Memorandum of Understanding zwischen der Universität Erfurt und Wikimedia Deutschland

Mit den Unterschriften vom 8.8. und 23.8.2017 kam die folgende Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität Erfurt und Wikimedia Deutschland zustande. Das gemeinsame Memorandum of Understanding umreißt die Projektziele und mag hier zugänglich gemacht sein, um allen Beteiligten, die etwa auf der Basis von Werksverträgen einander begegnen, die institutionelle Rückendeckung zu geben.

Nachfolgend der Text der Vereinbarung:


Memorandum of Understanding

zwischen

Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24
10963 Berlin

vertreten durch Abraham Taherivand
im Folgenden: WMDE

und

Universität Erfurt
Nordhäuser Straße 63
99089 Erfurt

vertreten durch den Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg

ausführende Einrichtung:
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Schloss Friedenstein
99867 Gotha

im Folgenden: FZG

Präambel

WMDE ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Zu seinen satzungsgemäßen Aufgaben zählt es unter anderem, die Verbreitung Freier Inhalte (engl. Open Content) in selbstloser Tätigkeit zu fördern, um die Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen zu fördern. WMDE ist Teil einer globalen Bewegung für Freies Wissen und ein Partner der Wikimedia Foundation (San Francisco, USA). WMDE fördert, unterstützt und beteiligt sich an Projekten, Programmen und Vorhaben, die den gemeinnützigen satzungsgemäßen Zielen des Vereins zugutekommen.

Im Rahmen des Vereinszwecks ist WMDE daran interessiert, Open-Science-Initiativen zu unterstützen und zu verbreiten. WMDE unterstützt u.a. das Wikimedia-Projekt Wikidata, eine offene Wissensdatenbank für strukturierte Daten, die von Menschen und Maschinen gelesen und editiert werden kann. Bislang fungiert Wikidata in erster Linie als zentrale Wissensdatenbank für die Wikimedia-Projekte, wird aber zunehmend von anderen Anwendern aus dem Kultur, Bildungs- und Wissenschaftsbereich genutzt. Wikidatas Inhalte sind unter freier Lizenz zugänglich, mit Standardformaten exportierbar und können mit anderen offenen Datensätzen verlinkt werden.

Das Forschungszentrum Gotha, eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Erfurt, beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Wissensgeschichte der Neuzeit. Es betreibt seine Forschungen in enger institutioneller und thematischer Anbindung an die im Schloss Friedenstein beheimateten historischen Sammlungen der Forschungsbibliothek Gotha und der Stiftung Schloss Friedenstein mit ihren Schwerpunkten in der frühen Neuzeit und im 19. und 20. Jahrhundert – hier ist insbesondere das Archiv des Perthes-Verlags mit seinen einzigartigen Beständen an Landkarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu nennen. Das FZG organisiert ein internationales Stipendienprogramm und ist mit Konferenzen und Programmen für Gastwissenschaftler sowie dem Angebot von Arbeitsstätten für drittmittelgeförderte Forschungsprojekte ein Ort internationaler, vor allem historischer Forschung.

Die nachfolgenden Vereinbarungen betreffen das organisatorisch und inhaltlich am FZG sowie in der technischen Betreuung am Rechenzentrum der Universität Erfurt beheimatete FactGrid-Projekt. Mit ihm soll die von Wikidata genutzte Software (Wikibase) Einsatz in der Forschung finden. Praktisch wird sich das Projekt dabei vordringlich darauf ausrichten, die Arbeit der Gotha Illuminati Research Base (einem konventionellen Wiki unter der URL https://projekte.uni-erfurt.de/illuminaten/) rationeller zu gestalten.

Das langfristige Ziel ist es, wissenschaftlichen Projekten, die am FZG angesiedelt sind oder von diesem in Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Institutionen betrieben werden, im FactGrid kollektiv Datenbankleistungen zur Verfügung zu stellen und dabei einen Informationsaustausch mit dem Wikidata-Projekt aufzubauen.

Dies vorangestellt, treffen WMDE und das FZG folgende Absichtserklärung:

§ 1          Gemeinsame Vision

Wikibase, die für Wikidata genutzte Software, soll sich zu einem funktionsfähigen Instrument für Wissenschaftler und wissenschaftliche Projekte entwickeln, mit dem in eigenen Installationen Daten offen und kollaborativ geteilt werden können.

