Memorandum of Understanding zwischen der Universität Erfurt und der Deutschen Nationalbibliothek – das FactGrid wird in einem Gemeinschaftsprojekt auf GND-Daten aufgesetzt

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Das FactGrid-Projekt steht vor zwölf Monaten neuer Herausforderungen: Mit ihren Unterschriften vom 15. und 25. März 2019 unterzeichneten der Präsident der Universität Erfurt, Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, und Dr. Elisabeth Niggemann als Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt und Leipzig ein Memorandum of Understanding, das in großem Umfang GND-Daten ins FactGrid bringen soll – Daten zu mehreren Millionen Personen und Körperschaften. Noch ist nicht klar, aus welcher Datenquelle wir die Ortsinformationen einspielen werden, die wir zudem benötigen werden.

Für die FactGrid-Projektbeteiligten lag hier noch nach der ersten Berührung mit der Software das sich abzeichnende große Desiderat: Eine Wikibase-Instanz wird zum interessanteren Werkzeug, wenn sie Benutzern Recherchen abnimmt und Wissen anbietet, auf das Forschung unmittelbar aufbauen kann. Die GND stand im selben Moment als die Datenquelle im Raum, aus der die Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum sich in jedem Fall zu bedienen hätten. Von einem GND-Input aus könnte man beliebig weiterdenken, mit dem Blick auf die Verzeichnisse deutscher Drucke oder auf komplementäre internationale Normdaten.

Klar wurde im April 2018, der Europeana Workshop in Antwerpen war hier eine Wegscheide, dass soeben allerorten erste unabhängige Wikibase-Instanzen entstanden; sie würden im optimalen Fall eine „Föderation“ anstreben. Die Deutsche Nationalbibliothek würde, so der Informationsstand nur zwei Monate später, eigene Wikibase-Instanzen aufbauen — erst einmal in einer Software-Evaluation. Das FactGrid-Projekt stand damit vor Entscheidungen: Entweder setzten wir auf eine Plattform, die sich spezialisierte und noch im Frühstadium isolierte und nutzten GND-Daten nur für uns oder wir riskierten eine Ressource, die sich im Verlauf zwischen der GND und Wikidata als Plattform für „Original Research“ anbieten kann. Unser spezielles Angebot lässt sich benennen: Wir werden nicht die GND- oder Wikidata-Relevanzkriterien übernehmen. Bei uns wird man Datensätzen zu Säuglingen anlegen können, die nach der Geburt verstarben, um ein klareres Bild von Säuglingssterblichkeit im historischen Längsschnitt zu gewinnen. Wir werden der GND und Wikidata im selben Moment anbieten können, nach ihren eigenen Relevanzkriterien Informationen von uns zu beziehen — Informationen, die wir als Forschungsbeiträge zitierbar machen.

In welche technische Lösungen sich das übersetzen wird, sprich: wie Wikibase-Instanzen in Zukunft miteinander kommunizieren werden, ist noch offen. Jetzt jedoch schon können wir eine Instanz zur Verfügung stellen, auf der sich die GND in einer Wikibase-Version bearbeiten lassen wird.

Eine solche GND-Version gemeinsam mit der Deutschen Nationalbibliothek zur Verfügung zu stellen, hat vor allem den Zweck, Erfahrungen dabei unter allen Beteiligten verfügbar zu machen. Von der Transparenz der Design-Entscheidungen wird abhängen, wie gut die hier entstehenden Instanzen später miteinander kommunizieren werden.

Ein Team wird jetzt zu sammeln sein — aus den beteiligten Institutionen der Deutschen Nationalbibliothek und der Gothaer Forschungseinrichtungen der Universität Erfurt und, hier soll das unten publizierte Memorandum of Understanding Klarheiten schaffen, aus den Commmunities des Wikimedia-Umfelde, die mit Wikibase und mit Wikis im Moment entschieden vertrauter sind als wir.

