bis 16 der „Schwedenkiste“.

Das von uns aufgebaute „Illuminatenwiki“, die Gotha Illuminati Research Base, wirkte unerwartet in die Forschung hinein. Mit ihm kamen die Datensammlungen Hermann Schüttlers und Reinhard Markners ins Gehege, die bis in das Jahr 1998 zurückgehen. Hermann Schüttler publizierte 1991 das erste Kompendium zu den Mitgliedern des Ordens (und arbeitete diese bereits in die Gotha Illuminati Research Base ein: Die Mitglieder des Illuminatenordens). Gemeinsam mit Reinhard Markner erschloss er ab 2000 in großem Umfang die Ordenskorrespondenz. Eine Access Datenbank kam aus seiner Hand von hier aus in das Startangebot für das FactGrid – im FactGrid regulär mit der qid Item:Q11305 als Forschungsleistung ausgewiesen:

Hermann Schüttler zu diesem Datenbestand:

1. Was ist drin? Briefe vor allem aus a) dem Teilnachlaß von Adam Weishaupt im Staatsarchiv Hamburg, Depositum der „Vereinigten Fünf“ (Logen) Hamburg, sowie b) der „Schwedenkiste“, d.i. dem Nachlaß von Johann Joachim Christoph Bode, vermehrt um Papiere von Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg im Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, zuvor Staatsarchiv der DDR, Merseburg. Dazu vereinzelt Material mit eindeutig illuminatischem Bezug verschiedenster Provenienz.
2. Wer hat wieviel von wann bis wann daran gearbeitet? Die Daten wurden während der Laufzeit des Projektes im IZEA zwischen Anfang 2000 und Mitte 2005 von Hermann Schüttler erfaßt und danach von Reinhard Markner teilweise ergänzt.
3. Welche Archive wurden besucht? Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München (Briefe Weishaupt im Bestand „Kasten Schwarz“), Pfälzische Landesbibliothek, Speyer (Nachlaß Schwanckhardt).
4. Welche Veröffentlichungen knüpfen sich daran? Die Titel, die sich jeweils unter der qid Item:Q11305 zur gesamten hier erbrachten Forschungsleistung gelistet finden.

Das FactGrid kann damit erstmals den Eisberg so halbwegs bemessen und im Projekt der Illuminatenakten Online in den Metadaten vorlegen. Zukünftige Projekte können von hier aus fortfahren. Mit ganz anderer Dynamik ließe sich das große hier angelegte Raster indes füllen, wenn wir mit der Datenbank die Digitalisate aller Dokumente zugänglich machen könnten. Das aber wird nur in einem Projekt denkbar werden, für das die Großlogen und Archive, in deren Eigentum respektive Besitz sich die meisten der Akten heute befinden, noch zu gewinnen bleiben.

Der kreative Part der Arbeit kann damit beginnen

Gegenüber dem bisherigen Wiki ist das FactGrid an einer Stelle strukturell im Nachteil: Das Wiki macht Transkripte und Zusammenfassungen von Hunderten Dokumenten sowie detaillierte Informationen zu Sitzungen des Ordens zugänglich (hier eine Musterseite zu einem Dokument – dem Dokument 70 im 13. Band der Schwedenkiste – im alten Wiki; hier die Datensammlung zum selben Dokument im FactGrid: Item:Q6641). Spannend wäre es, diese Texte und Informationen in der Datenbank selbst verfügbar zu machen. Wir werden zwei Werkverträge ausschreiben, einerseits um das alte Wiki zu entlasten, in dem wir Metadaten großflächig und laufend aktuell aus der Datenbank einspielen. Ein komplementärer Werkvertrag wird der Frage gelten, wie wir das konventionelle Wiki zur Vermeidung doppelter Arbeit im FactGrid (respektive in einer eigens zu gründenden FactGrid Ressource für Objektrepräsentationen) verlustfrei aufgehen lassen könnten (siehe hier die Vorformulierungen zu diesen beiden Werkverträgen).

An einer anderen Stelle ist die Datenbank dem bisherige MediaWiki bei weitem überlegen: Mit ihr ist die verfügbare Materiallage im großen Raster erfasst, in dem sich weiterforschen lässt – und die Tür geöffnet zum Data-Mining. Man wird nun daran gehen können, die gesamte Aktenproduktion kartographisch wie auf Zeitleisten zu erfassen. Man wird (insbesondere sobald die Personeninformationen zu den Berufen detaillierter eingegeben sind) durchleuchten können, wer mit wessen Fürsprachen welche Karrieren im Orden machte und dabei welche Netze des ordensinternen Austauschs generierte.

Gefragt sind damit zum einen Gruppen, die mit eigener Forschung im Feld weitermachen und zum anderen Data-Miner, Datenvisualisierer – und wir sind natürlich gespannt, welche Informationen sie dort sichtbar machen werden, wo wir bislang vor allem Detailinformationen mit dem gröberen Bauchgefühl der Beziehungen im Orden nachgehen. Der FactGrid Blog wird eine gute Adresse sein, um Daten-Analysen vorzulegen, die SPARQL-Begeisterte nun weit besser durchführen können als die Forscher hinter dieser Datenressource.

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In alphabetischer Reihenfolge: Lorenza Castella, Erik Liebscher, Reinhard Markner, Markus Meumann, Martin Mulsow, Hermann Schüttler, Olaf Simons und Christian Wirkner

Featured Image: Item:Q4545 letzte Seite und Item:Q4546 erste Seite: Die Mitgliederaufschlüsselungen der Minervalkirchen Frankfurt (Epidamnus, Fortsetzung von voriger Seite), Lycopolis (Erfurt), Heidelberg (Uttica) und Thesalonica (Mannheim).