§ 2          Gemeinsame Entwicklungsziele

Die folgenden Entwicklungsziele zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen ersten möglichen Weg zur oben genannten Vision aufzeigen. Beide Partner wollen – im Rahmen ihrer Ressourcen und Möglichkeiten – auf diese vorläufigen Ziele hinstreben. Ziele sind nicht verbindlich und werden sich im Laufe der Partnerschaft verändern und angepasst werden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt benennen die Partner die folgenden gemeinsamen Entwicklungsziele:

  1. Die Erarbeitung eines tragfähigen Konzepts zum Einsatz der Wikibase-Software in wissenschaftlichen Projekten
    1. als Datenbankunterstützung konventioneller Wikis, die in Tabellen, Listen und Suchanfragen zum Einsatz kommt;
    2. als Datenbankunterstützung, die auch Forschungsprojekten mit anderen Software-Voraussetzungen Dienste (etwa beim Erstellen von Tabellen, Bewegungsprofilen auf Landkarten, Netzwerkansichten oder genealogischen Stammbäumen) zur Verfügung stellt.
  2. Die Identifizierung von Möglichkeiten zur Erstellung eines Query Service / einer Automated List Generation, die dann in der Gotha Illuminati Research Base Informationen einspielen kann.
  3. Die Einrichtung komplexerer Quellenbelege, die im FactGrid “Original Research” zulassen und Informationen persönlich an die koppeln, die sie einstellten. Die Diskussion von Befunden muss an derselben Stelle möglich sein.
  4. Die Erarbeitung einer Importmöglichkeit, die Forschungsprojekte in die Lage versetzt, Daten aus Tabellen in das FactGrid einzuspielen.
  5. Die Erarbeitung eines Werkzeugkastens, der Forschungsprojekte befähigt, modulare Eingabemasken zu bauen.
  6. Die Einrichtung eines Informationsflusses aus dem FactGrid in Wikidata (bei dem sichergestellt wird, dass Informationen mitsamt den Angaben der Forschung in Wikidata verfügbar werden).
  7. Eine größere Kooperation zwischen dem FZG, WMDE und den an dieser Stelle einzubeziehenden weiteren Institutionen, mit dem Ziel, den Aktenbestand der “Schwedenkiste” öffentlich zugänglich zu machen und wissenschaftlich unterstützt im Crowd-Sourcing zu erschließen.
  8. Die Einführung von Wissenschaftlern in den Umgang mit der neuen Technik mit dem Ziel, hier eine selbständig arbeitende Community zu generieren.

§ 3          Aktivitäten

Zusammenarbeit

Das FZG übernimmt über die Ausschreibung von projektgebundenen Werkverträgen die Finanzierung von Software-Implementierungen und unterstützende Einführungen in die Arbeit mit der Wissensdatenbank im Rahmen der Budgets, die für technische Entwicklungen und Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Da die Arbeit mit der Wikibase-Software zum gegenwärtigen Zeitpunkt (anders als die Arbeit mit regulären Wikis) ohne breitere öffentlich verfügbare Erfahrung geschehen muss, wird WMDE bei der Suche nach geeigneten Auftragnehmern für die Werkverträge unterstützend tätig sein.

Darüber hinaus begleiten Mitarbeiter aus der WMDE-Softwareentwicklung im Rahmen der jeweils gegebenen personellen und finanziellen Ressourcen die Arbeit an den obigen Zielen durch Beratung.

Grundsätzlich ist beiden Partnern dieser Vereinbarung daran gelegen, dass Softwarelösungen und praktische Erfahrungen, die in der Kooperation zustande kommen, im größeren Interesse des Wikidata-Projektes gesucht werden. Ein wesentliches Projektziel ist es, Insellösungen (i.S. einer speziellen Softwarelösung für die Universität Erfurt) zu vermeiden. Die Kooperation soll vielmehr die gemeinsam benutzte und weiterentwickelte Software für breitere Anwendungen attraktiver machen und bewerben.

Kommunikation

WMDE und das FZG benennen einander je einen Ansprechpartner für alle im Rahmen der Zusammenarbeit abzustimmenden Angelegenheiten. Beide sorgen dafür, dass sie sich regelmäßig gegenseitig über Vorhaben und Projekte in den gemeinsamen Arbeitsbereichen informieren.

