ddpp | Ein Datensatz deutscher politischer Parteien

Der hiermit vorgelegte Datensatz zur deutschen Parteiengeschichte dürfte – mit aktuell 873 gelisteten Parteien – im Moment der umfassendste seiner Art im Internet sein: Frei nutzbar, in beliebiger Konfiguration herunter zu laden, in Hintergrunddaten ausgreifend und zudem (mit einem frei erhältlichen FactGrid-Konto) unter beliebigen Forschungsinteressen auf die eigenen Bedürfnisse hin bearbeitbar.

Zum Vergleich: 59 aktive und 35 historische Parteien notiert der Datensatz des GBV zum Thema mit dem Angebot extrem unhandlicher Identifikatoren und ohne sehr viel tieferen Informationsgehalt. Wikidata überholte Projekte wie dieses in den letzten Jahren – allerdings auch immer wieder mit dem Nachteil, dass die dabei entstehenden Datensätze nicht so recht geplant waren und damit so einfach nicht zu handhaben sind. Die deutschen Parteien in Wikidata sind über keine einheitliche Recherche zu erfassen; es ging hier nicht darum, einen gleichmäßig ausgestatteten wie vollständigen Datensatz herzustellen. Einzelne, voneinander nicht informierte Eingaben akkumulierten sich hier eher planlos. Bewegt man sich in der Gegenwart, sollte man die Liste zu Rate ziehen, die die Bundeswahlleiterin 2024 vorlegte: Ausgewählte Daten politischer Vereinigungen, Stand 31.12.2023 (Wiesbaden, Juli 2024). Mit 637 Einträgen für die Jahre 1969 bis 2023 ist sie die dichteste Sammlung zur Parteienlandschaft der letzten 50 Jahre. Jede einzelne Partei ist hier mit Eckdaten aus der Buchführung der Wahlleitung versehen. Wikidata, in der quantitativen Erfassung wie in der Stringenz unterlegen, gewinnt an ganz anderen Stellen in der Vernetzung etwa mit Personen: Gut 15.000 Personen sind in Wikidata als Mitglieder mit der NSDAP verbunden, wohl weil die Informationen aus entsprechenden Wikipedia-Artikeln zur Verfügung standen. Wikidata bietet Serien von Mitgliederzahlen, externe Identifikatoren aus anderen Datenbanken oder Informationen zu Wahlen, in denen diese Parteien antraten.

Der vorliegende Datensatz ist genetisch ein Amalgam aus beiden Quellen und, gezielt als Partei-Datensatz angelegt, auf Homogenität hin gestaltet. Der Datensatz der Bundeswahlleiterin lässt sich dabei mit all seinen Eckdaten isolieren. Gleichzeitig reicht der vorliegende Datensatz dank Wikidata bis in die Frühphase des deutschen Parlamentarismus der vor der Reichseinigung stehenden Länder hinab.

Die gelisteten Parteien sind geschlossen mit einem Projekt-Item als zum „ddpp-Datensatz“ gehörige isolierbar, sie lassen sich gleichzeitig beliebig filtern (etwa um nur Parteien der BRD oder der DDR zu erfassen) oder ausdehnen: etwa im Blick auf historische Eckdaten, Organisationsbeziehungen, Parteiprogrammatiken oder involvierte Personen.

Statt einer einfachen Definition – Angebote, Definitionen selbst vorzunehmen

Der vorliegende Datensatz verfügt über kein klares Definitionskriterium und das sollte als Vorteil notiert sein. Man selbst kann ihn streng definieren oder öffnen, um etwa auch „Listen“, „Wahlgemeinschaften“ oder prominente „Orts-“ und „Landesverbände“ zu erfassen. Das ist sinnvoll schon allein, da sich aus all diesen auf Wahlzetteln auftauchenden Organisationsformen Parteien entfalten können, die am Ende bundesweit auftreten und sich im Parteiengefüge etablieren (wie dies etwa die Grünen taten). Die FactGrid-Datenbank hat kein Zentrum. Würde jemand NSDAP-Ortsverbände zu seinem Thema machen, wären diese das Zentrum seines Datensatzes und die Parteienlandschaft der Weimarer Republik nur der unüberschaubare Rand.

Die Problemlag wird mit der Frage nach dem Gründungsdatum der SPD im Detail greifbar: Der vorliegende Datensatz bietet tatsächlich vier Gründungsdaten mitsamt den Gründen, die sie im Einzelnen nahelegen. Es handelt sich bei drei der Datierungen um Gründungsdaten von Parteien, die die SPD als historische Wurzeln beansprucht. Wenn man diese Daten den einzelnen Vorgängern zuordnet, ist das Jahr 1890 mit dem Erfurter Gründungskonvent das allein der SPD zuzuordnende Gründungsdatum (und darum hier hochgewertet):

Der FactGrid „Datensatz zu deutschen politischen Parteien (ddpp)“ lebt in dieser Vielschichtigkeit der Möglichkeiten von seinem Angebot, ihn unterschiedlich zu fassen. Mit ihm sollte vor allem durchdacht werden, wie man sich dem Problem besser als mit einer Definition nähert. Die Antwort lautet: durch den beliebig umfassenden Datensatz, der jederzeit die Verlagerung und Verengung des Blickwinkels erlaubt.

Den ddpp-Datensatz praktisch nutzen

Der vorliegende Datensatz sollte es möglich machen, alle gelisteten Parteien eindeutig voneinander abzugrenzen und im komplizierten Fall direkt miteinander in Beziehung zu setzen: Es gibt in der Tat einen Unterschied zwischen WiR2020 (Q1182789) und Wir2020 (Q1211961); er liegt ostentativ im kleinen r, das Wir2000 als Erkennungsmerkmal beansprucht. Im spezifischen Datensatz wird klarer, dass die Partei mit dem kleinen r eine Abspaltung von und eine Kampfansage gegenüber der Mutter mit dem großen R ist. Die Q-Nummern erlauben es, die Unterschiede den Notizen in den Datensätzen zu überlassen. Im Datensatz sind im selben Moment Übersetzungen (aktuell englischer, französischer und spanischer Sprache) im Angebot sowie Verlinkungen zu Wikidata, zur GND, zur Publikation der Bundeswahlleiterin und zu Wikipedia-Artikeln, die mehr Informationen bieten.

In der praktischen Nutzung sollte jeweils der spröde „Basisdatensatz“ im Zentrum stehen, der es erlaubt, beliebig zu filtern wie beliebig zu erweitern. Im Basisdatensatz erscheint jede Partei nur einmal mit ihrer ID und kurzem Identifikationsangebot:

Die einzelnen Listen lassen sich nun beliebig erweitern, wobei Parteien in den dabei entstehenden Tabellen mitunter mehrere Zeilen erhalten, zum Beispiel, wenn mehrere GND-Nummern in der diesbezüglichen Spalte zu notieren sind.

  1. Datensatz: Die Parteien mit (soweit vorhanden) externen Identifikatoren: Wikidata, GND, Liste der Bundeswahlleiterin für die Jahre 1969 bis 2023 chronologisch nach Gründungsdatum sortiert.
  2. Datensatz: Die (Um-)Bennungen mit Datierungen. Diese Abfrage ist besonders nützlich in automatisierten Matching-Prozessen, da sie in ihnen Namensvarianten, die sich in Quellen finden, zur Verfügung stellt.
  3. Datensatz: Deutsche Parteien, die zwischen 1969 und 2023 bei der Bundeswahlleitung gelistet waren nach den Ausgewählten Daten politischer Vereinigungen, Stand 31.12.2023 herausgegeben von der Bundeswahlleiterin (Wiesbaden, Juli 2024), mit den dortigen Eckdaten und den Informationen zu respektiven Herausnahmen aus der Aktenführung.
  4. Datensatz: Von welchen Parteien spalteten sich welche Parteien ab?
  5. Datensatz: Alle Parteien, von denen die Bundeswahlleiterin soeben Unterlagen bereitstellt (aktuell 107)
  6. Datensatz: In welchen Parteien gingen die gelisteten auf?
  7. Datensatz: Ideologische Positionierung
  8. Datensatz: Politische Programmpunkte

Die letzten Suchen waren nurmehr punktuell mit Information bestückt; hier wartet der Datensatz im Moment auf Projekte, die in die Tiefe gehen. Eingehendere Suchen ließen sich zu Initiatoren, Gründungsmitgliedern, Parteivorsitzenden bieten, abermals jedoch im Moment nur punktuell.

Wahlergebnisse visualisieren

Seine zentrale Funktionalität entfaltet der Datensatz deutscher politischer Parteien, sobald man ihn im Rahmen des strukturell ganz anders gelagerten (und bis jetzt nur in punktuell vorliegenden) der Wahlergebnisse aller Reichstags- und Bundestagswahlen laufen lässt. Hier die letzte Reichstagswahl vom März 1933, wie sie in der SPARQL-Suche generiert wird und direkt mit den Datensätzen des Projektes kommuniziert:

Reichstagswahl 1933 Bubble Chart

Das FactGrid Datenmodell weicht hier vom Wikidata-Datenmodell ab. Statt auf verschiedene Properties ist hier auf eine einzige gesetzt, die die diversen Zählergebnisse (Erststimmen, Zweitstimmen, Parlamentssitze und Prozentanteile) aufnimmt und unter den Einheiten notiert – das ist praktisch, da sich nun beliebig verschiedenartige Ergebnisse anbieten lassen:

Man kann bei dieser Modellierung an drei Stellschrauben im SPARQL-Skript drehen:

SPARQL-Code für Visualisierung von Wahlergebnissen. Zeile 1: Form der Visualisierung, Zeile 3: die Wahl, deren Ergebnis Visualisiert werden soll (z.B. Bundestagswahl 2025), Zeile 11: Ergebnisaspekt (was dabei gezählt werden soll) etwa Zweitstimmen.

Die FactGrid-Datenlage zu Wahlen ist im Moment noch sehr unvollständig. Wie weit sie gediehen ist, findet sich auf der Projektseite in FactGrid laufend aktuell notiert. Hier ging es erst einmal um eine Realisierung, die handwerkliche Probleme der unterschiedlichen Wikidata-Modellierungen in den Griff kriegt.