  • Wir suchen SPARQL-Bewanderte, die Datenmodelle austesten und Vorschläge für geschicktere Datenkonfigurationen machen werden, mit denen man die auf uns zukommenden großen Informationsmengen intuitiv und fruchtbar handhaben wird.
  • Wir suchen Wikibase-Kenner, die wissen, wie man Mengen von mehreren Millionen Datensätzen in eine Wikibase-Instanz hineinbringt, und diese Datensätze dabei mit genealogischen und räumlichen Vernetzungen durchdringt.
  • Uns fehlt Expertise darin, wie wir das FactGrid in der Woge der Doubletten und Namensgleichheiten handhabbar halten, die nun auf uns zurollt: Die GND birgt Namensgleichheiten in bislang nicht dagewesenem Maße. Wir werden Wege finden müssen, wie man Forschenden in diesem Meer schnell Überblick gibt, ob die Person, die sie in einem Dokument genannt finden, schon über einen Datensatz verfügt oder neu angelegt werden muss. Die Doublettenfahndung wird zum Dauerthema werden, und wir wissen im Moment noch nicht, wie wir sie auf eine interessierte Community ausrichten und diese dabei technisch unterstützen.
  • Eigene diffizile Fachgebiete werden bei uns entstehen: In Millionen der GND-Personeneinträge finden sich Berufsangaben; bei uns wird aus jeder solchen Angabe ein Datenbankobjekt werden, zu dem nun eigene Aussagen zu machen sind. Wir werden hier Fachleute in verschiedensten Gebieten anziehen müssen, die derartige Felder zu durchdringen und zu erschließen wissen.
  • Wir brauchen Mitspieler, die schlicht Community-Erfahrung haben: Das FactGrid visiert die breite Nutzung an, auch wenn wir dabei auf die Verwendung von Klarnamen setzen. Im gelingenden Fall wird das FactGrid in den Wikipedia-Geschichtsprojekten beliebt werden und Accounts an Universitäten, in Bibliotheken und Archiven vergeben. Lokale Geschichtsvereine und Internet-Genealogie-Projekte sollten an der entstehenden Ressource mit ihren komplexen Vernetzungsangeboten Interesse gewinnen.
  • Wir werden das FactGrid mit einer Benutzeroberfläche ausstatten müssen, die technische Laien am SPARQL-QueryService und an den wuchernden Wikibase Eingabeseiten vorbeiführt. Suchmasken, die vermutlich direkt auf Seiten unseres (im Moment noch nicht sonderlich gut funktionierenden) Reasonator-Angebots führen, das Benutzer in beliebigen Sprachen mit strukturierten Datenblättern bedienen wird, könnten der Zielpunkt sein.
  • Wir werden schließlich Hilfe in der Datenbank-Betreuung benötigen. Hier ist ganz besonders misslich, dass unser Projekt im Moment vor allem die Arbeit von Geschichtsfachleuten ist, die nicht in jedem Moment bereits im Blick haben, wie sie die Technik optimal beliefern.

Das FactGrid wird wachsen und Mitspieler brauchen, die in diesem Wachstum vor allem Raum für ihre ganz eigene Projekte entdecken werden.

Mehr

  • Barbara Fischer & Jens Ohlig, “Neues Testfeld für Wikibase: Eine Bundesbehörde geht auf Expedition im Wikiversum.” 9. Mai 2019 at https://blog.wikimedia.de

Nachfolgend der Text der getroffenen Vereinbarung:


Memorandum of Understanding

zwischen

Deutsche Nationalbibliothek, vertreten durch die Generaldirektorin, Frau Dr. Elisabeth Niggemann
Adickesallee 1
60322 Frankfurt am Main

Universität Erfurt, vertreten durch den Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg
Nordhäuser Straße 63
99089 Erfurt

ausführende Einrichtungen:

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Schlossberg 2
99867 Gotha
im Folgenden: FZG

Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt
Schloss Friedenstein
99867 Gotha
im Folgenden: FBG

Präambel

Die Deutsche Nationalbibliothek hat die Aufgabe, lückenlos alle deutschen und deutschsprachigen Publikationen, Tonträger und Musikalien (einschließlich Netzpublikationen und digitaler Objekte) ab 1913, im Ausland erscheinende Germanica und Übersetzungen deutschsprachiger Werke sowie die zwischen 1933 und 1945 erschienenen Werke deutschsprachiger Emigranten zu sammeln, dauerhaft zu archivieren, bibliografisch zu verzeichnen sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Die FBG und das FZG sind zentrale wissenschaftliche Einrichtungen der Universität Erfurt. In ihrer Arbeit sind sie auf der einen Seite auf die Gothaer Bestände ausgerichtet; über ihre Stipendienprogramme und Forschungsprojekte, mit Schwerpunkten in der Erforschung der Frühen Neuzeit und der Globalisierung des 19. Jahrhunderts, andererseits international aktiv.

