Freimaurer, Illuminaten, Rosenkreuzer, Jesuiten, Alchemisten, Mesmeristen… — die verloren gegangene Bibliothek des letzten illuminatischen Ordensprovinzials

Johann Joachim Christoph Bode starb am 13. Dezember 1793, zwei Stunden vor Mitternacht – wohl an den Folgen der Zahn- und Kieferentzündungen, die ihm seit Jahren mit Anfällen von „Flußfieber und Zahnschmerzen” zu schaffen machten. Damit kam in Gang, was 1787/88 entschieden worden war.

Im Herbst 1787 hatte Bode von Weimar aus wieder einmal Gotha besucht. Seine Arbeit des letzten halben Jahrzehnts lag in Trümmern. Noch im Sommer hatte er sich in Paris bemüht, die Illuminaten aus der Schusslinie zu ziehen: „Philadelphen“ sollten sie in Zukunft, und damit endlich wieder geheim, heißen. Seit 1785 war mit „Illuminaten“ kein Geheimnis mehr zu machen. Bayerns Staat hatte alle Geheimorden und insbesondere diesen verboten. Bode hatte dessen ungeachtet als Provinzial „Ioniens“, Obersachsens, weiterhin Mitglieder aufgenommen. Niemand konnte schließlich wissen, ob es diese bayerischen Illuminaten wirklich gab. Doch die Publikationen Weishaupts hatten dann 1786 zunehmend alle interessanten Karten auf den Tisch gelegt. Die von Weishaupt publizierten Gradschriften offenbarten gerade das, was Mitgliedern auf dem Weg in das Geheimnis des Ordens erst entdeckt werden sollte. Während Bode im Sommer 1787 in Paris war, hatte, vollendet verheerend, der bayerische Staat nachgelegt und nun Weishaupt mit seinen Mitstreitern durch zwei Bände von Offenlegungen konfiszierter Akten persönlich diskreditiert.

Der Orden war im Herbst 1787 tot. Zuviel war jetzt publiziert. Für Bode war die Zeit gekommen, aus den eigenen Akten die Dinge richtigzustellen – so lautete wohl sein Vorschlag 1787 gegenüber Ernst II., dem Gothaer Herzog. Dieser, in der Hierarchie als „deutscher National“ eine Stufe über ihm, verbat jede weitere Publikation. Der Orden hatte seinen Mitgliedern Diskretion abverlangt und war diese ihnen im Gegenzug schuldig. Im März 1788 machte Ernst II. auf Besuch in Weimar die Sache mit Bode perfekt: Der Regent würde dem Provinzial das gesamte illuminatische Archiv für 1500 Reichsthaler abkaufen. Die Transaktion würde nach Bodes Tode stattfinden und ihm eine Geldsumme bescheren, über die er jetzt schon testamentarisch verfügen konnte. Bode notierte mit Zerknirschung Ende März im Tagebuch:

29 u 30. Daran gearbeitet meine Briefe, und auch die Ordenspapiere in eine erträgliche Ordnung zu bringen. Wolle nur der Himmel, daß diese Arbeit nicht dadurch vergebens gemacht werde, daß ihr künftiger Besitzer der Herzog von Gotha, solche dem Publikum vorenthält. [full transcript]

Genau darum ging es Ernst: diese Papiere dauerhaft der Nachwelt zu entziehen, wenn auch nicht schon zu vernichten.

Am 14. Dezember 1793 übermittelte Christian Gottlob von Voigt die Nachricht von Bodes Tod nach Gotha. Als Nachlassverwalter übernahm er die Inventarisierung des Bestandes und erfasste dabei nicht nur Freimaurer- und Illuminatenakten, sondern auch Bodes einschlägige Bibliothek.


Q400894

Bodes geheime Privatbibliothek

Aus Bodes freimaurerischen und illuminatischen Akten wurde im Zuge der Ereignisse, die am 14. Dezember 1793 in Gang kamen, die „Schwedenkiste“ – jener Aktenbestand, der seit den 1990er Jahren Forscher auf sich zieht, weil hier weitgehend konsistent die ganze interne Dokumentation der letzten funktionierenden Ordensprovinz vorliegt. Die Geschichte der Akten ist verwickelt: Ernst II. hielt Wort; Bodes freimaurerischer Nachlass ging an im Gegenzug für die versprochenen 1500 Reichsthaler an den Herzog. Zwei Kisten wurden am 13. Januar 1794 von Heinrich August Ottokar Reichard in Weimar übernommen und nach Gotha überführt, wo sie dann erst einmal auf ein Jahrzehnt verschlossen blieben. Erst mit dem Tod Ernst II., 1804, wurden diese Kisten geöffnet, nun, um aus Ernsts Besitz noch Bücher hinzuzufügen: spektakuläre esoterische und alchemistische Handschriften, mit denen Ernst nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Nicht alles passte in Bodes zwei Kisten. Zielort der drei Kisten, die man wenig später auf die Reise schickte, war das Archiv der Schwedischen Großloge in Stockholm.

Als 1880/81 Gothas Loge diesen Bestand zurückforderte, sollte nur eine Kiste zurückkommen – die „Schwedenkiste“, in deren Zentrum seitdem die illuminatische Buchführung der Provinz Ioniens steht.

Bodes und Ernsts Bibliotheken blieben in Stockholm. Diejenige Bodes lässt sich dabei dank von Voigts Inventar weitaus präziser vermessen als die Ernsts. Das Inventar, das wir als einfache PDF mitliefern liegt noch immer im Archiv der schwedischen Großloge in Stockholm. Die obskure Bibliothek Ernsts II. ist dagegen erst einmal ein Rätsel. Sie reiste unkatalogisiert und wurde dem Logenbesitz ohne weitere Kennzeichnung einverleibt, doch lässt sich auch sie in Umrissen skizzieren; sie liegt heute vor allem unter den Signaturgruppen Tyskland und Esoterica in Stockholms Logenarchiv, wie wir seit einer Forschungsreise 2019 wissen.

Im Folgenden geht es mir ausschließlich um Bodes Bibliothek, die sich dank des Inventars und dank der Tatsache, dass hier vor allem Druckschriften zu notieren sind (keine unikalen Prachthandschriften), relativ leicht in effige nachbilden lässt.

Julia Mös erfasste im Projekt der Arbeitsstelle Illuminatenforschung am Forschungszentrum Gotha die Titel dieses Inventars und legte dabei einen ersten Abgleich mit in öffentlichen Bibliotheken katalogisierten Ausgaben vor. Dieser liegt hiermit in Datenbankobjekten vor, die sich jetzt beliebig vernetzen lassen.