Der vernetzte Datensatz

Anders als konventionelle Datensätze sind Wikibase-Datensätze fast immer komplex vernetzt, und das durchaus unüberschaubar.

Die banalste Vernetzung des vorliegenden Datensatz geht von den FactGrid notierten Personen aus:

  • Datensatz: Alle FactGrid-notierten SPD-Mitglieder (283 mit Stand vom März 2024)
  • Datensatz: Alle FactGrid-notierten NSDAP-Mitglieder (1559 mit Stand vom März 2024)
  • Datensatz: Alle FactGrid-notierten Personen, die sowohl in der SPD wie in der NSDAP Mitglieder wurden (21 mit Stand vom März 2024)

Die drei Mustersuchen zeigen, dass wir hier theoretisch sehr komplexe Fragen stellen können, etwa nach der Ausbildung von erfassten Parteimitgliedern oder nach Personennetzwerken, die sich etwa über Mitgliedschaften in Logen oder Studentenverbindungen ergaben. Der Vorteil des FactGrid-Datensatzes ist hier erneut, dass er kein Zentrum aufweist. Es ist möglich, laufend neue Aspekte des jeweiligen Interesses zu formulieren und diese danach aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen heraus zu erfassen.

Extrem komplex sind erwartungsgemäß die organisatorischen Vernetzungen der NDSDAP, setzte hier doch eine Partei systematisch staatliche Organisationsstrukturen außer Kraft, um diese danach mit Parteistrukturen wie denen der SS zu ersetzen. Der ddpp-Datensatz bildet dies gerade im Ansatz ab.

Der für die Weiterverwendung offene Datensatz

Jede der im Vorangegangenen angebotenen Mustersuchen lässt sich modifizieren und alle Ergebnisse lassen sich jeweils in verschiedenen Datenformaten (JSON, CSV, TSV, HTML) herunterladen. Am rechten Rand der Tabellen und Visualisierungen bietet stets ein Mouseover-Menü die verschiedenen Formate wie Bearbeitungsoptionen an. Die Daten sind samt und sonders CC0-lizensiert und damit komplikationslos auch ohne Zitat der Quellen in Grafiken verwendbar.

Interessant sollte es sein, Bearbeitungen des Datensatzes auf der Plattform selbst vorzunehmen, so dass andere Nutzer vom Wissenszuwachs direkt profitieren – vor allem aber auch mit dem Vorteil, dass das eigene Projekt an dieser Stelle nicht von vorne anfangen muss und Fragen nach der eigenen Nachhaltigkeit der kollektiven Arbeitsumgebung überlassen kann.

Einige klar benennbare Desiderate seien neben dieser grundsätzlichen Einladung, sich den Datensatz auf der Plattform anzueignen, ausgesprochen: Die Aufstellung der Bundeswahlleiterin erwies sich als überaus nützlich im Angebot harter Klarheiten. Ein enormes Desiderat wären jedoch Verlinkungen zu Digitalisaten der Unterlagen, die die Parteien vorlegten, sowie Notate der Personen, die diese Parteien gründeten und der Adressen der Anmeldungen. Es ist dies ein Desiderat vor allem im Blick auf die kleinen Dateien, die oft nach wenigen Jahren der Inaktivität schon wieder aus den Akten verschwanden und heute nicht einmal über Internetseiten, die sie lancierten sichtbar sind.

Im Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt, das das Projekt Rahmen des R:hovono-Projektes initiierte, werden wir eine GND-Situierung des Datensatzes anstreben.

Gut wäre es, die Datenbankobjekte mit Expertise zu Positionierungen, Zielsetzungen, statistischen Daten und vor allem mit Quellverweisen, angereichert anbieten zu können.


  • Featured Image: Wahlwerbung der AIPD, die wohl eher zu den Kunstprojekten zu rechnen ist, und darum ein gesondertes FactGrid-Item hat. Screenshot der Website https://aipd-partei.de/

Deutschlands erstes Schuhimperium – das Filialnetzwerk der Schuhwarenfabrik Conrad Tack & Cie. in FactGrid

Nachdem 1883 die Brüder Conrad und Jean Tack sowie Wilhelm Dedermann in Burg eine Schuhwarenfabrik gegründet hatten, die ab 1888 unter dem Namen “Conrad Tack & Cie” firmierte, begann die Geschäftsleitung schon früh mit neuen Verkaufsmethoden zu experimentieren.

Eine dieser Innovationen war ab etwa 1890 der Aufbau eines eigenen Verkaufsnetzes mit Geschäften, die exklusiv die Produkte von Tack führten. So existierten 1890 zunächst sechs eigene Filialen, die bis 1895 bereits auf ein Netz von 25 Geschäften ausgebaut werden konnten.  Folgende Karte des Vertriebsnetzes um 1895 zeigt, dass der Fokus zunächst auf Mitteldeutschland und einige Großstädte im Reich, wie Hamburg, Berlin oder Frankfurt am Main, lag.


Zweigniederlassungen von Conrad Tack (1895).

Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges sollte dieses Netzwerk auf über 140 Geschäfte wachsen. Der Krieg führte zu einigen kurzzeitigen Wachstumseinbrüchen und Verlusten, wie der Aufgabe der Geschäfte in Straßburg und Metz, aber mit dem Eintritt des Berliner Unternehmers Hermann Krojanker in den Vorstand des Unternehmens, konnte das Netzwerk der Verkaufsstellen in den 1920er Jahren noch einmal signifikant ausgebaut werden. Dabei fokussierte man sich nicht mehr nur auf Großstädte, sondern errichtete ein flächendeckendes Filialnetz im gesamten Reichsgebiet. Ziel dieser Arbeit im Rahmen des Forschungsprojektes “Jüdisches Sachsen-Anhalt” ist die komplette Erfassung des Filialnetzwerkes des Unternehmens. Hierfür ist es gelungen bisher (Stand September 2024) 125 Filialorte zu identifizieren.

Übersicht der bisher 125 identifizierten Niederlassungen der Schuhfabrik Conrad Tack & Cie.

Anhand zweier vollständiger Listen lassen sich dabei Zeitschnitte für die Jahre 1895 und 1912 setzen. Die erste vollständige Liste für das Jahr 1895 findet sich im Berliner Adressbuch für das Jahr 1895 (Siehe Karte 1 oben). Die zweite Liste stammt aus dem Statistischen Jahrbuch zur deutschen Textil-Industrie im Besitze von Aktiengesellschaften und bildet die Größe des Unternehmens im Jahr 1912 ab, als dieses in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Aus dieser Liste wurde auch für jedes Geschäft der im Zuge dieses Prozesses ermittelte Einheitswert jeder Filiale mit in FactGrid erfasst:

Liste aller Geschäfte im Jahr 1912 mit jeweiligem Einheitswert in Mark

Weiterführende Literatur zur Unternehmensgeschichte: Hönicke, Karin: “Tack” – Europas ältester Schuhgroßbetrieb : 110 Jahre Schuhindustrie in Burg, Oschersleben 2005.

Von Sozialisten, Shoah-Überlebenden und dem American Dream. Das Potential von Social Philately für die Geschichtswissenschaft

Social Philately ist eine philatelistische Bewegung, die in den 1980er Jahren in Australien und Neuseeland entstand und Anfang der 2000er Jahre Europa erreichte. Diese Bewegung zielt darauf ab, traditionelle philatelistische Fragestellungen zur Analyse postalischer Belege mit einer breiteren kulturellen und sozialgeschichtlichen Kontextualisierung zu verbinden. Dabei werden nicht nur die reinen Postbelege untersucht, sondern auch die Absender und Empfänger der Briefe, der Text der Briefe oder Postkarten sowie der historische Kontext, in dem diese entstanden sind, berücksichtigt.

Für die Philatelie ist dieser Blick über den eigenen Tellerrand äußerst bereichernd. Aber auch umgekehrt bietet der Blick auf scheinbar einfache und oft irrelevant erscheinende Quellen wie Briefumschläge oder Postkarten ein enormes Potenzial für die Geschichtswissenschaft. Diese Quellen bieten einen leichten Zugang zu einer riesigen und unerschöpflichen Menge an Daten zur Alltagsgeschichte von Menschen aller Gesellschaftsschichten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, die im privaten Raum entstanden sind. Das Potenzial für Fragestellungen in diesem Bereich ist nahezu unbegrenzt. Es bieten sich Ansätze für die post- und kommunikationsgeschichtliche Forschung, Forschung zu Propaganda und Werbung (bspw. zur Verwendung und Verbreitung von Werbeklischees oder Ganzsachen), biographische Fragestellungen oder Hinweise auf persönliche Netzwerke, die sonst über keine andere Quelle greifbar wären, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Dadurch könnten Zugänge und Methoden genutzt werden, wie sie auch für archivisch überlieferte Korpora üblich sind, wie das folgende Beispiel des Korrespondenznetzwerks der Illuminaten in FactGrid zeigt, welches mögliche Potenziale für Analysen eröffnet:


Korrespondenznetzwerk des Illuminatenordens: Wer schreibt wem, von wo nach wo.

Neben der schieren Masse an zugänglichen Quellen besteht das Problem oder Potenzial der fehlenden Systematisierung und Erschließung solcher Quellen. Die Suche nach bestimmten Briefen oder Themen ist nahezu unmöglich, und Wissenschaftler müssen sich auf den Zufall einlassen, da man beispielsweise vor einem Flohmarktbesuch nie wissen kann, welche Art von Material man finden wird. Einzelne, zufällig entdeckte Dokumente mögen ohne Kontext keine große Relevanz besitzen. Wenn man jedoch diese Daten in großer Menge sammelt, kontextualisiert und miteinander verbindet, eröffnen sich spannende Möglichkeiten zur Erforschung der oben genannten Fragestellungen. Plattformen wie FactGrid bieten für ein solches Unterfangen großes Vernetzungspotenzial. Die Offenheit der Datenbank ermöglicht es, einzelne Belege zu dokumentieren, mit vorhandenen Datensätzen zu verbinden und so persönliche Netzwerke, Biographien etc. nach und nach zu rekonstruieren. Auf diese Weise können aus der zufälligen Erwerbung eines alten Briefes oder einer alten Postkarte wissenschaftlich nutzbare Daten gewonnen werden. Dies soll im Folgenden an zwei Beispielen veranschaulicht werden:

Der erste Beleg stammt aus dem Jahr 1950 und wurde per Luftpost von Montevideo nach Deutschland geschickt. Der Absender des Briefes, Ernesto Schoenthal wurde 1907 in Marienhafe im Landkreis Aurich als Ernst Schönthal in eine jüdische Familie geboren. Er hatte zwei Schwestern und war in Deutschland als Kaufmann tätig. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 war er das einzige Mitglied seiner Familie, das rechtzeitig das Land verlassen und 1936 nach Montevideo fliehen konnte. Seine Mutter Bertha Schönthal (geb. Steinberg) war bereits 1937 verstorben und sowohl sein Vater als auch beide Schwestern, die 1940 noch zusammen nach Rinteln gezogen waren, wurden im März 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sich ihre Spuren verlieren. Ernst Schoenthal hingegen scheint es gelungen zu sein, in Uruguay erneut ein Handelsgeschäft aufzubauen und ebenso eine Familie zu gründen.