Die nachfolgenden Vereinbarungen betreffen die vom FZG initiierte und vom Universitätsrechen- und Medienzentrum der Universität Erfurt unter der URL https://database.factgrid.de gehostete Wikibase-Instanz, die seit dem August 2017 in einer Kooperation zwischen dem FZG und Wikimedia Deutschland aufgebaut wurde, um historischer Forschung insbesondere im Interesse an der internationalen Zusammenarbeit wissenschaftlicher Projekte zur Verfügung zu stehen.

Dies vorangestellt, treffen die DNB und die Universität Erfurt folgende Absichtserklärung:

§ 1 Gemeinsame Vorstellungen

Wikibase, die für Wikidata genutzte Software, soll sich in Zukunft zu einem funktionsfähigen Werkzeug für Wissenschaftler und wissenschaftliche Projekte entwickeln, mit dem in eigenen Installationen Daten offen und kollaborativ geteilt werden können.

Die gemeinfreien Daten der Gemeinsamen Normdatei (GND) – speziell die Daten für Personen und Körperschaften – sollen hierzu in der bestehenden Installation die Datengrundlage bieten, die es Wissenschaftlern erlaubt, Informationen in der Datenbank zu verknüpfen und anzureichern.

Für die GND liegt hierin ein erster Testfall einer größeren Datenintegration in eine Wikibase Instanz. Größere Aufgabenfelder werden im Rahmen dieser Vereinbarung im Blick zu halten sein: Wie lässt sich eine Wikibase Instanz in einen kontinuierlichen Datenabgleich mit Schwesterprojekten bzw. anderen Wikibase Instanzen bringen? Wie lassen sich etablierte Nutzungen der GND auf Seiten von Anwendern und Recherchierenden in neuer Systemumgebung realisieren?

§ 2 Gemeinsame Ziele

Die Partner wollen – im Rahmen ihrer Ressourcen und Möglichkeiten – im Erfahrungsaustausch miteinander die bestehende FactGrid Wikibase-Instanz mit Personen- und Körperschaftsdaten der GND befüllen.

Folgendes soll in diesem Projekt umgesetzt und evaluiert werden:

  1. Import von GND-Datensätzen in die (Factgrid-)Wikibase-Instanz
  2. Anforderungserhebung zur Synchronisation von Daten verschiedener Wikibase-Instanzen
  3. Anforderungserhebung für das Retrieval
  4. Evaluation bestehender Werkzeuge zur Qualitätssicherung und zur Präsentation der Daten
  5. Dokumentation der Projektarbeit und der Evaluationsergebnisse

§ 3 Aktivitäten

Zusammenarbeit

Die Partner stellen ein Team zusammen, das sich im ersten halben Jahr nach Vereinbarungsabschluss mindestens alle sechs Wochen in Treffen und Video-Konferenzen koordiniert und Aufgaben unter sich aufteilt.

Bis zum März 2019 streben sie die Erstellung eines Arbeitsplans mit Aufgabenverteilungen an.

Die DNB erhält Zugriff auf die Datenbank und administrative Benutzer-Accounts im FactGrid.

Die Partner dokumentieren im Blick auf spätere Datenbankverbindungen zu Wikidata und eventuellen DNB-Wikibase-Instanzen ihre Designentscheidungen und Arbeitserfahrungen.

Kommunikation

Die DNB und das FZG/FBG benennen einander je einen Ansprechpartner für alle im Rahmen der Zusammenarbeit abzustimmenden Angelegenheiten. Die Beteiligten sorgen dafür, dass sie sich regelmäßig gegenseitig über Vorhaben und Projekte in den gemeinsamen Arbeitsbereichen informieren.

Die Partner nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle, um die Öffentlichkeit und ihre Communities über gemeinsame Aktivitäten zu informieren. Kommunikation nach außen, die das gemeinsame Vorhaben betrifft, wird vor Veröffentlichung immer zwischen den Partnern abgestimmt.

Für die Außenkommunikation räumen sich die Partner wechselseitig das nicht-ausschließliche, zeitlich auf die Laufzeit dieser Vereinbarung begrenzte und nur mit vorheriger Zustimmung übertragbare Recht ein, die von dem jeweils anderen Partner zur Verfügung gestellten Logos-, Namens-, Bild- oder Markenrechte zum Zwecke der Durchführung der vorliegenden gemeinsamen Ziele zu nutzen; dies gilt nur, soweit dies rechtlich zulässig ist und keine Rechte Dritter entgegenstehen. Die für die vereinbarten Zwecke benötigten Materialien, Abbildungen etc. werden kostenfrei vom jeweiligen Partner zur Verfügung gestellt. Die Partner verpflichten sich, die graphischen Gestaltungsvorgaben des jeweils anderen zu erfüllen.

