Der “Orden der grünen Bergmänner“ – Ein unbekanntes Stück Sozietätsgeschichte aus den Tiefen der „Schwedenkiste“

I| Ein unverhoffter Fund

In einem im August 1783 für den Illuminatenorden abgefassten Lebenslauf berichtete der zu diesem Zeitpunkt 55-jährige sachsen-gothaische Kammerherr, Gardeoberst und zukünftige lokale Illuminatenobere Christian Georg von Helmolt (1728–1805) über eine Sozietät, der er 37 Jahre zuvor, während seines Studiums an der Universität Jena,1Vgl. Otto Köhler: Die Matrikel der Universität Jena, Bd. 3, 1723–1764, München 1992, S. 451, Zeile 60. beigetreten war. In dieser Gesellschaft mit dem Namen „Orden der Grünen Bergmänner“ wurde, so notierte Helmolt, „nach Vorschriften auf die verschiedenen Menschen-Charakter gearbeitet“,  also nach einem im weiteren Sinne aufklärerischen Verständnis auf Kenntnis und Verbesserung des Einzelnen.2Vgl. Christian Gerog von Helmolt: Curriculum vitae, 06.08.1783, Russisches Staatliches Militärarchiv/Sonderarchiv, Moskau, Fonds 1412-1-5432 (Schwedenkiste Bd. 10), Dok.-Nr. 167, S. 9f.

Gemeinsam mit zwei Freunden, Johann Christian Posewitz und Stephan Werner von Dewitz, habe er sich diesem Orden angeschlossen. Leiter dieses Jenaer Studentenzirkels sei ein „ziemlich bejahrter, großer, schwartzbrauner Mann von sehr ernsthaften Ansehen [gewesen], welcher sich durch seine Tracht von grüner Farbe ziemlich auszeichnete, und auch Privat-Collegia der Rechtsgelahrtheit laß“.3Vgl. Helmolt: Curriculum Vitae, S. 9. Viel mehr ließ sich über die „Grünen Bergmänner“ zunächst nicht in Erfahrung bringen. In der Literatur zur studentischen Vergesellschaftung taucht diese Assoziation nicht auf.

Der Mangel an Informationen ist nicht außergewöhnlich, denn im 18. Jahrhundert, in dem die Geselligkeit und ihre vielfältigen Ausformungen zu einem ständeübergreifenden Ideal avancierten, bildeten sich im Alten Reich Sozietäten in kaum zu überblickender Fülle. Im Zuge der Verbreitung der Freimaurerei im deutschen Raum ab 1737 kam es auch an Universitätsstandorten vermehrt zur Gründung von Logen und teils konkurrierenden, studentischen Zusammenschlüssen, die unter Rückgriff auf masonische Elemente alternative, an der Maxime der „akademischen Freiheit“ orientierte Assoziationsformen ausbildeten.4Für eine konzise Darstellung der konkurrierenden Formen der akademischen Geselligkeit in den 1730er und 40er Jahren vgl. Holger Zaunstöck: Das Milieu des Verdachts. Akademische Freiheit, Politikgestaltung und die Emergenz der Denunziation in Universitätsstädten des 18. Jahrhunderts. Berlin 2010, S. 113-119.


Zeitleiste aller im FactGrid erfassten akademischen Logen und Studentenorden

Die „Grünen Bergmänner” erscheinen jedoch aus zwei Gründen besonders relevant und regten folglich zu weiteren Recherchen an: Zum einen handelt es sich offenkundig um eine sehr frühe Vertreterin der sogenannten akademischen Logen, deren Aufkommen gemeinhin auf die Mitte der 1740er Jahre datiert wird.5 Zu den Definitionsmerkmalen der akademischen Logen vgl. Holger Zaunstöck: Sozietätslandschaft und Mitgliederstrukturen. Die mitteldeutschen Aufklärungsgesellschaften im 18. Jahrhundert. Tübingen 1999, S. 66. Zum anderen ist zu vermuten, dass Christian Georg von Helmolt durch diese frühen Sozietätserfahrungen auch in seinem späteren Wirken für den Illuminatenorden beeinflusst wurde und folglich diese Jenaer Studentengruppe – wenigstens mittelbar – auf die 1783 gegründete Gothaer Minervalkirche rückwirkte.

Weitere Nachforschungen verliefen aber zunächst erfolglos. Deshalb blieb nur die Möglichkeit, ein Datenbankobjekt in FactGrid einzurichten, um zumindest das Wenige festzuhalten, was sich aus Helmolts Curriculum entnehmen ließ: den Namen des Ordens, den Ort, die Jahresangabe, die Namen der zwei Freunde. Der Vorteil solcher Items besteht darin, dass sie von Suchmaschinen erfasst werden können. Und tatsächlich wurde wenig später ein Forscherteam, das im Archiv der Großen Landesloge von Schweden auf ein Konvolut mit dem Titel „Orden der grünen Bergmänner 1745–1748“ gestoßen war, auf diesen Eintrag aufmerksam.

Wie sich herausstellte, war dies keine zufällige Übereinstimmung: Die aufgefundenen Papiere stammen ursprünglich aus dem persönlichen Besitz Christian Georg von Helmolts. Er muss sie entsprechend den illuminatischen Statuten6Der Illuminatenorden sammelte alle möglichen Informationen über andere (para)masonische Systeme. In den Gradtexten ist vermerkt, dass die „Schottischen Brüder“ oder “Illuminati Dirigens” „alle unächten Grade sammlen und an die Provinzialloge einschicken“ sollen. Illuminatus dirigens, oder schottischer Ritter. Ein Pendant zu der nicht unwichtigen Schrift Die neuesten Arbeiten des Spartacus und Philo in dem Illuminaten-Orden, o. O. 1794, S. 31. entweder direkt an seinen Ordensoberen Johann Joachim Christoph Bode in Weimar übersandt oder dem Gothaer Illuminaten-Archiv hinzugefügt haben, das er als örtlicher Vorsteher selbst verwaltete. 1793 sind die Unterlagen der “Grünen Bergmänner” jedenfalls im Inventar zu Bodes freimaurerischem Nachlass verzeichnet. Gemeinsam mit Bodes Bibliothek gingen sie in den Besitz Herzog Ernst II. von Sachsen–Gotha und Altenburg über und gelangten schließlich 1804 nach Stockholm. Dorthin reisten im Gepäck der illuminatischen, freimaurerischen und esoterischen Überlieferungen und Schriften, die der Herzog durch den testamentarisch verfügten Versand in Europas Norden neugierigen Blicken entzogen wissen wollte. Als die Dokumente jedoch 1880/81 von der Gothaer Loge zurückgefordert wurden, kehrten lediglich jene Unterlagen hauptsächlich illuminatischer Provenienz zurück, die heute unter dem Namen “Schwedenkiste” bekannt sind. Die Unterlagen der “Grünen Bergmänner” hingegeben verblieben, gemeinsam mit Bibliotheksbeständen Bodes und Herzog Ernsts II., im Archiv der Großen Landesloge von Schweden.

Das Konvolut aus der Mitte der 1740er Jahre gewährt einen gänzlich unverhofften Einblick in das Innenleben der „Grünen Bergmänner“ und erzählt die Geschichte einer kleinen studentischen Sozietät, einer experimentellen Selbsterfahrungsgruppe der Aufklärung. Ein Konstitutionsbuch gibt die Verfassung und die Rituale des studentischen Zirkels wieder, Protokolle dokumentieren den Ablauf einzelner Sitzungen, eine Matrikel erlaubt es, die Mitglieder zu identifizieren.

Constitututions-Buch des Ordens der Grünen Bergmänner, Halle, 1748

II| Die Entstehung der „Grünen Bergmänner“ und ihre Mitgliederstruktur

Mit Hilfe der Schriftstücke war es nunmehr ein Leichtes, die Identität des von Helmolt erwähnten Oberen herauszufinden. Es handelt sich um den in Eichelsdorf in Franken, als Sohn eines Pastors geborenen Johann Wolfgang Brenk (1704–1789). Der Altdorfer Professor Georg Andreas Will (1727–1798), der als Hallenser Student selbst den „Grünen Bergmännern“ beigetreten war und auch später mit Brenk in Kontakt stand, veröffentlichte 1791 eine noch heute durchaus unterhaltsame Lebensbeschreibung dieses „sonderbahren Mannes“, die ebenfalls Einblicke in die Aktivitäten dieses Ordens gewährt.

Brenks Engagement als Sozietätsgründer ist nur vor dem Hintergrund seiner wechselhaften Biographie zu verstehen. 1722 begann er ein Studium in Altdorf und führte fortan eine höchst unbeständige Existenz. Auf seinen zahlreichen Reisen, die ihn nicht nur durch das Reich, sondern bis nach Siebenbürgen führten, arbeitete er unter anderem als Jurist und Hofmeister, schlug sich teils als Bettler durch und geriet verschiedentlich in Konflikt mit den Obrigkeiten. Auch trat er als Projektierer in Erscheinung – unter anderem plante er angeblich, ein Königreich in der Walachei zu gründen –, beschäftigte sich intensiv mit rabbinischer Gelehrsamkeit und knüpfte enge Beziehungen zu verschiedenen jüdischen Gemeinden. 1749 unterzog er sich schließlich in Amsterdam der Zirkumzision und konvertierte zum Judentum. In den 1750er Jahren kehrte er zurück nach Franken, arbeitete als Sekretär der hessen-kasselischen Gesandtschaft in Nürnberg und verbrachte seine letzten Jahre im ansbachischen Schobdach, wo er als praktizierender Jurist anscheinend ein ärmliches Leben führte.7Zur Brenks Werdegang vgl. die erwähnte Biographie von Georg Andreas Will: Lebensgeschichte eines im hohen Alter verstorbenen sonderbaren Mannes M. Johann Wolfgang Brenk’s […], Ansbach 1791; sowie  Clemens Alois Baader: Lexikon verstorbener Baierischer Schriftsteller des achtzehenten und neunzehenten Jahrhunderts, Bd. 1, Augsburg/Leipzig 1824, S. 52-56.

Dank Wills „Lebensgeschichte“ und einigen Einträgen in Stammbüchern ist Brenk der Forschung bereits als Gründer einer Geheimgesellschaft in Halle bekannt, wenngleich deren Name oder genaues Profil bisher im Dunkeln blieben.  Aufgrund der Parole „Vivat die B-Männer“, mit der sich der Memminger Patrizier Sigmund David Hartlieb, genannt Walsporn am 9. April 1748 in Wills Stammbuch verewigte, wurde “Brenck-Männer” als Name der Gruppe angenommen.8Will: Lebensgeschichte, S. 68–72. Die Interpretation des Stammbuch-Eintrags stammt aus Walter Richter: Zur Frühgeschichte des Amicisten-Ordens. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 22 (1977), S. 19–48, hier S. 20. An beide anknüpfend auch Zaunstöck: Milieu des Verdachts, S. 122-125.

Helmolts Unterlagen ermöglichen es nun, einen viel umfangreicheren Eindruck von Brenks Aktivitäten zu gewinnen. Bereits ab 1745 begann er, in Jena eine Filiale seines Ordens aufzubauen. Am 7. Juli 1745 nahm er das erste Mitglied, den Studenten Georg Ludwig Friedrich von Wüllen aus Lauenau, auf.9Album oder Matricul der grünen Bergmänner“, Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert. Nach der Initiierung eines zweiten Interessenten10Vgl. “Album oder Matricul der grünen Bergmänner”, unfoliiert. Es handelt sich um Hartwich Ludolph Baumann aus Lüchov im Lüneburgischen. Vgl. Köhler: Die Matrikel der Universität Jena, Bd. 3, S. 443.,  fand bereits am 7. November eine erste Versammlung11“Actum Jena d[en] 7. Nov[ember] 1745”, Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert. der zu diesem Zeitpunkt nur aus 3 Personen bestehenden „Grünen Bergmänner“ statt. Dies deckt sich mit der Bemerkung, dass Brenk, der in diesem Zeitraum eigentlich in Halle sein Auskommen suchte, „etlichemal“ in Jena gewesen sei.12 Will: Lebensgeschichte, S. 65.

Im Umfeld der Salana entstanden ab der Mitte der 1740er Jahre verschiedene Sozietäten: Am 24. Juli 1744 wurde die Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“ gegründet, im selben Jahrzehnt entstand eine Dependance des „Espérance-Ordens“, womit nur die frühesten dieser Gesellschaften genannt sind. Brenks Zirkel gehörte also tatsächlich zu den ersten arkanen Gesellschaften in Jena.13Zur Gründnung der Jenaer Loge vgl.  Joachim Bauer, Gerhard Müller: Jena, Johnssen, Altenberga. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Freimaurerei im 18. Jahrhundert, in: Dies.,  Birgitt Hellmann (Hg.): Logenbrüder, Alchemisten und Studenten. Jena und seine geheimen Gesellschaften im 18. Jahrhundert, Rudolstadt 2002, S. 19–85, hier S. 21-28; Jens Riederer : Aufgeklärte Sozietäten und gesellige Vereine in Jena und Weimar zwischen Geheimnis und Öffentlichkeit 1730-1830, Jena 1995, S. 80-84, zum Espérance-Orden ebd., S. 113–116.

Im Laufe des Jahres 1746 konnte Brenk dann fünf weitere Mitglieder für die „Grünen Bergmänner“ gewinnen, darunter Christian Georg von Helmolt. Ab August genannten Jahres übernahm mit dem bereits eingangs erwähnten Johann Christian Posewitz ein Mitglied aus Jena die Führung des Zirkels. Im gesamten Jahr 1747 scheinen die Aktivitäten hingegen gestockt zu haben, denn es wurden keine Aufnahmen vermerkt. Erst im Folgejahr kamen noch vier Mitglieder hinzu. Ab März 1748 übernahm dann Helmolt die Führung des Zirkels.14Vgl. “Album oder Matricul der grünen Bergmänner”, unfoliiert. Der Gothaer Illuminatenobere war also, entgegen der Behauptung in seinem Lebenslauf, weit mehr als nur ein unwissender Anhänger der Gesellschaft. Dies erklärt außerdem, wie die Akten in seinen Besitz gelangten.

Insgesamt nahmen die “Grünen Bergmänner” in Jena zwölf Männer auf, davon waren zehn an der Salana immatrikuliert. Einzig das zuerst aufgenommene Mitglied, der bereits erwähnte Georg Ludwig von Wüllen, sowie das letzte, der Magister Johann Wilhelm Schubert aus Nürnberg, waren keine Jenaer Studenten. Hinsichtlich der Herkunft der Adepten ergibt sich ein recht heterogenes Bild: ein Mitglied stammte aus Norddeutschland (Mecklenburg), drei aus Kurhannover, eines aus dem unter preußischer Herrschaft stehenden Stift Quedlinburg, zwei aus der Grafschaft Stolberg-Stolberg, Helmolt aus dem Thüringer Kreis Kursachsens sowie vier aus Franken (drei Ansbacher und ein Nürnberger). Der Adelsanteil war mit sechs der zwölf Aufgenommenen relativ hoch.15Vgl. “Album oder Matricul der grünen Bergmänner”, unfoliiert.


Liste aller derzeit erfassten Mitglieder der “Grünen Bergmänner”

Zusätzlich zu den Aktivitäten in Jena und Halle plante Brenk eine Expansion des Ordens nach Franken, die angeblich vor allem durch Will vorangetrieben werden sollte.16 Will: Lebensgeschichte, S. 71f. Der bereits erwähnte Nürnberger Magister Johann Wilhelm Schubert wurde vermutlich ebenfalls zu diesem Zweck in den Jenaer Zirkel aufgenommen.

III| Konstitution und Organisation der “Grünen Bergmänner”

Aus den vorliegenden Archivalien lässt sich überdies die (geplante) Struktur der Geheimgesellschaft rekonstruieren. Als besonders wertvoll erweist sich das Konstitutionsbuch, das Brenk anscheinend eigenhändig für Helmolt kopierte, als Letzterer den Vorsitz des Jenaer Zirkels antrat. Es beginnt mit der Erklärung des Namens, verbunden mit der Erläuterung der Absichten und Grundsätze der Sozietät. Den Namen „Bergmänner“ habe die Gesellschaft erhalten, „weil von selbiger das verborgene des Hertzens gleich dem Ertz aus den Berg-Wercken gesucht u[nd] hervorgebracht“ werde, das Farbattribut hingegen sei gewählt worden, weil der Orden auf seine Mitglieder „hoffen u[nd] sich verlaßen“ könne.17Vgl. § 1 in “Constitutions-Buch der O[ber?]B[erg?]Mä[nner] in der G[rünen]B[erg]M[anns]G[esell]S[chaft] vor Christian Georg von Helmolt”,  28.03.1748, Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert. Diese Fördermetaphorik weckt Assoziationen zur masonischen Analogie des „rauen“ oder „unbehauenen“ Steins, der den noch ungeformten Menschen symbolisiert. Jedoch lässt die Bergwerks-Motivik auch eine offenere Interpretation zu, findet sich die Semantik des ‚Zutageförderns‘ und ‚Hervorbringens‘ doch häufiger in der Aufklärungsphilosophie.18Werner Schneiders: Hoffnung auf Vernunft. Aufklärungsphilosophie in Deutschland, Hamburg 1990, S. 61f.

