9 x FactGrid, Coffee Talk Serie an der Universität Erfurt, 14. April – 16. Juni 2022, Donnerstags 13:30

Die Universität Erfurt lud uns ein, im kommenden Sommersemester eine online Coffee-Talk Serie zum FactGrid als kollaborativer Forschungsplattform zu veranstalten. Neun Themenschwerpunkte haben wir ausgesucht. Die Veranstaltungen sollen kurz und für die Mittagspause zum Hineinschnuppern gemacht sein. Lassen Sie sich inspirieren. Wir bieten eine 15minütige Erkundung mit jeweils offener Fragerunde.

Das Link zur Veranstaltung erhalten Sie für eine Mail an olaf.simons@pierre-marteau.com


14.4.2022: Sich beim Forschen über die Schulter sehen lassen? — Isabella Schwaderers Erkundungen zu den Mitgliedern der Schopenhauergesellschaft

Netzwerkverbindungen in der Schopenhauergesellschaft, 1912, 1913

Kann man es riskieren, auf einer Plattform, auf der alle Daten unmittelbar offen zugänglich sind, die eigene gerade erst angefangene Forschung laufen zu lassen? Isabella Schwaderer tat diesen Schritt mit ihren Recherchen zu den Mitgliedern der Deutschen Schopenhauergesellschaft und wird hier Einblicke in die Nutzerperspektive geben. Worauf lässt man sich ein? Was ist praktisch? Was ist unpraktisch? Was riskiert man? Was gewinnt man?


21.4.2022: Was immer eine Aussage finden kann, kann ein Datenbank-Item werden — wie Wikibase funktioniert

Wikibase steht im Ruf, ganz beliebige Information aufnehmen zu können. Auf einer einzigen Instanz kann man Information ganz verschiedener Fächer zusammenlaufen lassen und sie nahtlos über alle Fachgrenzen hinweg durchdringen.

Das Geheimnis liegt in der Flexibilität Tripel-basierter Daten. Wir können beliebige Objekte aufmachen und Aussagen zu ihnen beliebig an dokumentierte Datenstrukturen anpassen. Die Eingabe ist einfach. Komplizierter und offener ist, wie man die Daten danach in ihrer ganzen Vernetzung intelligent auswertet.

Ein Blick in die Datenmodellierung, die FactGrid Sample Searches und den Query-Service.


28.4.2022: Daten in 400 Sprachen verfügbar machen

Jahrzehntelang kämpfte man in der Bibliothekslandschaft um globale Datenmodelle und verbindliche Datenbank-Feldbelegungen in der Hoffnung, auf sichere Standards. All das hat das Wikidata-Projekt in seiner mutmaßlichen Notwendigkeit relativiert mit dem Angebot einer einzigen Ressource, die jede in ihr gespeicherte Aussage jederzeit in über 400 Sprachen verfügbar macht.

Wie das geht, ist im wörtlichen Sinne trivial: Alle Aussagen werden zerlegt in Datentripel von jeweils zwei Objekten und einer Beziehung zwischen ihnen, deren Teile man nun einzeln in beliebigen Sprachen mit beliebig vielen Labeln belegen kann. Tatsächlich können auf einer solchen Plattform Nutzer, ohne noch über eine gemeinsame Sprache zu verfügen, die Daten aller anderen in der eigenen Sprache lesen – eine gewaltige Chance für Projekte, die in Teams über Sprachgrenzen hinweg zusammenarbeiten sollen.

Ein Blick auf das Wikidata-Projekt, seine Software und Mehrsprachigkeit im FactGrid.


5.5.2022: Selbstorganisation über Projektgrenzen hinweg

Das FactGrid arbeitet ohne zentrale Redaktion, die Daten erst einmal ansehen und auf ihre Qualität hin überprüfen würde. Auch gibt es keine “Relevanzkriterien” – keine Kriterien, die festlegen, was für Daten in die Datenbank dürfen. Wir arbeiten mit einer verwirrenden Offenheit, die dafür ganz eigene Grenzen hat: Forschungsprojekte (auch private) stehen für ihre Arbeit extrem transparent ein. Wir sind hier an einigen interessanten Stellen anders organisiert als Wikidata.

Wie das in der Praxis geht, welche Konflikte man einkalkulieren und welche Konfliktzonen man eher nicht fürchten sollte – Erkundungen der Plattform-Architektur und der speziellen Freiräume, die wir in ihr Projekten gewähren.


12.5.2022, unusual time 18:00 CET: 350,000 objects with cuneiform inscriptions or: Data as a universal language — session in English with Adam Anderson, Berkeley

This is perhaps the most exciting FactGrid project at the moment – designed to create and to interconnect objects for all 350,000 cuneiform artifacts that known today. Where were these objects found? What events, what people, what places are noted on these objects? As a Wikibase installation we would serve as a database a wide collectively could work on and edit simultaneously in all its various present languages. Data stored on the platform would link into other databases and they would be uniquely easy to download for further work in all other software environments.

Our discussion was about the sheer quantities of data such a platform might eventually handle – if we went into the very texture of these objects, locating not only pieces of information but in further steps all the characters on all these objects in 3D data of the artifacts themselves.