Nach dem Krieg ist er nie wieder dauerhaft nach Deutschland zurückgekehrt (er verstarb 1987 in Montevideo); scheint sich aber dennoch um das Schicksal seiner Familie und deren Wiedergutmachungsansprüche gekümmert zu haben. In diesem Kontext ist oben abgebildeter Brief aller Wahrscheinlichkeit nach auch zu erklären. Adressat des Briefes war der Rechtsanwalt und Notar Gerhard Obuch. Dieser war 1884 als Sohn eines Richters in Lauenburg/Pommern geboren und hatte in Leipzig, Berlin und Königsberg Rechtswissenschaften studiert. Vor 1933 war er als Anwalt in Düsseldorf und Berlin tätig, seit 1906 Mitglied der SPD, seit 1917 der USPD und seit 1922 der KPD. Er war im Vorstand der Roten Hilfe Deutschlands, vertrat bei Gerichtsprozessen Angeklagte aus dem Kontext des Spartakusaufstandes und war bis 1933 Abgeordneter im preußischen Landtag für die KPD. Auch er wurde Opfer des NS-Regimes, wurde 1933 verhaftet und ins KZ Sonnenburg verbracht und arbeitete nach seiner Freilassung zunächst nur noch im Straßenbau und ab 1935 als Buchhalter. Nach 1945 war er nicht mehr politisch tätig und darüber hinaus gibt es keine gesicherten Informationen zu seinem Leben nach 1945 bis auf seinen Tod 1960 in Rauenthal.

Über die Verbindung zwischen Schoenthal und Obuch können hier nur Vermutungen angestellt werden, da der genaue Inhalt des Briefes unbekannt ist. Nahe liegt, das Obuch nach dem Krieg wieder als Anwalt tätig war und sich in der Region in der er lebte (wie der Brief zeigt, muss er 1950 von Norderney nach Norden verzogen sein; die Information hatte Schoenthal nicht und muss nachträglich im Prozess der Zustellung durch einen Postbeamten ergänzt worden sein), für Wiedergutmachungsansprüche von Opfern der NS-Herrschaft einsetzte und so zum Ansprechpartner für Schoenthal wurde, der sich um Rückerstattung von enteignetem Vermögen seiner Schwestern und seines Vaters bemühte. Dadurch bietet dieser philatelistische Beleg einen Nachweis über diese mögliche Verbindung der beiden Personen und einen Ausgangspunkt für weitere mögliche Recherchen, beispielsweise in evtl. noch vorhandenen Wiedergutmachungsakten, um oben beschriebene These möglicherweise erhärten oder widerlegen zu können. Dabei bildet dieser Brief einen interessanten Hinweis auf eine Verbindung zwischen unterschiedliche Opfergruppen des NS in ihrer hier möglicherweise gemeinsamen Bemühung um Wiedergutmachung.

Der zweite Beleg, seine Geschichte könnte nicht unterschiedlicher sein, überquerte etwa 25 Jahre früher im Dezember 1925 den Atlantik von Indianapolis nach Esslingen am Neckar. Die Ganzsache wurde im Dezember 1925 von Chris Bernloehr in Indianapolis als R-Brief (Einschreiben) aufgegeben, durchquerte am 10. Dezember die Registry Division der Post in Indianapolis, erreichte zwei Tage später das Auslandspostamt in New York und ein dritter Stempel auf der Briefrückseite bestätigt eine Zustellung mit der württembergischen Bahnpost bereits am 23. Dezember 1925. Der Brief benötigte demzufolge etwa zwei Wochen von Indianapolis bis nach Esslingen in Württemberg:

Neben diesen direkt ablesbaren Informationen zu Briefart und Reiseweg stellt sich nun die Frage nach dem Kontext und der möglichen Geschichte hinter diesem Brief. Christian Bernloehr wurde am 6. Januar 1866 in Adelmannsfelden in Württemberg als eines mehrerer Kinder eines Tagelöhners geboren. Er besuchte in Deutschland keine Schule und vermutlich der Armut geschuldet wanderte die Familie bereits 1876 nach Amerika aus. Dies vermerkte der zuständige Pfarrer nachträglich selbst in Christian Bernloehrs Taufregistereintrag:

Dort heißt es in der Spalte unter seinem Vornamen: “ist mit seinen Eltern nach Amerika ausgewandert”. Über Bernloehr selbst erfährt man aus Zensus-Unterlagen und einem Reisepassantrag, das er recht schnell die englische Sprache gelernt haben muss, seine Körpergröße wird mit 5 Fuß und 7 Inches angegeben (etwa 1,70m), sowie das er schwarze Haare und braune Augen hatte. Die Volkszählungen ab 1900 belegen, das Bernloehr zeitlebens immer in Indianapolis verblieb und sich über die Jahre nach seinem Schulbesuch vom einfachen Zeitungsjungen zu einem angesehenen Juwelier und Uhrmacher hochgearbeitet hatte. Ihm war es also in Amerika (seit 1901 amerikanischer Staatsbürger) gelungen der Armut seiner Heimat zu entkommen. Über sein Leben in Indianapolis erfährt man darüber hinaus mehr in zahlreichen anekdotischen Beiträgen, die der Journalist Anton Scherrer 1938 in einer Rubrik mit dem Titel “Our Town”, nur ein Jahr bevor Bernloehr im September 1939 starb, in der Indianapolis Times veröffentlichte. Aus dem letzten dieser Artikel, seiner Todesanzeige, ist auch zu erfahren, dass Bernloehr trotz seiner Auswanderung zeitlebens seiner Heimat verbunden geblieben sein muss. So wird beispielsweise von seiner Mitgliedschaft in der Schwaben Society in Indianapolis, einem der seinerzeit weit verbreiteten Heimatvereine in den USA, berichtet. Auch der Brief, der den Ausgangspunkt dieser Betrachtungen darstellt, kann vermutlich in diesem Kontext interpretiert werden: Knapp 50 Jahre nach seiner Auswanderung schreibt er einen Brief an einen Kinderhilfsverein in Esslingen am Neckar in seiner alten Heimat. Dies geschah möglicherweise in Erinnerung an seine eigene Kindheit in Armut und dem Bedürfnis Kinder vor Ort, die sich in ähnlichen Verhältnissen befanden, zu unterstützen. Aber auch bei diesem Beispiel kann der Inhalt des Briefes, der nicht überliefert ist, nur durch oben beschriebene Indizien ansatzweise näher rekonstruiert werden.

Ein besonderer Fund für die Zusammenführung von Brief und archivalisch überlieferten Quellen bildete jedoch der 1905 eingereichte Antrag auf einen Reisepass, da Bernloehr für einige Zeit aus geschäftlichen Gründen nach Europa zu reisen plante. Die dort überlieferte Unterschrift Bernloehrs (folgend abgebildet) ist mit der handschriftlichen Notiz des Absenders im dazu vorgefertigten Feld auf dem hier betrachteten Brief nahezu identisch obwohl etwa 20 Jahre zwischen ihnen liegen:

Somit kann, obwohl der genaue Inhalt des Briefes weiterhin unklar bleibt, zweifelsohne bestätigt werden, das Briefschreiber und Person der archivalischen Überlieferung identisch sind.

Diese beiden Beispiele zeigen letztlich, wie groß das Potenzial ist, das in dieser Quellengattung (selbst wenn nur ein Briefumschlag erhalten und der Inhalt längst verloren ist) und der Social Philately-Bewegung auch für die Geschichtswissenschaft, insbesondere für mikrohistorische Fragestellungen, steckt. Bisher (Stand 22.07.2024) gibt es in FactGrid einen Bestand von 3790 Dokumenten, denen der Werktyp “Brief” zugeordnet ist, dazu kommen weniger als 10 Postkarten. Der Großteil dieser Dokumente stammt aus archivalischen Überlieferungen und Projekten, wie dem oben genannten Beispiel zu den Korrespondenznetzwerken der Illuminaten. Mit der Erfassung auch “einfacher Alltagskorrespondenz” jenseits dessen, was von Archivaren für überlieferungswürdig erklärt und gesammelt wird, könnte dieser Bereich ungemein wachsen, Lücken schließen und neue Verbindungen schaffen, insbesondere mit Blick auf die zahlreichen mittlerweile existierenden Projekte, die ganze Stadtbevölkerungen erfassen (beispielsweise Gotha, Leipzig oder Aschersleben).

Dementsprechend ist dieser Beitrag ein Plädoyer, die Alltagskorrespondenz des 19. und 20. Jahrhunderts, wie man sie zu Tausenden in philatelistischen Sammlungen überliefert findet, nicht in die Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen. Gleichzeitig sollten diese Daten gezielt gesammelt sowie zentral erfasst und dokumentiert werden. Dazu bietet FactGrid eine ideale Plattform.

Ihr Potenzial liegt auch in der Zufälligkeit des Zugangs oder der Entdeckung entsprechenden Materials. Hier kann Großes gehoben werden und aus kleinen, zunächst unbedeutend erscheinenden Bausteinen ein neuer und ergänzender Blick auf die Geschichte im Großen gelingen. Dies könnte sich auf die kommunistische Bewegung der 1920er Jahre, die Biographien von Schoah-Überlebenden oder die transatlantische Migration im 19. Jahrhundert beziehen, um nur einige der oben beschriebenen Beispiele zusammenzufassen.