WMDE und FZG nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle, um die Öffentlichkeit und ihre Communities über gemeinsame Aktivitäten zu informieren. Kommunikation nach außen, welche gemeinsame Vorhaben betrifft, wird vor Veröffentlichung immer zwischen beiden Vertragspartnern abgestimmt.

Für die Außenkommunikation räumen sich WMDE und FZG wechselseitig das nicht-exklusive, zeitlich auf die Laufzeit dieser Vereinbarung begrenzte und nur mit Einverständnis nicht übertragbare Recht ein, die von der jeweils anderen Partei zur Verfügung gestellten Logos-, Namens-, Bild- oder Markenrechte zum Zwecke der Durchführung der vorliegenden gemeinsamen Ziele zu nutzen; dies gilt nur, soweit dies rechtlich zulässig ist und keine Rechte Dritter entgegenstehen. Die für die vereinbarten Zwecke benötigten Materialien, Abbildungen etc. werden kostenfrei von der jeweiligen Partei zur Verfügung gestellt. WMDE und FZG verpflichten sich, die graphischen Gestaltungsvorgaben des jeweils anderen zu erfüllen. Die Verwendung der Logos-, Namens-, Bild- oder Markenrechte von WMDE bedarf stets der Einhaltung des WMDE/WMF-Style-Guides sowie der vorherigen Freigabe durch die Kommunikationsabteilung von WMDE; gleiches gilt analog für die Verwendung der Logos, Namens-, Bild- oder Markenrechte des FZG. Die durch die Zusammenarbeit neu entstehenden Materialien (inkl. Bilder) sind unter freie Lizenzen zu stellen (bevorzugt CC BY-SA 4.0 bzw. CC 0 im Bezug auf Wikidata).

§ 4          Dauer

Diese Vereinbarung tritt mit ihrer Unterzeichnung in Kraft. Sie gilt zunächst für 12 Monate und kann jederzeit unter Einhaltung einer Frist von 30 Tagen einseitig gekündigt oder im beiderseitigen Einvernehmen vorzeitig beendet werden.

§ 5          Sonstiges

Durch diese Vereinbarung entstehen WMDE und FZG keine finanziellen oder vertraglichen Verpflichtungen. Sowohl WMDE als auch FZG stellen jeweils die auf ihrer Seite notwendigen Personal- und Sachleistungen zur Verfügung und tragen die ihnen dadurch entstehenden Kosten selbst. Wechselseitige Schadensersatzansprüche sind ausgeschlossen. Bei Ansprüchen Dritter haftet der Verursachende allein und ausschließlich. Für den Fall,  dass Dienstleistungen oder Gelder ausgetauscht werden, gemeinsam Drittmittel verwaltet werden, oder konkrete Projekte umgesetzt werden, wird eine formelle Kooperationsvereinbarung notwendig.

Für Wikimedia Deutschland               Für das Forschungszentrum Gotha

Berlin, 23.8.2017                                      Erfurt, 8|8|17
Abraham Taherivand                             Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg

Eine Eingabemaske für die Mitgliedschaft im Illuminatenorden

Die Mitgliedschaft im Illuminatenorden ist für den Historiker eine komplexe Angelegenheit unter eigenen Ansprüchen darauf, was hier “relevante” Fakten sind. In Wikipedia interessieren ausschließlich Personen, die “enzyklopädisch relevant” sind. Hier machen Kriterienkataloge die strengen Vorgaben. Bei der Erforschung des Illuminatenordens interessiert dagegen vor allem die vollständige Liste und zwar gerade, da sie etwa einzelne 15jährige ohne weiteren Aktenniederschlag umfasst, mit denen sich beweist, dass der Orden, der sich der Ausbildung des Menschengeschlechts verschrieb, anders als die Freimaurerei spezielle Ausbildungsklassen eröffnete, die interessante Jugendliche auf eine Stufe mit Erwachsenen stellten.

Erst mit der Liste aller nachgewiesenen Mitglieder kann man Aussagen über die soziale Zusammensetzung des Ordens und seine Altersstruktur in unterschiedlichen Rängen wie seine geographische Verbreitung machen.

Spannend sind die komplexen Folgefragen: Macht sich die Ordensmitgliedschaft im weiteren Karrierewege bemerkbar? Nutzen Illuminaten Kontakte aus der Ordenszeit später noch?