Auf die bibliographischen Kerndaten in Form von bereits durchgeführten Datenbankvernetzungen verzichteten wir zugunsten einer extensiven Katalogverortung, über die man all diese Angaben theoretisch jederzeit in einer Datenbankabfrage erhalten könnte. Die Verlinkung mit PPN-Nummern sowie VD16, VD17 und VD18 Signaturen dient vor allem der Identifikation der Auflagen. Digitalisate können wir im selben Moment auf dem kürzesten Weg mit den Datenbankobjekten verfügbar machen, wenn auch nicht solche der Stockholmer Exemplare.

Einige Worte zu Bodes Bibliothek.

Von Voigts Liste ist in sechs Zählungen untergliedert; die ersten drei bilden dabei einen engeren Zusammenhang als freimaurerische Schriften:

  1. Freimaurer Schrifften [278 Einträge]
  2. Freimaurer Reden [75 Einträge]
  3. Freimaurer Gedichte [48 Einträge]
  4. Rosenkreutzer [161 Einträge]
  5. Jesuiten [68 Einträge]
  6. Magnetismus [16 Einträge]

Es ist unklar, ob Bode die Kategorien selbst so betitelte. Die Sektion „Rosenkreuzer“ umfasst Alchemie im breiten Spektrum. Unter den Jesuitica findet sich vor allem Religion, die aus einer lutherisch orthodoxen Grundposition gefährlich anmutet; die Herrenhuter fallen dabei mitten unter die Jesuiten. Bei den Schriften zum Magnetismus geht es natürlich nicht um klassische Physik, sondern um die aktuellen Theorien zum „animalischen Magnetismus“, um Theorien zum „magnetischen Fluidum“, um spektakuläre Heilungen, in denen Mesmeristen, „Somnambule“ und Patientinnen im Zentrum stehen. Unsere Version notiert zwar die Nummern mit den Rubriken, zählt jedoch daneben unabhängig von 1 bis 763 – eine Zählung, die Einzelbänden eigenen Rang gibt, wo Bode mit Kleinbuchstaben untergliederte (seine originale Zählung ist jedoch als Inventar-Nummer laufend mitgegeben).

Die folgende Suche gibt die Liste von Voigts in ihrer Organisation wieder und nützt bei allem Weiteren als Basissuche:

Alle komplexeren Listen werden länger, wo immer es mehrere Einträge auf eine einzelne Anfrage gibt – etwa mehrere zu nennende Digitalisate. Die Mehrfachaussagen sind jeweils in weiteren Zeilen zur selben Q-Nummer des Objektes notiert. Die nachfolgende Suche bietet die Auflagen, Publikationsorte, Publikationsdaten, ihre Nachweise in Katalogen, verfügbare Digitalisate. Praktisch ist sie vor allem, um über sie direkten Zugriff auf Digitalisate nehmen lässt.

Die Suchen lassen sich (am rechten Rand das Menü dazu) editieren, so dass man Fragestellungen in immer weiteren Spalten erweitern kann. Die Datenbank erlaubt im selben Moment Suchen, die über die gängigen hinausgehen.

Bode übersetzte beruflich, er reiste zwei mal nach Paris in freimaurerischer Mission, seine Bibliothek erweist sich als entsprechend international aufgestellt:

Interessantester ist die chronologische Distribution der Bibliothek. Sie macht sichtbar, was bereits die Erfahrung beim Durchblättern des Inventars ist: Bode kaufte vor allem aktuelle Bücher. Den Spitzenwert nimmt dabei das Jahr 1787 ein. Der letzte Titel stammt aus dem Jahr seines Todes, 1793. Hier der Bestand jahrzehntweise nach Publikationsjahren und nach Bodes Rubriken aufgeschlüsselt:

Alte Titel finden sich besonders im Feld der Rosenkreuzerischen Schriften – ein Indiz dafür, dass Bode hier weit über die Feindbeobachtung hinausging. Alchemie beschäftigte ihn offensichtlich längst als Curiosum mit dem Interesse, Obskures der letzten Jahrhunderte aufzutreiben. Goethes Faust steigt in diese Ära hinab. Kostbarer und weitaus auffälliger sind in diesem esoterisch-alchemistischen Feld indes die Titel, die in Stockholm Ernst II. zuzuordnen sein dürften: Prachthandschriften, die im 18. Jahrhundert in den jeweiligen Zirkeln als Geheimschriften – abseits des Druckmarktes – kursierten. Hier scheinen sich Ernst II. und Bode als Buchliebhaber begegnet zu sein. Aus der brieflichen Korrespondenz wird zuweilen ersichtlich, dass Bode gezielt auf Reisen sammelte und davon Ernst in Kenntnis setzte – vielleicht als Abnehmer besonders kostbarer Stücke. Hier Bodes gesamte Bibliothek chronologisch geordnet, die undatierten Titel stehen dabei zu Anfang:

To do

Vieles ist für uns im Moment experimentelles Gelände. Auf den ersten Blick fehlt uns eine Suchschablone wie Bibliotheken sie verwenden. Vor allem fehlt uns die bibliothekarische Expertise, mit der über die von uns erfassten PPN- und VD-Nummern unseren Items Metadaten aus Bibliotheksdatenbanken zuordnen könnten.

Unsere Liste macht vorerst vor allem den interaktiven Umgang mit der unbekannten Bibliothek möglich. Es ist von hier aus vergleichsweise leicht, Vernetzungen in ganz beliebigen weiterführenden jeweiligen Forschungsinteressen vorzunehmen. Wer über ein Konto verfügt, kann mit dieser Liste, sich zwischen Digitalisaten fortbewegend, Verknüpfungen vornehmen – andere Digitalisate notieren, Themen verschlagworten, Bibliotheksstandorte festhalten, Titel vernetzen, etwa mit Verlagen oder zeitgenössischen Rezensionen. Vor allem lassen sich mit dem eigenen Nutzerkonto im Abgleich mit von Voigts Inventar und den Beständen im Stockholmer Archiv Korrekturen vornehmen – ohne den Umweg einer Email an „die Herausgeber“ dieser Liste. Unser Interesse ist es hier vor allem, die Materialgrundlagen für Fachleute möglichst direkt bearbeitbar zu machen.

Spannend sind für uns dabei insbesondere technisch versierte Materialerschließungen, Materialanalysen, zu denen Fachleute mit Data-Mining und in komplexeren Visualisierungen in der Lage sind.