Aschersleben im 19. Jahrhundert – ein Zwischenstand

Die erste Aufgabe für das Projekt “Aschersleben im 18. und 19. Jahrhundert” bildete die Schaffung eines Geodatensatzes orientiert an den zum damaligen Zeitpunkt bereits vorhandenen Projekten zu Paris und Gotha. Im Zuge dessen wurden basierend auf den im Stadtarchiv zugänglichen folgenden drei Quellen bisher 1532 Liegenschaften im Stadtbereich von Aschersleben (Stand 7. Juni 2024) angelegt:

Situationsplan von Aschersleben, 1839

Amtliches Verzeichniß der polizeilichen Nummern der Wohngebäude der Stadt Aschersleben, 1875

Plan der Stadt Aschersleben, 1885 

Für jede Liegenschaft wurden folgende Informationen flächendeckend aufgenommen: Konkordanz der Nummerierung vor und nach 1875 (im Label und unter der Property Benennung), Zuordnung zu Straße und Stadtviertel, Geokoordinaten und Informationen zu Aspekten der Gestaltung. Über die Benennung ist letztlich auch abrufbar, welchem System der Hausnummerierung die Angabe zugeordnet werden kann. Sukzessive werden diese Daten um historische Fotos, aktuelle Fotos, Angaben zur Nutzung der Gebäude und der Objektnummer des Denkmalinformationssystems für Sachsen-Anhalt ergänzt.

Aktueller Stand der Georeferenzierung sämtlicher Adressen in Aschersleben für das 19. Jh.:

Aus dem Stadtplan von 1839 konnten zudem flächendeckend Informationen zur Bauweise jedes Gebäudes (Massiv, Fachwerk) bzw. zur Art der Bedachung (Ziegel, Schiefer, Holz) gewonnen werden , die für alle Liegenschaften abrufbar und statistisch auswertbar sind, zum Beispiel:

Kartenansicht aller Gebäude in Massivbauweise mit Zeitfilter 1839

Barchartstatistik mit Zeitfilter 1839 für alle Aspekte der Gestaltung, die Unterklasse von Bauweise sind

Besondere Schwerpunkte wurden zusätzlich auf die Erfassung und Georeferenzierung der Friedhöfe, sowie der Stadtbefestigungsanlagen (wenn erhalten, mit Bildern versehen) gelegt:

Karte mit Türmen, Schalen und Stadttoren

Friedhöfe im Stadtgebiet – Kartenübersicht

Neben der Erfassung sämtlicher Liegenschaften bildet die Aufnahme von Personendaten eine zweite wichtige Säule des Projektes. Hierfür wurden bisher zunächst alle Haushaltsvorstände des Adressbuchs von 1865 mit Namen, Karriereaussagen und Wohnadressen erfasst und in FactGrid hochgeladen. Hierzu ist ein erster Datensatz im Umfang von 3743 Personen-Items entstanden:

Alle Haushaltsvorstände (1865) mit Karriereaussagen

Statistische Auswertung der Karriereaussagen nach Berufsgruppen:

Langfristiges nächstes Zwischenziel des Projektes wird die Erschließung aller Einwohner der Stadt (über die Haushaltsvorstände hinaus) nach der Urliste der Einwohner von 1864 mit Angaben zu Geburtsdaten, Karriereaussagen, Religion, Adressen, Verwandtschaftsbeziehungen und Haushaltszugehörigkeit, sowie die Aufnahme der Angaben zu Hauseigentümern für 1865 und 1875 aus den Adressbüchern sein.

Winningen – eine Dorfgesellschaft um 1850

Während es auf FactGrid bereits mehrere Projekte gibt, die ganze Städte erschließen, seien es Leipzig, Gotha, Paris oder Aschersleben, ist das bisher noch nicht für den Siedlungsraum Dorf passiert. Winningen ist ein ehemaliges Gutsdorf, das seit 2004 Ortsteil der Stadt Aschersleben ist. Um 1850 bestand das Dorf aus etwa 90 Liegenschaften mit ca. 630 Einwohnern. Dies ist dokumentiert in einer bei FamilySearch digitalisierten “Liste der sämtlichen männlichen u. weiblichen Civil-Einwohner zu Winningen” von 1849 –  ein überschaubarer Datensatz über die Zusammensetzung der damaligen Dorfgemeinschaft.

Deckblatt der Einwohnerliste Winningens von 1849
Deckblatt der Einwohnerliste Winningens von 1849

In einem ersten Schritt wurden alle Liegenschaften aus dieser Liste aufgenommen und in FactGrid erschlossen. Dabei ergab sich die Schwierigkeit, dass in der Einwohnerliste die Häuser nur durchnummeriert wurden, allerdings keine genaueren Angaben zur Lokalisierung gemacht worden, etwa die Zuordnung von Straßennamen. Deshalb konnte bisher keine Georeferenzierung erfolgen oder Konkordanz zur heutigen Nummerierung der Straßen erstellt werden. Hierzu fehlen online zugängliche Quellen, die die weitere Aufbereitung der Daten ermöglichen:

Sämtliche Liegenschaften in Winningen nach der Einwohnerliste von 1849

Zu den einzelnen Einwohnern wurden hingegen weitaus mehr Angaben gemacht als zu den Liegenschaften. So finden sich neben den Namen zu allen 630 Einwohnern Angaben zu deren Karrieren, Adressen, Geburtsjahren, der Konfession, der sie angehörten und den familiären Beziehungen innerhalb eines jeden Haushaltes, die entsprechend aufgenommen und in FactGrid übertragen wurden:

Sämtliche Einwohner Winningens 1849 mit Geburtsdatum, Karriere-Aussage und Adresse

So lassen sich mit diesen Daten bereits erste interessante Befunde generieren, so zum Beispiel Statistiken über die erfassten Karriere-Aussagen:

Berufsverteilung nach Sektoren in 1849

Diese Übersicht zeigt, das etwa die Hälfte der Dorfbevölkerung zu dieser Zeit aus Kindern und unverheirateten Personen ohne Beruf bestand und für alle anderen Personen ein leichter Männerüberschuss zu verzeichnen ist (vermutlich die unverheirateten Arbeiter auf dem Gut). Bei der Verteilung der Berufe der Männer liegen Schwerpunkte eindeutig in den Bereichen Dienerschaft, Arbeiter und Tagelöhner sowie Landwirtschaft und Forsten. Dies ergibt sich einerseits aus dem Zusammenhang, das der größte Arbeitgeber des Dorfes der Gutsherr war, für den ein Großteil der männlichen Einwohner des Dorfes arbeitete. Andererseits sind für die Mehrzahl der eigenständigen Haushalte die Familienvorstände als Häusler gelistet, also Dorfbewohner, die sich meist selbst über ein kleines Stück Land versorgten, das ihnen gehörte oder von ihnen gepachtet wurde. Weitere Sektoren, wie Handwerk, Gastronomie oder Bildung und Verwaltung sind in geringem Umfang ausgeprägt und werden ohne überregionale Bedeutung für die Erfüllung der Bedürfnisse im Dorf genau ausgereicht haben.

Betrachtet man nun als weiteren Wert die Altersstruktur des gesamten Dorfes nach Geschlechtern, hier geordnet nach Geburtsjahrzehnten, ergibt sich eine zu dieser Zeit übliche Pyramidenform.

Der einzige auffällige Wert liegt hier in einem leichten Überschuss männlicher Dorfbewohner für die Geburtenjahrgänge 1830 bis 1839, eben jener Altersgruppe in der Mädchen oft als Dienstmägde in andere Haushalte in anderen Städten oder Dörfern geschickt wurden. Als nächstgrößere Stadt käme hierfür Aschersleben in Frage, eine solche Wanderungsbewegung von Dienstpersonal muss allerdings erst noch belegt werden:


Altersstruktur  der Dorfbewohner nach Geschlecht (1849).

Mit dieser Einwohnerliste ist lediglich ein Startpunkt gegeben. Für Winningen liegen für das 19. Jahrhundert von etwa 1808 bis 1874 nahezu geschlossen die Kirchenbücher digitalisiert frei zugänglich bei FamilySearch und für ihren gesamten Überlieferungszeitraum mittlerweile geschlossen digitalisiert im Kirchenbuchportal Archion vor. Mit der Ergänzung und der Zusammenführung dieser Daten mit den Daten der Einwohnerliste ließe sich für das gesamte 19. Jahrhundert ein überschaubarer Datenkorpus schaffen, mit dem sich bis ins Detail die Gesellschaft dieses Dorfes beginnend bei einfachen prosopographischen Daten bis hin zu komplexeren Beziehungsnetzwerken, wie Taufpatenschaften oder sonstige familiäre Verbindungen über die Haushalte in 1849 hinausgehend darzustellen lässt.  Exemplarisch ist die Erschließung einiger weniger Daten aus diesen Kirchenbüchern bereits erfolgt – es bleibt jedoch noch einiges zu tun, um diesen Datensatz zu vervollständigen.

Grèves à Nantes (France) entre 1885 et 1909 / Strikes in Nantes (France) between 1885 and 1909

“Ce matin, 16 janvier courant, à 8 heures, une centaine d’ouvrières de la corderie Loyant-Péan, sise à Nantes, chemin de la Miséricorde, ont quitté l’atelier déclarant qu’elles se mettaient en grève.”

Archives départementales de Loire-Atlantique, Rapport du commissaire central, 16 janvier 1893, cote 1 M 2310 ; voir l’événement sur Factgrid.

 

Extrait du Nouveau plan monumental de Nantes, début XXe siècle, Archives municipales de Nantes, 1 Fi 1240.
Extrait du Nouveau plan monumental de Nantes, début XXe siècle, Archives municipales de Nantes, 1 Fi 1240

Cet épisode n’est que le premier d’une longue année 1893 qui rime à Nantes avec grève générale.

Lors de recherches sur les ouvrières dans l’industrie nantaise à la Belle Époque (1880-1914), j’ai eu l’occasion de relever dans les archives de Nantes et de Loire-Atlantique environ 70 mentions de grèves et mouvements sociaux entre 1885 et 1909, dont près de 40 événements pour la seule année 1893.

Après avoir longtemps dormi sur un disque dur, ces données dépouillées en 2005 sont désormais intégrées à Factgrid et accessibles en ligne, par exemple via une frise chronologique (requête SPARQL).