§ 4 Dauer

Diese Vereinbarung tritt mit ihrer Unterzeichnung in Kraft. Sie gilt zunächst für 12 Monate und kann danach jederzeit unter Einhaltung einer Frist von 30 Tagen zum Ende eines Kalendervierteljahres einseitig gekündigt oder im beiderseitigen Einvernehmen vorzeitig beendet werden.

§ 5 Sonstiges

Durch diese Vereinbarung entstehen der DNB und der Universität Erfurt keine finanziellen Verpflichtungen. Die Partner stellen jeweils die auf ihrer Seite notwendigen Personal- und Sachleistungen zur Verfügung und tragen die ihnen dadurch entstehenden Kosten selbst. Wechselseitige Schadensersatzansprüche sind ausgeschlossen. Bei Ansprüchen Dritter haftet der Verursachende allein und ausschließlich.

Frankfurt am Main,
den 25.03.2019
Dr. Elisabeth Niggemann
Erfurt,
den 15. MRZ. 2019
Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg


Scan der originalen Vereinbarung

Memorandum of Understanding zwischen der Universität Erfurt und Wikimedia Deutschland

Mit den Unterschriften vom 8.8. und 23.8.2017 kam die folgende Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität Erfurt und Wikimedia Deutschland zustande. Das gemeinsame Memorandum of Understanding umreißt die Projektziele und mag hier zugänglich gemacht sein, um allen Beteiligten, die etwa auf der Basis von Werksverträgen einander begegnen, die institutionelle Rückendeckung zu geben.

Nachfolgend der Text der Vereinbarung:


Memorandum of Understanding

zwischen

Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24
10963 Berlin

vertreten durch Abraham Taherivand
im Folgenden: WMDE

und

Universität Erfurt
Nordhäuser Straße 63
99089 Erfurt

vertreten durch den Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg

ausführende Einrichtung:
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Schloss Friedenstein
99867 Gotha

im Folgenden: FZG

Präambel

WMDE ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Zu seinen satzungsgemäßen Aufgaben zählt es unter anderem, die Verbreitung Freier Inhalte (engl. Open Content) in selbstloser Tätigkeit zu fördern, um die Chancengleichheit beim Zugang zu Wissen zu fördern. WMDE ist Teil einer globalen Bewegung für Freies Wissen und ein Partner der Wikimedia Foundation (San Francisco, USA). WMDE fördert, unterstützt und beteiligt sich an Projekten, Programmen und Vorhaben, die den gemeinnützigen satzungsgemäßen Zielen des Vereins zugutekommen.

Im Rahmen des Vereinszwecks ist WMDE daran interessiert, Open-Science-Initiativen zu unterstützen und zu verbreiten. WMDE unterstützt u.a. das Wikimedia-Projekt Wikidata, eine offene Wissensdatenbank für strukturierte Daten, die von Menschen und Maschinen gelesen und editiert werden kann. Bislang fungiert Wikidata in erster Linie als zentrale Wissensdatenbank für die Wikimedia-Projekte, wird aber zunehmend von anderen Anwendern aus dem Kultur, Bildungs- und Wissenschaftsbereich genutzt. Wikidatas Inhalte sind unter freier Lizenz zugänglich, mit Standardformaten exportierbar und können mit anderen offenen Datensätzen verlinkt werden.

Das Forschungszentrum Gotha, eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Erfurt, beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Wissensgeschichte der Neuzeit. Es betreibt seine Forschungen in enger institutioneller und thematischer Anbindung an die im Schloss Friedenstein beheimateten historischen Sammlungen der Forschungsbibliothek Gotha und der Stiftung Schloss Friedenstein mit ihren Schwerpunkten in der frühen Neuzeit und im 19. und 20. Jahrhundert – hier ist insbesondere das Archiv des Perthes-Verlags mit seinen einzigartigen Beständen an Landkarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu nennen. Das FZG organisiert ein internationales Stipendienprogramm und ist mit Konferenzen und Programmen für Gastwissenschaftler sowie dem Angebot von Arbeitsstätten für drittmittelgeförderte Forschungsprojekte ein Ort internationaler, vor allem historischer Forschung.