Ein Vorbild Brenks könnten die „Institutiones Philosophiae Primae“ des Jenaer Professors und Thomasianers Johann Jacob Syrbius gewesen sein, die in der zweiten Auflage von 1726 ein sehr aufschlussreiches Titelkupfer ziert.19Vgl. Abb. 1. Es imaginiert die Philosophie als ein mehrstufiges Verfahren, das die durch den in der mittleren Bildebene abgebildeten Wünschelrutengänger erspürte Wahrheit nicht allein finden, sondern auch extrahieren muss. Es erscheint durchaus denkbar, dass Brenk, der Mitte der 1720er Jahre selbst Student in Jena gewesen war, Syrbius’ Vorlesungen gehört hatte und dessen Schriften kannte.

Titelkupfer aus: Johann Jakob Syrbius: Institutiones philosophiae primae novae et eclecticae. […]. 2. Aufl. Jena 1726. Digistalisat der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Zitierlink: PPN1028478305 (02.08.2022).
Ist der freimaurerische Bezug im Namen noch recht lose, sieht dies bei dem „Symbol“ der Gesellschaft, welches jedes Mitglied wie eine Art Bijou an einem Band um den Hals zu tragen hatte, schon anders aus. Klar erkennbar wird hier, dass sich Brenk großzügig aus dem Reservoir masonischer Sinngehalte bediente. Während die Schlange die Klugheit repräsentiert, verkörpert die Weltkugel das Prinzip des Makro- und Mikrokosmos. Daneben sind Instrumente angeordnet: der Pickel zum Fördern der Erkenntnis und das Winkelmaß zum “[A]bmeßen” und “[D]eterminieren” der menschlichen Charakterzüge. Die betenden Hände schließlich stellen die Bruder- und Nächstenliebe dar. „Prudentia“ (Vernunft), „Amore“ (Liebe) und „Experientia“ (Erfahrung) waren die Mittel, mit denen die Gesellschaft ihren Endzweck – die Kenntnis des Menschen – erreichen wollte. Getragen wurde das Abzeichen an einem „rothen“ und „grünen“ Bande, mit einer „bleumouranten“ Schleife am Ende. Diese Farben verkörpern die drei „Vota“, die elementaren Grundsätze des Ordens, „[n]iemanden zu betrügen“, „[a]lle Versprechen zu halten“ und „Hilfe für Notleidende und Unterdrückte“ zu leisten.20Vgl. § 6 in Constitutions-Buch der […] [Grünen Bergmänner], unfoliiert.

Wie Brenks Vertrauter Will andeutet, stand der oberste Bergmann der Freimaurerei trotz aller ideellen Anleihen jedoch ablehnend gegenüber.21Will: Lebensgeschichte, S. 68. Eine durchaus glaubhafte Behauptung, wurde doch die ‚Königliche Kunst‘ in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen zu einem entscheidenden Faktor in der organisierten Geselligkeit des 18. Jahrhunderts, der eine Reaktion verlangte, sei sie integrierend oder abgrenzend.

Anhand der Konstitution können indes nicht nur die Symbole, sondern auch die normative Verfasstheit der “Grünen Bergmänner” nachvollzogen werden. Eine elaborierte Einteilung in verschiedene Erkenntnisstufen, wie sie in der Hochgradmaurerei oder anderen Geheimbünden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstehen sollte, gab es im “Orden der Grünen Bergmänner” offenbar noch nicht. Eingeführt wurden lediglich drei verschiedene Ränge, die offenbar hauptsächlich funktionale Zwecke erfüllten und kaum mit spezifischen esoterischen Wissensbeständen verknüpft gewesen zu sein scheinen. Neben den gewöhnlichen, schlicht als Bergmänner bezeichneten Adepten gab es die Oberbergmänner, welche die einzelnen Zirkel leiteten, und eine oberste Instanz, die sich hinter dem Akronym „Bme“, womöglich aufzulösen als „B[erg]me[ister]“, verbarg.22Diese Einteilung geht aus § 7 im Constitutions-Buch der […] [Grünen Bergmänner] hervor.

Voraussetzungen für die Aufnahme als Mitglied waren, wie im 18. Jahrhundert üblich, körperliche und geistige Unversehrtheit, Verschwiegenheit und Redlichkeit. Atheisten waren grundsätzlich ausgeschlossen.23§ 2 im Constitutions-Buch der […] [Grünen Bergmänner]. Unklar ist, ob es analog zur Freimaurerei eine Altersgrenze gab. Das Recht, Mitglieder aufzunehmen und neue Zirkel zu konstituieren, oblag den Oberbergmännern. Zur Gründung einer Dependance benötigte der Oberbergmann zwei Bergmänner, die er selbst zuvor aufnehmen durfte, sowie das Einverständnis des zuständigen Bergmeisters. Aussichtsreiche Kandidaten wurden, wie in anderen arkanen Bünden üblich, unter kritischer Prüfung schrittweise an den Orden herangeführt.24Zu den Rechten der Oberbergmänner vgl. § 8, zum Anlegen neuer Zirkel § 11 im Constitutions-Buch der […] [Grünen Bergmänner].

War ein solcher Zirkel auf fünf Mitglieder angewachsen, durfte er nach einem geheimen Abstimmungsverfahren einen eigenen Oberbergmann wählen. Erreichte die Gruppe die Zahl von zehn Ahängern, durfte ein zweiter Oberer bestimmt werden. Bisher ist, wie erwähnt, lediglich die Existenz der beiden Zirkel in Halle und Jena belegbar.25Vgl. § 5 im Constitutions-Buch der […] [Grünen Bergmänner].

Den Rang des Bergmeisters hatte anscheinend lediglich Brenk selbst inne. Will zufolge bestritt er zwar „standhaft“26Will: Lebensgeschichte, S. 68., der Gründer des Ordens zu sein. Dies diente vermutlich jedoch dazu, den Mitgliedern vorzuspiegeln, dass sie einer sehr alten und großen Organisation angehörten. Viele Geheimgesellschaften bedienten sich teils wesentlich elaborierterer Ausformungen derartiger Fiktionen, um ihre Mitglieder zu binden. Auch im Illuminatenorden und der Hochgradmaurerei begegnen diese in Gestalt der „Unbekannten Oberen“.

Neben der kleinteiligen Regelung der Kompetenzen fällt außerdem die Akribie auf, mit der in den Statuten finanzielle Angelegenheiten geregelt und dabei auch verschiedene Eventualitäten einkalkuliert wurden. Zusätzlich zu einem sehr differenzierten Strafsystem existierten genaue Regelungen für Rezeptions- und Quartalgelder, für die Anfertigungsgebühren der Ordenszeichen und Kopien. Entsprechend scheint Wills Bemerkung, Brenk haben den Orden „als eine Finanzquelle“27Will: Lebensgeschichte, S. 68. angesehen, nicht vollkommen abwegig. Helmolt berichtet in seinem Lebenslauf ebenfalls, der Orden sei „nichts weniger als geldsplitternd“ gewesen.28Helmolt: Curriculum Vitae, S. 9.

Die den Ordenspapieren ebenfalls beigefügten Rechnungen erwecken indes einen anderen Eindruck. Abgesehen von den Rezeptions- und Quartalgeldern sind kaum Strafen oder Gebühren vermerkt. Es scheint aber denkbar, dass Brenk die eigenommenen Gelder nicht vollständig aufführte.29Vgl. Rechnungen [Orden der Grünen Bergmänner], Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert.

IV| Die Sitzungspraxis der „Grünen Bergmänner“

Anhand der Überlieferung lassen sich nicht allein die normativen Grundsätze der Gesellschaft nachvollziehen. Durch die Zusammenschau der  Dokumente kann auch die Sitzungspraxis recht genau rekonstruiert werden. Grundsätzlich bestand eine Session aus vier Elementen, in denen mittels verschiedener Verfahren der Selbst- und Fremdbeobachtung auf die Erlangung von umfassender Menschenkenntnis hingearbeitet wurde. Durch die Optimierung des Selbst sollte schlussendlich pars pro toto die Verbesserung der Menschheit erreicht werden.

Nach der Eröffnung einer Versammlung durch den Oberbergmann berichteten die Brüder reihum über ihre Verstöße gegen die „Vota“ und entrichteten die vorgesehenen Strafgebühren. Hierauf begann die eigentliche Arbeit: die „cognitio sui“, die Selbsterkenntnis. In jeder Zusammenkunft musste sich ein Bruder aus der Versammlung entfernen. Währenddessen gaben alle im Raum Verbliebenen beim Oberbergmann ihr „judicium“ über den Abgetretenen ab, wobei „alle Fehler, welche im Verstand u[nd] Willen, Gemüths-Neigungen, Sitten u[nd] Gewohnheiten, Reden, Thaten u[nd] Leibs-Geberden bestehen u[nd] des andern in[n]erlichen oder äußerlichen Glückseeligkeit hinderlich seyn können“ angemerkt werden sollten. Der Obere hielt die Anmerkungen schriftlich fest, um sie anonymisiert dem zu Beurteilenden  vortragen zu können.30Vgl. § 12 und 13 im Constitutions-Buch der […] [Grünen Bergmänner]. Bei Bekanntmachung der Einschätzung war den Bergmännern keine Widerrede gestattet. Entschuldigungen jeglicher Art wurden schon in den Statuten als unnötig abgewiesen, „weil es der eigenen Prüffung eines jeden überlaßen wird, ob er die bemerckten Fehler an sich habe“.31Vgl. § 13 im Constitutions-Buch der [Grünen Bergmänner].

Diese Praxis zur Erlangung der Selbsterkenntnis war offenbar besonders eindrücklich, denn sowohl Helmolt, in seinem Lebenslauf, als auch Will, in der Lebensgeschichte, haben sie beschrieben. Will notierte über dieses „herbe Mittel“: „Ich lernte mich auf einer Seite kennen, die ich noch gar nicht kannte, und bin wirklich aufmerksamer auf mich, klüger und behutsamer gemacht worden.“32Will: Lebensgeschichte, S. 71. Auf manch jungen Teilnehmer wird diese Praxis der kollektiven Evaluation hingegen eher bedrohlich gewirkt haben. Im Vergleich dazu wirkt die im Illuminatenorden praktizierte Betreuung durch den Austausch von Quibus Licet und Reprochen beinahe intim, wenngleich auch hier den Mitgliedern an der Basis niemals klar war, wer letztlich die Eingaben las und beantwortete.

Aufbauend auf die Arbeit an der „cognitio sui“ folgte die Beschäftigung mit der „cognitio aliorum“, die ‘Erkenntnis von Anderen’. Diese sollte durch Vorlesungen oder Vorträge über verschiedene Aspekte des menschlichen Verhaltens und Charakters erlangt werden, die systematisch in sieben Handlungen aufgeschlüsselt waren. Der Aufbau erinnert stark an Vorlesungsgliederungen. Während die ersten fünf Handlungen sich mit den Menschen „nach ihrer Natur und Gewohnheit“ beschäftigten, enthielten die sechste und siebte ganz praktische Handlungsanleitungen zur Optimierung des Selbst und zur Lenkung anderer Menschen. Die Beschreibung dieser letzten Lektion – „wie man andere Menschen etwas zu thun oder zu laßen, zu billigen oder mißzubilligen […] bewegen solle“ – deutet darauf hin, dass der Orden beabsichtigte, auch nach außen und nicht nur auf seine Mitglieder zu wirken.33Vgl. erneut § 13 im Constitutions-Buch der [Grünen Bergmänner].  Die letzte Handlung scheint im Jenaer Zirkel aber nicht bearbeitet worden zu sein. Zumindest ist sie die einzige, zu der sich keine Aufzeichnungen finden.

Die in den Versammlungen zu behandelnden Themen wurden im Vorfeld durch den Oberbergmann vorgegeben; alle Brüder mussten Ausarbeitungen vorbereiten, die nacheinander vorgetragen und verglichen wurden. Der Obere entschied über die passenden Antworten und hielt sie in einem Protokoll fest, Abweichungen wurden anschließend besprochen. Offenbar galten für die Pensa gelehrte Standards. Alle Argumente mussten, so der Ton der Konstitution, „mit Gründen bewährter Autoritaet oder Erfahrung unterstützet seyn“. Den Abschluss bildete jeweils ein Vortrag.34Vgl. erneut § 12 und 13 im Constitutions-Buch der [Grünen Bergmänner]. Es scheint im Hinblick auf die Ursprünge und Vorbilder der illuminatischen Aufsatzpraxis bemerkenswert, dass eine bisher unerforschte Geheimgesellschaft ihren Mitgliedern bereits vor der Jahrhundertmitte schriftliche Ausarbeitungen abverlangte.

Die Materialien Helmolts bergen 29 Dokumente (davon 20 datierte), die im Zuge der Handlungen entstanden sein müssen. Allerdings ist erkennbar, dass die Aufzeichnungen unvollständig sind. Von den mit Datum versehenen Mitschriften entfallen 17 auf das Jahr 1746. Auffällig ist ebenfalls, dass die einzelnen Handlungen nicht strikt der Reihenfolge nach abgearbeitet wurden.

Teilweise finden sich in den Unterlagen inhaltliche Ausführungen zu einzelnen Handlungen, häufig begegnen Gegenstände aus dem Bereich der Temperamentenlehre.35Mehrfach wurde der Jähzorn, den Brenk offenbar als schweres Laster betrachtete, behandelt.35Vgl.  “Kennzeichen eines Jachzornigen”, “Actum Jena, d[en] 2ten Aug[u]st 1746”; sowie “Von den Kennzeichen des Jähzorns”, “Actum Jenae […] d[en] 26. May 1748”, Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert. Ergänzend zu solchen eher an akademische Kontexte erinnernden Abhandlungen finden sich aber auch Exempla aus dem täglichen Leben, oft mit konkretem Bezug auf das Jenaer Umfeld. So beschäftigte sich der Zirkel in einer Sitzung zur zweiten Handlung mit dem „Naturel u[nd] denen Sitten derer EinWohner von Jena“, wobei die die lokale Bevölkerung in keinem guten Licht erscheint. So heißt es unter Punkt 6 der Auflistung von Charakteristika: „Sind Hurer, Ehebrecher, Kupler u[nd] reden gern davon u[nd] geben dazu gerne Gelegenheit, weil sie solche Dienge vor keine große Laster halten.“36 “Von denen Einwohnern in den Städten”, “Actum Jena […] d[en] 12. May 1748”, Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert.

Ebenfalls finden sich Pensa in denen das Debattieren über lebensweltliche Sachverhalten geübt wurde. So erhielten die Bergmänner beispielsweise die Aufgabe, „[d]es H. Herold Frantzöß[ischen] Sprachmeister alhier eintzige tochter zu bereden, daß sie ihrem Ehemann H. Ressál gleichfalß Franzöß[ischer] Sprachmeistern, nach Halle folgen solle“.37“Actum Jena […] d[en] 25. Jun[ius] 1746”, Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert. Die Antworten reichen vom Verweis auf die göttliche Ordnung bis hin zu dem folgenden, eher naiven Argument: „Wenn sie älter würde, wird sie es bereuen, weil sie die beste Zeit ihrer Jugend ohne Mann hinbringen muß.“38“Actum Jena […] d[en] 25. Jun[ius] 1746”, Archiv der Großen Landesloge von Schweden, Tyskland, Lager och ritualer 52, unfoliiert.Diese männerbündischen Erörterungen sind auch aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive interessant.

Nicht genau zu ermitteln ist, wann sich der Orden auflöste. Ordensgründer Brenk verließ Mitteldeutschland im Sommer 1749 und schiffte sich im Oktober gleichen Jahres von Altona aus nach Amsterdam ein. Vor seiner Abreise war er mit der Hochschulleitung in Konflikt geraten und wurde deshalb in Abwesenheit von der Universität Halle relegiert. In Amsterdam konvertierte er, wie bereits erwähnt, zum jüdischen Glauben und bereiste anschließend die Vereinigten Provinzen. Womöglich kamen mit Brenks Verschwinden auch die Ordensaktivitäten in Jena zum Erliegen. Helmolt verließ die Universität seinem Lebenslauf zufolge Ostern 1749.39Vgl. Helmolt: Curriculum Vitae, S. 8.