Das konkretere Ziel dieser Arbeit bleibt die Erschließung der gesamten Materiallage, in der sich die Bibliothek Bodes verhedderte: Sie gelangte in das Gefüge der Materialien, die hier mitsamt den Illuminatenakten aus der öffentlichen Wahrnehmung gerieten. Wir stehen hier vor einer spannende Bibliothek, der eines Marktinsiders, wenn man die Welt der freimaurerischen und konkurrierenden Verbindungen einmal als Markt erfassen will. Bode bewegte sich auf diesem Markt genussvoll und mit enormer Neugier bis an sein Lebensende. Wir begegnen hier zudem einer Bibliothek der persönlichen Beobachtungen – es finden sich unter den Autoren und unter den Betroffenen der Bücher Menschen, mit denen Bode in Austausch stand. Eine interessante Durchdringung wird Bodes Kontaktnetz mit diesem Informationspool abgleichen, irgendwann in der Zukunft. Im Moment ist es schon interessant genug, dass wir auf diese Weise, dank der fortscheitenden Digitalisierung der frühmodernen Buchproduktion nun vom Schreibtisch Bibliotheken wie diese rekonstruieren und durchstöbern können.


PS. Mein besonderer Dank an Bruno Belhoste für das Skript zur Profilierung der Bibliothek.
PS2. Die Liste wurde Mitte Oktober 2022 abgeglichen mit einer Liste Reinhard Markners, die dieser im Archiv der Schwedischen Großloge anfertigte, und die im Zuge des Abgleichs Stockholmer alte und neue Signaturen erhielt.

(Still not yet) all the members of the Strict Observance

FactGrid began in 2018 with the input of Hermann Schüttler’s list of 1,351 (verified and unverified) members of the Illuminati, our Items Q25 to Q1376.

Items Q249748 to Q250919 widen that list with an interesting overlap of 111 names with the members of the Strict Observance. It was the largest and most widespread Freemasonic umbrella organization in Europe, that imploded with a massive impact on the world of Freemasonry in 1782, the same year when the Illuminati began their three years of rapid growth before they imploded in turn from 1786-87 and ceased to exist altogether by August 1788.

The Strict Observance had, in hindsight a longer life, beginning in either 1751 or 1764, depending on how we define their beginning. In a way the Order has not disappeared altogether. It lives on in an augmented form within Sweden’s branch of national Freemasonry, the Swedish Rite. Swedish Masons affiliated with the Strict Observance only in 1778 at the convention of Wolfenbüttel with the election of Duke Carl of Södermanland (later King Carl XIII of Sweden) as Grandmaster, after the death of their founder Baron von Hund in 1776. The Swedish Masons then withdrew in 1780 and created their own IXth Province of the Order, having constructed their own distinct form of Freemasonry on top of the superstructure of the Strict Observance rituals. Retaining ritual elements from the earlier degrees of Carl Friedrich Eckleff, Duke Carl revised the Strict Observance rituals and constructed additional degrees, giving his new system its own distinct national flavour of Freemasonry.

The Rite of Strict Observance, also known as the Order of the Temple, was the most influential 18th century Masonic system in Germany and possibly on the European continent. It was the first Masonic system to transition fully into a secret society, complete with Order Name alias for the members, and an inner and outer order being led by “unknown superiors”. For their correspondence there were multiple complex ciphers, along with substituted geographical names for cities and their own calendar system. These Masons were said to possess the true secrets of Freemasonry and according to their liturgy, claimed to directly descend from the Knights Templar in an unbroken chain of successive Grandmasters. Though this legend was ultimately proved to be spurious, resulting in the colossal collapse of the Order at the 1782 Wilhelmsbad convention, its brief period as the original and dominant German Masonic system forever changed the development of Freemasonry in Germany and its surrounding countries. From its ashes emerged the Zinnendorf Rite, the Swedish Rite, the Chevaliers Bienfaisants du la Cité Sainte, and the Order of the Illuminati. It claimed some of the most influential members of society, along with Kings, Princes, and members of the nobility. A majority of these members continued their journey in Freemasonry after its demise, joining the ranks of the descendants of the Strict Observance. Now for the first time, a comprehensive and detailed member list of the Order has begun to emerge on FactGrid, and a clearer perspective of its legacy has begun to be manifested.

It is easy to add additional columns, e.g. on family ties, places of education, further membership statements and so on by modifying the SPARQL query with further requests. FactGrid’s Directory of Property states all the Properties that can generate additional columns in this data set. You can switch languages on the Query Service – all these data are available in English German and French.

The Strict Observance: Enlightened Masons as heirs of the Templars

This image depicting the reception of a newly made Knights Templar is part of the collection known as the Derla Manuscripts, and are housed at the Musée de la franc-maçonnerie, Paris. They represent a nearly complete collection of rituals and records for the Derla Prefecture of the Strict Observance in Leipzig, 1775.

The history of Freemasonry is deeply intertwined into the history of the Enlightenment, and indeed the organization itself is purely a child of the century of light. This association founded on, and dedicated to, the principles of self-perfection, through a moral application of unique symbols and allegories, the equality of men, and self-governance under the divine guidance of deity, offered an attractive proposition to men of all stations in the 18th century. Merchant and Noble, all are recorded in the minuet books for posterity without distinction. The association is more than the sum of the moral precepts it imparts and is equally experiential, as it is fraternity bound by common initiation ceremonies. Each Masonic body therefore has its own unique variations in the ritual and these different flavours give its own distinct character. Freemasonry was exported from England to the continent of Europe in earnest in the 1720’s and by the middle 1730’s there were a handful of German Lodges.

Where did they come from, how were they connected within the world of Freemasonry?

Lodges in Germany primarily worked only the first three degrees of Freemasonry from 1736 through the early 1740’s. Many of the fragments that we have of these early rituals indicate that the first German language printing of Pritchard’s Masonry Dissected, had a profound impact on the origins of German ritual. The establishment of the Scottish Lodge l’Union annexed to the Berlin Lodge the Three Globes on 30 November 1742, and its chartering of daughter lodges in Germany and surrounding countries, meant that German Masons effectively had four Masonic degrees being offered, culminating at the Scots Master degree. This arrangement ran until the mid-1750’s and by the end of that decade, French high degrees began to appear during the Seven Years War and were combined and augmented into a set of high degrees called the Clermont Rite. The Strict Observance therefore is a revision to the existing tradition, with a new capitular superstructure at the helm.