Die nachfolgenden Vereinbarungen betreffen das organisatorisch und inhaltlich am FZG sowie in der technischen Betreuung am Rechenzentrum der Universität Erfurt beheimatete FactGrid-Projekt. Mit ihm soll die von Wikidata genutzte Software (Wikibase) Einsatz in der Forschung finden. Praktisch wird sich das Projekt dabei vordringlich darauf ausrichten, die Arbeit der Gotha Illuminati Research Base (einem konventionellen Wiki unter der URL https://projekte.uni-erfurt.de/illuminaten/) rationeller zu gestalten.

Das langfristige Ziel ist es, wissenschaftlichen Projekten, die am FZG angesiedelt sind oder von diesem in Kooperation mit anderen wissenschaftlichen Institutionen betrieben werden, im FactGrid kollektiv Datenbankleistungen zur Verfügung zu stellen und dabei einen Informationsaustausch mit dem Wikidata-Projekt aufzubauen.

Dies vorangestellt, treffen WMDE und das FZG folgende Absichtserklärung:

§ 1          Gemeinsame Vision

Wikibase, die für Wikidata genutzte Software, soll sich zu einem funktionsfähigen Instrument für Wissenschaftler und wissenschaftliche Projekte entwickeln, mit dem in eigenen Installationen Daten offen und kollaborativ geteilt werden können.

§ 2          Gemeinsame Entwicklungsziele

Die folgenden Entwicklungsziele zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen ersten möglichen Weg zur oben genannten Vision aufzeigen. Beide Partner wollen – im Rahmen ihrer Ressourcen und Möglichkeiten – auf diese vorläufigen Ziele hinstreben. Ziele sind nicht verbindlich und werden sich im Laufe der Partnerschaft verändern und angepasst werden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt benennen die Partner die folgenden gemeinsamen Entwicklungsziele:

  1. Die Erarbeitung eines tragfähigen Konzepts zum Einsatz der Wikibase-Software in wissenschaftlichen Projekten
    1. als Datenbankunterstützung konventioneller Wikis, die in Tabellen, Listen und Suchanfragen zum Einsatz kommt;
    2. als Datenbankunterstützung, die auch Forschungsprojekten mit anderen Software-Voraussetzungen Dienste (etwa beim Erstellen von Tabellen, Bewegungsprofilen auf Landkarten, Netzwerkansichten oder genealogischen Stammbäumen) zur Verfügung stellt.
  2. Die Identifizierung von Möglichkeiten zur Erstellung eines Query Service / einer Automated List Generation, die dann in der Gotha Illuminati Research Base Informationen einspielen kann.
  3. Die Einrichtung komplexerer Quellenbelege, die im FactGrid “Original Research” zulassen und Informationen persönlich an die koppeln, die sie einstellten. Die Diskussion von Befunden muss an derselben Stelle möglich sein.
  4. Die Erarbeitung einer Importmöglichkeit, die Forschungsprojekte in die Lage versetzt, Daten aus Tabellen in das FactGrid einzuspielen.
  5. Die Erarbeitung eines Werkzeugkastens, der Forschungsprojekte befähigt, modulare Eingabemasken zu bauen.
  6. Die Einrichtung eines Informationsflusses aus dem FactGrid in Wikidata (bei dem sichergestellt wird, dass Informationen mitsamt den Angaben der Forschung in Wikidata verfügbar werden).
  7. Eine größere Kooperation zwischen dem FZG, WMDE und den an dieser Stelle einzubeziehenden weiteren Institutionen, mit dem Ziel, den Aktenbestand der “Schwedenkiste” öffentlich zugänglich zu machen und wissenschaftlich unterstützt im Crowd-Sourcing zu erschließen.
  8. Die Einführung von Wissenschaftlern in den Umgang mit der neuen Technik mit dem Ziel, hier eine selbständig arbeitende Community zu generieren.

§ 3          Aktivitäten

Zusammenarbeit

Das FZG übernimmt über die Ausschreibung von projektgebundenen Werkverträgen die Finanzierung von Software-Implementierungen und unterstützende Einführungen in die Arbeit mit der Wissensdatenbank im Rahmen der Budgets, die für technische Entwicklungen und Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Da die Arbeit mit der Wikibase-Software zum gegenwärtigen Zeitpunkt (anders als die Arbeit mit regulären Wikis) ohne breitere öffentlich verfügbare Erfahrung geschehen muss, wird WMDE bei der Suche nach geeigneten Auftragnehmern für die Werkverträge unterstützend tätig sein.