Allerdings kehrte Brenk 1751 nach Deutschland zurück und verdingte sich, nach längerer Stellungssuche, in Nürnberg als hessen-kasselischer Legationssekretär. In einem Brief an Will aus dem März 1755 berichtet er, dass ein „H[err] Meinzold in unsere G[e]s[ellschaft] zutretten verlangen trägt“ und erbittet die Zustimmung, um „die fernern Veranstaltungen zu seiner Reception“ veranlassen zu können. Jenes Schreiben unterzeichnete er zudem als „Geh. Diener und getreuer Brud[er] JWBrenck BMe“.40Johann Wolfgang Brenk an Georg Andreas Will, 23. März 1755, Stadtarchiv Nürnberg, Will. III. 449(19), Brief Nr. 2. Ob der überaus umtriebige Brenk sein Geheimbundprojekt in diesem Zeitraum tatsächlich noch intensiv verfolgte und ob Kontinuitäten zu den Unternehmungen in Mitteldeutschland bestanden, ist allerdings zweifelhaft.

Britische Schule, 18. Jahrhundert, Mondbeschienene Landschaft mit Bergmännern vor de, Stolleneingang, Öl auf Kupfer, 20,6 x 24,2cm

V| Schlussüberlegungen – Kontinuitäten geheimbündischer Praktiken und die Potentiale digitaler Kollaboration

Doch welche Schlüsse und Überlegungen lassen sich aus diesem Fund ableiten? Grundsätzlich erweitern die Einsichten in die Aktivitäten der „Grünen Bergmänner“ die Kenntnisse über studentische Vergesellschaftung in Mitteldeutschland in der Mitte des 18. Jahrhunderts, handelt es sich doch um eine der frühesten Sozietäten in Jena. Bemerkenswert ist weiterhin, dass über die Zwischenstationen Illuminatenorden und „Schwedenkiste“ hier die interne Überlieferung dieses studentischen Zirkels überdauert hat. In anderen Fällen sind oft nur Dokumente überliefert, die nach dem Verbot solcher Sozietäten beschlagnahmt wurden oder im Rahmen der juristischen Auseinandersetzung entstanden. Gerade die Sitzungsprotokolle, Lektürelisten und Ausarbeitungen der „Grünen Bergmänner“ gilt es noch weiter auszuwerten.

Überdies sind die von Christian Georg von Helmolt stammenden Papiere auch für die Erforschung des Illuminatenordens bedeutsam, helfen sie doch, ihn weiter in der Arkanlandschaft zu verorten. Selbst in einem kleinen studentischen Zusammenschluss wurden bereits in den 1740er Mechanismen der Selbst- und Fremdbeobachtung sowie Praktiken der schriftlichen Ausarbeitung genutzt, die für die jüngst untersuchten mitteldeutschen Filialen der Illuminaten ebenfalls als charakteristisch erscheinen. Dieser erste Befund regt dazu an, noch intensiver nach Kontinuitätslinien und Brüchen in den Betreuungs- und Erziehungspraktiken arkaner Sozietäten zu suchen.

Die eingangs geäußerte Vermutung, dass Christian Georg von Helmolt durch seine Mitwirkung bei den „Grünen Bergmännern“ in seinem späteren Handeln als Vorsteher des Gothaer Illuminatenzirkels beeinflusst war, gilt es noch eingehender zu überprüfen. Definitiv verfügte er dank dieser früheren Erfahrungen aber bereits über Wissen in der Organisation und Verwaltung (arkaner) Sozietäten, welches ihm als Meister vom Stuhl der Gothaer Freimaurerloge und eben als Superior des Illuminatensprengels zu Gute kam.

Mehr als alles andere verdeutlicht dieser Fund aber das Potential kollaborativer Forschungsplattformen. Ohne das Anlegen eines Datenbankeintrages und die dadurch generierte Sichtbarkeit, wären die Unterlagen der „Grünen Bergmänner“ vermutlich noch lange in ihrem schwedischen Exil verborgen geblieben.


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Freimaurer, Illuminaten, Rosenkreuzer, Jesuiten, Alchemisten, Mesmeristen… — die verloren gegangene Bibliothek des letzten illuminatischen Ordensprovinzials

Johann Joachim Christoph Bode starb am 13. Dezember 1793, zwei Stunden vor Mitternacht – wohl an den Folgen der Zahn- und Kieferentzündungen, die ihm seit Jahren mit Anfällen von „Flußfieber und Zahnschmerzen” zu schaffen machten. Damit kam in Gang, was 1787/88 entschieden worden war.

Im Herbst 1787 hatte Bode von Weimar aus wieder einmal Gotha besucht. Seine Arbeit des letzten halben Jahrzehnts lag in Trümmern. Noch im Sommer hatte er sich in Paris bemüht, die Illuminaten aus der Schusslinie zu ziehen: „Philadelphen“ sollten sie in Zukunft, und damit endlich wieder geheim, heißen. Seit 1785 war mit „Illuminaten“ kein Geheimnis mehr zu machen. Bayerns Staat hatte alle Geheimorden und insbesondere diesen verboten. Bode hatte dessen ungeachtet als Provinzial „Ioniens“, Obersachsens, weiterhin Mitglieder aufgenommen. Niemand konnte schließlich wissen, ob es diese bayerischen Illuminaten wirklich gab. Doch die Publikationen Weishaupts hatten dann 1786 zunehmend alle interessanten Karten auf den Tisch gelegt. Die von Weishaupt publizierten Gradschriften offenbarten gerade das, was Mitgliedern auf dem Weg in das Geheimnis des Ordens erst entdeckt werden sollte. Während Bode im Sommer 1787 in Paris war, hatte, vollendet verheerend, der bayerische Staat nachgelegt und nun Weishaupt mit seinen Mitstreitern durch zwei Bände von Offenlegungen konfiszierter Akten persönlich diskreditiert.

Der Orden war im Herbst 1787 tot. Zuviel war jetzt publiziert. Für Bode war die Zeit gekommen, aus den eigenen Akten die Dinge richtigzustellen – so lautete wohl sein Vorschlag 1787 gegenüber Ernst II., dem Gothaer Herzog. Dieser, in der Hierarchie als „deutscher National“ eine Stufe über ihm, verbat jede weitere Publikation. Der Orden hatte seinen Mitgliedern Diskretion abverlangt und war diese ihnen im Gegenzug schuldig. Im März 1788 machte Ernst II. auf Besuch in Weimar die Sache mit Bode perfekt: Der Regent würde dem Provinzial das gesamte illuminatische Archiv für 1500 Reichsthaler abkaufen. Die Transaktion würde nach Bodes Tode stattfinden und ihm eine Geldsumme bescheren, über die er jetzt schon testamentarisch verfügen konnte. Bode notierte mit Zerknirschung Ende März im Tagebuch:

29 u 30. Daran gearbeitet meine Briefe, und auch die Ordenspapiere in eine erträgliche Ordnung zu bringen. Wolle nur der Himmel, daß diese Arbeit nicht dadurch vergebens gemacht werde, daß ihr künftiger Besitzer der Herzog von Gotha, solche dem Publikum vorenthält. [full transcript]

Genau darum ging es Ernst: diese Papiere dauerhaft der Nachwelt zu entziehen, wenn auch nicht schon zu vernichten.

Am 14. Dezember 1793 übermittelte Christian Gottlob von Voigt die Nachricht von Bodes Tod nach Gotha. Als Nachlassverwalter übernahm er die Inventarisierung des Bestandes und erfasste dabei nicht nur Freimaurer- und Illuminatenakten, sondern auch Bodes einschlägige Bibliothek.


Q400894

Bodes geheime Privatbibliothek

Aus Bodes freimaurerischen und illuminatischen Akten wurde im Zuge der Ereignisse, die am 14. Dezember 1793 in Gang kamen, die „Schwedenkiste“ – jener Aktenbestand, der seit den 1990er Jahren Forscher auf sich zieht, weil hier weitgehend konsistent die ganze interne Dokumentation der letzten funktionierenden Ordensprovinz vorliegt. Die Geschichte der Akten ist verwickelt: Ernst II. hielt Wort; Bodes freimaurerischer Nachlass ging an im Gegenzug für die versprochenen 1500 Reichsthaler an den Herzog. Zwei Kisten wurden am 13. Januar 1794 von Heinrich August Ottokar Reichard in Weimar übernommen und nach Gotha überführt, wo sie dann erst einmal auf ein Jahrzehnt verschlossen blieben. Erst mit dem Tod Ernst II., 1804, wurden diese Kisten geöffnet, nun, um aus Ernsts Besitz noch Bücher hinzuzufügen: spektakuläre esoterische und alchemistische Handschriften, mit denen Ernst nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Nicht alles passte in Bodes zwei Kisten. Zielort der drei Kisten, die man wenig später auf die Reise schickte, war das Archiv der Schwedischen Großloge in Stockholm.

Als 1880/81 Gothas Loge diesen Bestand zurückforderte, sollte nur eine Kiste zurückkommen – die „Schwedenkiste“, in deren Zentrum seitdem die illuminatische Buchführung der Provinz Ioniens steht.

Bodes und Ernsts Bibliotheken blieben in Stockholm. Diejenige Bodes lässt sich dabei dank von Voigts Inventar weitaus präziser vermessen als die Ernsts. Das Inventar, das wir als einfache PDF mitliefern liegt noch immer im Archiv der schwedischen Großloge in Stockholm. Die obskure Bibliothek Ernsts II. ist dagegen erst einmal ein Rätsel. Sie reiste unkatalogisiert und wurde dem Logenbesitz ohne weitere Kennzeichnung einverleibt, doch lässt sich auch sie in Umrissen skizzieren; sie liegt heute vor allem unter den Signaturgruppen Tyskland und Esoterica in Stockholms Logenarchiv, wie wir seit einer Forschungsreise 2019 wissen.

Im Folgenden geht es mir ausschließlich um Bodes Bibliothek, die sich dank des Inventars und dank der Tatsache, dass hier vor allem Druckschriften zu notieren sind (keine unikalen Prachthandschriften), relativ leicht in effige nachbilden lässt.

Julia Mös erfasste im Projekt der Arbeitsstelle Illuminatenforschung am Forschungszentrum Gotha die Titel dieses Inventars und legte dabei einen ersten Abgleich mit in öffentlichen Bibliotheken katalogisierten Ausgaben vor. Dieser liegt hiermit in Datenbankobjekten vor, die sich jetzt beliebig vernetzen lassen.

Auf die bibliographischen Kerndaten in Form von bereits durchgeführten Datenbankvernetzungen verzichteten wir zugunsten einer extensiven Katalogverortung, über die man all diese Angaben theoretisch jederzeit in einer Datenbankabfrage erhalten könnte. Die Verlinkung mit PPN-Nummern sowie VD16, VD17 und VD18 Signaturen dient vor allem der Identifikation der Auflagen. Digitalisate können wir im selben Moment auf dem kürzesten Weg mit den Datenbankobjekten verfügbar machen, wenn auch nicht solche der Stockholmer Exemplare.

Einige Worte zu Bodes Bibliothek.

Von Voigts Liste ist in sechs Zählungen untergliedert; die ersten drei bilden dabei einen engeren Zusammenhang als freimaurerische Schriften:

  1. Freimaurer Schrifften [278 Einträge]
  2. Freimaurer Reden [75 Einträge]
  3. Freimaurer Gedichte [48 Einträge]
  4. Rosenkreutzer [161 Einträge]
  5. Jesuiten [68 Einträge]
  6. Magnetismus [16 Einträge]

Es ist unklar, ob Bode die Kategorien selbst so betitelte. Die Sektion „Rosenkreuzer“ umfasst Alchemie im breiten Spektrum. Unter den Jesuitica findet sich vor allem Religion, die aus einer lutherisch orthodoxen Grundposition gefährlich anmutet; die Herrenhuter fallen dabei mitten unter die Jesuiten. Bei den Schriften zum Magnetismus geht es natürlich nicht um klassische Physik, sondern um die aktuellen Theorien zum „animalischen Magnetismus“, um Theorien zum „magnetischen Fluidum“, um spektakuläre Heilungen, in denen Mesmeristen, „Somnambule“ und Patientinnen im Zentrum stehen. Unsere Version notiert zwar die Nummern mit den Rubriken, zählt jedoch daneben unabhängig von 1 bis 763 – eine Zählung, die Einzelbänden eigenen Rang gibt, wo Bode mit Kleinbuchstaben untergliederte (seine originale Zählung ist jedoch als Inventar-Nummer laufend mitgegeben).

Die folgende Suche gibt die Liste von Voigts in ihrer Organisation wieder und nützt bei allem Weiteren als Basissuche:

Alle komplexeren Listen werden länger, wo immer es mehrere Einträge auf eine einzelne Anfrage gibt – etwa mehrere zu nennende Digitalisate. Die Mehrfachaussagen sind jeweils in weiteren Zeilen zur selben Q-Nummer des Objektes notiert. Die nachfolgende Suche bietet die Auflagen, Publikationsorte, Publikationsdaten, ihre Nachweise in Katalogen, verfügbare Digitalisate. Praktisch ist sie vor allem, um über sie direkten Zugriff auf Digitalisate nehmen lässt.

Die Suchen lassen sich (am rechten Rand das Menü dazu) editieren, so dass man Fragestellungen in immer weiteren Spalten erweitern kann. Die Datenbank erlaubt im selben Moment Suchen, die über die gängigen hinausgehen.

Bode übersetzte beruflich, er reiste zwei mal nach Paris in freimaurerischer Mission, seine Bibliothek erweist sich als entsprechend international aufgestellt:

Interessantester ist die chronologische Distribution der Bibliothek. Sie macht sichtbar, was bereits die Erfahrung beim Durchblättern des Inventars ist: Bode kaufte vor allem aktuelle Bücher. Den Spitzenwert nimmt dabei das Jahr 1787 ein. Der letzte Titel stammt aus dem Jahr seines Todes, 1793. Hier der Bestand jahrzehntweise nach Publikationsjahren und nach Bodes Rubriken aufgeschlüsselt:

Alte Titel finden sich besonders im Feld der Rosenkreuzerischen Schriften – ein Indiz dafür, dass Bode hier weit über die Feindbeobachtung hinausging. Alchemie beschäftigte ihn offensichtlich längst als Curiosum mit dem Interesse, Obskures der letzten Jahrhunderte aufzutreiben. Goethes Faust steigt in diese Ära hinab. Kostbarer und weitaus auffälliger sind in diesem esoterisch-alchemistischen Feld indes die Titel, die in Stockholm Ernst II. zuzuordnen sein dürften: Prachthandschriften, die im 18. Jahrhundert in den jeweiligen Zirkeln als Geheimschriften – abseits des Druckmarktes – kursierten. Hier scheinen sich Ernst II. und Bode als Buchliebhaber begegnet zu sein. Aus der brieflichen Korrespondenz wird zuweilen ersichtlich, dass Bode gezielt auf Reisen sammelte und davon Ernst in Kenntnis setzte – vielleicht als Abnehmer besonders kostbarer Stücke. Hier Bodes gesamte Bibliothek chronologisch geordnet, die undatierten Titel stehen dabei zu Anfang:

To do

Vieles ist für uns im Moment experimentelles Gelände. Auf den ersten Blick fehlt uns eine Suchschablone wie Bibliotheken sie verwenden. Vor allem fehlt uns die bibliothekarische Expertise, mit der über die von uns erfassten PPN- und VD-Nummern unseren Items Metadaten aus Bibliotheksdatenbanken zuordnen könnten.

Unsere Liste macht vorerst vor allem den interaktiven Umgang mit der unbekannten Bibliothek möglich. Es ist von hier aus vergleichsweise leicht, Vernetzungen in ganz beliebigen weiterführenden jeweiligen Forschungsinteressen vorzunehmen. Wer über ein Konto verfügt, kann mit dieser Liste, sich zwischen Digitalisaten fortbewegend, Verknüpfungen vornehmen – andere Digitalisate notieren, Themen verschlagworten, Bibliotheksstandorte festhalten, Titel vernetzen, etwa mit Verlagen oder zeitgenössischen Rezensionen. Vor allem lassen sich mit dem eigenen Nutzerkonto im Abgleich mit von Voigts Inventar und den Beständen im Stockholmer Archiv Korrekturen vornehmen – ohne den Umweg einer Email an „die Herausgeber“ dieser Liste. Unser Interesse ist es hier vor allem, die Materialgrundlagen für Fachleute möglichst direkt bearbeitbar zu machen.

Spannend sind für uns dabei insbesondere technisch versierte Materialerschließungen, Materialanalysen, zu denen Fachleute mit Data-Mining und in komplexeren Visualisierungen in der Lage sind.