The question of when precisely did the Strict Observance begin is a matter of perspective. Did the Order begin with Baron von Hund’s founding of the first Lodge in Unwürde in 1751 or is it later when the top two degrees containing the Templar liturgy and superstructure are constructed along with the Lodges uniting under this banner at the treaty of Altenberga in 1764?

What did they offer to members?

The Rite was constructed to attract the most wealthy and influential Freemasons. Expensive initiations and dues, elaborate costumes and regalia, rich ceremonies, and lavish conventions were tailored to whet the appetites of the most well to do members of society. It was a system of six-degrees and supposedly being led by Unknown Superiors. Additionally there was a financial charity scheme established much in the same vein as the charity scheme of the Premier Grand Lodge of England. Members could ask for assistance, and provided that their situation was not the result of bad housekeeping, they received a pecuniary contribution. Fraternal assistance was a particularly valuable proposition, in an age without social safety nets.

Who could become a member?

Theoretically anyone could be a member of the strict Observance, as there were no explicit provisions with respect to class, provided that a candidate was of the Christian faith. The liturgy in the ritual of the Rite is broadly constructed upon Christianity, and specifically upon the betrayal of Jacques de Molay and the restoration of the Templar Order. The issue of religion here is less of a concern with belief and more a concern of suitability. Practically speaking the initiation fees, regalia costs, dues etc., were of such a level that entry was excluded to at least the middle class and even there not without some considerable cost. This is visible in the professions of the members.

We could actually give career statements on almost all the members – the problem at this moment is the importation of the statements that remain in Swedish on the Labels of the Swedish members.

What rites did they perform?

Carpet or Tapis for the Apprentice and Fellow degrees of the Strict Observance. From the archives of the Frankfurt Lodge Zur Eingkeit in 1776.

The Strict Observance was effectively a revision and then an expansion of the existing German Masonic traditions. The first three symbolic degrees retain the so-called ancient landmarks making them acceptable with respect to regularity but differ, however, in key places in the ritual. There are technical changes and also insertions evident as well. The tracing boards of each degree differ from the standard rituals offered in other lodges at that time. The same is true for the Scots Master degree. These innovations in the ceremonies are unique to the Strict Observance, and are deliberate as it is these subtle differences, that build up the Templar legenda revealed later in the fifth and sixth degrees. Hund effectively built a Templar secret society, high degree system on top of the extant Masonic system. The initiate transitioned from being merely a Freemason and became a Knights Templar complete with an elaborate knighting and investiture ceremony. The Masonic degrees comprised the outer order and the Templar degrees comprised the inner order. Its these concepts that Knigge drew from when he set about building the degree system of the Illuminati from 1780-1784.

Strict Observance Illuminati
The Strict Observance does not have a Preparatory Order. I. Minerval Class. Preparatory Order (non Masonic).
1. Novice.
2. Minerval.
3. Minervalis Illuminatus.
Outer Order.

St. Johns Lodge.
— 1° Apprentice.
— 2° Fellow.
— 3° Master.

St. Andrews Lodge.
— 4° Scots Master.

II. Freemasonic Class.

St. Johns. Lodge.
— 1° Apprentice
— 2° Fellow
— 3° Master

St. Andrews Lodge.
— 4° Scottish Novice
— 5° Scottish Knight

Inner Order. (Capitular).

— 5° Secular Novice.
— 6° Knight.

III. Mysteries Class.
Lesser Mysteries.
— 1. Presbyter / Priest.
— 2. Regent.
Greater Mysteries.
— 1. Docetists.
— 2. Philosophus.

What was the internal structure?

Governance of the Strict Observance was organized at two levels; an administrative level and also at a local level. The Saint John’s Lodges offering the first through the third degrees were governed by the elected officers of the Lodge. Above this lodge was Saint Andrew’s Lodge administering the fourth degree, Scots Master, and governed by its own elected officers. Above this lodge was the Chapter, offering the Novice and Knight degrees, and administrating not only the Chapter, but also the whole local presence of the Strict Observance in each locality. Reports were constructed and a portion of the monies received were forwarded from the Treasurers and Secretaries of both St. John’s and St. Andrew’s Lodges to their counterparts in the Chapter. The Chapter abstracted these reports and forwarded its portion of the monies in conjunction and sent them the Prefecture. The Prefecture comprised of several chapters performs the same functions and reports to the Provincial Grand Master of the Province. Provinces are composed of several Prefectures and assembled roughly every few years at conventions to work out the business of the Order, and often to settle internal disputes.

Knigge again borrowed from his time in the Strict Observance as well, with respect to external structure. The main difference is that Minerval Assemblies, the Preparatory Order unique to the Illuminati is included at the local level and subordinate to the St. John’s Lodge. Knigge also made refinements at the Administrative level as well. Provinces were localized within states, whereas they had crossed these boundaries within the Strict Observance. Additionally Provinces in the Illuminati reported to the National Inspector and these Inspectors were to be united at conventions called National Inspections. None of this ever occurred however, as the Illuminati faded into obscurity as quickly as it had ascended.

Strict Observance Illuminati
Administrative Level.
— Province. (Prv. Grand Master)
— Prefecture (Prefect).
Administrative Level.
— National. (Regents)— Prefecture. (Priests)
Local Level.
— Chapter. (5°, 6°)
— St. Andrew’s Lodge. (4°)— St. Johns Lodge. (1°, 2°, 3°)
Local Level
— Chapter. (Priests)
— St. Andrew’s Lodge. (Scottish Novices and Knights)
— St. Johns Lodge. (1°, 2°, 3°)
— Minerval Assemblies. (3°)

Disintegration and Survival

The Strict Observance ceased to exist much in the same way it began; at a convention. From the Templar perspective the rite was born, chaotically at the convention of Altenberga in 1764, after a Gentleman named Leucht passed himself off as a Superior of the Templars named Johnson. Baron Karl Gotthelf von Hund assumed control after Johnson had appointed him Heermeister, suspecting him of fraud and had him imprisoned after he confessed to this deception. Hund assumed command of the Order though it was a risky venture.

Johnson sought to gain control by deception over all of the local lodges practicing the Clermont System of high degrees, a composite of French high degrees fortified with alchemy and theosophy. Exploiting the occult leaning tendencies of the local Lodges and using a sleight of hand involving the production of gold, he proceeded to organize a general convention in effort to alter their masonic system and place himself at its head. Johnson had the deputies of the local lodges bring their rituals and papers and had them burned while introducing his new ceremonies. This singular act, and subsequent variability in the receptions conferred immediately afterwards by Johnson and von Hund, quickly led to the 1764 Altenberga Convent, and the only order of business was to reform all of the Lodges and join them to the Order of the Temple. Standardization was the ultimate goal.

During the convention it was discovered that Johnson was a charlatan named Leucht, and he was ultimately arrested and imprisoned extrajudicially until his death in 1777. Baron von Hund found himself in a very precarious situation, and at stake was no less than the future of local Masonry, given that all of their records had just been immolated by a fraudster. Hund seized control and stabilised the situation. Johnson’s new rituals and economic plan were to be implemented despite his roguery, out of necessity.

Johann Schubart, a close associate of von Hund, was tasked with implementing this new reform on all of the Lodges with the assistance of J.J.C. Bode. Through Schubart, Hund used the conferral of these new degrees to gain favour over the brethren, and to assert himself as being the Heermeister or Chief of the Army. Key was the Lodges participation in the newly crafted financial scheme, the Plan ad Interim. This move was not without suspicion, however and many of the lodges altered or flatly refused participation.

Regular conventions were organized as a result. These conventions served partly to enact new policy and reforms, and partly to maintain control of a rapidly expanding system. In 1768 the so-called clerical Branch appeared and much to the chagrin of the Brethren, they were incorporated into the Order by Baron von Hund. The Clerical Brethren in fact practiced a different form of the high degrees with a bent towards the occult sciences, and this inexplicable act his called into question, in the minds of many precisely how was Baron von Hund initiated into the Order of the Temple?

At the convention of Brunswick in 1775, von Hund said that ‘he had been received into the Order in Paris in 1743 by a Superior, Bro. von der rothen Feder, in the presence of Lord Kilmarnock, and had then been introduced to the Pretender. On various occasions subsequently Bro. von der rothen Feder had asked Bro. ab Ense for certain sums of money for the American undertakings. Finally, however, Bro. ab Ense had grown tired of these demands and had terminated this correspondence. This episode will still be in the memory of most of the Right Worshipful Brethren of the Order, as will the story that when the Reverend Bro. ab Ense was asked to reveal more about the identity of Bro. von der rothen Feder he burst into tears and assured his questioners with the warmest emotion that ‘to do so would be against his oath and his conscience’ and that, if he revealed his identity completely, then ‘he would upset certain more worthy persons.’ Earlier that same year at the convention of Hamburg he with great difficulty presented a document in cipher which was supposed to be his patent of authority. Ultimately he only showed it to four brethren, none of which could decipher let alone read it.

Masonic members patent in cipher. From Den Danske Frimurerorden Archiv.

Ultimately von Hund never revealed the identity of his initiator and took his secret with him to the grave in 1776, his fortunes greatly reduced through his support of the Order. This started the terminal decline of the Strict Observance. Only recently has his patent been deciphered, but sadly no new information has been gleaned from the transcript, as it is merely a recounting of his initiation by the so-called Knight of the Red Feather. In the subsequent convents after his death, Carl the Duke of Södermanland was proposed and elected Grand Master of the Order in 1778 at the convention of Wolfenbüttel, and only two years later resigned. Carl’s election was rejected by the Grand Lodge of the Three Globes in Berlin, who withdrew from the Order, and thus the unravelling began in earnest and culminated at the convention of Wilhelmsbad in 1782. At this convention the association with the Knights Templar was officially removed, and the French Brethren coalescing around the orbit of Jean Baptiste Willermoz officially proposed that the new reform ritual constructed by Willermoz in 1778 and being worked in France under the CBCS, be adopted as the official ritual. This proposition was rejected by the German Lodges, and the Strict Observance ceased to exist in precisely the same manner it came into existence; at a convention. It had become clear even in von Hund’s lifetime that there were never really any Unknown Superiors directing the Order, and this issue was amplified after his demise.

Labor uiris conuenit; Labour is suitable for men. From Den Danske Frimurerorden Archiv.

The death of the dominant Rite in Germany created a massive power vacuum, that was quickly filled by her daughter systems. The real legacy of the Strict Observance therefore is that it was the mother of several subsequent high degree systems, and its scope and influence forever changed Freemasonry in Europe.

Were the Illuminati a counter movement? The answer will, apparently, be a “yes and no”. The entire organization adopted structures, yet the Illuminati as represented by Knigge at the convention of Wilhelmsbad, made eventually a major acquisition of J. J. C. Bode who in turn with Knigge brought many members of the Strict Observance with them into the Illuminati. Ultimately the convention of Wilhelmsbad ended the Strict Observance while at the same time gave birth to the CBCS. The Illuminati were a counter movement of and the antithesis to the CBCS, and were in competition not only with them, but also with the Gold und Rosenkreutzer Orden for the members of the Strict Observance.

The present data set

The main source of the present input have been the 1,189 members of the Strict Observance listed in the 19th century – privately printed in 1846 by a Brother Berndt, composed by a Brother von Lindt, known as the Verzeichniss sämmtlicher inner Ordensbrüder der Strikten Observanz. These are the members of the “inner order” and from this perspective the most valuable and influential list possible.

The fusion of this list into FactGrid created a much larger data set of now 1,596 members – certainly without reaching the complete number. Hermann Schüttler had identified several new members, but the largest subset came here with the input of the 4,200 18th-century Swedish Freemasons which Andreas Önnerfors provided earlier in 2020.

The dynamic list is with all these inputs conclusive on the leadership level of the Strict Observance yet it will not fully account for the lower ranking members at the local levels, which will create the largest position of the membership. Over time these local records will be populated, and the overlaps to other organizations will grow more substantial.

We will now have to learn how to use these data. Von Lindt’s, Verzeichniss sämmtlicher inner Ordensbrüder der Strikten Observanz was a defined paper publication. One could run through its lists to identify a particular member with its internal name and localization, but the database does this job far better. Type in any of the internal names into the basic search field and you will be in the data set of the person who adopted this name. Our list is enriched with name variants in the aliases – you get the variants in the autocomplete when looking for a person’s data set.

At present,  we are now handling information in a web of interconnected statements; the entries of all members including information on the provinces and the local affiliations. If you are ready to modify the following script, you get the listings for any prefecture you are interested in or run any other filter on the set like these two:

You can just as well create a network graph to see all these members in their respective local networks:

Screenshot: the local networks of the Strict Observance, detail view

The following searches gives you the list of the provinces with their respective prefectures – on a table and on the map – both lists are useful as they give the Item numbers or specified explorations of the prefectures and provinces

Many of the members have career statements on their personal records. The following bubble graph gives the full spectrums without further accumulation – not very practical as this gives a pattern of a load of variations. The statements are, however, part of a provisional classification, so that you can also sort them under a first classification – links two and three give this homogenized pattern in bubble and bar charts:

The representations remain problematic as they accumulate practically all the career statements made on all these persons over their respective lifetimes. It is not that easy to formulate a search that asks for everyone’s position in a year like 1780 – both the search and the data have to be prepared for such a representation.