Darüber hinaus begleiten Mitarbeiter aus der WMDE-Softwareentwicklung im Rahmen der jeweils gegebenen personellen und finanziellen Ressourcen die Arbeit an den obigen Zielen durch Beratung.

Grundsätzlich ist beiden Partnern dieser Vereinbarung daran gelegen, dass Softwarelösungen und praktische Erfahrungen, die in der Kooperation zustande kommen, im größeren Interesse des Wikidata-Projektes gesucht werden. Ein wesentliches Projektziel ist es, Insellösungen (i.S. einer speziellen Softwarelösung für die Universität Erfurt) zu vermeiden. Die Kooperation soll vielmehr die gemeinsam benutzte und weiterentwickelte Software für breitere Anwendungen attraktiver machen und bewerben.

Kommunikation

WMDE und das FZG benennen einander je einen Ansprechpartner für alle im Rahmen der Zusammenarbeit abzustimmenden Angelegenheiten. Beide sorgen dafür, dass sie sich regelmäßig gegenseitig über Vorhaben und Projekte in den gemeinsamen Arbeitsbereichen informieren.

WMDE und FZG nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle, um die Öffentlichkeit und ihre Communities über gemeinsame Aktivitäten zu informieren. Kommunikation nach außen, welche gemeinsame Vorhaben betrifft, wird vor Veröffentlichung immer zwischen beiden Vertragspartnern abgestimmt.

Für die Außenkommunikation räumen sich WMDE und FZG wechselseitig das nicht-exklusive, zeitlich auf die Laufzeit dieser Vereinbarung begrenzte und nur mit Einverständnis nicht übertragbare Recht ein, die von der jeweils anderen Partei zur Verfügung gestellten Logos-, Namens-, Bild- oder Markenrechte zum Zwecke der Durchführung der vorliegenden gemeinsamen Ziele zu nutzen; dies gilt nur, soweit dies rechtlich zulässig ist und keine Rechte Dritter entgegenstehen. Die für die vereinbarten Zwecke benötigten Materialien, Abbildungen etc. werden kostenfrei von der jeweiligen Partei zur Verfügung gestellt. WMDE und FZG verpflichten sich, die graphischen Gestaltungsvorgaben des jeweils anderen zu erfüllen. Die Verwendung der Logos-, Namens-, Bild- oder Markenrechte von WMDE bedarf stets der Einhaltung des WMDE/WMF-Style-Guides sowie der vorherigen Freigabe durch die Kommunikationsabteilung von WMDE; gleiches gilt analog für die Verwendung der Logos, Namens-, Bild- oder Markenrechte des FZG. Die durch die Zusammenarbeit neu entstehenden Materialien (inkl. Bilder) sind unter freie Lizenzen zu stellen (bevorzugt CC BY-SA 4.0 bzw. CC 0 im Bezug auf Wikidata).

§ 4          Dauer

Diese Vereinbarung tritt mit ihrer Unterzeichnung in Kraft. Sie gilt zunächst für 12 Monate und kann jederzeit unter Einhaltung einer Frist von 30 Tagen einseitig gekündigt oder im beiderseitigen Einvernehmen vorzeitig beendet werden.

§ 5          Sonstiges

Durch diese Vereinbarung entstehen WMDE und FZG keine finanziellen oder vertraglichen Verpflichtungen. Sowohl WMDE als auch FZG stellen jeweils die auf ihrer Seite notwendigen Personal- und Sachleistungen zur Verfügung und tragen die ihnen dadurch entstehenden Kosten selbst. Wechselseitige Schadensersatzansprüche sind ausgeschlossen. Bei Ansprüchen Dritter haftet der Verursachende allein und ausschließlich. Für den Fall,  dass Dienstleistungen oder Gelder ausgetauscht werden, gemeinsam Drittmittel verwaltet werden, oder konkrete Projekte umgesetzt werden, wird eine formelle Kooperationsvereinbarung notwendig.

Für Wikimedia Deutschland               Für das Forschungszentrum Gotha

Berlin, 23.8.2017                                      Erfurt, 8|8|17
Abraham Taherivand                             Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg