Zwei neue Illuminatenlisten und einige grundlegende Gedanken zur Erfassung von Listen in FactGrid

Datensätze im Überblick

Dass mit seinem 250jährigen Jubiläum zwei neue Mitgliederlisten aus dem Illuminatenorden auftauchen würden (genauer: eine Liste in zwei Versionen), war nicht abzusehen. Tatsächlich zirkulierten ausgewählte Scans bereits etwas früher. Grundlegend neue Erkenntnisse, so die Einschätzung Reinhard Markners, der die Scans früher sah als ich, schienen hier nicht zu erhoffen.

Ich ließ mich auf den eingehenderen Blick ein, schon allein, da ich lange mit dem Gedanken einer Online-Edition aller Illuminaten-Dokumente spielte – aber auch, weil FactGrid es einfach macht, Listen sehr präzise zu verorten.

Jakob Bader, der uns die Seiten zusandte, zeigte sich extrem aufgeschlossen, uns hochauflösende Scans zukommen zu lassen und sah keinen Grund, warum wir sie nicht unter der offenen CC0-Lizenz auf Wikimedia Commons hochladen sollten, was es nun sehr viel einfacher macht, im wissenschaftlichen Austausch über sie nachzudenken. Hier die Digitalisate:

  • Vierseitige “Lista Illuminatorum” aus dem Besitz Sebastian Knorrs, Seiten 4+1/ Seiten 2+3
  • Zweiseitige “Lista Illuminatorum” aus dem Besitz Sebastian Knorrs, Seite 1/ Seite 2

Die interessante Liste ist die vierseitige – eine planvoll und repräsentativ angelegte, unerwartet strukturierte.

Vierseitige Lista Illuminatorum aus dem Besitz Sebastian Knorrs 1+4
Vierseitige Lista Illuminatorum aus dem Besitz Sebastian Knorrs, Seiten 4 und 1

München, 1784/85

Die beiden Listen sind offensichtlich authentisch, in München für die Orientierung im Gefüge der umliegenden Minervalkirchen verfasst. Man wird sie beide auf 1784/85 datieren können. Auf beiden ist der Name Sebastian Knorrs hervorgehoben; Jakob Bader erklärte nebenbei, über welchen familiären Umweg die Listen zu ihm gelangten.

Beide Listen stammen von verschiedenen Schreibern. Die zweiseitige Liste, ist offenbar eine im Fragment – bei Nummer 121 – endende Kopie der vierseitigen, die im Bogenformat beschrieben ist. Einmal gefaltet lässt sie sich von Seite 1 (vorne rechtsseitig) bis Seite 4 (im ausgebreiteten Zustand vorne links) durchblättern. Aufgeschlagen liegen auf der Innenseite die Seiten 2 und 3 einander gegenüber.

Die vierseitige Liste wurde über eine ganze Zeit hinweg benutzt, das zeigt sich vor allem am Ende, wo sieben Namen von anderer Hand nach und nach hinzugefügt wurden. In Bleistift notierte zudem jemand bei einigen der Überschriften die Klarnamen der Minervalkirchen. Eintrag 111, der Name Knorrs, ist in beiden Listen unterstrichen – mit blauem Buntstift, nachträglich, in der vierseitigen. In der zweiseitigen unterstrich der Schreiber den Namen dagegen noch beim Schreiben sofort mit Tinte.

Dass die zweite Liste eine Kopie ist, wird im Eintrag 17 zu Thomas Walpole besonders deutlich: Der Schreiber der vierseitigen Liste hatte noch halbwegs korrekt „Wallpolls“ notiert, sein großes W kam dabei wie überall in seiner Aufstellung einem großen K nahe. Der Schreiber der zweiseitigen Liste las hier, den echten Namen nicht kennend, in der Folge „Kallpolls“.

Für die Datierung auf 1784/85 sprechen inhaltliche Aspekte: In der vierseitigen Liste sind im Verlauf mehrere Mitglieder als im Dezember 1783 ausgetretene notiert; der Austritt ist da schon vollzogen, er ist nicht im Nachhinein notiert. Den terminus post quem bietet jedoch der Eintrag 100:

Xaver v. Pettenkofer Hofr. Orestes †

Der Eintrag ist in sich unstimmig: Franz Xaver von Pettenkofer (1754–1826) firmierte im Orden als „Pylades“; es war sein Bruder Joseph Carl von Pettenkofer (1754–1784) alias „Orestes“, der am 13 April 1784 starb. Offenbar konnte der Schreiber die Zwillings(?)brüder nicht auseinanderhalten.

Die am Ende hinzugesetzten sieben Namen stammen nicht von später noch eingetretenen Mitgliedern; es sind, soweit wir die respektiven Eintrittsdaten ermitteln können, Namen von Personen, die dem Anschein nach bei der ersten Aufstellung vergessen wurden.

Die Ordensverfolgung begann am 2. März 1785. Wann genau es für die Münchner Mitglieder ratsam wurde, sich selbst nicht mehr dem Orden zuzuordnen, ist nicht klar zu sagen; hier dürfte der terminus ante quem liegen. Die vierseitige Liste spricht immer noch vom Selbstbewusstsein der oberbayerischen Organisation und offenbar auch vom Stolz ihres Besitzers, sich in dieser Gesellschaft wiederzufinden.

Keine bloße Namensliste

Auch die vierseitige Liste mit ihren 248 Einträgen und sieben Nachträgen ist weit von einer Gesamtliste des Ordens entfernt. Es ist unwahrscheinlich, dass es eine solche je gab. Der Orden gliederte sich in Provinzen (mehrfach veränderter Aufteilung), deren Leiter einzelne Listen generierten. Von 2000 bis 2500 Mitgliedern soll Adam Weishaupt ausgegangen sein, so spätere Aussagen. Die neuen Listen erfassen die Situation von München aus mit punktueller Offenheit. So sind mit den Nummern 61 und 62 Göttinger Professoren München zugeordnet. Deren Namen Meiners und Feder waren dem Schreiber offenbar nicht geläufig. „Feiner“ und „Ayder“ notierte er dem Anschein nach von einer ihm vorliegenden unleserlichen Notiz (gefürchtet war aus Göttingen die Handschrift Benjamin Koppes).

Münchens Minervalkirche (das illuminatische Pendant zur regulären freimaurerischen Loge) erscheint unter zwei Rubriken zwischen den umliegenden. Die regionale Strukturierung wird dabei von einer funktionalen Sortierung überlagert. Im eröffnenden Logenzeichen ▭ finden sich in beiden Handschriften drei Punkte, offenbar für „die Mitglieder der Loge“. „▭ Soli“ wird man als „Loge allein“ lesen. Um dem einen Hintergrund zu geben, muss man verstehen, was der Orden machte: In Nachbarschaft einer bestehenden Freimaurerloge oder neben einer aus dem Orden heraus aufzubauenden, wurde eine Minervalkirche eingerichtet, deren Treffen privat und geheim stattfanden. In die Minervalkirche wurden Kandidaten aufgenommen, um an intellektuellen Debatten teilzunehmen, bevor sie nach drei internen Illuminatengraden von hier aus Freimaurer wurden, die nun in der Loge auftauchten – wo sie einige Logenmitglieder bereits aus der Minervalkirche wiedererkannten, zwischen anderen jedoch incognito als Illuminaten agierten. Die Minervalkirche wurde von hochrangigen Maurern geleitet, die im “Minervalmagistrat” eigene administrative Treffen abhielten. Hier das Schema, wie der Orden damit reguläre Logen wie ein Sandwich umschloss, sie von unten mit eigenen Mitgliedern versorgte, und über ihnen eine geheime Dachstruktur etablierte:

Die Liste Sebastian Knorrs ist, was München anbetrifft, primär an der Identifikation von Illuminaten interessiert, die in der Freimaurer-Loge auftauchten, aber nie in den Minervalkirchen. Ein höherer Kreis des Ordens wird damit greifbar und in zwei Gruppen nach Status in der Freimaurerei differenziert, so die letzte Rubrik, die noch einmal ausschließlich Logenmeister umfasst:

  1. Status Ecclesiae Aul[icae] Athen[arum] ▭ Soli
  2. Ordens Großmeisteramt
  3. Status Ecclesiae Ephes. [Ingolstadt]
  4. Status Eccles. Thebanae [Freysing]
  5. Status Ecclesiae Megarensis [Landsberg]
  6. Status Eccles. Atheniens. [München]
  7. Status Eccles. Neuphj [!] [Straubing]
  8. Status Ecclesiae Corinthiae [Regensburg]
  9. Status Ecclesiae in Menea. [Burghausen]
  10. Lista der Log. Meister so nur die Loge besuchen.

Das genannte „Großmeisteramt“ ist offenkundig nicht der „Areopag“, das Leitungsgremium des Ordens, auf das dessen höchste Ränge drangen, um Weishaupts drohendem „Despotismus“ etwas entgegenzustellen. Über das im Aufbau befindliche in manchen Illuminatenakten genannte „Geheime Kapitel“ ist im Moment nicht genügend bekannt, um einen Abgleich vornehmen zu können.

Forschungsrückblick

Wenn es heute vergleichsweise leicht ist, Listen wie die vorliegenden mit dem Forschungsstand abzugleichen, dann ist das vor allem Hermann Schüttlers bahnbrechender Arbeit zu verdanken. Seine Aufstellung Die Mitglieder des Illuminatenordens, 1776-1787/93 (Munich: ars una, 1991) reformierte die Forschung binnen eines Jahrzehnts. Bis zu ihr standen die „bayerischen Illuminaten“ im Zentrum: 1785/86 wurden sie von den Landesbehörden zur Staatsbedrohung erklärt. Weishaupt und der Staat publizierten wenig später im Ringen um die Deutungshoheit, und Provinziale wie Bode in Weimar notierten, dass erst das den Orden so richtig zugrunde richtete. W. Daniel Wilsons Geheimräte gegen Geheimbünde. Ein unbekanntes Kapitel der klassisch-romantischen Geschichte Weimars (Stuttgart, 1991) ergänzte das sich abzeichnende Bild im selben Jahr mit einem problematischen Blick in die Herzkammer der deutschen Klassik: Goethe war am 11. Februar 1783 Illuminat geworden. Das ist zwar korrekt, doch kam in Weimar keine Minervalkirche zustande. Bode wurde in Weimar aktiv, der Provinzial Ionies/Obersachsens, der von hier aus fünf Minervalkirchen in Gotha, Erfurt, Rudolstadt, Jena und Buttstädt betreute. Von einem Kampf der Geheimräte gegen den Orden wird man nicht sprechen können. Bode lud den Weimarer Herzog und seine ranghohen Regierunghsmitglieder ein, wohl um nicht im Geheimen agieren zu müssen. In Gotha war Ernst II. ranghöchstes Mitglied – seinen Bruder in Weimar außen vor zu lassen, wäre politisch unklug gewesen. Erst 1789 und mit den Ereignissen der Französischen Revolution begann eine Ära, in der Logen und die Illuminaten als ein geheimer Logen-Verband, heikel wurden – Der Orden existierte da bereits nicht mehr, das wissen wir, da wir mit der Schwedenkiste den Zusammenbruch des Ordens bei wachsender interner Ratlosigkeit nachvollziehen können.

Schüttlers Liste bot 1991 neuartig ausgewogen die weitesete Perspektive: Hier waren auf einen Schlag 1255 Mitglieder namentlich erfasst und Orten der Ordensgeographie von Altona bis Wien zugeordnet. Zu allen Personen lieferte Schüttler Quellen – neuartig: auch aus der „Schwedenkiste“, deren der DDR von der Sowjetunion restituierte Bände (der 10. Band mit den Mitgliederlisten blieb in Moskau) er als erster nach dem Fall der Mauer durchgesehen hatte. Schüttlers Buch ging auf seinen ersten 170 Seiten die 1255 Biogramme durch; weitere 92 Seiten Anhänge folgten, die die Gelisteten nun nach Ordensnamen aufschlüsselten und den Standorten der Organisation zuordneten.

Hatte Schüttler sich lange Zeit mit dem Gedanken einer revidierten Neuauflage der Publikation von 1991 getragen, so entschied er sich 2015, diesen Plan weit einfacher im „Illuminaten-Wiki“ des Forschungszentrum Gotha umzusetzen, aus dem 2018 die Wikibase-Installation FactGrid hervorging. Die Items Q25 bis Q1379 wurden in der Folge mit den Biogrammen seiner Liste bestückt. Julia Mös legte 2018/19 die Fließtext-Biogramme aus dem aufgelösten Wiki auf die Diskussionsseiten der Items (vergleiche das Datenbankobjekt und das Biogramm Schüttlers im Fall Johann Joachim Christoph Bodes). Aus der Fließtextinformation der Biogramme machte sie im nächsten Schritt strukturierte Information der Datenbank. Es ist dies die Vorarbeit, dank derer wir heute einer neuen Mitgliederliste relativ zügig bereits bekannte Personen zuordnen können.

Nicht einfach zu bewerten

Der erste Arbeitsschritt war unkritisch: Zwei Datenbankobjekte für die zwei Listen aufzumachen und zur ersten die Einträge wie die tentativen Identifikationen zu notieren: Q1895676 und Q1896166. Die Datenbank macht die Zuordnungen bequem: noch beim Eintippen unterbreitet sie laufend Vorschläge, wen man meinen könnte, und reagiert dabei auch auf die Ordensnamen. Eine andere Frage ist, ob man der Liste nach einem solchen Durchgang Quellenwert beimessen will. Es ist in diesem Fall ein Leichtes, die Aussagen zu extrahieren und nun personenseitig mit einem P91-Statement als Mitglieder auszuweisen. Das Dokument wird dabei zur laufende Quelle. Ich ging diesen Schritt am Ende, da ich die Liste zunehmend als aufschlussreiche Quelle einstufte. Hier die Liste in einer Datenbankabfrage:

Von der Liste lässt sich ein beliebiges Kurzlink (https://t1p.de/dnhdx) generieren, das sich danach im Kollegenkreis verbreiten lässt. Wir gehen im Austausch angenehm direkt miteinander um, und Reinhard Markner kommentierte umgehend kritisch. Er hatte die Liste schon vorher gesehen und nicht minder nüchtern eingeschätzt:

Ihren Quellenwert schätze ich aus den Gründen, die Du ja selbst nennst, nicht allzu hoch ein. Zu Vacchiery z. B. siehe hier.

Der Bezug gilt dem Brief, den Ferdinand Maria Baader am 27. Januar 1782 Weishaupt schickte mit Verdruss über einen der Männer, die in dieser Liste nun auftauchten – Carl Albert von Vacchiery (1746–1807) gehörte ins Feindeslager:

Die werden alle Tage grösser – vacchiery ist Hofrathsvicedirector geworden. Morawitzky hat alle Hoffnung Minister zu werden – zu seiner bekannten Unthätigkeit kömmt nun auch noch die Bibellesung – die er neulich wirklich aufgeschlagen hatte, als er Besuche bekam. Die R× in Berlin, wie mir Nicolai schreibt halten den Rosen×. in seiner Blösse 10 für ein Produkt von München.

Schüttler hatte Vacchiery und den genannten Morawitzky 1991 unter die Mitglieder gerechnet, Vacchiery 2015 entfernt, und jetzt rutschte der wieder in das Gefüge – Markner dazu weit grundsätzlicher:

…natürlich bin ich nicht dagegen, diese Liste auszuwerten, aber sie sagt leider wenig Belastbares über die Zustände (vor allem) in München aus, Vacchiery ist da nur ein Beispiel. In Hermanns gedrucktem Verzeichnis waren noch nahezu alle Mitglieder der Behutsamkeit aufgeführt, aber es spricht wenig dafür, sie für Illuminaten zu halten, wenngleich es ja Weishaupts Loge war. […] Das Problem mit der ‘Behutsamkeit’ ist, daß es von dieser Loge in München eine Liste gibt, in der die Mitglieder Tarnnamen tragen. Aber soweit ich mich erinnere, sind diese nirgends sonst bezeugt und insbesondere auch noch kein Indiz für Illuminatentum.

Die konstruktive Antwort auf den Einwand wird komplex sein: An den Listen vorbeizugehen ist, wie Markner selbst notiert, keine Option. Sie liegen vor und sie machen Aussagen, die einzustufen sind. Wir sollten alle Listen erfassen und zumindest auf Seiten der Listen notieren, wer da genannt ist, wie auch immer wir dazu stehen. Eine ganz andere Frage ist, wo genau mittlerweile das Projekt der monolithischen Liste angelangt ist, die Hermann Schüttler 1991 vorlegte – und das ist auch eine Frage nach dem „Illuminatentum“, das in Markners Replik sowohl einfach für Mitgliedschaft wie für eine kollektive Geisteshaltung stehen kann, die die Illuminaten miteinander teilten. Ein solches „Illuminatentum“ wird heute niemand mehr zu rekonstruieren versuchen.

Die vorliegende Liste ist offensichtlich das Werk eines Insiders, der mehr festhalten wollte, als den einfachen Mitgliedern in den Logen und Minervalkirchen sichtbar wurde. Auch er wird gewusst haben, dass man in der Loge zur Behutsamkeit eigene Code-Namen trug. Nehmen wir die Liste ernst, dann ist nicht die Frage, ob Vacchieri Mitglied war, sondern, was im Orden geschehen war, dass selbst ein Rosenkreuzer hier 1784/85 auftauchen konnte. Hatten Vacchieri sich bewegt? Die Alternative ist, dass der Orden Menschen wie ihn aufnahm, um sie im Gruppendruck, auf den sie sich einließen, zu bewegen.

Mit den Mitteln der Graph-Datenbank

Unter der Auswertung ließ ich die folgende (durch Anklicken vergrößerbare) Netzwerk-Visualisierung mitlaufen – ich halte sie hier als Bilddatei fest, da sich die Datenlage in rapidem Fluss befindet; wir haben gerade begonnen, die Listen jede für sich auszuwerten und kritisch zu vergleichen – das vorliegende Bild ändert sich (hier das Link für den jeweils aktuellen Stand https://t1p.de/tuckw):

Mitgliederlisten des Illuminatenordens, wo decken sie sich, wo erfassen sie vergleichsweise isolierte Netzwerke?

Ich verfolgte die Veränderungen des Bilds unter der Eingabe, da die Visualisierung mir den Vergleich mit bisherigem Wissen bot. Die Aufstellung aus dem Besitz Sebastian Knorrs fügt sich in bestehende ein, das spricht für sie. Die höchste Schnittmenge weist sie dabei mit der Liste auf, die 1787 die Originalschriften für die Jahre 1777 bis 1779 abdruckten. Nahe liegt der neuen Liste daneben die handschriftliche Liste von Mitgliedern, die sich im Lyoner Exemplar des Nachtrags von weitern Originalschriften (1787) findet, und die von Google Books reproduziert wurde – eine Liste von ganz anderer Funktionalität freilich, gemacht primär, um Ordensnamen zu dechiffrieren. Andere Listen, und das ist das Spannende an der Visualisierung, weisen dagegen gar keine Schnittmengen auf, weil sie in anderen Provinzen ohne Informationsabgleich entstanden.

Was uns im Moment fehlt, ist eine Auswertung aller zeitgenössischen Listen, insbesondere derjenigen die 1908 im zehnten Band der Schwedenkiste zusammengezogen wurden. Vielleicht beschleunigt dieser Blogpost die Arbeit an diesen Listen – wir verfügen über die Digitalisate auch des Moskauer Bandes. Meines Erachtens sind dabei gerade die Listen faszinierend, die zum Projekt einer autoritativen Gesamtliste das Wenigste beitragen. Dies (Schwedenkiste Band 10, Dokument 212) ist eine solche Liste – lokalisierbar auf Gotha, identifizierbar die Handschrift des Kammerherrn Joachim Friedrich Ernst von der Lühe, datierbar auf den Januar 1783:

Bode hatte im Spätsommer 1782 vom Wilhelmsbader Konvent zurückreisend in Gotha haltgemacht, um Ernst II. Bericht zu erstatten – auch vom Geheimsystem, mit dem Knigge ihn in Hanau bekannt gemacht hatte. Am 29. Januar 1783 trat der Herzog diesem Orden bei; von der Lühe und der Hofgärtner Wehmeyer folgten anderntags, am 31. zog der Meister der Gothaer Loge von Helmolt nach. Diese Namen sind unter G. wie Gotha notiert. N.W. steht für Neuwied. Beide Ortsnennungen zeugen davon, dass von der Lühe noch nicht über den geographischen Namensschlüssel verfügte, in dem Claudiopolis und Syracus die angemessenen Bezugspunkte gewesen wären. Die Verbindung beider Orte lässt aufmerken: Der letzte für Neuwied genannte Name ist der Stolberg-Roßlas, ab 1784 deutscher National des Ordens. Ernst II. wird diese Position ab 1785 einnehmen. Bode (aus Weimar) und Knigge (aus Nentershausen) werden stillschweigend unter G. notiert, da sie in der neuen Filiale die unmittelbaren Ansprechpartner sind. Als Quelle für die autoritative Mitgliederliste ist das Papier wertlos – bei den Neuwieder Namen scheitert von der Lühe in der korrekten Zuordnung. Als Momentaufnahme aus der Orientierung suchenden kommenden Filiale ist das Dokument dagegen unmittelbar aufschlussreich.

Eine weitere Liste von der Lühes (SK10-213) schließt an: Sie enthält eine Sammlung von Namen der vorwiegend griechischen Antike, Ordensnamen auf Vorrat, samt einer Idee dazu, welchen Funktionsgruppen welche Namen zugewiesen werden könnten. Tatsächlich erhielten schon die ersten Gothaer Mitglieder ganz andere Ordensnamen – solche aus der gesamten Geistesgeschichte. Dass sich zu ihnen interessante erste Aufsätze der Mitglieder in Auseinandersetzungen mit ihren Namenspatronen verfassen ließen, dürfte für die breitere historische Aufstellung gesprochen haben.

Die uns vorliegenden Listen weisen, darum ging es mir mit den Seiteblicken, unterschiedlichste Gestaltungen auf. Manche von ihnen scheinen Planungen Rechnung zu tragen: Wie könnte man den Orden neu strukturieren? Andere dieser Listen, wie die dem Lyoner Exemplar des Nachtrags zu den Originalschriften 1787 beigebundene, scheinen für die persönliche Orientierung verfasst gewesen zu sein – wer ist wer in den Korrespondenzen? Wieder andere sind, wie die Listen Knorrs, stolze Überblicke über eine Provinz und ihre hohe Mitgliedschaft. Gemeinsam zeugen sie von der akuten Problemstelle, an der die Geheimorganisation ihr ganzes Jahrzehnt hindurch krankte: Nichts war in ihr als offenes Wissen greifbar. Der Orden erzeugte im ganzen Berichts- und Betreuungswesen, ohne das weder Mitglieder noch Führung sich seiner Existenz lange gewiss sein konnten, eine kaum zu beherrschende Bürokratie. Spätestens wer in die höheren Ränge und damit in das Berichtswesen eintrat, brauchte Listen unterschiedlichster Funktionalität, von Orts- und Geographielisten über Listen der Ordensnamen bis hin zu den Kalenderschlüsseln für die Datumschiffrierung – und diese bilden im Gegenzug den Orden in seinen Funktionalitäten ab.

Die verschiedenartigen überlieferten Listen – wir sollten sie in ihren spezifischen Eigenarten auszuwerten. Unhandlich bleibt für den Moment, dass unsere tentative Gesamtliste nun auf 1311 Mitglieder angewachsen ist. 32 neue Namen sind darunter, über die wir erst einmal nicht viel wissen. Für sachdienliche Hinweise sind wir besonders bei dieser Auswahlliste dankbar:

https://t1p.de/4bvq9


PS. Mein besonderer Dank an Reinhard Markner für einige Korrekturen im Email-Austausch, die ich ohne Zögern einarbeitete.

Freimaurer, Illuminaten, Rosenkreuzer, Jesuiten, Alchemisten, Mesmeristen… — die verloren gegangene Bibliothek des letzten illuminatischen Ordensprovinzials

Johann Joachim Christoph Bode starb am 13. Dezember 1793, zwei Stunden vor Mitternacht – wohl an den Folgen der Zahn- und Kieferentzündungen, die ihm seit Jahren mit Anfällen von „Flußfieber und Zahnschmerzen” zu schaffen machten. Damit kam in Gang, was 1787/88 entschieden worden war.