Die Mitgliedschaft im Illuminatenorden schafft einen Einzelfall möglicher Mitgliedschaften in anders organisierten Gesellschaften. Wer Illuminat ist, muss von jemandem vorgeschlagen werden; er findet im Orden einen ihn betreuenden “Rezipienten”, wird einer Minervalkirche zugeteilt und gerät von dort aus in eine spezifische Betreuung durch “Unbekannte Obere”.

Um Standardisierungen der Eingabe sicherzustellen, wird man eine Schablone mit Fragen schaffen. Jede Zeile wird dabei erneut die Frage nach Belegen stellen (dazu der eigene Artikel Faktenbelege, die “Original Research” zulassen).

Realer Name […] [Quelle]
Ordensname(n)* […] [Quelle]
Vorschlagender […] [Datum] [Quelle]
Aufnahmedatum [Datum] [Quelle]
Rezipient […] [Quelle]
Logenzugehörigkeit* [Loge] [Ort] [Datum] [Quelle]
Minervalkirche* [Ort] [Datum] [Quelle]
Bruch mit dem Orden [Datum] [Quelle]
Grade
I. Minervalklasse 1. Novize [Datum] [Quelle]
2. Minerval [Datum] [Quelle]
3. Minor [Datum] [Quelle]
II. Freimaurergrade** 4. Lehrling,
    Geselle,
    Meister
[Datum] [Quelle]
5. Major
    (Schottischer Novize)
[Datum] [Quelle]
6. Dirigens
    (Schottischer Ritter)
[Datum] [Quelle]
III. Illuminatische Mysterien 7. Presbyter [Datum] [Quelle]
8. Princeps [Datum] [Quelle]
9. Magus resp. Docet [Datum] [Quelle]
10. Rex resp. Philosoph [Datum] [Quelle]
Ämter
Dienender Bruder [Datum] [Quelle]
Censor [Datum] [Quelle]
Dekan [Datum] [Quelle]
Präfekt [Datum] [Quelle]
Provinzial [Provinz] [Datum] [Quelle]
Inspektor [Provinz] [Datum] [Quelle]
National [Nation] [Datum] [Quelle]
Mitglied des Areopag [Datum] [Quelle]
General [Datum] [Quelle]

*Die Wikidata-Software lässt Vermehrungen von Feldern zu. Ordensmitglieder können tatsächlich mehrere Ordensnamen erhalten, nötig etwa, wenn sie schriftlich in verschiedenen Funktionen agieren, ohne dass Untergeordneten die Identität klar werden soll. Desgleichen können Mitglieder durch Umzug die Zuordnung zu einer Minervalkirche wechseln.

**Mit der Mitgliedschaft im Illuminatenorden muss immer auch die Freimaurermitgliedschaft abgefragt werden (für die eigene Schablonen je nach System erstellt werden müssen).

Unterschiedliche Eingabeformen wären hier die Verknüpfung mit der FactGrid Nummer (etwa einer Person), Freitext, Anklicken un ein Häckchen zu setzen (den Sachverhalt zu bestätigen) Datumseingabe und der diskutierbare Quellenbeleg [Quelle].



Nachtrag von weitern Originalschriften (München: Joseph Lentner, 1787). Google Books


Plus Ultra

Die Datenbank gestützte Erfassung des Ordens wird auf eine Institution treffen, die gerade um die Datenerhebung und -verwaltung bemüht war. Neumitglieder füllten “Charaktertabellen” aus (aus denen die Unbekannten Oberen, die später mit ihnen kommunizierten, sich ein Bild machen konnten).

Charakter-Tabelle zu Anton Rudolph Warlich aus dem 10. Band der Schwedenkiste

Eine Herausforderung wird es sein, die Ordensstruktur in ihrer Theorie mit der Praxis zu messen. Wird es möglich sein zu erfassen, mit welcher Transparenz hier jeweils kommuniziert wurde? Wer wusste wie genau, mit wem er kommunizierte? Welche Kommunikationsverhältnisse blieben semitransparent – so organisiert, dass das Mitglied zwar nicht wusste, mit wem im Orden es Briefe wechselte, die “Unbekannten Oberen” dagegen sehr genau wussten, wer sich an sie in welcher Position und mit welchem biographischen Hintergrund unter welchem Ordensnamen wandte? Letztlich sind es diese spezifischen Korrespondenzoptionen, die den Orden von anderen Gesellschaften unterscheiden.