Many of those listed have further membership statements on their items. It is easy to create a table of all these membership statements – and to convert this table into a bubble chart that shows the size of these overlaps.

Age profile of the Strict Observance in 1782
Age profile of the Illuminati in 1782
      • The age profile is extremely interesting to evaluate organizations. The pattern has, if given by year of birth, its coincidental ups and downs; a moving average or a distribution by decades would straighten that; but it gives an idea of the outreach of the respective organisation. The Strict Observance was an organization for advanced Freemasons, for men between 35 and 65. The Illuminati wanted to educate and form their members; they were particularly eager to recruit students, and this is clearly visible in their far younger profile with its first peaks in the late 20s. Both graphs state the situations for the year 1782:

    The biggest problem with data as we have them now is that the further categorization is lagging behind. It would be easy to give the medieval three estates of church, nobility and peasants – the 1780s are, however, no longer the era for such a simple pattern. Academics had gained a distinction; the nobility called for a far clearer differentiation between the ruling princes and lower ranks of all sorts. A huge group of citizens had grown over last 500 years and called for complex patterns. We would need social historians to categorize our the biographical datasets – no trivial task in a database that bridges through the centuries.

    Designed to accumulate and aggregate data

    The main advantage of the present data set is that it is now extremely open. You can download the set with any arrangement of statements you are interested in, as far as these statements are made on persons in the set – and here FactGrid has a wealth of unprecedented information on many of the members. All data are CC0, that is free to be used in any other environment, whether you want to publish such a list in book form or whether you want to run visualizations in software-environments of your choice.

    The far more interesting use will be online and in the database. FactGrid is distributing accounts; the data sets presented with this post are open to be augmented and aggregated into any direction. One would love to have lists like these for all the masonic organizations that competed on the late 18th century market. It would be extremely interesting to understand the membership careers, the biographical movements on the constantly changing landscape of competing or well-connected associations.

Die Illuminaten-Akten online: Die Obduktion der Schwedenkiste

Unser Wissen über den Illuminatenorden hat sich in den letzten 20 Jahren im kleinen Expertenkreis grundlegend verändert. Die Zäsur bilden die 1990er Jahre, mit denen nach dem Fall der Mauer die Schwedenkiste größtenteils zugänglich wurde. Der Bestand gehörte ursprünglich Gothas Freimaurerloge. Die NS-Behörden hatten ihn im Dritten Reich beschlagnahmt, die sowjetischen Besatzer nach dem Krieg nach Moskau verbracht und am Ende bis auf den zehnten der 20 Bände der DDR zurückerstattet. Mit deren Ende gelangte dieser Bestand von Merseburg in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Wer ihn erforschen will, muss sich heute mit dem Besitzer, der Großloge „Zu den drei Weltkugeln“, verständigen – das Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz macht diese Bände als Depositum zugänglich.

Vor dem Wiederauftauchen der Schwedenkiste in den 1990er Jahren basierte die Forschung im Wesentlichen auf den Materialien, die der Bayerische Staat Mitte der 1780er Jahre beschlagnahmt und publiziert hatte, sowie auf den Publikationen Adam Weishaupts und seiner ersten Mitstreiter, die auf die Entdeckung unmittelbar mit weiteren, nun verteidigenden Einblicken reagierten.

Das Bild, das man damit bis in die 1990er Jahre vom Illuminatenorden hatte, blieb auf den bayerischen Geheimbund fokussiert, den der bayerische Staat in Etappen nach 1784 verboten und verfolgt hatte. Die Dokumente, die Bayerns Regierung publizierte, zeigten eine Organisation, die höchste Kreise erfasst hatte, und die sich ansonsten als freimaurerisches Hochgradsystem verbreitete – die idealistischen und idealisierenden Gradtexte waren zentral. Klar war wohl, dass der Orden ausgriff, und dass Männer wie Goethe und Herder ihm außerhalb Bayerns angehörten, doch ließ sich in dieses Geflecht nicht sehr viel tiefer eindringen.

Die Phasen des Illuminatenordens 1778 bis 1788

Die Schwedenkiste ist im Wesentlichen der illuminatische und in Randaspekten freimaurerische Aktenbestand Johann Joachim Christoph Bodes und Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Bode war 1783 vom jungen Freiherrn Knigge für den Orden gewonnen worden. Dieser hatte von Hessen aus seit Beginn der 1780er Jahre den Ausbau des Ordens maßgeblich vorangetrieben, indem er ihn konsequent zu einem freimaurerischen Reformprojekt, wenn nicht zu einer neuen Alternative jenseits der Freimaurerei umgestaltete. Knigge rekrutierte unter hochrangigen und unzufriedenen Freimaurern und schuf Loge um Loge, dort, wo er Mitglieder generierte, eine freimaurerische Binnenelite, die sich fortan unter dem neuen Dach der Illuminaten traf. Allein 500 der am Ende 1340 Illuminaten will er aufgenommen haben.

Bode war die prestigeträchtige und umstrittene Erwerbung, über die Knigge zu Fall kam. Mit Bode sollte die größte deutsche Vereinigung der „Hochgradmaurerei“, die „Strikte Observanz“, gekapert werden, und Bode sollte deutsche Fürsten in den Orden bringen. Weishaupt und seine ursprünglichen Mitstreiter waren weitgehend gegen die Aufnahme von Regenten wie gegen die Aufnahme höherer kirchlicher Würdenträger. Bode blieb im Orden, ebenso die drei Fürsten, die er im Eklat aufnahm, doch musste Knigge gehen und Bode ein Innehalten versprechen.

Im Spätsommer 1783 begann Bode die Arbeit am Aufbau der ihm zugewiesenen Provinz. Von Weimar, „Hieropolis“, aus würde er die Illuminaten in „Ionien“, Thüringen organisieren. Seinerseits sicherte sich Bode durch einen strategischen Schachzug im Orden ab, indem er Gothas Ernst II. 1785 in die Position des deutschen „Nationals“ brachte – ihm und nicht Weishaupt unterstand er damit.