Illustration : Archives municipales de Nantes, extrait du Nouveau plan de Nantes monumental, début XXe siècle, cote 1 Fi 1240.

Carte postale : fabrication de boîte métalliques (usine Saupiquet), avant 1914
Carte postale : fabrication de boîte métalliques (usine Saupiquet), avant 1914

Strikes in Nantes (France) between 1885 and 1909

“This morning, January 16, at 8 o’clock, a hundred workers women of the Loyant-Péan rope-factory, located in Nantes, chemin de la Miséricorde, left the factory declaring that they were going on strike.”

Departmental archives of Loire-Atlantique (France), Report of the police commissioner, January 16, 1893, reference 1 M 2310 ; see also event on Factgrid.

This episode is only the first of a long year of 1893 social events and general strike.

During my research on women workers in the Nantes industry during the Belle Époque (1880-1914), I had the opportunity to find about 70 mentions of strikes between 1885 and 1909, and nearly 40 events for the only year 1893, in the archives of Nantes and Loire-Atlantique.

Having been stored on a hard disk for a long time, these data, compiled in 2005, are now integrated in FactGrid and can be accessed online, for example via a timeline (SPARQL query).

 


Data download

Défilé du 1er mai 1906
Défilé du 1er mai 1906

2 PhD positions in early modern history, 18th and 19th centuries at the University of Friborg, Switzerland

A collaboration involving FactGrid as the project ressource, the following scholarship announcement in French, English and German:

2 postes de doctorant-e en histoire moderne, XVIIIe-XIXe siècles (Université de Fribourg, Suisse)

 Le Département d’histoire de l’Université de Fribourg met en concours deux postes de doctorant-e-s en histoire moderne (4 ans, 100%) à partir du 1er mars 2022. Les postes sont intégrés au projet FNS The Mesmerism in Switzerland: interactions, transnational circles and networks, media / Le mesmérisme en Suisse : interactions, cercles et réseaux transnationaux, médias / Der Mesmerismus in der Schweiz: Interaktionen, transnationale Zirkel und Netzwerke, Media sous la direction de prof. Claire Gantet, financé par le Fonds national Suisse.

1 thèse Le mesmérisme en Suisse occidentale : sociabilités, mobilités, constellations

1 thèse Un flux d’informations : le mesmérisme en Suisse

Les projets se concentrent sur le problème du mesmérisme en tant que nouvelle thérapie très influente élaborée par Franz Anton Mesmer (1734-1815) – découverte de l’hypnose et son utilisation en médecine– et sur les relations entre croyance et science ainsi qu’entre patient et médecin. Ils le font en maniant des perspectives notamment d’histoire culturelle, d’histoire micro-historique et d’histoire transnationale. Les projets de thèse se situent dans le domaine de l’histoire des savoirs et étudieront les pratiques et relations d’interdépendance du mesmérisme. Une cotutelle avec un expert étranger est possible.

 Vos tâches

Vous développerez un projet de recherche indépendant sur le mesmérisme. Au cours de votre thèse, vous aurez l’occasion de participer à des ateliers et à des conférences internationales et d’échanger des idées avec des expert-e-s de votre domaine de recherche. Vos données complèteront les bases de données Harmonia universalis (https://harmoniauniversalis.univ-paris1.fr/#/) et FactGrid (https://database.factgrid.de/wiki/FactGrid:Early_Modern).

 Votre profil

Vous devez être titulaire d’un master en histoire, si possible des XVIIIe et XIXe siècles, ou dans un domaine connexe avant le commencement du poste. Vous savez mener une recherche de façon autonome et avez de bonnes capacités de lecture en français, en anglais et en allemand. La thèse peut être rédigée en anglais, en allemand ou en français. Vous devez avoir une adresse en Suisse durant la durée du contrat.

 Ce que nous offrons

Nous vous offrons la possibilité d’effectuer un projet de recherche indépendant en collaboration et en échange avec une équipe motivée. Le département bilingue d’histoire de l’Université de Fribourg vous offrira également un environnement de recherche stimulant. Dans le cadre de la thèse, vous aurez diverses possibilités de supervision et de développement professionnel, notamment la participation à des colloques, ateliers, conférences et publications. Nous offrons un contrat de quatre ans avec un salaire conforme aux taux du FNS pour les doctorant-e-s (environ 47’000 CHF la première année). Des fonds sont disponibles pour des activités de recherche spécifiques telles que des séjours de recherche et la participation à des conférences.

Votre candidature doit comprendre

  • Une lettre de motivation : Veuillez expliquer ce qui vous attire dans ce poste et en quoi vous êtes apte à répondre aux attentes
  • Votre mémoire de Master ou un travail de séminaire important, si possible avec le rapport des examinateurs
  • Un curriculum vitae détaillé
  • Copies de vos certificats et diplômes universitaires avec une liste des cours suivis
  • Noms et adresses électroniques de deux personnes de référence que l’Université de Fribourg pourrait contacter

 Vous pouvez rédiger la lettre de motivation et le CV en allemand, en français ou en anglais, selon votre préférence.

L’Université de Fribourg s’efforce d’assurer une représentation équilibrée des femmes et des hommes. Les candidatures de femmes sont donc explicitement les bienvenues. En tant que signataire de la Déclaration DORA, l’Université de Fribourg attache une grande importance à l’évaluation qualitative des résultats académiques.

Veuillez envoyer votre candidature sous forme d’un document PDF par courriel à prof. Claire Gantet (claire.gantet@unifr.ch) avant le 15 Décembre 2021.

Pour tout renseignement complémentaire, veuillez contacter Claire Gantet : claire.gantetnifr.ch.

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2 PhD positions in early modern history, 18th-19th centuries (University of Fribourg, Switzerland)

The Department of History of the University of Fribourg invites applications for two PhD positions (4 years, 100%) in early modern history. The PhD thesis will be realized in the framework of the FNS project The Mesmerism in Switzerland: interactions, transnational circles and networks, media / Le mesmérisme en Suisse : interactions, cercles et réseaux transnationaux, médias / Der Mesmerismus in der Schweiz: Interaktionen, transnationale Zirkel und Netzwerke, Media directed by Claire Gantet and financed by the Swiss National Science Foundation. The positions will start on 1 March 2022:

1 PhD thesis: The mesmerism in western Switzerland: sociability, mobility, constellations

1 PhD thesis: An information flow: mesmerism in Switzerland

The project focuses on the problem of Mesmerism as the new and influential method of treatment developed by Franz Anton Mesmer (1734–1815)–discovery of hypnosis and its use in medicine–and the relationships between knowledge and belief or the physician-patient-relationship. It explores it by intersecting multiple perspectives such as cultural, microhistorical, and transnational history. The advertised PhD projects will be situated in the history of knowledge and explore practices and entanglements of Mesmerism.

Your responsibilities

You will define and conduct your own independent research project on Mesmerism. While writing your dissertation, you will be able to participate in international workshops and conferences with leading experts of the field. Your data will be filed in the databases Harmonia universalis (https://harmoniauniversalis.univ-paris1.fr/#/) and FactGrid (https://database.factgrid.de/wiki/FactGrid:Early_Modern).

Your profile

You hold a master’s degree in History (18th-19th century) or a related field by the time you enter the position. You should be highly motivated to do historical research and have good reading skills in French, English and German. Familiarity with history of medicine or history of Switzerland and paleographical or digital abilities are welcome. The PhD thesis may be written in English, German, or French. For the duration of the contract, residency in Switzerland is required.

What we offer

We offer you the possibility to develop your own research project in collaboration and exchange with a highly motivated team situated in the stimulating research environment of University of Fribourg’s bi-lingual department of history and you benefit from its contacts with international experts. Furthermore, we provide you with opportunities for professional development (participation in conferences and publications, workshops with experts in the field). We offer a four-year employment contract with a salary paid according to the SNSF rates for doctoral students (approximately 47’000 CHF for the first year). Extra funding for research activities such as travel to conferences and stays in research libraries is available.

Your application should include

  • A letter of motivation: Please explain what makes you a suitable candidate for this position and why you are interested in it.
  • Your MA thesis or a significant seminar paper, if possible with the examiners’ report.
  • A full CV.
  • Copies of your university transcripts and diplomas.
  • The names and e-mail addresses of two possible referees whom the University of Fribourg may contact.

The letter of motivation and the CV may be written in German, French, or English, according to the candidate’s preference.

The University of Fribourg strives for a balanced representation of women and men. Applications by women are therefore explicitly welcome. As a signatory of the DORA Declaration, the University of Fribourg attaches importance to a qualitative assessment of academic performance.

Please send your application in one PDF file by e-mail to Claire Gantet (claire.gantet@unifr.ch) until 15 December 2021 at the latest.

For further information, please contact Claire Gantet: claire.gantet@unifr.ch


2 Doktoratsstellen, Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts (Université de Fribourg, Schweiz)

Am Departement für Geschichte der Universität Freiburg sind ab dem 1. März 2022 zwei Doktoratsstellen in frühneuzeitlicher Geschichte (4 Jahre, 100%) zu besetzen. Die Stellen sind Teil des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts The Mesmerism in Switzerland: interactions, transnational circles and networks, media / Le mesmérisme en Suisse : interactions, cercles et réseaux transnationaux, médias / Der Mesmerismus in der Schweiz: Interaktionen, transnationale Zirkel und Netzwerke, Media unter der Leitung von Prof. Dr. Claire Gantet. Der Zeitpunkt des Stellenantritts ist der 1.3.2022.

1 Dissertation über die Akteure, Geselligkeitsformen, Mobilität und Netzwerke, 1780–1840

1 Dissertation über die Medien des Mesmerismus, 1780–1840

Das Projekt richtet sein Augenmerk auf das Problem des Mesmerismus als von Franz Anton Mesmer (1734–1815) entwickelte neue, maßgebende Behandlungsmethode (Entdeckung der Hypnose und ihre Verwendung in der Medizin) und den Zusammenhang zwischen Glauben und Wissen sowie das Arzt-Patienten-Verhältnis. Dieses wird u.a. aus kultureller, mikrohistorischer und transnationaler Perspektive beleuchtet. Die ausgeschriebenen Dissertationsprojekte sind zudem im Bereich der Wissensgeschichte situiert und werden die Praktiken und Verflechtungen des Mesmerismus untersuchen. Eine Doppelbetreuung (cotutelle) mit einem/einer auswärtigen Experten/Expertin ist möglich.