Gedanken zum Design modularer Lebensläufe – inspiriert durch Magnus Manskes Reasonator

An welchem Tag genau brach Ernst II. 1786 nach Nizza auf? Als Historiker sucht man immer wieder Antworten auf solche spezifischen Fragen, da sich mit ihnen eingehendere Klärungen ergeben (etwa wenn man Dokumente des Umfelds aus den fraglichen Wochen genauer zu verstehen sucht).

Der Wikipedia-Artikel zu Ernst II. wird kein Ort für die Antwort in der gesuchten Präzision – sie ist “enzyklopädisch nicht irrelevant”. Größere Bücher müssen die Information nicht anbieten – sie beantworten größere Fragen in narrativen Bögen.

Was man sich als Historiker in solchen Situationen wünscht, ist eine ganz andere Form von Informationsquelle. Magnus Manskes Wikidata Reasonator nähert sich diesem Ideal an. Man wünschte sich eine Form tabellarischer Lebensläufe, die unter unterschiedlichen Themen beliebig detailliert Auskunft geben.

Die automatisch generierte Seite zu Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg aus dem Wikidata Reasonator https://tools.wmflabs.org/reasonator/?&q=213698

Das Datenblatt hat einen Kopf mit Eckdaten für die rasche Identifikation: Geschlecht, geboren wann? wo? Sterbedaten, Beruf oder Position, gegebenenfalls zwei zentrale Werke.

Danach sollten Themenblöcke so folgen wie in einem modernen professionellen tabellarischen Lebenslauf. Der Historiker wird dabei keine irrelevanten Details kennen (Informationen können statistisch interessant werden). Standardformulierungen und Tabellenansichten wird man gegenüber kontrovers formulierten Absätzen schätzen, da sie schnellen Überblick verschaffen. Themenblöcke sind dabei:

  1. Genealogische Beziehungen
  2. Ausbildungsstationen
  3. Qualifikationen
  4. Wohnorte
  5. Arbeitsverhältnisse
  6. Mitgliedschaften
  7. Nachgewiesene Aufenthalte (Reisen, militärische Stationierungen etc.)
  8. Begegnungen/ Bekanntschaften (Wohnung, Arbeit, Besuche auf Reisen, Konferenzen etc.)
  9. Korrespondenzen
  10. Werke

Im Interesse an der Übersichtlichkeit wird man bei längeren Listen die Vollanzeige auf Wunsch anbieten.

Um Standardisierungen bei der Eingabe zu gewährleisten (und am Ende statistische Auswertungen zu ermöglichen), wird man hier mit modularen Eingabeschablonen arbeiten. Diese werden problemspezifisch zu gestalten sein: Die Mitgliedschaft im Illuminatenorden zeiht ganz andere Fragen nach sich als etwa eine Parteimitgliedschaft. Illuminaten werden von einem Illuminaten vorgeschlagen, sie müssen ab dem dritten Grad Freimaurer sein – was ist die Loge? Sie werden einer Minervalkirche angebunden und können eine Ordenskarriere in einem festen Schema von Graduierungen durchlaufen und dabei bestimmte Ordenspositionen einnehmen. Der Entwurf für eine derartige Schablone gesondert hier. Dasselbe trifft auf Arbeitsverhältnisse zu: Eine militärische Position zieht Fragen nach Rang und Regiment nach sich, eine universitäre nach Universität, Lehrstuhl, Position und Tätigkeit. Man wird Platz schaffen für Angaben zum Gehalt und für eingehendere Ortsangaben, von denen sich lokale Netzwerke ableiten lassen.

Schablonen werden häufig nur rudimentär ausgefüllt sein und Raum für Quellenangaben bieten.

Spannend wird es, wenn statistische Abfragen möglich werden: Welche Altersstruktur hat der Illuminatenorden wann auf welchen Hierarchie-Ebenen? Welche soziale oder berufliche Zusammensetzung haben die Mitglieder? Wie vollzieht sich die Ausbreitung des Ordens auf der Landkarte?

Arbeitssparend wäre es, wenn das System im Verlauf mitzudenken lernt: Die Liste aller Korrespondenzen beantwortet einen Teil der Frage nach Bekanntschaften. Aus einer Information über die berufliche Anstellung ergeben sich weitere Informationen über Bekanntschaften – etwa eines Dozenten zu Studenten, eines Musikers zu anderen Musikern in verschiedenen Orchestern.

Siehe auch