Das konkretere Ziel dieser Arbeit bleibt die Erschließung der gesamten Materiallage, in der sich die Bibliothek Bodes verhedderte: Sie gelangte in das Gefüge der Materialien, die hier mitsamt den Illuminatenakten aus der öffentlichen Wahrnehmung gerieten. Wir stehen hier vor einer spannende Bibliothek, der eines Marktinsiders, wenn man die Welt der freimaurerischen und konkurrierenden Verbindungen einmal als Markt erfassen will. Bode bewegte sich auf diesem Markt genussvoll und mit enormer Neugier bis an sein Lebensende. Wir begegnen hier zudem einer Bibliothek der persönlichen Beobachtungen – es finden sich unter den Autoren und unter den Betroffenen der Bücher Menschen, mit denen Bode in Austausch stand. Eine interessante Durchdringung wird Bodes Kontaktnetz mit diesem Informationspool abgleichen, irgendwann in der Zukunft. Im Moment ist es schon interessant genug, dass wir auf diese Weise, dank der fortscheitenden Digitalisierung der frühmodernen Buchproduktion nun vom Schreibtisch Bibliotheken wie diese rekonstruieren und durchstöbern können.


PS. Mein besonderer Dank an Bruno Belhoste für das Skript zur Profilierung der Bibliothek.
PS2. Die Liste wurde Mitte Oktober 2022 abgeglichen mit einer Liste Reinhard Markners, die dieser im Archiv der Schwedischen Großloge anfertigte, und die im Zuge des Abgleichs Stockholmer alte und neue Signaturen erhielt.

Einblicke in das interne Berichtswesen des Illuminaten-Ordens. Aus der Hand Hermann Schüttlers: 71 Dokumente der Jahre 1781 bis 1785

Die folgende Materialpräsentation ist das Ergebnis eines zweimonatigen Praktikums im Forschungszentrum Gotha. Mein Projekt war es, der Forschung Vorarbeiten zu einem unvollendet gebliebenen Buchprojekt Hermann Schüttlers datenbankgestützt auf den FactGrid-Seiten zugänglich zu machen. Es handelte sich hierbei um Transkriptionen von 71 Dokumenten aus dem inneren Machtzirkel des Illuminatenordens der Jahre 1781 bis 1785. Im Gegensatz zu den von Hermann Schüttler und Reinhard Markner zuvor bereits vorgelegten Bänden der Illuminatenkorrespondenz steht hier das interne Berichtswesen des Ordens im Zentrum. Das Corpus birgt:

  • 12 für den Orden verfasste (Auto-)biographien,
  • 26 Inspektionsberichte,
  • 29 Sitzungsprotokolle der bisher wenig bekannten “zweiten” Minervalkirche Frankfurts; zu ihnen kommen drei Protokolle der Gothaer Minervalkirche und eines aus Weimar.

Es galt dabei erstens, die unterschiedlich umfangreich verfußnoteten Transkripte im Gesamtumfang von bislang 237 Seiten von ihren Word-Dateien in Wiki-Seiten des FactGrid zu überführen, sie dabei mit kurzen Einleitungen zu versehen und die Fußnotung an die Datenbank anzukoppeln oder in einem Großteil der Dokumente erst durch eigene Recherche zu erstellen – bei den Inspektionsberichten kamen im Extremfall über 200 Fußnoten im Einzeldokument in den Blick. Zu allen Dokumenten waren im zweiten Schritt Datenbankobjekte anzulegen, die die Transkripte grundlegend erschließen und Datenbankrecherchen zugänglich machen. Zentral war hier die Erfassung von Autor, Entstehungsort und -datum; erwähnten Personen, Orten und Themen. Zu den Protokollen von Sitzungen wurden zudem Ereignis-Datenbankobjekte angelegt, an die sich nun eigene Fragen, etwa zu Nachweisen persönlicher Begegnungen von Sitzungsteilnehmenden, stellen lassen.

Nachfolgend:

  1. Einige erste inhaltliche Ausführungen zu den hiermit zugänglich gemachten Dokumenten
  2. Einige Bemerkungen zur technischen Realisation und zu Problemstellen der Datenbanksoftware, die hier zur Nutzung kommt
  3. Alle Dokumente, Transkripte und Ereignis-Datensätze dieses Projektes chronologisch sortiert

Wissensakkumulation in der Phase des rasant wachsenden Geheimordens

In die erste Phase des Illuminatenordens – die Phase des primär bayerischen Ordens unter der unmittelbaren Führung Adam Weishaupts – gaben 1787 die Aktenveröffentlichungen des Bayerischen Staates Einblick, die den Orden noch im Sommer 1787 im Raum der deutschen und österreichischen Territorien kollabieren ließen. Über die Spätphase des Ordens, in der unter Johann Joachim Christoph Bode Thüringen zum neuen Zentrum wurde, sind wir auf der anderen Seite aus den Dokumenten der Schwedenkiste informiert.

Die Dokumente, die Hermann Schüttler vorliegend transkribierte, stammen vor allem aus dem Nachlass Adam Weishaupts und dem Sonderarchiv Moskau. Einige Dokumente der Schwedenkiste kamen hinzu. Zusammen geben sie einen Einblick in die turbulente Zwischenphase, in der Adolph Freiherr von Knigge für das große Wachstum des Ordens sorgte. Berichterstatter sind dabei unter anderem Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth und am häufigsten Knigge selbst. Gemeinsam präsentieren sie ein multiperspektivisches Bild der mit dem Wachstum kommenden Anforderung, Überblick zu wahren. Noch in diesen Versuchen wird klarer, dass es keine gemeinsame Ordenspolitik mehr gibt und kaum noch eine Chance, intern abzustimmen, wer in diesen Orden aufgenommen wird und Karriere macht. Zerreißproben tun sich mit Einzelfällen auf, über die es zum Streit kommen würde, wenn alle Informationen im Orden öffentlich würden; der Konflikt des Ordens mit Knigge erweist sich dabei als mehr denn ein Konflikt zwischen diesem und Weishaupt, dem Ordensinitiator.

Exemplarische Selbstauskünfte

Alle neuen Mitglieder mussten eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen: das Revers. Sie beantworteten Fragen zu ihren Erwartungen an die unbekannte Organisation, die sich ihnen damit inmitten der Freimaurerei auftat und waren aufgefordert, autobiographische Selbstauskünfte einzureichen. Zwölf dieser Selbstauskünfte umfasst die Textauswahl. Es handelt sich hierbei überwiegend um kurze Lebensläufe und um einem Frageraster folgende Reflexionen über verschiedene Aspekte der eigenen Person vom physischen Zustand bis zum politischen und moralischen Charakter. Hinzu kamen standardisierte Fragen, beispielsweise für die Aufnahme ins Schottische Noviziat, die in Stichworten beantwortet wurden. Häufig wählten die Verfasser jedoch eine freiere Form und schilderten in Fließtexten mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten ihre wichtigsten Lebensstationen und zwischenmenschlichen Beziehungen.

In einem offenkundigen Zusammenhang zu den übrigen Dokumenten dieser Materialsammlung stehen die (auto-)biographischen Einlassungen Q175807 und Q175808 zu Christian Gottlob Neefe. Neefe war im hier dokumentierten Zeitraum als Gast der “zweiten” Minervalkirche Edessas/Frankfurts aktiv. Bei den Teilnehmenden aus den drei Sitzungsprotokollen in Gotha gibt es weitere Überschneidungen mit fünf der autobiographischen Texte. Zwei Autobiographien stammen von Mitgliedern aus Neuwied, die dortige Minervalkirche taucht häufig als einflussreiches Zentrum in den Inspektionsberichten auf. Bodes autobiographische Selbstauskunft rundet die Auswahl ab – der zukünftig zentrale Akteur des Ordens ist hier mit im Geflecht der Selbstaussagen vertreten.

Besonders gewinnbringend war die Bearbeitung der autobiographischen Texte im Hinblick auf die Details, die sich aus ihnen für die bestehenden Datensätze ziehen ließen. So konnten bei jeder der Personen Aussagen zu Aufenthalten, Berufen und ähnlichem ergänzt werden. Noch spannender waren ihre Informationen für die Verdichtung von Netzwerken. Durch die Erwähnung von Verwandten, Freunden, Arbeitgebern und anderen Personen, die die eigene Entwicklung prägend tangierten, konnten viele neue Personen angelegt und in Relation zu bereits bestehenden Items gesetzt werden.

Inspektionsberichte: Wie der Orden versuchte, Überblick in der Informationsflut zu gewinnen

Extensive Quellen sind im Set die fünf Inspektionsberichte Stolberg-Roßlas. In ihnen fließen Informationen aus den Minervalkirchen geordnet nach den Provinzen, ihren Präfekturen und deren Minervalkirchen zusammen in einer Berichterstattung, die bis zu den einzelnen Mitgliedern an den verschiedenen Orten hinab reicht.

Dabei steht als größtes strategisches Problem im Raum, dass im Moment mehr Orte auf der illuminatischen Landkarte der geheimen Ordensgeographie als an diesen Orten bereits arbeitende Minervalkirchen zu finden sind.

Alle 92 Orte, die einen Illuminatenordensnamen erhielten [FactGrid Datenbankabfrage]

Der Aufbau der Minervalkirchen verlief über Mitglieder einzelner Logen, die unmittelbar zu hochrangigen Illuminaten “ihrer” Orte wurden. Von ihnen wurde erwartet, dass sie aus ihren Logen die Mitglieder für die lokalen Minervalkirchen gewinnen. Unter den Mitgliedern machten Studenten eine große Gruppe aus. Zu den flächendeckenden Rekrutierungen kamen die individuellen Vorschläge, die alle Ordensmitglieder machen konnten und über die auf höherer Ordensebene konsistent entschieden werden sollte. Aus den Dokumenten sprechen Konflikte zwischen Beteiligten, die von der Aufnahme anderer erfuhren, mit denen sie keineswegs im selben Orden sein wollten. Gleichzeitig wird sichtbar, dass die Verantwortlichen hier längst in einem Spannungsfeld persönlicher Befindlichkeiten und Verbindlichkeiten agierten, in dem sie im Ernstfall nur noch darauf hoffen konnten, dass Konflikte im Raum des Geheimordens nicht vor der inneren Öffentlichkeit sichtbar werden. Knigge berichtet am 26. September 1782 in diesem Gewirr von Aufnahmen, für die er grünes Licht gab, obwohl er ihr Konfliktpotential absehen konnte:

Mein Plan war, den Epictet nach und nach zu stimmen, und jedem in der Provinz eine Laufbahn zu eröffnen, welche sich nicht kreutzen könnte. Den Hrn. W[und] zu gewinnen, war um so nöthiger, da die neue Freymäurerey die Direction der VIII. Provinz nach Heidelberg verlegt, und ihm die Direction gegeben hat. Ich verlangte als erste Probe der Treue, daß er unsre Leute in der Pfalz mit zu der Sache ziehen sollte … [Tanskript]

Deutlich zeigt sich an dieser Stelle ein nicht mehr zu lösender Widerspruch zwischen der Zentralisierung des Informationsflusses und der Freiheit, mit der die mittlere Führungsebene agieren musste und auch agierte.

Das Berichtswesen, das mit den Dokumenten sichtbar wird, erweist sich als ausgefeilt und modern:

Aus den Minervalkirchen trafen zu allen Personen monatliche Zeugnisse ein. Im Orden wurde, um hier den Überblick zu behalten, ein standardisierter Strichcode eingeführt, mit Hilfe dessen man auf einen Blick zu erfassen hoffte, wo sich besonders interessante Personen sammelten. Aus den Inspektionsberichten schimmert jedoch durch, dass man hier eher erfasste, wo Verantwortliche auf der mittleren Ebene ihre eigene Arbeit in ein besonders gutes Licht zu stellen suchten.

Die Transkripte der Inspektionsberichte geben diese Strichcodes für Hunderte von Personen wieder. Greifbar wird im selben Moment der erhebliche Arbeitsaufwand, den dieses Berichtswesen auch in dieser Kondensierung noch bereitete. Die höhere Hierarchieebene musste Protokolle zusammenführen und Korrespondenzen in alle entstehenden und agierenden Filialen unterhalten. Knigge konnte man hier die Überlastung im Wachstum des Ordens anmerken:

Noch einmal wiederhole ich, was ich nicht genug wiederholen kann: wenn wir|
a.) Das ganze System ausgearbeitet haben,
b.) Wenn jede Provinz ihren Provinzial hat,
c.) Wenn über 3 Provinzen ein Inspector gesetzt ist,
d.) Wenn wir in Rom unsere National-Direction haben:
e.) Wenn mit diesen allen die Areopagiten nichts zu thun haben, sondern im Verborgenen das Ruder führen, folglich nicht entdeckt werden können, nicht so sehr mit verdrüßlichen Details überhäuft sind, sondern das System überschauen, verfeinern, in andere Lander ausbreiten, zur rechten Zeit der dirigirenden Classe beystehen können: – Dann, und nicht eher richten wir etwas aus. Wir bedärfen also dann keiner so lärmenden Anstalten, müßen jeden Provincial in seine Gränzen zurückweisen. – Fahren wir aber fort so in die Kreuz und Quere zu operiren, so sind wir in 3 Jahren gesprengt. Nun zu meinen Berichte… [Transkript]

Die Protokolle der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche und der Konflikt mit Knigge

Die vorgelegten Protokolle aus Frankfurt ermöglichen es, den Konstituierungsprozess einer Minervalkirche exemplarisch nachzuvollziehen und geben einen vertiefteren Einblick in die Geschichte der zwei Minervalkirchen Frankfurts, zwei nacheinander aktiven, verschiedenen Gruppen mit größtenteils denselben Mitgliedern. Die Protokolle der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche zeichnen sich dabei in der Anfangsphase durch die Regelmäßigkeit und Ausführlichkeit sowie formelle Konsistenz aus. Wie später in Gotha traf man sich monatlich in der Minervalkirche und, die höheren Mitglieder, im exklusiven Magistrat. Die Treffen lassen sich mit der Datenbank auf einen Zeitstrahl projizieren und dabei bis auf die Wochentage heranzoomen. Die Frankfurter Teilnehmendenlisten zeugen von Kontinuität und erlauben Rückschlüsse auf die Mitgliederstruktur in diesem Zeitraum. Eingehend erfasst sind in den ersten Monaten jeweils Programmpunkte wie die Planung von gemeinsamen Lesungen und inhaltlichen Diskussionen über Grundsätze der Leitlinien des Ordens, die förmliche Initiation der neuen Magistraten auf einer eigens dafür organisierten, ordentlichen Versammlung und die pünktliche Abgabe schriftlicher Ausfertigungen sowie der Austausch der Quibus Licet und Reprochen, die sich sehr ausführlich dokumentiert in den Transkripten zur weiteren Vertiefung nachlesen lassen.

In den Protokollen werden nicht minder interne Konflikte greifbar, wie sie die Aktivität des Ordens immer wieder nachhaltig prägten. Interessant ist dabei der sich noch vor dem Zerwürfnis zwischen Weishaupt und Knigge aufzeigende Konflikt vor Ort: Am 15. Juni 1783 sollte Johann Ludwig Hetzler nach einer Anweisung der Oberen ein Treffen der vormals aktiven Mitglieder der Minervalkirche Edessa initiieren, um diese nach einem großen internen Streit, der schließlich zur Inaktivität der Gruppe führte, wiederzubeleben. Knigges Wirken stand, so lässt sich in Umrissen ersehen, im Zentrum dieses Konflikts. Nach den Aussagen der anwesenden Mitglieder hatte er versucht, heimlich alle Ordensgeschäfte vor Ort unter seine Kontrolle zu bringen und darüber hinaus eine gänzlich neue Minervalkirche unter Ausschluss der bisher Aktiven zu errichten. Die Konstituierung der neuen Minervalkirche wurde daher auch nur unter der Versicherung der Oberen vollzogen, dass Knigge nichts mehr mit der Präfektur zu tun haben werde (Vgl. J.P.C. Müllers Bericht vom 15.6.1783).

Ihr Gegengewicht finden diese Dokumente in der vorliegenden Textauswahl mit den vier von Frankfurt aus verfassten Inspektionsberichten Knigges aus den Jahren 1781 und 1782. Im Juli 1781 berichtet er bereits, dass die meisten Mitglieder der örtlichen Minervalkirche, die beinahe ausnahmslos deckungsgleich mit den Aktiven und der Führungsebene 1783 sind, unbrauchbar für den Orden seien. Einzig lobend hebt er Simon Friedrich Küstner und Johann Friedrich Piehl hervor (Vgl. Knigge, Inspektionsbericht vom 11.7.1781). Während Ersterer später in der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche im Amt des Sekretärs aktiv im Magistrat der Gruppe mitwirkt, erklärte Letzterer noch zu Beginn der neu konstituierten Kirche, dass er, ehemaliger Censor und Teil der bisherigen lokalen Führungsriege, künftig nichts mehr mit dem Orden zu tun haben wolle (Vgl. J.P.C. Müllers Bericht vom 23.6.1783).