Ihre Aufgaben

Sie entwickeln ein eigenständiges Forschungsprojekt zum Mesmerismus. Während der Dissertationsphase werden Sie die Gelegenheit haben, an Kolloquien, Workshops und internationalen Konferenzen teilzunehmen und sich mit führenden Expert:innen aus relevanten Forschungsfeldern auszutauschen. Ihre Daten werden die Datenbank Harmonia universalis (https://harmoniauniversalis.univ-paris1.fr/#/) und FactGrid (https://database.factgrid.de/wiki/FactGrid:Early_Modern) ergänzen.

Ihr Profil

Sie sollten spätestens bis zum Zeitpunkt des Stellenantritts im Besitz eines Masterabschlusses in Geschichte der frühen Neuzeit oder der Neuzeit (18.–19. Jht.) oder einem benachbarten Fach sein. Sie sind forschungsorientiert und haben gute Lesekenntnisse in Französisch und Englisch. Linguistische und historische Vorkenntnisse zur damaligen Medizin oder zur Geschichte der Schweiz sowie paläographische oder digitale Fähigkeiten sind sehr willkommen. Die Dissertation kann in Englisch, Deutsch oder Französisch verfasst werden. Für die Dauer des Vertrages müssen Sie in der Schweiz wohnhaft sein.

Was wir bieten

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, ein eigenständiges Forschungsprojekt in Zusammenarbeit und Austausch mit einem motivierten Team zu verfolgen. Das zweisprachige Departement für Geschichte der Universität Freiburg und ihre Vernetzung mit u.a. französischen Spezialisten werden Ihnen darüber hinaus ein stimulierendes Forschungsumfeld bieten. Im Rahmen der Dissertation werden Sie verschiedene Möglichkeiten der fachlichen Begleitung und Entwicklung haben, darunter die Teilnahme an Kolloquien, Workshops, Konferenzen und Publikationen. Wir bieten einen vierjährigen Vertrag mit einem Lohn, der den SNF-Ansätzen für Doktorierende entspricht (ca. 47‘000 CHF im ersten Jahr mit steigendem Gehalt). Gelder für spezielle Forschungsaktivitäten wie Forschungsaufenthalte und Teilnahmen an Konferenzen stehen zur Verfügung.

Ihre Bewerbung sollte enthalten

  • Ein Motivationsschreiben: Bitte erklären Sie, was Sie an der Stelle interessiert und warum Sie dafür geeignet sind.
  • Ihre Masterarbeit oder eine längere Seminararbeit, wenn möglich mit Gutachten.
  • Ein ausführliches Curriculum vitae.
  • Kopien Ihrer universitären Zeugnisse und Diplome inklusive Liste der besuchten Kurse.
  • Namen und Mailadressen von zwei möglichen Referenzpersonen, die die Universität Freiburg kontaktieren kann.

Sie können das Motivationsschreiben und den Lebenslauf je nach Ihren Präferenzen in Deutsch, Französisch oder Englisch verfassen.

Die Universität Freiburg strebt eine ausgeglichene Repräsentation von Frauen und Männern an. Bewerbungen von Frauen sind deshalb explizit willkommen. Als Unterzeichnerin der DORA-Deklaration legt die Universität Freiburg Wert auf eine qualitative Beurteilung von akademischen Leistungen.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung bis zum 15. Dezember 2021 gebündelt in einem PDF-Dokument per Mail an Claire Gantet (claire.gantet@unifr.ch).

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Claire Gantet: claire.gantet@unifr.ch

Image: Sven Richard Bergh, Hypnotic Séance 1887 Wikimedia Commons

Paris to download

PARIS TO DOWNLOAD  comes with a double purpose: it is first designed to provide a dataset for historians to download with one simple click. Click the image below and a SPARQL query will bring the addresses of Paris c. 1830 onto a modern map.

Paris to download (click on the map) / link for the direct table download TSV formatted

On the right hand side you will be able to activate the menu that allows you to download the raw data behind this visualisation to your computer. TSV or CSV are the practical formats here. TSV (table separated) data can be copied and pasted into any spreadsheet. The download will come with the geographic coordinates and the address names, CC0-licensed and ready to use in any software environment of your choice…

…which might, however, not be the most interesting use to make of this data set. It should be far more attractive to create your own visualisations here on FactGrid with information you can put on any of the items underneath the visualisation. You will need an account to augment information on this data set and we are eager to open these accounts to all researchers working on historical Paris.

The collaborative project that we are offering here is still in its infancy. Its aim is to make resources on the history of Paris available to the general public, and more particularly historical data on Parisian roads and facilities. A lot of data exists on Paris but they are scattered and often difficult to access. FactGrid makes it possible to store, consult and retrieve them for free en masse and according to needs by simple queries.

PARIS TO DOWNLOAD  already provides a resource that will be of interest to all historians of 19th century Paris: a gazetteer giving the geocoded addresses of all buildings in Paris in the first half of the 19th century.

Some details below that might help to use the data set:

The history of house numbering in Paris

For a long time, urban addresses were identified by the names of houses and their signs (David Garrioch). Despite some attempts to number houses in modern times, it was not until after 1750 that real house numbering systems appeared in European and North American cities, and it was not until the 19th century that they became the norm for identifying urban addresses (Anton Tantner).

The house numbering errupted as a new element of rationality to order the city. As Anton Tantner and Reuben Rose-Redswood have shown, introducing numbers into the urban space is a ‘technique of power’ characteristic of the new governmentality that took hold in the second half of the 18th century. It was only later that the inhabitants themselves appropriated the new signage and made it a major tool for orientation and address location.

The history of house numbering in Paris is part of this general history of numbering (see Numérotation des immeubles de Paris). The first numbering system in Paris, introduced in 1779, was the work of a private contractor, Kreenfelt. This system is sequential by street and follows the course of a horseshoe. The doors, not the buildings, are numbered. In 1791 this first system was abandoned in favour of a system of house numbering by district (named section). In this system the numbers could be very large and the same street could have several identical numbers in case it belonged to several sections. Finally, because of these disadvantages, the system of 1791 was abandoned in 1805 and a new system was introduced on the initiative of the préfet Frochot, now inspired by the numbering system of Philadelphia

The 1805 numbering system

Frochot’s system is the one that it is still used in Paris today. It is sequential by street and of the even/odd type. The series of numbers in a street is made up of even numbers on the right side, and odd numbers on the left side. The right side is the one to the right-hand of the passer-by going up the street towards the Seine. If the street is parallel to the Seine, the right side is the one to the right-hand of the passer-by going up the street in the direction of the river course. The numbers are visibly inscribed on the facades of each house (document 1).

Document 1: No. 13, rue de la Bûcherie,  drawing by J.-A. Chauvet, coll. Musée Carnavalet

Although the 1805 system is still used in Paris, many streets were renumbered during the 19th century. The most important reform of Parisian numbering was carried out by the prefect Rambuteau in 1847. In addition, the incorporation of neighbouring communes in 1860 and the Hausmannian transformations considerably extended the house numbering compared to the initial state. Since the end of the 19th century, however, address numbering has changed little in Paris.

Today, the Parisian house numbering covers about 150,000 addresses, compared to about 28,000 in 1805.

Parisian directories of the 19th Century

House numbering facilitated the making of address books and directories (see a list in the wiki Geohistoricaldata). The most famous one is the Bottin, the directory published by Sébastien Bottin. Each year since 1819, Bottin published the addresses of the trades and those of the most notable inhabitants (see document 2)

Addresses of the boarding schools, Bottin 1825
Document 2: Bottin, 1825: addresses of boarding schools. Source: Gallica

In 1834 Guyot de Fère published a Statistique des lettres et des sciences and the following year a Statistique des Beaux-Arts which gave the addresses of Parisian writers and artists. Numerous other publications provided the addresses of shops, workshops, schools, associations, etc. In other words, we have easily accessible sources for mapping the economic, social and business life of the city in the 19th and 20th centuries, provided we can locate the address numbers.

How to locate an old Parisian address?

Finding the location of an address is now a breeze: just go to OnStreetMap, Google Maps, or any other web mapping platform. You can also easily download for free the dataset of the current 150,000 Parisian addresses on the site Data Paris. But what about addresses of the past? If old addresses cannot be located, directories are of no use to the historian. It is therefore not surprising that this type of source has been little used in historical works on Paris until now.

The present data set has taught me some of the intricacies of locating Parisian addresses of the past. I leave aside here the difficult question of the location of Parisian addresses before the end of the 18th century. Let us see how it would be possible to proceed from the creation of the first house numbering system in 1779. It is easy to understand that the only possible method is to geocode the address, i.e. to associate the address number of each house with its geographic coordinates, but it does’nt get us very far: how do we know the geographical coordinates of an address? That is the question.

The problem of the maps

The only possible answer is: having a map. We can use current maps. Especially OneStreetMap is of good value here, as it displays house numbers. For example,  no. 6 of Place des Vosges where Victor Hugo had a flat between 1832 and 1848  (now the Musée Victor Hugo) was already  no. 6 at that time. The same for no. 10, rue Monsieur-le-Prince, where Auguste Comte lived from 1841 to 1857 or for  no. 8, rue de Caumartin, where Stendhal wrote his famous novel The Charterhouse of Parma in 56 days in 1838. The address of Eugène Delacroix’s studio from 1844 to 1858 is still at the same address, no. 58, rue Notre-Dame-de-Lorette. etc.

The majority of the address numbers of the early nineteenth century has not changed. But there are many exceptions. For instance, Stendhal wrote his novel The Red and the Black at no. 71, rue de Richelieu, which is now no. 69 of the same street (the original building has been demolished). Géricault’s studio was at no. 25, rue des Martyrs, which is now the no. 23. etc. But there are worse cases. A lot of old streets of Paris have been destroyed, reduced in size or extensively redesigned. For instance,  no. 27, rue Notre-Dame-des-Champs, where Victor Hugo wrote his play Hernani in 1829, had disappeared with the opening of the Boulevard Raspail.