Im Herbst 1787 hatte Bode von Weimar aus wieder einmal Gotha besucht. Seine Arbeit des letzten halben Jahrzehnts lag in Trümmern. Noch im Sommer hatte er sich in Paris bemüht, die Illuminaten aus der Schusslinie zu ziehen: „Philadelphen“ sollten sie in Zukunft, und damit endlich wieder geheim, heißen. Seit 1785 war mit „Illuminaten“ kein Geheimnis mehr zu machen. Bayerns Staat hatte alle Geheimorden und insbesondere diesen verboten. Bode hatte dessen ungeachtet als Provinzial „Ioniens“, Obersachsens, weiterhin Mitglieder aufgenommen. Niemand konnte schließlich wissen, ob es diese bayerischen Illuminaten wirklich gab. Doch die Publikationen Weishaupts hatten dann 1786 zunehmend alle interessanten Karten auf den Tisch gelegt. Die von Weishaupt publizierten Gradschriften offenbarten gerade das, was Mitgliedern auf dem Weg in das Geheimnis des Ordens erst entdeckt werden sollte. Während Bode im Sommer 1787 in Paris war, hatte, vollendet verheerend, der bayerische Staat nachgelegt und nun Weishaupt mit seinen Mitstreitern durch zwei Bände von Offenlegungen konfiszierter Akten persönlich diskreditiert.

Der Orden war im Herbst 1787 tot. Zuviel war jetzt publiziert. Für Bode war die Zeit gekommen, aus den eigenen Akten die Dinge richtigzustellen – so lautete wohl sein Vorschlag 1787 gegenüber Ernst II., dem Gothaer Herzog. Dieser, in der Hierarchie als „deutscher National“ eine Stufe über ihm, verbat jede weitere Publikation. Der Orden hatte seinen Mitgliedern Diskretion abverlangt und war diese ihnen im Gegenzug schuldig. Im März 1788 machte Ernst II. auf Besuch in Weimar die Sache mit Bode perfekt: Der Regent würde dem Provinzial das gesamte illuminatische Archiv für 1500 Reichsthaler abkaufen. Die Transaktion würde nach Bodes Tode stattfinden und ihm eine Geldsumme bescheren, über die er jetzt schon testamentarisch verfügen konnte. Bode notierte mit Zerknirschung Ende März im Tagebuch:

29 u 30. Daran gearbeitet meine Briefe, und auch die Ordenspapiere in eine erträgliche Ordnung zu bringen. Wolle nur der Himmel, daß diese Arbeit nicht dadurch vergebens gemacht werde, daß ihr künftiger Besitzer der Herzog von Gotha, solche dem Publikum vorenthält. [full transcript]

Genau darum ging es Ernst: diese Papiere dauerhaft der Nachwelt zu entziehen, wenn auch nicht schon zu vernichten.

Am 14. Dezember 1793 übermittelte Christian Gottlob von Voigt die Nachricht von Bodes Tod nach Gotha. Als Nachlassverwalter übernahm er die Inventarisierung des Bestandes und erfasste dabei nicht nur Freimaurer- und Illuminatenakten, sondern auch Bodes einschlägige Bibliothek.


Q400894

Bodes geheime Privatbibliothek

Aus Bodes freimaurerischen und illuminatischen Akten wurde im Zuge der Ereignisse, die am 14. Dezember 1793 in Gang kamen, die „Schwedenkiste“ – jener Aktenbestand, der seit den 1990er Jahren Forscher auf sich zieht, weil hier weitgehend konsistent die ganze interne Dokumentation der letzten funktionierenden Ordensprovinz vorliegt. Die Geschichte der Akten ist verwickelt: Ernst II. hielt Wort; Bodes freimaurerischer Nachlass ging an im Gegenzug für die versprochenen 1500 Reichsthaler an den Herzog. Zwei Kisten wurden am 13. Januar 1794 von Heinrich August Ottokar Reichard in Weimar übernommen und nach Gotha überführt, wo sie dann erst einmal auf ein Jahrzehnt verschlossen blieben. Erst mit dem Tod Ernst II., 1804, wurden diese Kisten geöffnet, nun, um aus Ernsts Besitz noch Bücher hinzuzufügen: spektakuläre esoterische und alchemistische Handschriften, mit denen Ernst nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Nicht alles passte in Bodes zwei Kisten. Zielort der drei Kisten, die man wenig später auf die Reise schickte, war das Archiv der Schwedischen Großloge in Stockholm.

Als 1880/81 Gothas Loge diesen Bestand zurückforderte, sollte nur eine Kiste zurückkommen – die „Schwedenkiste“, in deren Zentrum seitdem die illuminatische Buchführung der Provinz Ioniens steht.

Bodes und Ernsts Bibliotheken blieben in Stockholm. Diejenige Bodes lässt sich dabei dank von Voigts Inventar weitaus präziser vermessen als die Ernsts. Das Inventar, das wir als einfache PDF mitliefern liegt noch immer im Archiv der schwedischen Großloge in Stockholm. Die obskure Bibliothek Ernsts II. ist dagegen erst einmal ein Rätsel. Sie reiste unkatalogisiert und wurde dem Logenbesitz ohne weitere Kennzeichnung einverleibt, doch lässt sich auch sie in Umrissen skizzieren; sie liegt heute vor allem unter den Signaturgruppen Tyskland und Esoterica in Stockholms Logenarchiv, wie wir seit einer Forschungsreise 2019 wissen.

Im Folgenden geht es mir ausschließlich um Bodes Bibliothek, die sich dank des Inventars und dank der Tatsache, dass hier vor allem Druckschriften zu notieren sind (keine unikalen Prachthandschriften), relativ leicht in effige nachbilden lässt.

Julia Mös erfasste im Projekt der Arbeitsstelle Illuminatenforschung am Forschungszentrum Gotha die Titel dieses Inventars und legte dabei einen ersten Abgleich mit in öffentlichen Bibliotheken katalogisierten Ausgaben vor. Dieser liegt hiermit in Datenbankobjekten vor, die sich jetzt beliebig vernetzen lassen.

Auf die bibliographischen Kerndaten in Form von bereits durchgeführten Datenbankvernetzungen verzichteten wir zugunsten einer extensiven Katalogverortung, über die man all diese Angaben theoretisch jederzeit in einer Datenbankabfrage erhalten könnte. Die Verlinkung mit PPN-Nummern sowie VD16, VD17 und VD18 Signaturen dient vor allem der Identifikation der Auflagen. Digitalisate können wir im selben Moment auf dem kürzesten Weg mit den Datenbankobjekten verfügbar machen, wenn auch nicht solche der Stockholmer Exemplare.

Einige Worte zu Bodes Bibliothek.

Von Voigts Liste ist in sechs Zählungen untergliedert; die ersten drei bilden dabei einen engeren Zusammenhang als freimaurerische Schriften:

  1. Freimaurer Schrifften [278 Einträge]
  2. Freimaurer Reden [75 Einträge]
  3. Freimaurer Gedichte [48 Einträge]
  4. Rosenkreutzer [161 Einträge]
  5. Jesuiten [68 Einträge]
  6. Magnetismus [16 Einträge]

Es ist unklar, ob Bode die Kategorien selbst so betitelte. Die Sektion „Rosenkreuzer“ umfasst Alchemie im breiten Spektrum. Unter den Jesuitica findet sich vor allem Religion, die aus einer lutherisch orthodoxen Grundposition gefährlich anmutet; die Herrenhuter fallen dabei mitten unter die Jesuiten. Bei den Schriften zum Magnetismus geht es natürlich nicht um klassische Physik, sondern um die aktuellen Theorien zum „animalischen Magnetismus“, um Theorien zum „magnetischen Fluidum“, um spektakuläre Heilungen, in denen Mesmeristen, „Somnambule“ und Patientinnen im Zentrum stehen. Unsere Version notiert zwar die Nummern mit den Rubriken, zählt jedoch daneben unabhängig von 1 bis 763 – eine Zählung, die Einzelbänden eigenen Rang gibt, wo Bode mit Kleinbuchstaben untergliederte (seine originale Zählung ist jedoch als Inventar-Nummer laufend mitgegeben).

Die folgende Suche gibt die Liste von Voigts in ihrer Organisation wieder und nützt bei allem Weiteren als Basissuche:

Alle komplexeren Listen werden länger, wo immer es mehrere Einträge auf eine einzelne Anfrage gibt – etwa mehrere zu nennende Digitalisate. Die Mehrfachaussagen sind jeweils in weiteren Zeilen zur selben Q-Nummer des Objektes notiert. Die nachfolgende Suche bietet die Auflagen, Publikationsorte, Publikationsdaten, ihre Nachweise in Katalogen, verfügbare Digitalisate. Praktisch ist sie vor allem, um über sie direkten Zugriff auf Digitalisate nehmen lässt.

Die Suchen lassen sich (am rechten Rand das Menü dazu) editieren, so dass man Fragestellungen in immer weiteren Spalten erweitern kann. Die Datenbank erlaubt im selben Moment Suchen, die über die gängigen hinausgehen.

Bode übersetzte beruflich, er reiste zwei mal nach Paris in freimaurerischer Mission, seine Bibliothek erweist sich als entsprechend international aufgestellt:

Interessantester ist die chronologische Distribution der Bibliothek. Sie macht sichtbar, was bereits die Erfahrung beim Durchblättern des Inventars ist: Bode kaufte vor allem aktuelle Bücher. Den Spitzenwert nimmt dabei das Jahr 1787 ein. Der letzte Titel stammt aus dem Jahr seines Todes, 1793. Hier der Bestand jahrzehntweise nach Publikationsjahren und nach Bodes Rubriken aufgeschlüsselt:

Alte Titel finden sich besonders im Feld der Rosenkreuzerischen Schriften – ein Indiz dafür, dass Bode hier weit über die Feindbeobachtung hinausging. Alchemie beschäftigte ihn offensichtlich längst als Curiosum mit dem Interesse, Obskures der letzten Jahrhunderte aufzutreiben. Goethes Faust steigt in diese Ära hinab. Kostbarer und weitaus auffälliger sind in diesem esoterisch-alchemistischen Feld indes die Titel, die in Stockholm Ernst II. zuzuordnen sein dürften: Prachthandschriften, die im 18. Jahrhundert in den jeweiligen Zirkeln als Geheimschriften – abseits des Druckmarktes – kursierten. Hier scheinen sich Ernst II. und Bode als Buchliebhaber begegnet zu sein. Aus der brieflichen Korrespondenz wird zuweilen ersichtlich, dass Bode gezielt auf Reisen sammelte und davon Ernst in Kenntnis setzte – vielleicht als Abnehmer besonders kostbarer Stücke. Hier Bodes gesamte Bibliothek chronologisch geordnet, die undatierten Titel stehen dabei zu Anfang:

To do

Vieles ist für uns im Moment experimentelles Gelände. Auf den ersten Blick fehlt uns eine Suchschablone wie Bibliotheken sie verwenden. Vor allem fehlt uns die bibliothekarische Expertise, mit der über die von uns erfassten PPN- und VD-Nummern unseren Items Metadaten aus Bibliotheksdatenbanken zuordnen könnten.

Unsere Liste macht vorerst vor allem den interaktiven Umgang mit der unbekannten Bibliothek möglich. Es ist von hier aus vergleichsweise leicht, Vernetzungen in ganz beliebigen weiterführenden jeweiligen Forschungsinteressen vorzunehmen. Wer über ein Konto verfügt, kann mit dieser Liste, sich zwischen Digitalisaten fortbewegend, Verknüpfungen vornehmen – andere Digitalisate notieren, Themen verschlagworten, Bibliotheksstandorte festhalten, Titel vernetzen, etwa mit Verlagen oder zeitgenössischen Rezensionen. Vor allem lassen sich mit dem eigenen Nutzerkonto im Abgleich mit von Voigts Inventar und den Beständen im Stockholmer Archiv Korrekturen vornehmen – ohne den Umweg einer Email an „die Herausgeber“ dieser Liste. Unser Interesse ist es hier vor allem, die Materialgrundlagen für Fachleute möglichst direkt bearbeitbar zu machen.

Spannend sind für uns dabei insbesondere technisch versierte Materialerschließungen, Materialanalysen, zu denen Fachleute mit Data-Mining und in komplexeren Visualisierungen in der Lage sind.

Das konkretere Ziel dieser Arbeit bleibt die Erschließung der gesamten Materiallage, in der sich die Bibliothek Bodes verhedderte: Sie gelangte in das Gefüge der Materialien, die hier mitsamt den Illuminatenakten aus der öffentlichen Wahrnehmung gerieten. Wir stehen hier vor einer spannende Bibliothek, der eines Marktinsiders, wenn man die Welt der freimaurerischen und konkurrierenden Verbindungen einmal als Markt erfassen will. Bode bewegte sich auf diesem Markt genussvoll und mit enormer Neugier bis an sein Lebensende. Wir begegnen hier zudem einer Bibliothek der persönlichen Beobachtungen – es finden sich unter den Autoren und unter den Betroffenen der Bücher Menschen, mit denen Bode in Austausch stand. Eine interessante Durchdringung wird Bodes Kontaktnetz mit diesem Informationspool abgleichen, irgendwann in der Zukunft. Im Moment ist es schon interessant genug, dass wir auf diese Weise, dank der fortscheitenden Digitalisierung der frühmodernen Buchproduktion nun vom Schreibtisch Bibliotheken wie diese rekonstruieren und durchstöbern können.


PS. Mein besonderer Dank an Bruno Belhoste für das Skript zur Profilierung der Bibliothek.
PS2. Die Liste wurde Mitte Oktober 2022 abgeglichen mit einer Liste Reinhard Markners, die dieser im Archiv der Schwedischen Großloge anfertigte, und die im Zuge des Abgleichs Stockholmer alte und neue Signaturen erhielt.

(Still not yet) all the members of the Strict Observance

FactGrid began in 2018 with the input of Hermann Schüttler’s list of 1,351 (verified and unverified) members of the Illuminati, our Items Q25 to Q1376.

Items Q249748 to Q250919 widen that list with an interesting overlap of 111 names with the members of the Strict Observance. It was the largest and most widespread Freemasonic umbrella organization in Europe, that imploded with a massive impact on the world of Freemasonry in 1782, the same year when the Illuminati began their three years of rapid growth before they imploded in turn from 1786-87 and ceased to exist altogether by August 1788.

The Strict Observance had, in hindsight a longer life, beginning in either 1751 or 1764, depending on how we define their beginning. In a way the Order has not disappeared altogether. It lives on in an augmented form within Sweden’s branch of national Freemasonry, the Swedish Rite. Swedish Masons affiliated with the Strict Observance only in 1778 at the convention of Wolfenbüttel with the election of Duke Carl of Södermanland (later King Carl XIII of Sweden) as Grandmaster, after the death of their founder Baron von Hund in 1776. The Swedish Masons then withdrew in 1780 and created their own IXth Province of the Order, having constructed their own distinct form of Freemasonry on top of the superstructure of the Strict Observance rituals. Retaining ritual elements from the earlier degrees of Carl Friedrich Eckleff, Duke Carl revised the Strict Observance rituals and constructed additional degrees, giving his new system its own distinct national flavour of Freemasonry.

The Rite of Strict Observance, also known as the Order of the Temple, was the most influential 18th century Masonic system in Germany and possibly on the European continent. It was the first Masonic system to transition fully into a secret society, complete with Order Name alias for the members, and an inner and outer order being led by “unknown superiors”. For their correspondence there were multiple complex ciphers, along with substituted geographical names for cities and their own calendar system. These Masons were said to possess the true secrets of Freemasonry and according to their liturgy, claimed to directly descend from the Knights Templar in an unbroken chain of successive Grandmasters. Though this legend was ultimately proved to be spurious, resulting in the colossal collapse of the Order at the 1782 Wilhelmsbad convention, its brief period as the original and dominant German Masonic system forever changed the development of Freemasonry in Germany and its surrounding countries. From its ashes emerged the Zinnendorf Rite, the Swedish Rite, the Chevaliers Bienfaisants du la Cité Sainte, and the Order of the Illuminati. It claimed some of the most influential members of society, along with Kings, Princes, and members of the nobility. A majority of these members continued their journey in Freemasonry after its demise, joining the ranks of the descendants of the Strict Observance. Now for the first time, a comprehensive and detailed member list of the Order has begun to emerge on FactGrid, and a clearer perspective of its legacy has begun to be manifested.

It is easy to add additional columns, e.g. on family ties, places of education, further membership statements and so on by modifying the SPARQL query with further requests. FactGrid’s Directory of Property states all the Properties that can generate additional columns in this data set. You can switch languages on the Query Service – all these data are available in English German and French.

The Strict Observance: Enlightened Masons as heirs of the Templars

This image depicting the reception of a newly made Knights Templar is part of the collection known as the Derla Manuscripts, and are housed at the Musée de la franc-maçonnerie, Paris. They represent a nearly complete collection of rituals and records for the Derla Prefecture of the Strict Observance in Leipzig, 1775.

The history of Freemasonry is deeply intertwined into the history of the Enlightenment, and indeed the organization itself is purely a child of the century of light. This association founded on, and dedicated to, the principles of self-perfection, through a moral application of unique symbols and allegories, the equality of men, and self-governance under the divine guidance of deity, offered an attractive proposition to men of all stations in the 18th century. Merchant and Noble, all are recorded in the minuet books for posterity without distinction. The association is more than the sum of the moral precepts it imparts and is equally experiential, as it is fraternity bound by common initiation ceremonies. Each Masonic body therefore has its own unique variations in the ritual and these different flavours give its own distinct character. Freemasonry was exported from England to the continent of Europe in earnest in the 1720’s and by the middle 1730’s there were a handful of German Lodges.

Where did they come from, how were they connected within the world of Freemasonry?

Lodges in Germany primarily worked only the first three degrees of Freemasonry from 1736 through the early 1740’s. Many of the fragments that we have of these early rituals indicate that the first German language printing of Pritchard’s Masonry Dissected, had a profound impact on the origins of German ritual. The establishment of the Scottish Lodge l’Union annexed to the Berlin Lodge the Three Globes on 30 November 1742, and its chartering of daughter lodges in Germany and surrounding countries, meant that German Masons effectively had four Masonic degrees being offered, culminating at the Scots Master degree. This arrangement ran until the mid-1750’s and by the end of that decade, French high degrees began to appear during the Seven Years War and were combined and augmented into a set of high degrees called the Clermont Rite. The Strict Observance therefore is a revision to the existing tradition, with a new capitular superstructure at the helm.

The question of when precisely did the Strict Observance begin is a matter of perspective. Did the Order begin with Baron von Hund’s founding of the first Lodge in Unwürde in 1751 or is it later when the top two degrees containing the Templar liturgy and superstructure are constructed along with the Lodges uniting under this banner at the treaty of Altenberga in 1764?

What did they offer to members?

The Rite was constructed to attract the most wealthy and influential Freemasons. Expensive initiations and dues, elaborate costumes and regalia, rich ceremonies, and lavish conventions were tailored to whet the appetites of the most well to do members of society. It was a system of six-degrees and supposedly being led by Unknown Superiors. Additionally there was a financial charity scheme established much in the same vein as the charity scheme of the Premier Grand Lodge of England. Members could ask for assistance, and provided that their situation was not the result of bad housekeeping, they received a pecuniary contribution. Fraternal assistance was a particularly valuable proposition, in an age without social safety nets.

Who could become a member?

Theoretically anyone could be a member of the strict Observance, as there were no explicit provisions with respect to class, provided that a candidate was of the Christian faith. The liturgy in the ritual of the Rite is broadly constructed upon Christianity, and specifically upon the betrayal of Jacques de Molay and the restoration of the Templar Order. The issue of religion here is less of a concern with belief and more a concern of suitability. Practically speaking the initiation fees, regalia costs, dues etc., were of such a level that entry was excluded to at least the middle class and even there not without some considerable cost. This is visible in the professions of the members.

We could actually give career statements on almost all the members – the problem at this moment is the importation of the statements that remain in Swedish on the Labels of the Swedish members.

What rites did they perform?

Carpet or Tapis for the Apprentice and Fellow degrees of the Strict Observance. From the archives of the Frankfurt Lodge Zur Eingkeit in 1776.

The Strict Observance was effectively a revision and then an expansion of the existing German Masonic traditions. The first three symbolic degrees retain the so-called ancient landmarks making them acceptable with respect to regularity but differ, however, in key places in the ritual. There are technical changes and also insertions evident as well. The tracing boards of each degree differ from the standard rituals offered in other lodges at that time. The same is true for the Scots Master degree. These innovations in the ceremonies are unique to the Strict Observance, and are deliberate as it is these subtle differences, that build up the Templar legenda revealed later in the fifth and sixth degrees. Hund effectively built a Templar secret society, high degree system on top of the extant Masonic system. The initiate transitioned from being merely a Freemason and became a Knights Templar complete with an elaborate knighting and investiture ceremony. The Masonic degrees comprised the outer order and the Templar degrees comprised the inner order. Its these concepts that Knigge drew from when he set about building the degree system of the Illuminati from 1780-1784.

Strict Observance Illuminati
The Strict Observance does not have a Preparatory Order. I. Minerval Class. Preparatory Order (non Masonic).
1. Novice.
2. Minerval.
3. Minervalis Illuminatus.
Outer Order.

St. Johns Lodge.
— 1° Apprentice.
— 2° Fellow.
— 3° Master.

St. Andrews Lodge.
— 4° Scots Master.

II. Freemasonic Class.

St. Johns. Lodge.
— 1° Apprentice
— 2° Fellow
— 3° Master

St. Andrews Lodge.
— 4° Scottish Novice
— 5° Scottish Knight

Inner Order. (Capitular).

— 5° Secular Novice.
— 6° Knight.

III. Mysteries Class.
Lesser Mysteries.
— 1. Presbyter / Priest.
— 2. Regent.
Greater Mysteries.
— 1. Docetists.
— 2. Philosophus.

What was the internal structure?

Governance of the Strict Observance was organized at two levels; an administrative level and also at a local level. The Saint John’s Lodges offering the first through the third degrees were governed by the elected officers of the Lodge. Above this lodge was Saint Andrew’s Lodge administering the fourth degree, Scots Master, and governed by its own elected officers. Above this lodge was the Chapter, offering the Novice and Knight degrees, and administrating not only the Chapter, but also the whole local presence of the Strict Observance in each locality. Reports were constructed and a portion of the monies received were forwarded from the Treasurers and Secretaries of both St. John’s and St. Andrew’s Lodges to their counterparts in the Chapter. The Chapter abstracted these reports and forwarded its portion of the monies in conjunction and sent them the Prefecture. The Prefecture comprised of several chapters performs the same functions and reports to the Provincial Grand Master of the Province. Provinces are composed of several Prefectures and assembled roughly every few years at conventions to work out the business of the Order, and often to settle internal disputes.

Knigge again borrowed from his time in the Strict Observance as well, with respect to external structure. The main difference is that Minerval Assemblies, the Preparatory Order unique to the Illuminati is included at the local level and subordinate to the St. John’s Lodge. Knigge also made refinements at the Administrative level as well. Provinces were localized within states, whereas they had crossed these boundaries within the Strict Observance. Additionally Provinces in the Illuminati reported to the National Inspector and these Inspectors were to be united at conventions called National Inspections. None of this ever occurred however, as the Illuminati faded into obscurity as quickly as it had ascended.

Strict Observance Illuminati
Administrative Level.
— Province. (Prv. Grand Master)
— Prefecture (Prefect).
Administrative Level.
— National. (Regents)— Prefecture. (Priests)
Local Level.
— Chapter. (5°, 6°)
— St. Andrew’s Lodge. (4°)— St. Johns Lodge. (1°, 2°, 3°)
Local Level
— Chapter. (Priests)
— St. Andrew’s Lodge. (Scottish Novices and Knights)
— St. Johns Lodge. (1°, 2°, 3°)
— Minerval Assemblies. (3°)

Disintegration and Survival

The Strict Observance ceased to exist much in the same way it began; at a convention. From the Templar perspective the rite was born, chaotically at the convention of Altenberga in 1764, after a Gentleman named Leucht passed himself off as a Superior of the Templars named Johnson. Baron Karl Gotthelf von Hund assumed control after Johnson had appointed him Heermeister, suspecting him of fraud and had him imprisoned after he confessed to this deception. Hund assumed command of the Order though it was a risky venture.