Im September 1781 schien sich die Lage noch deutlicher zugespitzt zu haben, denn nun verkündete Knigge, dass er wegen einer generellen Nachlässigkeit aller Mitglieder der Minervalkirche diese verlassen habe und keine Quibus Licet mehr von ihnen annehmen werde, bis eine deutliche Besserung eingetreten wäre. Darüber hinaus hoffe er mit der Hilfe Leonhardis und Küstners, bald eine neue Gruppe ohne die anderen bisherigen Mitglieder aufbauen zu können (Vgl. Knigges Inspektionsbericht vom 10.9.1781). Beide sollten zwei Jahre später höhere Ämter in der “zweiten” Minervalkirche innehaben.

In den Berichten Knigges vom Oktober 1781 und August 1782 findet sich kein Wort mehr zu der Minervalkirche in Frankfurt, obwohl er in beiden Fällen noch vor Ort lebte und im Orden für die Provinz zuständig war. Ab Februar 1783 kamen seine Inspektionsberichte aus Heidelberg. An diesen Weggang knüpfen jedoch drei Inspektionsberichte Stolberg-Roßlas ab März 1783 an. Dieser erwähnt explizit in dem ersten Inspektionsbericht vom 5. März 1783 über den vorherigen Monat, dass sich Knigge künftig nicht mehr mit Edessa abgebe (Vgl. Stolberg-Roßlas Inspektionsbericht vom 5.3.1783.

Stolberg-Roßlas Berichte geben weiteren Aufschluss über die Entwicklung vor Ort. Auch er kritisiert die lokale Niederlassung und die aktiven Mitglieder stark und spricht ihnen direkt oder indirekt durch die Einschätzungen Dritter den Wert für den Orden ab. Besonders deutlich wird dies durch Zeilen wie:

Alles lesen wollen, über alles lachen, alles tadeln und doch nichts thun, ist, nach Valerius [i.e. Ditfurth], der Geist der Edesser. [Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 27.3.1783]

oder

Das alte Elend! Alles ist confus. […] Alle Bbr. sind gegen einander, fast alle kalt, aufgebracht. Mittelmäßige Leute stehen oben, und andre, die ich aus Briefen als kluge und wohldenkende Männer habe kennen lernen, stehen unten und werden versäumt. Kurz der Geist der Verwirrung herrscht da im höchsten Grade. [Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 5.3.1783]

Konkreter werden die Konfliktlinien und die Probleme vor Ort indes nicht benannt, es findet sich nur eine Andeutung Hetzlers, dass in der Gruppe zu viele Reformierte seien, die herrschen wollten und ein vager Verweis auf Schwierigkeiten mit München. Im selben Bericht schreibt Stolberg-Roßla, dass alles so schön angelegt sei, den Orden auf ewig aus dieser Stadt zu verbannen und ergänzt im folgenden Bericht, Ditfurth und er kämen darüber hinaus zu dem Schluss, dass keinem Edesser, insbesondere nicht Hetzler, der Priester- und Regenten-Grad gegeben werden solle. Dem steht entgegen, dass Knigge nach Stolberg-Roßlas Kenntnisstand schon längst für diese um Erlaubnis gebeten hatte (Vgl. Stolberg-Roßlas Inspektionsbericht vom 27.03.1783). Im April 1783 berichtet Stolberg-Roßla weiter, dass Johann Leopold Bleibtreu, wie schon im März angekündigt, nun vor Ort sei und sein Möglichstes versuche, Ordnung zu schaffen (Vgl. Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 18.4.1783).

Berichte zum Konvent von Wilhelmsbad

Eine Gelenkfunktion gewinnen im hier vorgelegten Materialcorpus die Berichte rund um den Konvent von Wilhelmsbad bei Hanau im Sommer 1782. Für die kontinentaleuropäische Hochgradfreimaurerei wurde der mehrwöchige Kongress zur inneren Zerreißprobe, die die Strikte Observanz – gestützt auf nicht länger haltbaren Behauptungen von Wurzeln im Templerorden der Kreuzzugszeit, war sie das große Hochgradsystem der letzten beiden Jahrzehnte gewesen – nicht überleben sollte. Um das Geschichtsangebot, welches die Ursache des Streits war, ging es dabei nur zum Teil. Die Darlegungen drehen sich um Betrüger in der Freimaurerei, um Schwärmerei und damit um bislang in den Konfessionen ausgetragene Konflikte. All dies überlagert von persönlichen Befindlichkeiten zwischen hochrangigen Teilnehmern, die sich gegenseitig nicht angemessen respektiert sahen und mitten im Zusammenbruch der Strikten Observanz um den Zuschnitt zukünftiger Provinzen rangen.

Im ausgewählten Materialkomplex stehen hier Knigges Beobachtungen unmittelbar neben denen Franz Dietrich Freiherr von Ditfurths. Beide waren hochrangige Illuminaten, die mit ihren Berichten direkt an Weishaupt rapportierten – und die, wie aus den Dokumenten sichtbar wird, einander mit deutlicher Skepsis beobachteten. Knigge sollte am Rand des Konvents bahnbrechend J.J.C. Bode für den Orden gewinnen, der im Auftrag Ernst II. von Gotha am Konvent teilnahm, und Bode sollte wiederum im Verlauf Ferdinand von Braunschweig und Carl von Hessen-Kassel, die führenden Repräsentanten der Strikten Observanz auf dem Konvent, in den Illuminatenorden bringen und damit den Orden in eine innere Zerreißprobe führen.

In Ditfurths Bericht tauchen all diese Beteiligten auf – nun kritisch von Ditfurth beobachtet, dessen Wirken Knigge kritisch kommentiert. Ditfurths Bericht wird sich so schnell nicht zusammenfassen lassen. Auf 34 Seiten Manuskript wurde hier, ohne sichtbare Gliederung, eine Aneinanderreihung von Augenblickswahrnehmungen und Gesprächsfetzen, die den Autor aufrüttelten, sowie Charakterisierungen der Teilnehmer Weishaupt vorgelegt. Bode erscheint in diesem Gewirr als pragmatischer Politiker, der den ganzen Kongress rettet, als er allen nahelegt, hier erst einmal frei zu sprechen und später für sich zu entscheiden, welchem maurerischen System sie in Zukunft anhängen wollen. Mit Ferdinand von Braunschweig und Carl von Hessen-Kassel gerät Ditfurth in den unter höflichen Repliken verborgenen offenen Konflikt. Knigge als über Dritte informierter Beobachter nimmt Ditfurth inmitten dieser Konflikte als jemanden wahr, der sich öffentlich unmöglich macht.

Für den Illuminatenorden wurde der Konvent ein heimlicher Wendepunkt. In Knigges Bericht für den Januar 1783 wird das spektakulär deutlich. Während Ditfurth sich, so Knigges (mit Vorsicht zu lesende) Darstellung, mit seinem konfrontativen Auftreten erst einmal unmöglich machte, soll doch seltsam verbreitet bekannt gewesen sein, dass es den Orden gab, so bekannt, dass er, Knigge, am Rande von allen möglichen Seiten aus kontaktiert und mit Aufnahmeanträgen überhäuft worden sei:

Mit den Cheffs des Zinnendorfischen Systems nahm ich Gelegenheit, einen Briefwechsel anzufangen, den ich auch noch jetzt fortsetze. Die Emissarien anderer Gesellschaften forschte ich theils durch andere Wege aus, theils hatten sie selbst das Zutrauen zu mir, sich mir zu entdecken, weil sie von mir wußten, daß ich mich nicht aus Eigennutz, sondern aus Eifer für die gute Sache dabey interessiere. Die Deputierten im Wilhelmsbad aber kamen fast alle zu mir, und da sie | (ich weiß nicht woher) Nachricht von der Existenz unsrer Verbindung hatten; so bathen sie mich alle, auch der [Prinz Carl] von H[essen], um die Aufnahme. Nun hielte ich es am beßten gethan, daß ich die Mehrsten einen Revers unterschreiben ließ, ihnen also Stillschweigen auferlegte, aber keinem einzigen von ihnen, während der Convent-Zeit das geringste schriftlich mittheilte. Dieß that ich, und redete nur im allgemeinen mit ihnen. [Transkript]

Wollte Weishaupt seine Organisation eher aus reinem machtpolitischen Kalkül mit der Aura großer Geheimnisse ausgestattet haben, um das gegnerische Lager zu infiltrieren, so wird aus diesem Kalkül unter der Hand ein kaum kontrollierbares Anliegen – der Orden verändert sich mit der rasanten Aufnahmepraxis und droht unregierbar zu werden, nun nachdem er Regenten aufnimmt und ein ganzes, soeben scheiterndes, von “Schwärmerei” durchdrungenes System als Führungsebene importiert.

Die Sitzungsprotokolle aus Gotha und Weimar

Die Sitzungsprotokolle aus Gotha und Weimar tun Schritt in die letzte Phase des Ordens. Knigge hatte Bode für den Orden am Rand des Konvents von Wilhelmsbad gewonnen. Im Herbst 1782 hatte dieser Ernst II. dazu bewegt, sich auf das Experiment Illuminatenorden einzulassen. Gothas Minervalversammlung sollte der Testfall und Zentrum der Ordensarbeit in der neuen Provinz Ionien werden, die Bode binnen zweier Jahre aufbaute, und die nach seinen Planungen von Weimar regiert bis nach Berlin im Norden und Dresden im Osten reichen sollte. Während das Experiment in Gotha und im Verlauf in Erfurt, Rudolstadt und Jena glückte, sollte es in Weimar scheitern, trotz oder vielleicht gerade wegen der berühmten Teilnehmer, die hier mit Goethe und Herder die hohen Ränge der Weimarer Minervalkirche hätten bekleiden sollen. Diese Entwicklungen zeichnen sich in den ausgewählten Protokollen noch nicht ab. Sie geben Einblick in die konkreten ersten Schritte mit denen in Gotha und Weimar Minervalkirchen geplant wurden. Man agierte jeweils aus dem Magistrat von oben herab. Die Gothaer Magistratsberichte werfen dabei ein Licht auf die Infiltration, die der Orden meisterte. Es geht hier en passant um Konflikte zwischen der Gothaer und der Loge Altenburger Freimaurer-Loge. Die Freimaurerei gewinnt eine geheime Dachebene über die der Orden Einblicke erhielt. Das Protokoll vom Dezember 1784 gibt einen Einblick in die Themen der auf den Minervalsitzungen gehaltenen Vorträge und eine kurze Schilderung der Neuaufnahmen. Das Protokoll aus Weimar berichtet von der Sitzung am 17. März 1785, auf der die Verfolgungen Weishaupts, die Gründung einer Filiale in Jena, die studentische Freimaurer aufnehmen solle, und die Konstituierung der eigenen Minervalkirche in Weimar Thema waren. Die hier gegebene Auswahl ist dabei mittlerweile eingeholt von der Erschließung, mit der Markus Meumann, Olaf Simons und Christian Wirkner sämtliche Sitzungsprotokolle des 15. Band der Schwedenkiste auswerteten, um hier die behandelten Aufsätze genauer zu lokalisieren.

Einige Bemerkungen zur technischen Realisation und zu Problemstellen der Datenbanksoftware, die hier zur Nutzung kommt

Die Aktenlage des Illuminatenordens war für mich zu Beginn des Praktikums so neu wie die hier zum Einsatz kommende Technik. Desiderate der Plattform, die nun Zugriff auf die eingebrachten Transkripte und die mit ihnen korrespondierenden Datenbankobjekte erlaubt, sind bereits im Blog, in dem dieser Beitrag erscheint, notiert:

Desiderat 1: Eine Präsentationssoftware, die Transkripte und Objektdaten sichtbar macht

Wikibase verbindet ein konventionelles Media-Wiki, wie es die Wikipedien zum Einsatz bringen, mit einer Wikibase Datenbank. Das FactGrid nutzt beide Bereiche integrativ, das heißt, ich legte für die Transkripte MediaWiki Seiten mit dem aus den Wikipedien bekannten Text Markup an und koppelte diese an Datenbankobjekte, im Konkreten zu den Dokumenten und den nachweisbaren Ereignissen.

Die Koppelung erlaubt es zwar, in der Volltextsuche auf beides, also die Datenbankobjekte zu den Dokumenten und Transkriptseiten, zuzugreifen, aber beide sind lediglich mit wechselseitigen Links aneinander gebunden. Befindet man sich auf einer Textseite, muss man über den Metadaten-Link im Seitenbeginn in den Datensatz hinüberschalten, erst dort stehen die Angaben zu Datum, Autor, Quelle und allen weiteren Informationen.

Was der Software an dieser Stelle fehlt ist eine Präsentationssoftware, die die Informationen aus den Datenbankobjekten geordnet lesbar macht und die dabei in der Lage ist, die Transkripte sichtbar zu machen und auf Wunsch des Lesers zur Gänze einzuspielen.

Desiderat 2: Eine Vorbefüllung der Datenbank, die großflächig Personen zur Verfügung stellt, auf die nun nur noch verlinkt werden muss

Das wohl zeitintensivste Arbeitshemmnis des FactGrid im gegenwärtigen Zustand ist die immer noch zu geringe Anzahl der bereits vorhandenen Datenbankobjekte. Die Dichte bereits vorhandener Personen ist zwar im Projektfeld Illuminatenorden ausgesprochen hoch, doch fehlen im selben Moment kontinuierlich Personen, die hier nur am Rand auftauchen, eigentlich jedoch Schlüsselfiguren der deutschen Geschichte des 18. Jahrhunderts sind. Die Recherche dieser Personen in der GND und Wikidata war in der Regel kein Problem, die Personen mit den hier auffindbaren Daten im FactGrid als aussagekräftige Objekte anzulegen blieb jedoch mühselig und fehleranfällig. Das Problem scheint seit den ersten Editiervorgängen allen in der Datenbank vertraut – das Projekt, die gesamte GND zu importieren, trägt ihm Rechnung, doch bleibt die nützliche breite Datenlage im Moment ein Desiderat.

Desiderat 3: Eine Benutzeroberfläche, die zu guten Datenstrukturen Rat gibt

Wikibase ist konsequent Triple-basiert, theoretisch lassen sich ganz beliebige Aussagen zu ganz beliebigen Objekten formulieren. Tatsächlich lassen sich damit identische Sachverhalte jedoch nicht minder auch ganz unterschiedlich ausdrücken – etwa in sehr definierten Tripeln oder in allgemeineren Tripeln, bei denen man mit Qualifikatoren Kontexte näher bestimmt. Verschiedene Formulierungen von parallelen Aussagen finden sich in der Folge. Zu ihrer Vielzahl kam es offenbar vor allem, weil die Quellenlage mal die eine und mal die andere Variante einer Formulierung nahelegte und von hier aus dann als Muster auf weitere Bearbeiter wirkte.

Dadurch, dass es keine einheitlichen Standards bei der Erstellung von Statements gibt, kam es häufiger zu uneindeutigen oder inhaltlich identischen Aussagen oder Redundanzen, deren Erfassung eine gewisse Zeit im Arbeitsprozess beansprucht. Auch gibt es keine klaren Vorgaben, welche Informationen aus Texten in welcher Form in Triples verwandelt und an anderer Stelle rezipiert werden sollen. Diese freie Gestaltungsmöglichkeit kann gleichzeitig als Vor- und Nachteil betrachtet werden, da die Software der eigenen Arbeit und Weiterentwicklung schon bestehender Arbeit in ihrer sehr offenen Komplexität kaum Grenzen setzt, jedoch im Vergleich zu sehr standardisierter Arbeit deutlich voraussetzungsreicher ist und laufende Seitenblicke auf bestehende Objekte einfordert, um einen passenden Umgang zu finden. Man lernt hier eher eine Sprache möglicher Aussagen, die jederzeit erweitert und präzisiert werden kann, als dass Eingabeschablonen abgearbeitet werden. Das Desiderat könnte an dieser Stelle ein Sowohl-als-auch sein, eine Plattform, die für erste Objekterschließungen Eingabeschablonen gibt, die grundlegend konsistente Datenobjekte in den Basisdaten herstellen, während man bei weiterer Erforschung jederzeit dazu übergehen könnte, Aussagen nach eigenem Interesse und Nutzen bei der Materialdurchdringung frei zu formulieren.