The examples show that using current maps remains an unreliable method of locating old Parisian addresses. To solve the problem, we would like to have georeferenced historic maps of Paris displaying house numbers. Obviously such maps do not exist ready-made, but they can be created from two old collections of maps based on the excellent topographical survey realized by Verniquet in 1790: the Atlas Vasserot drawn up between 1810 and 1836, and the Atlas Jacoubet published between 1827 and 1839. Both of them indicate the house numbers (see documents 3 and 4).

Plan Vasserot. Detail of a sheet
Document 3: Atlas Vasserot. Rue du Marché-Saint-Honoré
Plan Jacoubet. Detail of a sheet
Document 4: Atlas Jacoubet. Rue du Marché-Saint-Honoré

Georefencing and geocoding

The georeferencing of the Atlas Vasserot has been realized between 2006 and 2010 by the team ALPAGE (LAMOP, CNRS/Paris 1, resp. H. Noizet) and the result is available on the platform ALPAGE. A georeferencing of the Atlas Jacoubet has also be realized by the team SIGParis18-19  (EHESS), but the resulting georeferenced map is not yet published.

The next step is the geocoding of the addresses. The work has been done on the georeferenced Atlas Vasserot by A.-L. Bethe (ALPAGE) in 2010 and the data set (about 28000 addresses) is available on the platform ALPAGE, données Vasserot. The team SIGParis18-19 has used its georeferenced map of the Atlas Jacoubet (transferred to the Atlas Verniquet of 1790) to geocode the Parisian addresses of 1789 (about 23000 addresses). The methodoly is explained in an article with some applications (Anne Varet-Vitu, Mathieu Marraud, Éric Mermet, 2020), but the dataset is again not yet published. I would add that a wiki project Localisations parisiennes (1780-1810) was launched in 2017 by Dominique Waquet to make a street-by-street inventory of Parisian buildings during the  Revolution aiming at a future geocoding of the addresses following the numbering system of 1791, but so far only the addresses of the rue Saint-Honoré have been located.

The Parisian addresses on FactGrid

Each of the 28000 Parisian addresses on FactGrid  is a Q-item. The form of its label is  :
“Paris, street name, no. #”
and its description indicates the numbering system and the initial time (most often 1805). English, German and French labels and descriptions are available. You can also select these languages on the FactGrid viewer.

Each address has the following  linked data:
1. the street , 2. the quarter, 3. the city (Paris), 4. the numbering system, 5. the geographical coordinates (WGS84) with the parcel ID as qualifier and the reference to the dataset “Données Vasserot”; some items are additional linked data like the previous address at the same location.

Each street of Paris (for the period 1805-1850) is also a Q-item. See the example of the rue Saint-Honoré. The same for the quarters and the arrondissements (for the same period).

The dataset “Données Vasserot”

The project PARIS TO DOWNLOAD has put the dataset “Données Vasserot version 1 (2010, A.-L. Bethe), Alpage” on FactGrid (with the agreement of ALPAGE).

The dataset “Données Vasserot” is based on information collected  before the mid-1820s and does not include the addresses for streets opened after 1805. However, these addresses, for which the Atlas Vasserot is of no help, are in FactGrid.  Their geocoding is based on the Atlas Jacoubet combined with information coming both from the Dictionnaire administratif et historique des rues de Paris and from the Bottin of 1850 (this volume, unfortunately not yet available on the internet, contains a conversion table between the old address numbers and the numbers adopted after the 1847 reform of the house numbering). This geocoding is here work in progress and some streets and addresses are still missing.

For the moment, the Parisian addresses produced on FactGrid by PARIS TO DOWNLOAD are reliable for the period between 1805 and 1848. These data should be used with caution for the period after 1848, as the Rambuteau reform of the house numbering introduced many changes, even if they were mostly shifts of a few numbers. In addition, the incorporation of neighbouring communes in 1860 dramatically increased the number of streets and addresses in Paris. It would be very useful to undertake geocoding  all these addresses, but that is another task.

Querying addresses on FacGrid

All the Parisian addresses can be downloaded by using the FactGrid query service.

One of the advantages of the FactGrid repository is that it is possible to make a selection. Suppose you want only the addresses of the rue de la Harpe. You can get a map (don’t forget to launch the query) or a data table (don’t forget to launch the query).

You can select all the addresses of a quarter, for instance the addresses in the Quartier de l’Ecole-de-Médecine (don’t forget to launch the query), or all the addresses of an arrondissement, for instance all the addresses in the former 11e arrondissement (don’t forget to launch the query). You can also get the list of all the streets of Paris (between 1805 and 1850), etc.

If you have a data file with Parisian addresses (for instance the list of all Parisian physicians extracted from  the Bottin of the year 1825), you can download the 28000 geocoded addresses from FactGrid, match these addresses with the addresses of your file in order to collect the geographical coordinates and use your completed data file to create a map on your favourite GIS. OpenRefine makes the work still easier (an OpenRefine service will be available very soon on FactGrid).

However, the best option is to put your data file directly on FactGrid and to add a statement Address (P208) to each Q-item you have created, in order to benefit of all the power of the FactGrid database and query service. See, as a simple example, the eleven Parisian addresses of Auguste Comte.

As said in the beginning: The dataset is designed to work in any other software environment, but it is beyond that an invitation to aggregate information here on the site — on the address items and on the items of people and objects you are interested in and you would like to create and to interconnect within the data set. It’s free, open and collaborative.

Simply have an account and contribute!


Video presentation of 19 May 2022:

Die Absolventen des Gothaer Gymnasiums Illustre/ Ernestinum 1524 – 1882

Nach den Pfarrern des Gothaer Territoriums (und ihren Ehefrauen, beidseitigen Eltern, Kindern und deren Ehepartnern – insgesamt gut 15.000 Datenbankobjekten) legt Heino Richard hiermit einen zweiten, quer durch diese Gruppe reichenden Datensatz vor: Die Absolventen des Gymnasiums Illustre Gotha/ Ernestinum.

Primär erfasst sind dabei nach den Listen, die Max Scheider und im Nachtrag Ulrich Lutzkat vorlegten: 4215 Schüler von der Frühphase des am 21. Dezember 1524 gegründeten Gymnasiums bis in den Abschlussjahrgang des Septembers 1882. Von diesen waren uns 872 Schüler bereits bekannt, davon (die Zahlen werden sich ändern, wo immer wir mit den neuen Daten bislang unklare Identitäten auflösen können):

  • 7 aus der Gothaer Illuminatenforschung
  • 21 aus den Gothaer Adressbüchern der Jahre 1828, 1843 und 1846
  • 17 aus dem Gothaer Wählervereichnis von 1849
  • 810 aus dem erwähnten Projekt der Sachsen-Gothaischen Pfarrer

…wobei die Adressbücher uns nach wie vor vor das Problem stellen, dass wir aus ihnen Personen zwar mit Adress- und Berufsangaben aber weitgehend ohne Vornamen bezogen. Die Identifikation kommt hier nur zäh voran.

3343 Personen kamen neu hinzu und zogen dabei 279 neue Väter mit sich, macht unter dem Strich 3622 neue Personen (zwei besonders prominente Neuankömmlinge sind der Absolvent Christian Gryphius mit seinem Vater, dem noch berühmteren Dichter, Andreas).

Die Überlappungen waren ein attraktives Moment des Projektes. Mit jeder von ihnen stabilisierten sich Identifikationen und kamen Hintergrunddaten hinzu, oft zu bislang nur spärlich beleuchteten Personen.

Mit den folgenden beiden Datenbankabfragen werden alle uns bekannten Schüler aufgelistet (es sind derzeit zwei Handvoll mehr, dank einiger bekannter Schüler, die früher abgingen):

Geburtsdaten, Herkunftsorte, Familienbeziehungen, besuchte Universitäten, Berufe…

Wie schon im Fall des Pfarrerbuchs so sind die Daten der Schülerschaft des Gymnasiums Illustre/ Ernestinum, vor alle ein offenes Angebot an die Forschung. Alle erfassten Personen stattete Heino Richard mit Geburtsdaten aus – entweder aus den vorliegenden Quellen oder über eine Rückrechnung (die, wo wir sie vornahmen, durchweg im qualifizierenden Statement zur Genauigkeit der Angabe vermerkt ist; wir gingen dabei von einer 20-Jahres-Differenz als Regelfall aus, das legten die notierten Daten nahe).

Der Artikel der deutschen Wikipedia zum Gymnasium notiert:

Im 17. Jahrhundert wurde das Gymnasium durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg weiterhin gefördert. Er bot Söhnen verfolgter Lutheraner aus Ungarn, Schlesien, Polen, Russland und Skandinavien Asyl, die am hiesigen Gymnasium lernten. [abgerufen 2021-04-21]

Das lässt sich nun präzisieren. Skandinavien (sieht man von einigen Dänen ab) erscheint hier nicht, Schlesien und die ehemaligen deutschen Ostgebiete im heutigen Polen sowie, als Randlage, Ungarn jedoch schon (zudem im 19. Jahrhundert auch ein Schüler aus der Karibik). Näher hinein-gezoomt zeichnet sich dann aber das Sachsen-Gotha-Altenburgisch und Coburgischen Territorium ab. Allein 1462 der 4215 Absolventen kamen unmittelbar aus Gotha, die meisten waren „Landeskinder“, Söhne von Amtsleuten und Pfarrern der Dörfer des Territoriums.

https://tinyurl.com/yezpgqds

Ausgiebig sind Informationen zu Studiengängen, besuchten Universitäten sowie späteren Berufen notiert. Die folgenden Suchen geben die Daten.

Universitäre Fächerwahl, Bubble Chart

Zum großen Reiz von Wikibase-Instanzen gehört, dass man sie gewissermaßen über Ecken durchsuchen kann. Die Frage nach der sozialen Herkunft der Schüler lässt sich damit überraschend zielgerichtet angehen. Unmittelbar sind die Berufe, Bildungswege und Arbeitsverhältnisse der Väter ein Indikator für das jeweilige Elternhaus. Die Mütter sind in der Regel Hausfrauen. Ihr Stand entscheidet sich über den Beruf und die Ausbildung ihrer Väter. Die Fragen lassen sic präzise in die Vernetzung der Information hinein stellen:

  • Familiäre Hintergründe: Berufe der Väter und der Väter der Mütter, Kurzlink

Konsequent erfasst sind die genealogischen Hintergrundinformationen; sie ermöglichten die Suche über Eck. Langzeitvisualisierungen der familiären Netzwerke wären eine Herausforderung. Hier ist vor allem unklar, wie man Datenvisualisierungen im historischen Verlauf gestalten sollte – eine Herausforderung für SPARQL-Könner und Tool-Programmierer.