Johnson sought to gain control by deception over all of the local lodges practicing the Clermont System of high degrees, a composite of French high degrees fortified with alchemy and theosophy. Exploiting the occult leaning tendencies of the local Lodges and using a sleight of hand involving the production of gold, he proceeded to organize a general convention in effort to alter their masonic system and place himself at its head. Johnson had the deputies of the local lodges bring their rituals and papers and had them burned while introducing his new ceremonies. This singular act, and subsequent variability in the receptions conferred immediately afterwards by Johnson and von Hund, quickly led to the 1764 Altenberga Convent, and the only order of business was to reform all of the Lodges and join them to the Order of the Temple. Standardization was the ultimate goal.

During the convention it was discovered that Johnson was a charlatan named Leucht, and he was ultimately arrested and imprisoned extrajudicially until his death in 1777. Baron von Hund found himself in a very precarious situation, and at stake was no less than the future of local Masonry, given that all of their records had just been immolated by a fraudster. Hund seized control and stabilised the situation. Johnson’s new rituals and economic plan were to be implemented despite his roguery, out of necessity.

Johann Schubart, a close associate of von Hund, was tasked with implementing this new reform on all of the Lodges with the assistance of J.J.C. Bode. Through Schubart, Hund used the conferral of these new degrees to gain favour over the brethren, and to assert himself as being the Heermeister or Chief of the Army. Key was the Lodges participation in the newly crafted financial scheme, the Plan ad Interim. This move was not without suspicion, however and many of the lodges altered or flatly refused participation.

Regular conventions were organized as a result. These conventions served partly to enact new policy and reforms, and partly to maintain control of a rapidly expanding system. In 1768 the so-called clerical Branch appeared and much to the chagrin of the Brethren, they were incorporated into the Order by Baron von Hund. The Clerical Brethren in fact practiced a different form of the high degrees with a bent towards the occult sciences, and this inexplicable act his called into question, in the minds of many precisely how was Baron von Hund initiated into the Order of the Temple?

At the convention of Brunswick in 1775, von Hund said that ‘he had been received into the Order in Paris in 1743 by a Superior, Bro. von der rothen Feder, in the presence of Lord Kilmarnock, and had then been introduced to the Pretender. On various occasions subsequently Bro. von der rothen Feder had asked Bro. ab Ense for certain sums of money for the American undertakings. Finally, however, Bro. ab Ense had grown tired of these demands and had terminated this correspondence. This episode will still be in the memory of most of the Right Worshipful Brethren of the Order, as will the story that when the Reverend Bro. ab Ense was asked to reveal more about the identity of Bro. von der rothen Feder he burst into tears and assured his questioners with the warmest emotion that ‘to do so would be against his oath and his conscience’ and that, if he revealed his identity completely, then ‘he would upset certain more worthy persons.’ Earlier that same year at the convention of Hamburg he with great difficulty presented a document in cipher which was supposed to be his patent of authority. Ultimately he only showed it to four brethren, none of which could decipher let alone read it.

Masonic members patent in cipher. From Den Danske Frimurerorden Archiv.

Ultimately von Hund never revealed the identity of his initiator and took his secret with him to the grave in 1776, his fortunes greatly reduced through his support of the Order. This started the terminal decline of the Strict Observance. Only recently has his patent been deciphered, but sadly no new information has been gleaned from the transcript, as it is merely a recounting of his initiation by the so-called Knight of the Red Feather. In the subsequent convents after his death, Carl the Duke of Södermanland was proposed and elected Grand Master of the Order in 1778 at the convention of Wolfenbüttel, and only two years later resigned. Carl’s election was rejected by the Grand Lodge of the Three Globes in Berlin, who withdrew from the Order, and thus the unravelling began in earnest and culminated at the convention of Wilhelmsbad in 1782. At this convention the association with the Knights Templar was officially removed, and the French Brethren coalescing around the orbit of Jean Baptiste Willermoz officially proposed that the new reform ritual constructed by Willermoz in 1778 and being worked in France under the CBCS, be adopted as the official ritual. This proposition was rejected by the German Lodges, and the Strict Observance ceased to exist in precisely the same manner it came into existence; at a convention. It had become clear even in von Hund’s lifetime that there were never really any Unknown Superiors directing the Order, and this issue was amplified after his demise.

Labor uiris conuenit; Labour is suitable for men. From Den Danske Frimurerorden Archiv.

The death of the dominant Rite in Germany created a massive power vacuum, that was quickly filled by her daughter systems. The real legacy of the Strict Observance therefore is that it was the mother of several subsequent high degree systems, and its scope and influence forever changed Freemasonry in Europe.

Were the Illuminati a counter movement? The answer will, apparently, be a “yes and no”. The entire organization adopted structures, yet the Illuminati as represented by Knigge at the convention of Wilhelmsbad, made eventually a major acquisition of J. J. C. Bode who in turn with Knigge brought many members of the Strict Observance with them into the Illuminati. Ultimately the convention of Wilhelmsbad ended the Strict Observance while at the same time gave birth to the CBCS. The Illuminati were a counter movement of and the antithesis to the CBCS, and were in competition not only with them, but also with the Gold und Rosenkreutzer Orden for the members of the Strict Observance.

The present data set

The main source of the present input have been the 1,189 members of the Strict Observance listed in the 19th century – privately printed in 1846 by a Brother Berndt, composed by a Brother von Lindt, known as the Verzeichniss sämmtlicher inner Ordensbrüder der Strikten Observanz. These are the members of the “inner order” and from this perspective the most valuable and influential list possible.

The fusion of this list into FactGrid created a much larger data set of now 1,596 members – certainly without reaching the complete number. Hermann Schüttler had identified several new members, but the largest subset came here with the input of the 4,200 18th-century Swedish Freemasons which Andreas Önnerfors provided earlier in 2020.

The dynamic list is with all these inputs conclusive on the leadership level of the Strict Observance yet it will not fully account for the lower ranking members at the local levels, which will create the largest position of the membership. Over time these local records will be populated, and the overlaps to other organizations will grow more substantial.

We will now have to learn how to use these data. Von Lindt’s, Verzeichniss sämmtlicher inner Ordensbrüder der Strikten Observanz was a defined paper publication. One could run through its lists to identify a particular member with its internal name and localization, but the database does this job far better. Type in any of the internal names into the basic search field and you will be in the data set of the person who adopted this name. Our list is enriched with name variants in the aliases – you get the variants in the autocomplete when looking for a person’s data set.

At present,  we are now handling information in a web of interconnected statements; the entries of all members including information on the provinces and the local affiliations. If you are ready to modify the following script, you get the listings for any prefecture you are interested in or run any other filter on the set like these two:

You can just as well create a network graph to see all these members in their respective local networks:

Screenshot: the local networks of the Strict Observance, detail view

The following searches gives you the list of the provinces with their respective prefectures – on a table and on the map – both lists are useful as they give the Item numbers or specified explorations of the prefectures and provinces

Many of the members have career statements on their personal records. The following bubble graph gives the full spectrums without further accumulation – not very practical as this gives a pattern of a load of variations. The statements are, however, part of a provisional classification, so that you can also sort them under a first classification – links two and three give this homogenized pattern in bubble and bar charts:

The representations remain problematic as they accumulate practically all the career statements made on all these persons over their respective lifetimes. It is not that easy to formulate a search that asks for everyone’s position in a year like 1780 – both the search and the data have to be prepared for such a representation.

Many of those listed have further membership statements on their items. It is easy to create a table of all these membership statements – and to convert this table into a bubble chart that shows the size of these overlaps.