Grob können wir damit heute mindestens drei Orden vorsichtig voneinander trennen: den bayerischen Orden, den Weishaupt und seine Mitstreiter ab 1778 aufbauten (1776 hatte man nur einen losen Studentenbund unter dem Namen Perfectibilisten gegründet) – seine Ära geht bis in die bayerischen Verbote und „Verfolgungen“ 1785/86. Ein maßgeblich von Knigge außerhalb Bayerns vorangetriebener Orden steht dem mit den frühen 1780er Jahren zur Seite – unter komplexen persönlichen Spannungen zwischen allen, die über sein weiteres Schicksal (vor allem über eine Demokratisierung der Ordensführung) diskutieren. Mit Bode entfaltet sich zwischen dem Frühjahr 1784 und dem Sommer 1787 Thüringen als neue führende Provinz mit einem Orden, in dem nun Regenten hinter den Kulissen Positionen einnehmen.

Über diese letzte bedeutende Provinz sind wir mit der „Schwedenkiste“ seit den 1990er Jahren eingehender informiert – keine nebensächliche Akzentverschiebung: Adam Weishaupt wurde 1786 von Gothas Regent in Schutz genommen. Eine Position als Gothaer Rat gestattete ihm das Unterkommen in Regensburg und dann ab 1787 und für den Rest seines Lebens in Gotha.

Die Schwedenkiste: Einblicke in ein bürokratisches Monster

Im puren Volumen stellt die Schwedenkiste den Aktenbestand, der in den 1780er Jahren in München verlässlich publiziert wurde (und der später verloren ging), vollendet in den Schatten. In 20 Foliobänden sind hier über 6354 Dokumente – fast 22.000 Dokumentenseiten – geordnet. Wir wissen nicht, was die originäre Ordnung dieses Bestandes war. 1794 gelangte er, nach dem Tod Bodes, von Weimar nach Gotha. Dort wurde er mit Akten Ernsts II. und der Gothaer Minervalkirche (das illuminatische Äquivalent zu den Logen) aufgestockt. Nach dem Tod Ernst II. ging dieser Bestand, wie testamentarisch 1804 verfügt, an das Archiv verbrüderter Freimaurer nach Stockholm. Aus Schweden kehrte er 1881 nach Gotha zurück – in der „Schwedenkiste“. Von da an dauerte es nochmal mehrere Jahrzehnte, bis man den Bestand ordnete: 1908 brachte ihn der Üllebener Pfarrer Carl Lerp in seine gegenwärtige Ordnung, indem er in einer durchaus rabiaten Aktion die Dokumente zum Teil sehr willkürlich sortierte und mit Leim auf Pappseiten klebte, die dann von einer Gothaer Buchbinderei zu den bis heute so gefügten 20 Bänden zusammengebunden wurden.

Lerps Eingriff von 1908 macht es heute schwer, die originalen Zusammenhänge besser zu erfassen; andererseits verdanken wir seiner Klebearbeit die Gewissheit, dass seitdem zumindest nichts mehr abhanden kam – nicht unter den nationalsozialistischen und nicht unter den sowjetischen Behörden. Lerp fixierte seine Dokumente, nummerierte sie konsequent durch und listete sie grob.

Jedem, der sich diesem Bestand nähert, ist eine massive Einarbeitung abverlangt. Alle Namen von Sendern, Empfängern und Beteiligten sind verschlüsselt, alle Ortsnamen, wenn Ordensdinge berührt sind. Die Datierungen erfolgen in einem pseudo-persischen Kalender, in dem die Illuminaten sich selbst laufend verheddern. (Das Jahr, exakt 600 Jahre zurück, darf nicht am 1. Januar schon eins hochgezählt werden, erst am 21. März – da werden laufend Daten der ersten drei Monate um ein Jahr verfehlt abgelegt).

Die Verschleierungen mit Ordensnamen, -orten und -kalender sind oberflächlich. Komplex ist im Orden organisiert, wie transparent – genauer semitransparent – die Kommunikationen stattfinden. Jedes Mitglied schreibt monatlich zumindest ein „Quibus Licet“, einen Bericht, den jeder „Unbekannte Obere“ im Orden lesen darf in den Orden hinein. Zwei Monate später erhält es in seiner Minervalkirche die Antwort eines gewissen „Basilius“ zurück, eine „Reproche“. Die zwei Monate Verzug müssen verschleiern, wie weit Basilus entfernt ist, und erfordern eine laufende künstliche Informationsbevorratung hinter den Kulissen.

Zu den Quibus Licet und Reprochen von und an die 81 Thüringer Mitglieder der Minervalkirchen in Syracus (Gotha), Lycopolis (Erfurt), Butus (Jena), Aquinum (Rudolstadt) und Piacentia (Buttstädt) kommen die Aufsätze, die die Mitglieder zu den lokalen Sitzungen schrieben, die Sitzungsprotokolle der Minervalkirchen und Magistrate, die an Bode gingen, und Bodes Berichte an Ernst II. Bode verfügte zudem über eine weit nach Deutschland ausgreifende Mitgliederdatei, heute der in Moskau liegende doch im Digitalisat bekannte zehnte Band; er korrespondierte wie Ernst II. auf höheren Ebenen; beide sammelte Debattenniederschläge aus der internen Reformdiskussion und Informationen aus Streitfällen.

All dies schafft heute ein äußerst dichtes Informationsgefecht – jenes Geflecht, aus dem der Orden seinerzeit seine Macht gegenüber den Betreuten bezog: Wer in ihn eintrat, war gezwungen, sich laufend zu allen Themen und höchst persönlich schriftlich zu äußern. Der Orden stand ihm dunkel gegenüber; doch betreuten ihn „Unbekannte Obere“ laufend mit dem Bekunden, an seiner intellektuellen Fortenwicklung teilhaben zu wollen – und sie waren bestens über jeden zu Betreuenden informiert.

Verschwörungstheoretiker vermuten in der Regel, dass Geheimorganisationen keine Spuren hinterlassen. Das Gegenteil ist der Fall: Eine geheime Organisation muss kommunikativ sein, wenn sie den Mitglieder glaubhaft versichern will, dass sie existiert. Sie sollte bürokratisch Daten sammeln – der Illuminatenorden tut das bis in die Charaktertabellen hinein, die jeder über sich zu Beginn einreichen muss – um sicherzustellen, dass sie die Mitglieder kennt, denen höhere Ebenen ja nur im Ausnahmefall auch einmal persönlich begegnen.

Die Schwedenkiste erschließen: Ein in mehrfacher Hinsicht komplexes Projekt

Die Schwedenkiste zu erschließen, ist ein Forschungsdesiderat, dem man sich ohne eine Datenbank nur höchst unbeholfen annähert.