Alle Dokumente, Transkripte und Ereignis-Datensätze dieses Projektes chronologisch sortiert

Datum Dokument Transkript Ereignis
1 1781-02-01 Johann Georg Wendelstadt, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1781-02. Transkript
2 1781-02-20 Amand Philipp Ernst von Ebersberg, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Mainz, 1781-02-20 Transkript
3 1781-07-01 Christian Carl Kröber, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1781-07 Transkript
4 1781-07-11 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-07-11. Transkript
5 1781-09-10 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-09-10. Transkript
6 1781-10-01 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-10-01. Transkript
7 1781-12-31 Johann Ludwig Carl Graf von Cobenzl, Bericht für die Provinz Franken und Schwaben des Illuminatenordens, Eichstädt, 1781-12-31. Transkript
8 1782-01-01 Johann Leopold Bleibtreu, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782 Transkript
9 1782-02-01 Otto von Gemmingen, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Wien, 1782-02. Transkript
10 1782-02-02 Costanzo Marchese di Costanzo, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, München, 1782-02-02. Transkript
11 1782-07-05 Friedrich Joseph Roth von Schreckenstein, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Immendingen, 1782-07-05. Transkript
12 1782-08-01 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1782-08. Transkript
13 1782-08-01 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-08 Transkript
14 1782-08-07 Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Wetzlar 1782-08-07. Transkript
15 1782-08-10 Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth, Anhang zu Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Wetzlar, 1782-08-10. Transkript
16 1782-09-26 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Heidelberg 1782-09-26. Transkript
17 1782-09-30 Christian Gottlob Neefe, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1782-09-30 Transkript
18 1782-10-01 Johann Joachim Christoph Bode, Autobiographisches für den Illuminatenorden. Transkript
19 1782-11-24 Georg Ernst von Rüling, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Hannover, 1782-11-24. Transkript
20 1782-12-11 Johann Benjamin Koppe, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Göttingen, 1782-12-11. Transkript
21 1782-12-31 Christian Carl Kröber, Provinzialbericht Thessalien (Westfalen) für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-12-31. Transkript
22 1782-12-31 Johann Georg Wendelstadt, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-12-31. Transkript
23 1783-01-04 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Abenmeh 1152 [November 1782], Neuwied, 1783-01-04. Transkript
24 1783-01-29 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Adarmeh [Dezember 1782] , Neuwied, 1783-01-29. Transkript
25 1783-02-01 Adolph von Knigge, Ordensbefehl, 1783-02. Transkript
26 1783-02-05 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht über die Provinz Ionien für den Monat Dimeh 1152 [Januar 1783], Heidelberg, 1783-02-05 Transkript
27 1783-03-07 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Dimeh 1152 [Januar 1783], Neuwied, 1783-03-07. Transkript
28 1783-03-25 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Benmeh [Februar 1783], Neuwied, 1783-03-25. Transkript
29 1783-04-18 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Asphandar [März 1783], Neuwied, 1783-04-18. Transkript
30 1783-06-15 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-15. Transkript Ereignis
31 1783-06-23 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-23. Transkript Ereignis
32 1783-06-26 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-26. Transkript Ereignis
33 1783-06-27 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-27. Transkript Ereignis
34 1783-07-03 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-03. Transkript Ereignis
35 1783-07-24 Christian Heinrich Wehmeyer, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Gotha, 1783-07-24 Transkript
36 1783-07-27 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-27. Transkript Ereignis
37 1783-07-30 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-30. Transkript Ereignis
38 1783-07-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-30. Transkript Ereignis
39 1783-08-01 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-08-01. Transkript Ereignis
40 1783-08-06 Christian Georg von Helmolt, Curriculum vitae, 1783-08-06 Transkript
41 1783-08-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-08-25. Transkript Ereignis
42 1783-08-28 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-08-28. Transkript Ereignis
43 1783-09-07 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, Magistratsversammlung, 1783-09-07 Transkript Ereignis
44 1783-09-25 August Gottlob Dörrien, Autobiographisches für den Illuminatenorden. Transkript
45 1783-09-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-09-30. Transkript Ereignis
46 1783-10-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-10-25. Transkript Ereignis
47 1783-11-10 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-11-10. Transkript Ereignis
48 1783-11-12 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-11-12. Transkript Ereignis
49 1783-11-17 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-11-17. Transkript Ereignis
50 1783-12-02 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-12-02. Transkript Ereignis
51 1783-12-06 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-12-06. Transkript Ereignis
52 1784-01-06 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-01-06. Transkript Ereignis
53 1784-01-07 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-01-07. Transkript Ereignis
54 1784-01-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-01-30. Transkript Ereignis
55 1784-02-02 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-02-02. Transkript Ereignis
56 1784-02-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-02-23. Transkript Ereignis
57 1784-03-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-03-23. Transkript Ereignis
58 1784-03-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-03-23. Transkript Ereignis
59 1784-04-03 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-04-03. Transkript Ereignis
60 1784-04-30 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, Magistratsversammlung, 1784-04-30 Transkript Ereignis
61 1784-05-07 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-05-07. Transkript Ereignis
62 1784-06-04 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-06-04. Transkript Ereignis
63 1784-06-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-06-25. Transkript Ereignis
64 1784-08-13 Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-08-13. Transkript Ereignis
65 1784-10-01 Friedrich Christian Rudorf, Mein Leben und Charakter, Gotha, 1784-10 Transkript
66 1784-12-21 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, 1784-12-21. Transkript Ereignis
67 1785-03-01 Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1785-03-01. Transkript Ereignis
68 1785-03-17 J.J.C. Bode, Bericht Illuminatenversammlung, Weimar 1785-03-17. Transkript Ereignis
69 1785-11-01 Heinrich August Ottokar Reichard, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Gotha, 1785-11 Transkript
70 1785-12-24 Schack Hermann Ewald, “Schilderung meines Charakters” und “Mein Lebenslauf” Informationen für den Illuminatenorden, Gotha, 1785-12-24 Transkript
71 1799-03-06 Susanna Maria Neefe, Neefes Lebensgeschichte von seiner hinterlassenen Wittwe fortgesetzt, 1799-03-06. Transkript

Eine Sitzung der Gothaer Illuminaten von 1786 — rekonstruiert für die “Lange Nacht der Wissenschaften” der Uni Erfurt, 2019

[kollektive Arbeit Erik Liebscher, Markus Meumann, Olaf Simons] Am 8. November 2019 inszenieren Mitarbeiter und Promovierende des Forschungszentrums Gotha anlässlich der Erfurter “Langen Nacht der Wissenschaften” 2019 eine Sitzung des Illuminatenordens aus dem Jahr 1786 – eine Zeitreise und ein Blick in den geheimnisumwobenen Alltag des Ordens. Wenn die Illuminaten auch ein Geheimorden waren und wenn freimaurerische Riten auch der Öffentlichkeit nicht erklärt werden, so sind wir im doch Rückblick ausnehmend gut in der Lage, zu erfassen, was in den Sitzungen zumindest in der letzten Ordensprovinz „Ionien“ (Thüringen) in den 1780er Jahren geschah. Der Orden hatte eine ausgefeilte Bürokratie. Man protokollierte die Sitzungen und archivierte die vorgetragenen Aufsätze. Die Rituale waren dabei an der Freimaurerei geschult, die man von zwei Seiten organisatorisch umschloss – von unten, indem man Jungmitglieder rekrutierte und auf die Freimaurerei mit drei Schulungs-Graden vorbereitete und von oben, indem man auf die drei Johannisgrade der Freimaurerei ein eigens Hochgradsystem aufsetzte, dessen Mitglieder sich wiederum eigens, außerhalb der infiltrierten Loge trafen. Wir sind Stefan Sarrach von der “Grossen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln” dankbar dafür, dass er mit uns gemeinsam einen Blick in die „Rituale“ warf, die vorgaben, wie Sitzungen regulär zu gestalten waren. Die Bewegungen und Handlungsschritte blieben hier mit Wissen des Freimaurers zu erschließen.

Die Sitzung, die wir auswählen, fand am 28. Dezember 1786 statt, wie immer im zum Park hin vor dem Schloss gelegenen Haus des Obergärtners Wehmeyer. Details sprachen für die Wahl dieser Sitzung: Wir suchten ein Treffen mit überschaubarer Teilnehmerzahl (und müssen in der ausgewählten Sitzung noch immer auf drei Statisten verzichten) und mit spannenden Beiträgen. Die ausgewählte Sitzung war dabei besonders: Einer der „Minervalen“, der 26jährige Johann Georg Geißler („Quintus Cicero“ in Gothas Ordensniederlassung) hatte selbst ein Thema gestellt. In der Regel gaben die Ordensoberen die Arbeiten vor. Geißlers Thema war dabei tiefsinnig:

Soll ich meinem Freunde absichtlich Äuserungen entlocken deren Bekanntwerdung er fürchten muß, um ihn dadurch zu Beförderung eines moralischen guten Endzweckes desto fester an mich zu ketten?

Geißlers Rückblick auf die Geschichte seiner Themenstellung zeigt, dass die Mitbrüder sein Thema erst einmal „dunkel“ fanden. Brisant war es zudem im Orden, in dem doch gerade die geheime Organisation den besonderen Raum für eine vertrautere Freundschaft schaffen sollte, in der sich dann Freiheit des persönlichen — auch einmal gefahrvollerem — Denkens herausfordern ließ. Kann man frei sprechen, wenn man riskiert, dass man damit erpressbar wird? Kann man in einem Orden frei sprechen, der alle Beiträge akribisch auswertet und archiviert und nachher schriftliche Dokumente gegen einen in der Hand hat? Die Fragen stehen im Raum werden aber in dieser Brisanz nicht angesprochen.

Wir wissen, dass Geißlers Aufsatz mit Applaus diskutiert wurde, im Gegensatz zum dem seines um drei Jahre jüngeren Mitbruders August Ludwig Hoppenstedt (Ordensname „Diognet“). Sein Aufsatz ging erst in der zweiten Fassung, die er zum 21. März 1787 vorlegte, zu den Akten, weshalb wir nicht mehr genau erfassen konnten, womit Hoppenstedt Kritik auf sich zog.

Welche Punkte der Ordensstatuten in der Sitzung verlesen wurden, ist nicht exakt notiert. Wir wählten gleich die ersten aus, da sie genau auf das Thema zugeschnitten sind. Unklar bleibt auch wie viel aus Schillers philosophischen Briefen zwischen Julius und Raphael an jenem Spätnachmittag des Jahres 1786 zum Vortrag kam – der Text der Seiten 117 und folgende des dritten Hefts der Thalia schafft mit seinen Erwägungen zum göttlichen höchsten Wesen jedenfalls ein elegantes Gegengewicht zur Ode, die Schack Hermann Ewald (Cassiodor) der Seele widmete.

Wir haben die Texte für die Aufführung im Rahmen der „Langen Nacht“ etwas gekürzt; das Publikum soll hier zwischen vielen Veranstaltungen sich hier zwischen vielen Veranstaltungen hin und her bewegen können. Im Folgenden das Protokoll mit dem Sitzungsablauf und Links zu den archivierten und von uns ausgewerteten Beiträgen, wie sie die „Gotha Illuminati Research Base“ im Erfurter FactGrid erfasst.

Die Teilnehmer

  1. Christian Georg von Helmolt (Chrysostomus), der Superior [Markus Meumann]
  2. Christian Heinrich Wehmeyer (Cleobolus), der Censor [Olaf Simons]
  3. Schack Hermann Ewald (Cassiodor), Quaestor [Martin Mulsow]
  4. Christoph Friedrich Chrysostomus Schenk, Sekretär (Robertus Stephanus) [Marian Hefter]
  5. Johann Georg Geißler (Quintus Cicero) [Erik Liebscher]
  6. August Ludwig Hoppenstedt (Diognet) [Marie Nosper]
  7. Johann Gottfried Bohn (Spanheim) [Rolle nicht besetzt]
  8. Carl Friedrich Ernst von Helmolt (Guido della Torre) [Rolle nicht besetzt]
  9. Friedrich Ernst Carl Mereau (Thuanus) [Rolle nicht besetzt]
  10. Hans Ulrich von Gadow (St. Evremont) [Rolle nicht besetzt]

Das überlieferte Sitzungsprotokoll

Sitzungsprotokoll der Sitzung der Gothaer Minervalkirche vom 28. Dezember 1786.

Die vorgetragenen Texte

Was in der Aufführung nicht ganz erkennbar sein wird

Mehr…

The Illuminati Correspondence Fast Forward

Paul-Olivier Dehaye scripted this visualisation for us (using Uber’s http://Kepler.gl). An html-file that captures all the Illuminati exchanges from the 1770s into the 1790s as far as we have spotted them (there are some misfits in this visualisation which we can now suddenly identify and which need to be eliminated on the database; the visualisation itself is basically a screenshot, it does not adapt to changes in the database).


<click to play>

The idea to represent letters in lines on a map together with a timeline on which the user can set a span that can then be shifted through the timeline – has become a classic in recent years: The Stanford Republic of Letters project seems to have been the first to come up with this visualisation ten years ago

Nodegoat is offering this visualisation as a standard aplication.

The visualisation is cool for correspondences since letters happen to travel on maps from senders to recipients (or to multiple recipients as soon as letters are forwarded – a standard procedure in all hierarchical Illuminati exchanges).

The simple visualisation which the SPARQL query service had yielded was already interesting to look at:

Illuminati Letters – sent from where?

It showed the sender’s places of all known Illuminati letters and vaguely hinted at the Illuminati centres in Germany. But the picture remained static. It lacked the directions and the historical drama. You got more information if you clicked at an individual dot – usually this would open just a speech bubble with information about the particular letter that created this dot. But here and there one would see far more: a dot sparkling a fireworks of dots as in the case of Weimar (from where Christoph Bode organised the Order as the de facto leader after 1785/86). The beautiful bouquet is otherwise misleading – the dots do reach out to the various destinations; they stand for quantities which you only see if you hit the right dot (and which then obliterate much of the rest of the picture).

Bode’s Weimar correspondence – a nice representation of the number of documents but not much more.

Letters – that is the charm of the more refined temporospatial visualisation – tend to come in correspondences and these evolve, they stretch out, they blossom, and they die eventually.

The Illuminati are an almost ideal object for this particular visualisation as they present a full case to study. The “Republic of Letters” had remained out of reach for the Stanford project. The thing which we today prefer to call “academia” or “scientific community” was far bigger than the carefully selected and spectacular cases that created the first visualisations in 2009 — and only the whole picture would have revealed the evolution of our present academic debates between the 1480s and 1800. Regions and emerging nations brought forth increasingly scattered cultures of learning and they invented modern national topics such as our present debate of (usually national) literature. The spectacular exchanges could not possibly reveal these developments.

The Illuminati correspondence is, admittedly, no longer complete. We are looking here basically at the archives of Weishaupt and Bode and the Bavarian publications of 1787 – but it is even in this selection a clearly and well defined object. You know when you have an Illuminati letter in front of you: The author uses code names and the (messy) Illuminati-Persian calendar. The Organisation created complete genres of letters such as the monthly “Quibus Licet” which every member had to hand in and which would be answered with a “Reproche” signed by “Basilius” two months later. The genres are as remarkable as the internal affairs discussed in these letters.

The Order itself was at the same moment basically a complex correspondence: an organisational construct that generated a particular and unstable flow of information. Paul’s time lapse encapsulates the history and the drama of the Illuminati: For about two years – from 1776 to 1778 – we see very little: Ingolstadt is the place where Weishaupt’s “Perfectibilists” could organise most of their affairs in face to face meetings.

The situation changed dramatically in 1778: The Illuminati opened a lodge in Munich and started to infiltrate the masonic world.

Again two years later, in 1780, we see Adolph Freiherr von Knigge rising with exchanges he is now maintaining from Frankfurt and then from Heidelberg.

Knigge wins Bode for the Order in September 1782 and Bode in turn resolves the escalating conflict between Knigge and Weishaupt in 1784 and 1785: Knigge is forced to withdraw but Weishaupt does not regain his former position as the head of the organisation. Bavaria exposes the Order in 1786/87 with the first two editions of intercepted Illuminati documents. Weishaupt flees to Regensburg and then to Gotha where he ends in personal ignominy while it remains Bode’s part to come to the conclusion that he would not reform the secret organisation which could no longer claim to be a secret society.

You can pinpoint the individual letter to see who was writing here to whom with what letter exactly

Paul’s abstract movie wants to be explored. You can define the time frame and push it manually through the timeline, and you can click at each line to see whose letter is creating it. We can now see the overall quantities and the processes, the organisation’s actual growth and collapse on the map.

Far from perfect

The visualisation is state of the art and yet not much more than a show case at the moment. It is neither created in ever fresh queries nor can you use the html-page without some coding for your own questions.

The message, however is clear: The interface one would love to have with this visualisation could be far more simple than the present SPARQL query service. One would design it to always explore “correspondences” (P122Q11243) and one would ask the user for simple P—Q specifications of his or her desired visualistion. In the Illuminati case this would be:

  • Research Interest (P97) — Illuminati (Q10677)

One might just as well ask for “author” and name a couple of authors, or for recipients, but the Interface would do the rest and run the SPARQL query of correspondences to generate a list of the letters in question with senders’ and receivers’ places and dates.

Paul’s message is that this can be done: The centre of his html file is basically a SPARQL-search from our database. Maybe someone will script the interface during the Wikidata.con next month in Berlin.

And one would love to have more…

  • Think of a visualisation that tracked the movements of people on maps and that captured the moments when people (could have) met.
  • Think of a visualisation of the dissemination of objects – like copies of a specific edition.
  • Think of the spread of an organisation like Freemasonry with its mother lodges and filial branches.
  • Imagine a visualisation that traced your ancestors with a look at genealogical data.

Wikibase instances should invite the production of interfaces that can do certain jobs without bothering the user with SPARQL or Java proficiency. The cool thing about Wikidata or FactGrid is that these instances develop their (more or less) static ways to organise core data. We get more data but we continue to make the same useful statements especially if we have visualisations asking for these statements to be made with certain P- and Q-numbers.

Nodegoat would not lose any its charm if we began to offer similar visualisations; it will remain the software for the vast majority of projects that prefer the exclusive environment on which they can run exclusive and definitive presentations of their data. Wikibase instances are already very different beasts: They invite projects that want an open and growing landscape of data, and these projects will show the far bigger need of standard visualisations (i.e. of visualisations that use existing data and existing data structures). Projects on FactGrid or Wikdata need interfaces that already speak SPARQL. Time then to look at the more complex visualisations that are already running in environments such as the Stanford Republic of Letters Project or the Cultures of Knowledge Project in Oxford. We should act as the coolest competitors in this field, gather inspiration with the aim to inspire in turn.

2018-11-16/17: Wikibase/Illuminatenorden Data-Mining Workshop: 10 Reisestipendien nach Gotha zu vergeben

[Google translation of this page]

Das Forschungszentrum Gotha veranstaltet jährlich einen „Illuminatenworkshop“ mit dem Ziel, aktuelle Forschung zum Geheimorden der 1770er und 1780er Jahre zu bündeln.

Nachdem wir dieses Jahr in einer Kooperation mit Wikimedia Deutschland gut 5.000 komplexere Sätze von Metadaten zu den Akten des Illuminatenordens in einer Wikibase-Instanz verfügbar machten, möchten wir mit diesem Aufruf Wikidata-Enthusiasten einladen, gemeinsam mit Forschenden einen ersten Blick in diesen Datenschatz hinein zu wagen.

  1. Welche Visualisierungen (Netzwerke, Timelines, geographischen Erfassungen…) lassen sich aus dem Datenmaterial ziehen?
  2. Wie müsste man die Daten strukturieren, um noch ganz andere Forschungsfragen anzugehen?
  3. Wie lässt sich das dieses Datenmaterial am besten mit Volltext-Transkripten von Dokumenten verknüpfen?
  4. Wie kann unser bisheriges konventionelles Wiki – die Gotha Illuminati-Research Base – aus der Datenbank Information beziehen?
  5. Wie modellieren wir Datenobjekte auf einem Kurs, der Informations-Redundanzen vermeidet?
  6. Wie würde man Daten eingeben, um Zeitschnitte (und Repräsentationen auf alten Landkarten) zu bewerkstelligen?
  7. Wie gelingt es uns, unsere Reasonator-Integration klug in Richtung eines mehrsprachigen, Übersichtlichkeit generierenden Informationsangebots zu nutzen?
  8. Wie machen wir unsere Arbeit optimal im Wikidata-Universum nutzbar?

Unser diesjähriger Workshop soll Datenanalyse und Forschung zusammenbringen. Mitspieler, die sich mit SPARQL Datenbankabfragen und Visualisierungen auskennen, wollen wir einladen, mit der Forschung ins Gespräch zu kommen. Wir haben die Daten, die Datenbank und detailliertes Wissen über die die Aktenlage des Illuminatenordens mit seinen gut 1350 Mitgliedern und Tausenden von internen Dokumenten, um das Data-Mining spannend machen –, aber erfassen im Moment kaum, welche Aufschlüsse uns unser eigenes Material in der ganz neuen technischen Erschließung gibt. Wir verfügen über Erfahrung mit unserem bisherigen Arbeitsinstrument, einem konventionellen Wiki, aber erfassen im Moment gerade in Ansätzen, was uns das komplexere Medium der Wikidata-Technologie an hinzukommenden Optionen der praktischen Arbeit liefert.

Wer am wissenschaftlichen Programm im ganzen Umfang teilnehmen will, kann am Freitag den 16. November 2018 ab 9:00 am Forschungszentrum Gotha in unsere Forschungsdiskussionen Einblick nehmen.

Der Data-Mining-Workshop, dem die vorliegende Einladung speziell gilt, wird am Nachmittag Forschende und Wikidata-Kenner zusammenbringen. Die Veranstaltungen werden im Verlauf des Nachmittags getrennt in einen Wikibase Bastel-Workshop und in die Serie der spezifischeren Fachreferate.

Ein gemeinsames Abendessen ist für 19:00 angesetzt. Das Forschungszentrum steht Bastelwütigen indes danach noch die ganze Nacht offen.

Am zweiten Workshop-Tag wollen wir gegen 11:00 die Gruppen wieder zusammenführen, um voneinander zu lernen:

  • Was können Forschende aus der Datenbank gewinnen?
  • Was wünschten sich Datenbankenthusiasten an Forschungsarbeit, um im Data-Mining wesentlich tiefer einsteigen zu können?
  • Wie würde man ein größeres Aktenerschließungsprojekt mit dieser Datenbank am besten organisieren?

Wir können Reisekosten (unter der sich entwickelnden Etatlage sicher aus dem deutschsprachigen Raum), Unterbringung und Tagegelder übernehmen. Teilnahmewünsche sind mit eingehenderen Aussagen zu Arbeitsinteressen bis zum 5. November 2018 zu richten an olaf.simons@piere-marteau.com.


Erste Suchen und Visualisierungen zur Anregung

Sample queries: https://database.factgrid.de/wiki/Sample_queries

The Illuminati Files Online: Some remarks on the FactGrid’s first – roughly 16,000 – datasets

German Version

The FactGrid (still lacking a unique design) has, over the last six weeks, just received its first project data – data from Halle’s and Gotha’s Illuminati research of the last 20 years, which I will briefly outline in the following. Some of the datasets are still lacking the complexity we are aiming at, others have gained quite some depth:

We are presently listing some 2,000 people, about 1,350 of whom have been Illuminati members in the 1780s; the rest are mostly people mentioned in the correspondences which we are trying to map. We are hesitating here with the far more complex biographical input which he have in store, since this would be better done in joint ventures with the GND and with Katrin Möller, university of Halle, who has become the leading expert on 18th-century careers and professions. We are negotiating in both directions. Our roughly 2,000 titles of research on the Illuminati come in equally rudimentary sets. Again, we have realized that it would be more interesting to base this work on library catalogue norms from the outset.

But we are quite detailed with the more than 9,000 documents currently associated with the original Illuminati: documents that survived with the publications of Illuminati documents by the Bavarian state of 1786 and 1787 and with the archives of Adam Weishaupt, Johann Joachim Christoph Bode, of Gotha’s first lodge “The Compass”, and of Ernest II of Saxony-Gotha-Altenburg.

Some 3,000 of these documents received detailed and complex metadata on our database; they will shed light on Gotha’s Illuminati research of the last five years. Led by Martin Mulsow, Markus Meumann and I have been mapping and analysing Illuminati Essays collected in the “Schwedenkiste”, the famous “Swedish Box”. Our work had started with volume 13 and had soon moved beyond. Junior scholars had joined us with their research. Christian Wirkner dealt excessively with the minutes of the meetings collected in volume 15 and with exemplary strands of “Quibus Licet”/“Reproch” communication which the Order had designed to guide its members. Gotha’s research comes therefore with an emphasis on volumes 11 to 16 of the “Swedish Box”

The Gotha Illuminati Research Base, a conventional MediaWiki which we had set up in order to organise the team’s research became within a year of its existence the pool of ongoing work for the entire (small) community of Illuminati researchers. It attracted the first massive external data inputs: Hermann Schüttler offered us a list of members which he eventually connected with biographies to all our documents. He moved on with a technological relic: an Access database of the research he and Reinhard Markner had conducted for the two volumes of The Illuminati Correspondence (published in 2005 and 2013 respectively). These data are now the deeper layer under the special qid Item: Q11305.

Schüttler provides the following overview of this special database:

1. What is in it? Letters collected by a) Adam Weishaupt now located Hamburg’s State Archive, as deposit of the “United Five” (lodges) Hamburg, and b) the of the “Schwedenkiste”, – collected here by Johann Joachim Christoph Bode and augmented by Ernst II. of Saxony-Gotha-Altenburg, now located in the Prussian Privy State Archives, Berlin (formerly located in State Archive of the GDR, Merseburg). We have added any materials of the Illuminati context from other sources, where we could spot them.
2. Who has been working on this from when to when? The data was collected during the years of the IZEA project between early 2000 and mid-2005 by Hermann Schüttler and have been partially supplemented by Reinhard Markner.
3. Which archives have been visited? Hamburg’s State Archive, the Prussian Privy State Archives, Berlin, the Bavarian Main State Archives, Munich (Weishaupt letters in the “Kasten Schwarz” collection), the Palatine State Library, Speyer (collection Schwanckhardt).
4. Which publications are linked to this? The titles, which are listed under the qid Item: Q11305.

For the first time, the FactGrid can therefore present the tip of the iceberg of the Illuminati files online. Future projects will be able to add to this now that the grid is laid out – but we could also enter a far more dynamic process offering the digitized documents together with the metadata we have here collected. This will only be conceivable in a project for which the Grand Lodges and the archives involved remain to be won.

The creative part of the work can now begin

Compared to the previous MediaWiki, the FactGrid is structurally in one aspect at a disadvantage: The wiki offers transcripts and summaries of hundreds of documents and sessions of the Order (see here what we did with Document 70, Schwedenkiste volume 13 in our conventional Wiki and see here the respective database record: Item:Q6641). It would be exciting to make the transcripts available in the database itself. We will write out two work contracts, on the one hand to bring database information into the conventional wiki – on the other hand to develop a concept of how we could use the FactGrid as our sole repository for data, extended digests, transcripts and media files.

The database is otherwise far superior to the previous MediaWiki: It creates the grid which future research can use while it is opening the door to the data mining that can now begin. One will now be able to map the entire work of the Order between the late 1770s and 1788 (as far as it is still documented). It will be possible to examine membership careers (as soon as we get on with the personal data in greater detail): Who got into the Order on whose proposal? What kind of networking did members unfold within the Order at what stage of its brief existence?

The project will now need groups to bring their own research into the database. It should at the same moment begin to attract “data scientists” and “data visualizers”. And, of course: We are immensely curious about what information others will make visible where we can only offer our gut feelings and sketchy ideas of personal networks that developed in this web. The FactGrid blog will be a good place to present data analytics, which SPARQL enthusiasts can now do far better than the researchers behind the data resource.

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In alphabetical order: Lorenza Castella, Erik Liebscher, Reinhard Markner, Markus Meumann, Martin Mulsow, Hermann Schüttler, Olaf Simons and Christian Wirkner

Featured image: Item: Q4545 last page and Item: Q4546 first page: The membership code names used by the Minerval churches of Frankfurt (Epidamnus, continuation from the previous page), Lycopolis (Erfurt), Heidelberg (Uttica) and Thesalonica (Mannheim).

Die Illuminatenakten Online: Einige Bemerkungen zu den ersten knapp 16.000 Datensätzen des FactGrid

in English

Das FactGrid (noch immer ohne ein eigenständiges Design) erhielt in den letzten Wochen seine ersten Projektdaten – Daten aus der Illuminatenforschung Halles und Gothas der letzten 20 Jahre, die hier kurz umrissen seien.

Rudimentär sind in diesem Stadium noch die Datensätze zu den gut 2.000 gelisteten Personen. Etwa 1.350 von ihnen waren Illuminaten, die übrigen zumeist Personen, die von ihnen in Briefen erwähnt wurden. Wir schrecken im Moment vor der Eingabe der uns vorliegenden runderen Datensätze zurück, da sie weit interessanter in einer Kooperation mit der GND und unterstützt durch Katrin Möllers Hallenser Projekt zu Erwerbsbiographien geschähe. Verhandlungen in beide Richtungen laufen. Rudimentär sind im selben Moment auch die gut 2,000 Titel Forschungsliteratur zum Illuminatenorden gelistet. Auch hier wurde uns klar, dass es interessant wäre, diese Arbeit von vornherein an bibliothekarische Katalogsysteme anzulehnen.

Im Zentrum bietet das FactGrid indes nun die gut 9.000 Dokumente, die aktuell in Forschungskreisen mit dem Illuminatenorden und ihren Aktenkonstellationen in Verbindung gebracht werden: Dokumente aus den Nachlässen Adam Weishaupts, Johann Joachim Christoph Bodes, der Gothaer Loge „Zum Compaß“, Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, sowie der 1786 und 1787 geschehenen Veröffentlichungen aus Bayern.

Etwa 3.000 dieser Dokumente sind sehr viel eingehender erfasst. Sie geben in ihrer obersten Schicht Einblick in Gothas Illuminatenforschung der letzten fünf Jahre: Unter der Projektleitung Martin Mulsows untersuchten Markus Meumann und ich von Nachwuchsforschern unterstützt „Illuminatenaufsätze“, mit ihrem Schwerpunkt im 13. Band der „Schwedenkiste“. Unsere Arbeit griff schnell in die benachbarten Bände aus. Christian Wirkner erschloss dabei in mehreren Schüben die Sitzungsprotokolle sowie einzelne Stränge der Betreuungskorrespondenz zwischen Mitgliedern und den „Unbekannten Oberen“ – den Austausch von „Quibus Licet“ und „Reprochen“. Der Gothaer Schwerpunkt liegt mithin in den Bänden 11 bis 16 der „Schwedenkiste“.

Das von uns aufgebaute „Illuminatenwiki“, die Gotha Illuminati Research Base, wirkte unerwartet in die Forschung hinein. Mit ihm kamen die Datensammlungen Hermann Schüttlers und Reinhard Markners ins Gehege, die bis in das Jahr 1998 zurückgehen. Hermann Schüttler publizierte 1991 das erste Kompendium zu den Mitgliedern des Ordens (und arbeitete diese bereits in die Gotha Illuminati Research Base ein: Die Mitglieder des Illuminatenordens). Gemeinsam mit Reinhard Markner erschloss er ab 2000 in großem Umfang die Ordenskorrespondenz. Eine Access Datenbank kam aus seiner Hand von hier aus in das Startangebot für das FactGrid – im FactGrid regulär mit der qid Item:Q11305 als Forschungsleistung ausgewiesen:

Hermann Schüttler zu diesem Datenbestand:

1. Was ist drin? Briefe vor allem aus a) dem Teilnachlaß von Adam Weishaupt im Staatsarchiv Hamburg, Depositum der „Vereinigten Fünf“ (Logen) Hamburg, sowie b) der „Schwedenkiste“, d.i. dem Nachlaß von Johann Joachim Christoph Bode, vermehrt um Papiere von Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg im Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, zuvor Staatsarchiv der DDR, Merseburg. Dazu vereinzelt Material mit eindeutig illuminatischem Bezug verschiedenster Provenienz.
2. Wer hat wieviel von wann bis wann daran gearbeitet? Die Daten wurden während der Laufzeit des Projektes im IZEA zwischen Anfang 2000 und Mitte 2005 von Hermann Schüttler erfaßt und danach von Reinhard Markner teilweise ergänzt.
3. Welche Archive wurden besucht? Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München (Briefe Weishaupt im Bestand „Kasten Schwarz“), Pfälzische Landesbibliothek, Speyer (Nachlaß Schwanckhardt).
4. Welche Veröffentlichungen knüpfen sich daran? Die Titel, die sich jeweils unter der qid Item:Q11305 zur gesamten hier erbrachten Forschungsleistung gelistet finden.

Das FactGrid kann damit erstmals den Eisberg so halbwegs bemessen und im Projekt der Illuminatenakten Online in den Metadaten vorlegen. Zukünftige Projekte können von hier aus fortfahren. Mit ganz anderer Dynamik ließe sich das große hier angelegte Raster indes füllen, wenn wir mit der Datenbank die Digitalisate aller Dokumente zugänglich machen könnten. Das aber wird nur in einem Projekt denkbar werden, für das die Großlogen und Archive, in deren Eigentum respektive Besitz sich die meisten der Akten heute befinden, noch zu gewinnen bleiben.