Einladung an die Bildungsgeschichte sich dieses Zettelkastens zu bedienen

Projekte der Bildungsgeschichte, auf der Suche nach einem ergiebigen Untersuchungsgegenstand sollten hier eine extrem praktische Vorarbeit entdecken. Gothas Gymnasium Illustre/ Ernestinum bietet eine noch weitgehend unerschlossene archivalische Überlieferung von 8,3 laufenden Regalmetern im Thüringischen Staatsarchiv Gotha mit extremer Datendichte – darin finden sich:

  • Dokumente zum Unterricht in den verschiedenen Fachgebieten von Griechisch bis Turnen ab der Frühphase
  • Schulordnungen ab 1641
  • Akten der Lehrer mit Gehaltsinformationen ab 1837 ff.
  • Zeugnislisten der Jahrgänge 1641 bis 1946
  • Informationen über „spezielle Verhältnisse der Schüler“ ab 1837
  • Akten zur Finanzierung des Gymnasiums ab 1772

(Hier das elektronische Findbuch zu diesen Beständen.) Spektakulär sind in diesem Bestand die Zeugnislisten mit ihren Beurteilungen der Leistungen im Wandel der Beurteilungskriterien und Fächer. Aus ihnen wird nebenbei ersichtlich, wie die Schule Unterricht organisierte. Man kann mit diesen Listen im Detail Schülerkarrieren – auch die der Schüler, die nicht bis zum Abschluss kamen und uns bislang fehlen – Schuljahr für Schuljahr nachvollziehen.

Zeugnisliste des Gymnasiums Illustre aus dem Thüringischen Staatsarchiv Gotha

Das FactGrid sollte in seinen Datenstrukturen so angenehm frei modellierbar sein, dass es Projekte, die diesen Aktenbestand angehen, anziehen sollte, mit dem Geschenk des fertigen Rasters, von dem aus sich beliebig viel tiefer in die archivalische Datenerhebung einsteigen lässt.


  • Basissuche: einfache Schülerliste: Familienname, Listen-Nummer, GND-ID, Kurzlink
  • Landkartenrepräsentation Geburtsorte der Gothaer Schüler, Kurzlink
  • Besuchte Ausbildungseinrichtungen, Kurzlink
  • Besuchte Ausbildungseinrichtungen, Balkendiagramm
  • Universitäre Fächerwahl, Kurzlink
  • Universitäre Fächerwahl, Bubble Chart
  • Karrieren, Kurzlink
  • Berufliche Positionen, Kurzlink
  • Familiäre Hintergründe: Berufe der Väter und der Väter der Mütter, Kurzlink

The first volume of the Thuringian pastor’s book (1500–1920) as a Wikibase data set

auf Deutsch

In a tremendous effort of a year’s work, Heino Richard of the Genealogical Society of Thuringia e.V., step by step translated the first volume of the Thuringian Pastors’ Books (the volume for the former Duchy of Gotha) into data which we could now feed into FactGrid: More than 13,300 database objects are stemming from this work allowing now entirely new explorations of the territory’s social and religious history. We as curious about the joint ventures this work might inspire. There is no reason to fear that the database version will render all further work on the paper-based volumes obsolete; the platform might, however, offer itself to the editors of the Pfarrerbuch as an unexpected aid.

The eight volumes cover all the parishes of the former Thuringian territories from the Reformation to the 20th century. A first survey is opening each volume with a tour through all the parishes and offices giving the lists of the pastors and auxiliaries who held the respective offices. The main part is in each volume devoted to the individual biographies. Genealogy is key: Pastor after pastor we get the parents with their professions, their wives (with their respective parents and backgrounds), and eventually the children (with information about their professions and the families they married into).

“Things, not strings” – database objects instead of names to be merely spelled out

Translating the volumes into FactGrid-Wikibase data became an ordeal with software’s call for database objects to be connected – where the printed volume was just stating names in various strings of letters. One would have wished to get persistent identifiers with these names since almost all these names reappeared in various contexts – as office holders, as the targets of individual biographies and in various related functions as fathers, sons, sons-in-law or fathers-in-law in the other biographies – without any further clarification of the hard identities behind the mentionings. All this was tricky since names were passed across the whole range from fathers to son, or from grandfathers and uncles to grandsons and nephews to name the closer options that would become most difficult to set apart.

1953 church dignitaries became the stock to start with – almost all connected to more than one of the 142 parishes. The set doubled, tripled and quadrupled with the wives, parents and children and their new relatives to a total of 13,344 data records (as of today). All the records had to be connected to birth and death dates, places, information about marriages, terms of office and occupations.

The entire data is still flawed here and there – it will straighten out the the use it will find. A simple check sheds light into the abyss: We still have some 200 personal data records connected to more than one father and one mother. The double records have sprung unto existence wherever we failed to understand that people were the same – a given name missing or an alternative spelling would render the automatic identification impossible. Things are just as tricky where we supposed that we were dealing with a single person whilst we were actually fusing information of two different lives into a single data record.

Merging data sets remains as painful as the reversal since the software does not take much of an effort to keep track of all the consequences to observe when entire branches of families have been duplicated in the course of the input.

Software features one would love to have

The input of genealogical data calls for a module that understands what basically is. The module should generate family trees and warn you before any input that it has found identical family fingerprints: Children from two families are unlikely to share their birthdays; just as they are unlikely to marry into the same families or to share fathers with the same background data. When entering data, the software should highlight congruent structures and help to merge them with look at the entire overlap which it can track far better than any human eye.

The lack of the stand-alone frontend is even more grievous. Those who want to read the database are not interested in the input pages that list the various triples and qualifiers just as we happened to enter them.

Magnus Manke’s “Reasonator” and Markus Krötzsch’s “SQID” demonstrate what Wikidata and Wikibase should receive: an interface that is solely geared towards the display of data. The next generation of such interfaces will do more than just display the statements made on a single item in a better order. Configurable interfaces will gather information from items referring to your query. It is precarious to list 800 letters and publications of a person you are exploring on the person’s item, if you have already created 800 items for all these titles all with in-depth information on the authors, collaborators, publishers, performances, recipients, archival holdings and so on. It should suffice to note a person’s father and mother on the person’s item — once you start giving reciprocal information on the parents’ pages and siblings you are in the middle of a mess of data which you will inevitably fail to keep in congruence.

Lacking a more cohesive interface it remains difficult to present a data set like this one.

So how can one see what’s in it?

What we can do in the present situation is to give first searches that enable readers to start their own more specific searches – knowing that SPARQL will be a huge put off for the majority of readers. The most practical first search to start with will be the query for all the Protestant parishes of the former Duchy, to appear on a map:

Click the red dots to access to the records of the individual parishes with the lists of pastors registered on the each item.

The table version allows the data to be downloaded as JSON, TSV and CSV data records. TSV, “Table Separated Values”, can be processed in data sheets, whether Excel or Google. The search is sent off with the blue arrow key:

You will have to study an exemplary personal data record before you start your own searches as you need to know how we formulated the triples, i.e. the miniature statements stored in the database, in order to run effective searches as SPARQL queries:

The following query generates a table of all pastors with their birth dates, death dates and parents. With the input help (press the i-Icon to activate it) you can add more table columns to the search in order to get the additional information on children, wives, offices, memberships etc.:

All 13,484 database objects that are using information from the first volume of the Pastors’ Book can be bundled with the P12 (literature) + Q43361 (the first volume of the Thuringian Pastors’ Book) filter.

What is in it to learn?

The Thuringian Pastors’ Book genealogical focus opens up a first interesting perspective: Religion becomes after the territorial decisions of the Reformation increasingly a family institution: You take your religion with you as you receive it at birth. This is even more so with the church hierarchy that evolves. Families become the partners of the territorial churches supplying the students of theology and the pastors for generations. With the database we should become able to ask the more specific questions:

  • What was the exact influence of individual family positions: father, mother, grandfathers, uncles? How did that influence accumulate with more than one pastor in the family?
  • Did the family influence on becoming a pastor decrease over time – with the compulsory education becoming the central provider of professional decisions and career options in the course of the 19th century (and when exactly did such an influence become more noticeable)?
  • To what extent was marrying into a rectory household an advantage – for one’s own career, for the careers of the children?
  • Were local networks as valuable as relationships across spatial distances?
  • To what extent did the ecclesiastical appointments open – geographically? Where did the pastors come from over time?

A project looking for partners

We will have to bring people and institutions together to make our data sets more accessible and the CC0 license is not the threshold here.

(1) It would be an immense gain if could get Wikidata and Histropedia people on board. They are the people who understand the technical side far better than the FactGrid community of the historians; and somehow we should become able to work hands in hands.

(2) It would be a huge win if the resource attracted the team behind the Thuringian pastors books. The software we are using is not really a tool to digest books – it is a tool to facilitate your research. We have the ideal platform one would use to set identifiers and to collect and accumulate information – on the platform with the sources you will not be able to link in the volumes. FactGrid is a team’s tool to be used in the process that prepares a volume.

(3) We would be pleased if we could win the Eisenach State Church Archives for the project. For two years now we have been working with the Church Archive of the City of Gotha, which has started to use the database as its own repository. It would be exciting to widen this project an to get a clearer picture of the whereabouts of archival materials from the 142 parish we have been exploring with this project.

(4) A far broader data networking should add complexity and depth to the work done so far: Our 2000 pastors have written sermons, books, and letters. The Gotha Research Library will keep more of these publications than any other institution. We should be able to match our records to fuse the next layer of networking – the layer of public and private networking via letters and publications into the database with its present genealogical focus. The entire production of books and the links to digitisations is now increasingly done by the VD16, VD17 and VD18 online catalogues and the Kalliope-Database. It would be interesting to connect these records to allow the swift step from personal records to online documents. The Gotha Research Centre will not be able to organise such a projects – it will need partners who adopt the work we did here in a pilot study of the database’s potentials.

If you get interested in the data set and start exploring it, let us know and share your research with us right here on the blog.