Nahezu alle Dokumente sind handschriftlich fixiert. Jedes Dokument muss erschlossen werden: Wer schreibt hier tatsächlich, von wo, wann genau (wenn man die hunderte Datierungsfehler einkalkuliert)? Wer las? Die Absender wissen regelmäßig nicht, an wen sie genau schreiben. Wir wissen aber, dass der lokale Superior zumeist der Erstleser ist, dass Basilius der zentrale Leser ist – in der Provinz Ionien (Thüringen) ist das Aemilius (Bode), der aber eben nicht den Ordensnamen Aemilius je zusammen mit dem Funktionsnamen Basilius verwenden darf. Wir wissen, dass Bode Schriftstücke weitergibt – nach oben, aber auch an Mitarbeiter, die ihm eine Vorauswertung vorlegen oder gar seinen Posten bei Abwesenheiten übernehmen. Schreiber arbeiten für Bode, auf dass seine Handschrift ihn nicht verrät. Diese laufende Semitransparenz von Kommunikation lässt sich nur in einer Datenbank klarer erfassen.

Seiten aus dem 10. Band der Schwedenkiste. Deutlich sichtbar, wie hier Dokumente lagenweise (und darum oft schwer entzifferbar) eingeklebt sind.

Kaum ein Forschungsprojekt kann sich in den regulären drei Jahren Förderdauer in das Gewirr einarbeiten und einen Forschungsband aus dem Gewirr heraus vorlegen. Klug wäre es, Eingearbeitete würden eine Crowd-Erschließung betreuen. Mit ihr würde es vor allem darum gehen, die internen Bezüge dieser Akten wiederherzustellen, zu erfassen, was da auf was jeweils die Antwort ist – die Ordensbürokratie überliefert laufend intern bewahrte Vorschriebe, mit denen wir wissen, wie eingehende Briefe beantwortet wurden.

Was wir benötigen, ist eine Datenbank, die alle 21.723 Digitalisate verwaltet und die sich für deren beliebige interne Vernetzung offen erweist, eine Software, die daneben die kollektive Transkription von Bilddateien erlaubt. Die Wikisource-Software ist hier wie keine andere geeignet.

Zu den Voraussetzungen eines solchen Projektes gehört im selben Moment eine größere Übereinkunft unter großem wechselseitigen Vertrauen: Eine Kooperation zwischen

  1. der Großloge „Zu den drei Weltkugeln“ als Eigentümerin des Materials,
  2. dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, das dieses Material zugänglich macht,
  3. einer Forscher-Gruppe, die die breitere Erschließung mit ausgewiesener Expertise verantwortungsvoll betreute, und
  4. einem Partner, der in der Lage ist, eine international agierende Community auf ein solches Projekt anzusetzen und die genutzte Software an Problemfällen wachsen zu lassen (Wikimedia Deutschland bietet sich hier an).

Über den Tellerrand gesehen

Spannend wird die Erschließung des illuminatischen Aktenbestandes in der Sekunde, in der die benutzte Ressource neue Recherche-Angebote macht. Bei der Durchleuchtung des Illuminatenordens wird man von Visualisierungen der Beziehungsgeflechte und Kommunikationsgefüge profitieren. Von wo nach wo flossen in diesem Orden die Informationen? Wie wurde unterschiedliche Transparenz des Informationsflusses eingesetzt? Welche Beziehungsnetze ergaben sich mit der Hierarchie? Welche Beziehungsnetze unterliefen die Hierarchieebenen? Wie weit wussten einzelne Mitglieder Seilschaften im Orden zu handhaben?

Statistische Auswertungen werden interessant sein: In welchen Schüben erweiterte sich der Orden geographisch? Wie veränderte sich im Verlauf die Mitgliederstruktur? Inwieweit hob der Orden Konfessionsschranken auf, inwieweit zeichnen sie sich in ihm ab? All dies sind Fragen, die die Arbeit mit einer Datenbank einfordern, und diese wiederum wird unmittelbar weitere Projekte in ihren Bann ziehen: Der Illuminatenorden infiltrierte die kontinentaleuropäische Freimaurerei. Sie wiederum ist nur die Spitze des Eisbergs in einem sehr komplexen Sozietätenwesen, das im Lauf des 18. Jahrhunderts die alten politischen und territorialen Strukturen neu vernetzte – unter Maßgabe neuer bürgerlicher Interessen mit einem erheblichen Bildungsanspruch, der am Ende ins 19. Jahrhundert weist.

Das Spannende am Illuminatenorden liegt im selben Moment laufend außerhalb dieses Bestandes: Ein enormes öffentliches Interesse gilt den Illuminaten: das Interesse von Verschwörungstheoretikern und das Interesse einer breiten Öffentlichkeit, die nicht versteht, wovon diese Verschwörungstheoretiker hier träumen.

Der Orden erweist sich dabei als sehr modernes Konstrukt einer Informationen akkumulierenden Institution, jedoch auch als ein Konstrukt, das klar macht, wo die Verschwörungstheorien haken: Einen solchen Orden zu betreiben, ist hochgradig ineffizient; die Struktur, die dabei entsteht, kann sich selbst im Verlauf nicht mehr reformieren. Die Basis kennt nur lokale Strukturen und bleibt desorientiert zurück, wenn die höheren Ebenen das Projekt aufgeben.

Die heutigen Verschwörungstheorien sind in ihrer ersten Phase den Jahren zwischen 1786 und 1800, der Nachhall dieser Desorientierung.

Links etc.

  • The Gotha Illuminati Research Base. Link
  • Metadaten zu den knapp über 6000 Dokumenten der “Schwedenkiste”, des zentralen Aktenbestands im Nachlass des Illuminatenordens. Link
  • Renate Endler, „Zum Schicksal der Papiere von Johann Joachim Christoph Bode“, in: Quatuor Coronati, Jahrbuch 27 (1990), S. 9–35.
  • Renate Endler, „Band X der Schwedenkiste aufgefunden“, in: Quatuor Coronati, Jahrbuch 31 (1994), S. 189–97.
  • Olaf Simons/ Markus Meumann, „‚Mein Amt ist geheime gewissens Correspondenz‘. Bode als ‚Unbekannter Oberer‘ des Illuminatenordens“, in: Cord-Friedrich Berghahn/ Gerd Biegel/ Till Kinzel (eds.), Johann Joachim Christoph Bode. Studien zu Leben und Werk [= Germanisch-Romanische Monatsschrift, Beiheft 83] (Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2017), S. 435–504.