19.5.2022: Georeferenzierte Objekte — Session with Bruno Belhoste in English

Paris to download (click on the map) / link for the direct table download TSV formatted

Eine Aufgabe, vor der DH-Projekte immer wieder stehen, ist es, Information auf Landkarten zu visualisieren. Räumliche Beziehungsnetze werden sichtbar, Nähe wird greifbar wie der Horizont, den Verfasser mit Korrespondenzen hatten. Soziale Phänomene, etwa die Zusammensetzung der Bevölkerung in verschiedenen Stadtvierteln, lassen sich erfassen. FactGrid-Information ist jederzeit georeferenzierbar. Wir bieten Georeferenzierungen in einem ersten Projekt – Paris to Download – zur beliebigen Nutzung auf der Plattform oder in anderen Software-Umgebungen an. Einige Blicke auf die Projekte und die Software, die hier nach neuen Modulen ruft.


9.6.2022: Genealogie im FactGrid – mehr als nur Väter und Mütter

What came after Robinson Crusoe’s first edition? EntiTree Visualisation

FactGrid-Information lässt sich komplex in externe Projekte hineinspielen. Zwei FactGrid Browsing-Tools stehen zu Verfügung. Es lassen sich jedoch auch ganz andere Werkzeuge denken.

Als überraschend vielseitig verwendbar erweist sich die von Orlando Groppo und Martin Schibel entwickelte EntiTree-App, die Genealogien auf bequeme Art und Weise mehrsprachig sichtbar macht. Spannende ist dass sich mit der EntiTree App auch noch ganz andere genealogische Beziehungen darstellen lassen.


16.6.2022: Die Zukunft im NFDI4Memory Gefüge – oder: Dateninseln zu neuem Leben erwecken

Das FactGrid ist seit 2021 gesetzt, um im geplanten NFDI4Memory-Konsortium der deutschen Geschichtswissenschaften als Wikibase-Instanz zur Verfügung zu stehen. Forschungsdatenmanagement ist hier das Thema. Was geschieht mit Forschungsdaten, die am Ende irgendwie übrigbleiben – gesammelt, um den Arbeitsprozess zu begleiten, doch danach irgendwie nutzlos, indes voller Korrekturen und Einblicke, die zukünftiger Forschung nutzen sollten? Was geschieht mit Daten, die bislang auf einer eigenen Plattform laufen, nachdem deren Förderung endet? Wie kann man Daten langfristig sichern?

Das FactGrid will hier die Ressource sein, die Information kollektiv nutzbar macht und langfristig in Zirkulation und Korrektur hält. Praktische Tipps, wie das gehen könnte.

Twenty years on tour: The Velten Theatre Company’s journeys from 1693 to 1712

This may come as a postscript to the previous or as a sneak preview of upcoming projects that will deal with theatre and its history. An interesting topic with all the networks of actors knitting their personal ties in ever changing ensembles of travelling companies that visit cities and courts, of emerging houses with standing ensembles, of authors, of plays and of various roles – and then again of actors who would play certain types in various plays…

The following itinerary follows one of these groups, the so called Hochdeutsche Hofcomödianten or the Velten Company, named after the Veltens, a couple who were the directors between 1670s and 1712.

The image catches all the journeys this group took between 1693 and 1712, the years when Catharina Elisabeth Velten was the company’s director. The FactGrid viewer gives the list of the known stays as Günther Hansen noted them in his Formen der Commedia dell’ Arte in Deutschland (1968), p. 269.

The image is interesting as it captures a structural characteristic of the itineraries which theatre companies were likely to produce back in the 17th and 18th centuries. The actors did not travel as tourists. They were rather acting like nomadic families following larger herds as these were looking for ever fresh pastures.

We are speaking here of companies that could have 100 plays in their repertoires. They would come to a place, determine what they could offer as relative novelty – depending here on the rivalling enterprises that had been there in recent years with their respective repertoires. Once a company had been at a place for two weeks it had exploited its repertoire and exhausted the audience. The group could return a couple of years later to attract fresh audiences with plays that would now be interesting. The pattern is therefore more like the pattern groups following herds of reindeer that would in turn find their various regional barriers. Language barriers are the natural barriers of theatre players, though German was here an extremely useful language – spoken in the present German speaking territories but also in much of Poland and in major places in Scandinavia and the Baltic area where merchant communities of the old Hanse world had become major ethnic groups. The Velten Company spoke – as the name indicated – „Hochdeutsch“, High German, not low German the language that would only be understood in the coastal regions.

The visualisation has its ugly sides: No one could use a plane to fly direct way from Stockholm to Vienna. An alternative would be a database that knows contemporary travel routes. An alternative could also be a map with bigger and smaller nebulous spots to see how often they visited certain places – that, however, would not show the difference between them and people who travelled on their “grand tour”, avoiding to visit a place twice.

The list of stays comes with gaps. How do you get from Frankfurt to Leipzig in 1705? Via Gotha and Erfurt? I resist the temptation to get into the locale state archive to find out when they passed through.

We should collect information down to the level of repertoires, actors, and competing troupes, and and get a picture of how this market developed.

Another view

German Wikipedia user Enyavar responded to the visualisation here with this alternative view of times a place had been visited:

Auftrittsorte der Hochdeutschen Hofcomödianten. In dunkelblau unter Paulsen; in orange unter Johannes Velten; in dunkelrot unter Catharina Velten

which adds information on the era of Catharina’s husband, the preceding director, and which gives a clearer view on Leipzig and Dresden, the home base of the company that was privileged by Dresden’s court.


Header image: Balthasar Beschey, La Commedia dell’Arte, 18th century, Wikimedia Commons