Der kreative Part der Arbeit kann damit beginnen

Gegenüber dem bisherigen Wiki ist das FactGrid an einer Stelle strukturell im Nachteil: Das Wiki macht Transkripte und Zusammenfassungen von Hunderten Dokumenten sowie detaillierte Informationen zu Sitzungen des Ordens zugänglich (hier eine Musterseite zu einem Dokument – dem Dokument 70 im 13. Band der Schwedenkiste – im alten Wiki; hier die Datensammlung zum selben Dokument im FactGrid: Item:Q6641). Spannend wäre es, diese Texte und Informationen in der Datenbank selbst verfügbar zu machen. Wir werden zwei Werkverträge ausschreiben, einerseits um das alte Wiki zu entlasten, in dem wir Metadaten großflächig und laufend aktuell aus der Datenbank einspielen. Ein komplementärer Werkvertrag wird der Frage gelten, wie wir das konventionelle Wiki zur Vermeidung doppelter Arbeit im FactGrid (respektive in einer eigens zu gründenden FactGrid Ressource für Objektrepräsentationen) verlustfrei aufgehen lassen könnten (siehe hier die Vorformulierungen zu diesen beiden Werkverträgen).

An einer anderen Stelle ist die Datenbank dem bisherige MediaWiki bei weitem überlegen: Mit ihr ist die verfügbare Materiallage im großen Raster erfasst, in dem sich weiterforschen lässt – und die Tür geöffnet zum Data-Mining. Man wird nun daran gehen können, die gesamte Aktenproduktion kartographisch wie auf Zeitleisten zu erfassen. Man wird (insbesondere sobald die Personeninformationen zu den Berufen detaillierter eingegeben sind) durchleuchten können, wer mit wessen Fürsprachen welche Karrieren im Orden machte und dabei welche Netze des ordensinternen Austauschs generierte.

Gefragt sind damit zum einen Gruppen, die mit eigener Forschung im Feld weitermachen und zum anderen Data-Miner, Datenvisualisierer – und wir sind natürlich gespannt, welche Informationen sie dort sichtbar machen werden, wo wir bislang vor allem Detailinformationen mit dem gröberen Bauchgefühl der Beziehungen im Orden nachgehen. Der FactGrid Blog wird eine gute Adresse sein, um Daten-Analysen vorzulegen, die SPARQL-Begeisterte nun weit besser durchführen können als die Forscher hinter dieser Datenressource.

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In alphabetischer Reihenfolge: Lorenza Castella, Erik Liebscher, Reinhard Markner, Markus Meumann, Martin Mulsow, Hermann Schüttler, Olaf Simons und Christian Wirkner

Featured Image: Item:Q4545 letzte Seite und Item:Q4546 erste Seite: Die Mitgliederaufschlüsselungen der Minervalkirchen Frankfurt (Epidamnus, Fortsetzung von voriger Seite), Lycopolis (Erfurt), Heidelberg (Uttica) und Thesalonica (Mannheim).

2018-06-11/12: Daten in das FactGrid füllen — praktischer Workshop der Gothaer Forschungsstelle Illuminatenforschung

Liebe Erfurter und Gothaer FactGrid Interessierte,

in den letzten Wochen arbeiteten wir im engeren Kreis an der Einrichtung einer WikiBase-Instanz (der Software hinter dem Wikidata-Projekt) auf dem Server der Uni Erfurt: https://database.factgrid.de/

Es gab einige technische Schwierigkeiten bei der Anpassung der Tools an die neue Server-Umgebung zu bewältigen, doch sind wir seit einigen Tagen soweit, dass die Grundausstattung läuft: QuickStatements steht für den massenweisen Datenimport zur Verfügung. Der Query Service läuft, so dass wir SPARQL-Abfragen von Daten hinkriegen. Das Design (Logo etc.) ist noch offen – was im Moment den Vorteil hat, dass alles wie bei Wikidata aussieht. Matti Blume arbeitet daran, die Datensätze des Illuminatenprojektes für den Projektstart in die Datenbank zu füllen.

Vom Montag den 11. auf Dienstag den 12. Juni 2018 wollen wir gemeinsam mit Matti Blume und Sandra Müllrick am Forschungszentrum Gotha einen Workshop veranstalten, auf dem er praktischen Unterricht in der Befüllung der Datenbank erteilen wird:

  • Wie verändert man einzelne Daten?
  • Wie fügt man über QuickStatements Datenmassen in die Datenbank ein? (Auf dieser Seite ein paar Tutorials: https://factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de/blog/archives/811)
  • Wie legt man dazu Properties (Eigenschaften) für Items an?
  • Wie organisieren wir unsere Properties am besten (von dem weit größeren Wikidata-Projekt lernend)?

Projekte, die am Forschungszentrum Gotha und an der Uni-Erfurt im Feld Geschichte und den benachbarten Kulturwissenschaften Datenbankleistung suchen, sind eingeladen, hier praktische Einblicke zu gewinnen. Hilfskräfte, die uns beim Betreuen der Ressource in Zukunft zur Verfügung stehen wollen (und Interesse an den Digital Humanities für die eigene spätere Arbeit haben) betrifft dieselbe Einladung.

Wir werden am Montag einleitend die Software vorstellen und im Austausch mit den Anwesenden ausloten, zu welchen Projekten sie sich eignet. In einem zweiten Arbeitsblock wird es darum gehen, vorbereitete Daten in die Datenbank zu füllen und die Arbeit zu überprüfen. Das wird im Wesentlichen auch das Programm für Dienstag sein, nun mit dem Ziel, Unabhängigkeit bei der Arbeit mit der Datenbank zu gewinnen. Die Uhrzeit für den Beginn der Veranstaltung Montag-Vormittag/Mittag wird im Vorfeld bekannt gegeben.

Die Weitergabe dieser Post an Datenbank-Interessierte ist ausdrücklich erwünscht. Für Voranmeldungen bis zum Mittwoch, den 6. Juni wären wir dankbar, auch für persönliche Notizen zur Hardware: Die Software lässt sich vom Laptop (über Eduroam) bedienen. Wir wollen zusehen, dass wir Computerarbeitsplätze im Forschungszentrum für die Teilnehmer frei halten.

Mit den besten Grüßen,
Olaf Simons

[per e-mail distribuiert]

Zeitplan

Montag, 11. Juni, Pagenhaus des FZG, Seminarraum

(13:15 – 13:40) Olaf Simons: Begrüßung. Kurze Projektgeschichte, eingehenderer Blick auf die Datenblättern aus dem Illuminatenprojekt, die das erste Unterrichtsmaterial geben werden.

(13:45 – 14:15) Sandra Müllrick: Eine kurze Vorstellung von Wikidata und der Wikibase Software. Die Datenbank, die Benutzer editieren können. Versionsgeschichte, Transparenz aller Editiervorgänge über Recent Changes. Triples als Statements. Abfragen über SPARQL, mehrsprachige Datenblätter im Reasonator. Was kann eine Datenbank, was ein reguläres Wiki (wie wir es im Illuminatenprojekt hatten) nicht kann?

(14:25 – 14:45) Praxisteil 1: Wie geht man strategisch vor, wenn man Tabellen aus einem Forschungsprojekt vor sich hat und diese in eine Wikibase Datenbank überführen will? Wie legt man Properties an? Wie behält man Überblick über schon existierende Properties? Wie geht man strategisch vor, wenn man einen solchen Datenberg einarbeiten will?

(15:00 bis zum Erschöpfungsbeginn) Praxisteil 2: Koordinierter Versuch, möglichst viel unserer Daten über QuickStatements in das System zu bringen. Wenn man Tabellenspalten in massenweise Triples überführt – wie legt man die Items an, wie die Properties? (Tutorials unter anderem hier: https://factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de/blog/archives/811). Aufgaben für Einzelne oder Zweiergruppen.

Gemeinsames Abendessen

Dienstag, 12. Juni, Pagenhaus des FZG, Seminarraum, respektive Hauptgebäude, Besprechungsraum

(9:00 – 10:30, FZG Hauptgebäude, Besprechungsraum) Planungstreffen: Sandra Müllrick Mitglieder des Forschungszentrums und der Forschungsbibliothek. Projektpläne. Welche Entwicklungen können wir aus eigenen Mitteln finanzieren – wo brauchen wir (etwa bei der Suche von Werkvertragsnehmern) Hilfe von Wikimedia, respektive der Community? Welche Entwicklungen würde Wikimedia gerne anstoßen?

(Parallell 9:00 – 11:00) Praxisteil 3: Fortsetzung von angefangenen Eingaben und individuelle Beratung, insbesondere falls Mitspieler eigene Datensätze in die Datenbank bringen möchten.

(11:15 – 12:00) Praxisteil 4: Wo befinden sich die eingegebenen Daten nun? Was kann man mit ihnen bereits machen? Vielleicht finden wir einige interessante SPARQL-Abfragen.

(12:30 – 13:00) Resümee: Ideen, Desiderate, Pläne.

 

Google Spreadsheets and Illuminati Project Data

Dataset Google Spreadsheet Content What could be visualised? Web Form to build
Documents produced in the Illuminati Order Mostly Schwedenkiste, Illuminati materials from various archives and those documents that were already published in the late 1780s Network information. Caution: We are operating with fragmented and highly selective data. Describe an archival document
Illuminati members and others A list of the c. 1350 members of the order (including names belonging into the wider context), mostly research (stated in col. AJ) by Hermann Schüttler (2016). — The geographical spread of the Order on the central European map: col. AB to be matched with col. AG
— Already existing Wikidata and GND data sets linked in cols. M and N.
— Age structure of the members col. AC
— Percentage of aristocracy cols. J-L
Write a CV
The order had a complex grade system that created careers within the order, people could also get into different official positions Give information about an Illuminati career
Illuminati Events Mostly protocols of gatherings of “Minerval Churches” under Bode’s supervision. (Missing: Hermann Schüttler’s information about gatherings of the “Minerval Church” in Frankfurt/Main) Give information about a session (as type of an event)
Organisations
Publications  from: Forschungsliteratur

Bildnachweis

Kopfzerbrechen Nr. 6: Dokumente des Illuminatenordens erfassen

Im Verlauf unserer Arbeit legten wir zur Orientierung innerhalb der Schwedenkiste dieses Spreadsheet an. Jede Zeile (ab 24) ist ein Dokument innerhalb eines der 20 Bände der Schwedenkiste; dem folgen noch einige weitere Dokumente unserer Recherchen.

In der Visualsisierung der Datenbankinformation wird man später zu jedem Dokument eine Seite haben wollen mit Metadaten, Digitalisaten, Transkript, Übersetzung ins Englische.

Die Datenstruktur würde, von unserer Excelliste kommend, übersichtlich diese Felder haben, von denen einige unorthodox sind – der Orden verschlüssele Datums- und Ortsangaben, die Namen von Sendern und Empfängern wurden verschlüsselt, wichtiger noch: Sender schrieben regelmäßig an den Orden, ohne zu erfahren, wer dort ihre Briefe öffnete (das indes wissen wir, nachdem wir die Innenorganisation kennen).

Groberfassung

1. Kurztitel
2. Level: Archivbestand/ Akte/ Dokument/ Abschnitt in einem Dokument [ideal: Pulldownmenü zur Bestimmung der Erfassungsebene]
3. included in (in welchem Archivbestand findet sich die Akte, in welcher Akte das Dokument, in welchem Dokument der Abschnitt der hier erfasst wird?)

3a. dortige Position
3b. Seiten oder Blattangabe
4. Digitalisat online
5. Transkript online
6. Veröffentlichung

6a. Stellenangabe (Seiten von bis)
7. Übersetzung

7a. Stellenangabe (Seiten von bis)
7b. Sprache der notierten Übersetzung
8. Forschung

8a. Stellenangabe (Seiten von bis)

Objektbeschreibung

9. Umfang der Akte, des Dokuments, des Abschnitts (in der Regel eine Seiten- oder Blattzahl)
10. Format [unterschiedliche Angaben denkbar: 2°, 4°, 8°, DIN A…, cm x cm]
11. Manuskript/ Manuskript mit Noten/ Typoskript/ Druck/ Formular (mit Eintragungen)/ Schattenriss/ Zeichnung (mit Text)/ Konvolut
12. Handschrift
13. Sprache

Autor

14. Autor

14a Autor Selbstaussage (“Name vorenthalten, sprich anonym”, Initialen, Pseudonym…)
14b. Verantwortende Insitution
15. Absendeort

15a. Geo Kordinate
15b. Absendeort in seiner unklaren Nennung
16. Absendedatum / Enddatum der Komposition

16a Genauigkeit (ca./ recte/ fraglich)
16b Datierungsangabe laut Dokument
16c Abfassungsbeginn (z.B. bei Tagebüchern oder Briefen, die über Tage hinweg verfasst werden)
16d. terminus post quem (was ist das Datum, nach dem dieses Dokument verfasst sein muss)
16e. terminus ante quem (was ist das Datum vor dem dieses Dokument verfasst sein muss)

Empfänger

17. Empfänger

17a. abweichende Adressierung
17b. adressierte Institution
18. Ort Empfänger

18a. Geokoordinate
19. Eingangsdatum
20. Weitere Rezipienten (besonders wichtig bei den Illuminatenakten, wo man Briefe an den Orden adressiert, auf dass “Unbekannte Obere” sie lesen – die wir wiederum identifizieren können)

Inhalt

21. Textsorte standardisiert [hier muss Auswahl erstellt werden]
21. Textsorte Selbstaussage
22. Titel
23. Inhalt
24. Berichtsgegenstand [FactGrid-Id von Ereignis etwa bei Treffen, Konferenz etc.]

24a. Berichtszeitraum von
24b. Berichtszeitraum bis

Kontext

25. Antwort auf
26. Rezension von/ Gutachten zu
27. Fortsetzung von
28. Dokument ist [Auswahl:] Konzeptschrift zu/ Kopie von/ Reinschrift von/ Zusammenfassung von/ Übersetzung von/ Katalogeintrag zu

28a. Dokument zur vorigen Spalte
29. Bearbeiter/ Übersetzer (Information zur vorvorigen Spalte)
30. Querbezüge
31. Genannte Personen

Provenienzinformation nach Verlust des Objektes oder des Quellennachweises

32: Verlust/ zu recherchieren/ privat
33: Status seit wann
34: Grund (etwa Bombardierung des Archivs – Möglichkeit eines Ereignislinks)
35: Paralellüberlieferung (woher kommen die Informationen, die wir heute über das Dokument haben)

35a: Stellenangabe zu vorigem (Seite Default)

Provenienz bei vorliegendem Dokument

36. Besitzer / Archiv

36a. Geo-Koordinate
37. Besitz von/seit

37a. Besitz bis
38. Bestand
39. Signatur
40. Verzeichnis
41. Zugänglichkeit (öffentlich zugänglich/ eingeschränkt öffentlich zugänglich/ privat/ geheim)
42. Eigentümer
43. Wechsel gegenüber voriger Provenienz [Kauf/ Schenkung/ Leihgabe/ Enteignung/ Aneignung/ Raub]

FactGrid-interne Information

44. Erschließung (Namen derer, die die Erschließungsinformationen lieferten, mit Jahresangaben)
45. Forschungskontexte (hier können Forschungsprojekte Materialcorpora für ihre Recherchen generieren)
46. Template (für eine Darstellung etwa im Article Placeholder)
47. Digitalisat (wichtig, wo wir nicht-öffentliche Bilddateien von unseren Servern benennen)
48. Achtung! (Raum für Bearbeitungsnotizen)

Die zentrale Frage dieses Kopfzerbrechens ist: Wie stimmen wir diese Liste mit bereits bestehenden Wikidata-Feldern ab? Wie erstellen wir hierfür eine Eingabeschablone, die – etwa bei einer Crowd-Erschließung – die richtigen Fragen übersichtlich stellt?

Wie generieren wir aus den Daten im Verlauf ansprechende Seiten zu den Dokumenten, die deren Lektüre zu einer angenehmen Erfahrung macht? Mit welcher Gestaltung würde man Übersetzungen einspielen (die Übersetzung ins Englische ist das größte Desiderat des öffentlichen Austauschs über die Illuminaten). Magnus Manskes Reasonator machte gute Vorschläge was die Gestaltung von Seiten aus Wikidata anbetrifft.

Bisher sehen unsere Seiten zu Dokumenten – unbefriedigend – so aus:

Screenshot SK13-070 https://projekte.uni-erfurt.de/illuminaten/SK13-070