Age profile of the Strict Observance in 1782
Age profile of the Illuminati in 1782
      • The age profile is extremely interesting to evaluate organizations. The pattern has, if given by year of birth, its coincidental ups and downs; a moving average or a distribution by decades would straighten that; but it gives an idea of the outreach of the respective organisation. The Strict Observance was an organization for advanced Freemasons, for men between 35 and 65. The Illuminati wanted to educate and form their members; they were particularly eager to recruit students, and this is clearly visible in their far younger profile with its first peaks in the late 20s. Both graphs state the situations for the year 1782:

    The biggest problem with data as we have them now is that the further categorization is lagging behind. It would be easy to give the medieval three estates of church, nobility and peasants – the 1780s are, however, no longer the era for such a simple pattern. Academics had gained a distinction; the nobility called for a far clearer differentiation between the ruling princes and lower ranks of all sorts. A huge group of citizens had grown over last 500 years and called for complex patterns. We would need social historians to categorize our the biographical datasets – no trivial task in a database that bridges through the centuries.

    Designed to accumulate and aggregate data

    The main advantage of the present data set is that it is now extremely open. You can download the set with any arrangement of statements you are interested in, as far as these statements are made on persons in the set – and here FactGrid has a wealth of unprecedented information on many of the members. All data are CC0, that is free to be used in any other environment, whether you want to publish such a list in book form or whether you want to run visualizations in software-environments of your choice.

    The far more interesting use will be online and in the database. FactGrid is distributing accounts; the data sets presented with this post are open to be augmented and aggregated into any direction. One would love to have lists like these for all the masonic organizations that competed on the late 18th century market. It would be extremely interesting to understand the membership careers, the biographical movements on the constantly changing landscape of competing or well-connected associations.

Einblicke in das interne Berichtswesen des Illuminaten-Ordens. Aus der Hand Hermann Schüttlers: 71 Dokumente der Jahre 1781 bis 1785

Die folgende Materialpräsentation ist das Ergebnis eines zweimonatigen Praktikums im Forschungszentrum Gotha. Mein Projekt war es, der Forschung Vorarbeiten zu einem unvollendet gebliebenen Buchprojekt Hermann Schüttlers datenbankgestützt auf den FactGrid-Seiten zugänglich zu machen. Es handelte sich hierbei um Transkriptionen von 71 Dokumenten aus dem inneren Machtzirkel des Illuminatenordens der Jahre 1781 bis 1785. Im Gegensatz zu den von Hermann Schüttler und Reinhard Markner zuvor bereits vorgelegten Bänden der Illuminatenkorrespondenz steht hier das interne Berichtswesen des Ordens im Zentrum. Das Corpus birgt:

  • 12 für den Orden verfasste (Auto-)biographien,
  • 26 Inspektionsberichte,
  • 29 Sitzungsprotokolle der bisher wenig bekannten “zweiten” Minervalkirche Frankfurts; zu ihnen kommen drei Protokolle der Gothaer Minervalkirche und eines aus Weimar.

Es galt dabei erstens, die unterschiedlich umfangreich verfußnoteten Transkripte im Gesamtumfang von bislang 237 Seiten von ihren Word-Dateien in Wiki-Seiten des FactGrid zu überführen, sie dabei mit kurzen Einleitungen zu versehen und die Fußnotung an die Datenbank anzukoppeln oder in einem Großteil der Dokumente erst durch eigene Recherche zu erstellen – bei den Inspektionsberichten kamen im Extremfall über 200 Fußnoten im Einzeldokument in den Blick. Zu allen Dokumenten waren im zweiten Schritt Datenbankobjekte anzulegen, die die Transkripte grundlegend erschließen und Datenbankrecherchen zugänglich machen. Zentral war hier die Erfassung von Autor, Entstehungsort und -datum; erwähnten Personen, Orten und Themen. Zu den Protokollen von Sitzungen wurden zudem Ereignis-Datenbankobjekte angelegt, an die sich nun eigene Fragen, etwa zu Nachweisen persönlicher Begegnungen von Sitzungsteilnehmenden, stellen lassen.

Nachfolgend:

  1. Einige erste inhaltliche Ausführungen zu den hiermit zugänglich gemachten Dokumenten
  2. Einige Bemerkungen zur technischen Realisation und zu Problemstellen der Datenbanksoftware, die hier zur Nutzung kommt
  3. Alle Dokumente, Transkripte und Ereignis-Datensätze dieses Projektes chronologisch sortiert

Wissensakkumulation in der Phase des rasant wachsenden Geheimordens

In die erste Phase des Illuminatenordens – die Phase des primär bayerischen Ordens unter der unmittelbaren Führung Adam Weishaupts – gaben 1787 die Aktenveröffentlichungen des Bayerischen Staates Einblick, die den Orden noch im Sommer 1787 im Raum der deutschen und österreichischen Territorien kollabieren ließen. Über die Spätphase des Ordens, in der unter Johann Joachim Christoph Bode Thüringen zum neuen Zentrum wurde, sind wir auf der anderen Seite aus den Dokumenten der Schwedenkiste informiert.

Die Dokumente, die Hermann Schüttler vorliegend transkribierte, stammen vor allem aus dem Nachlass Adam Weishaupts und dem Sonderarchiv Moskau. Einige Dokumente der Schwedenkiste kamen hinzu. Zusammen geben sie einen Einblick in die turbulente Zwischenphase, in der Adolph Freiherr von Knigge für das große Wachstum des Ordens sorgte. Berichterstatter sind dabei unter anderem Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth und am häufigsten Knigge selbst. Gemeinsam präsentieren sie ein multiperspektivisches Bild der mit dem Wachstum kommenden Anforderung, Überblick zu wahren. Noch in diesen Versuchen wird klarer, dass es keine gemeinsame Ordenspolitik mehr gibt und kaum noch eine Chance, intern abzustimmen, wer in diesen Orden aufgenommen wird und Karriere macht. Zerreißproben tun sich mit Einzelfällen auf, über die es zum Streit kommen würde, wenn alle Informationen im Orden öffentlich würden; der Konflikt des Ordens mit Knigge erweist sich dabei als mehr denn ein Konflikt zwischen diesem und Weishaupt, dem Ordensinitiator.

Exemplarische Selbstauskünfte

Alle neuen Mitglieder mussten eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen: das Revers. Sie beantworteten Fragen zu ihren Erwartungen an die unbekannte Organisation, die sich ihnen damit inmitten der Freimaurerei auftat und waren aufgefordert, autobiographische Selbstauskünfte einzureichen. Zwölf dieser Selbstauskünfte umfasst die Textauswahl. Es handelt sich hierbei überwiegend um kurze Lebensläufe und um einem Frageraster folgende Reflexionen über verschiedene Aspekte der eigenen Person vom physischen Zustand bis zum politischen und moralischen Charakter. Hinzu kamen standardisierte Fragen, beispielsweise für die Aufnahme ins Schottische Noviziat, die in Stichworten beantwortet wurden. Häufig wählten die Verfasser jedoch eine freiere Form und schilderten in Fließtexten mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten ihre wichtigsten Lebensstationen und zwischenmenschlichen Beziehungen.

In einem offenkundigen Zusammenhang zu den übrigen Dokumenten dieser Materialsammlung stehen die (auto-)biographischen Einlassungen Q175807 und Q175808 zu Christian Gottlob Neefe. Neefe war im hier dokumentierten Zeitraum als Gast der “zweiten” Minervalkirche Edessas/Frankfurts aktiv. Bei den Teilnehmenden aus den drei Sitzungsprotokollen in Gotha gibt es weitere Überschneidungen mit fünf der autobiographischen Texte. Zwei Autobiographien stammen von Mitgliedern aus Neuwied, die dortige Minervalkirche taucht häufig als einflussreiches Zentrum in den Inspektionsberichten auf. Bodes autobiographische Selbstauskunft rundet die Auswahl ab – der zukünftig zentrale Akteur des Ordens ist hier mit im Geflecht der Selbstaussagen vertreten.

Besonders gewinnbringend war die Bearbeitung der autobiographischen Texte im Hinblick auf die Details, die sich aus ihnen für die bestehenden Datensätze ziehen ließen. So konnten bei jeder der Personen Aussagen zu Aufenthalten, Berufen und ähnlichem ergänzt werden. Noch spannender waren ihre Informationen für die Verdichtung von Netzwerken. Durch die Erwähnung von Verwandten, Freunden, Arbeitgebern und anderen Personen, die die eigene Entwicklung prägend tangierten, konnten viele neue Personen angelegt und in Relation zu bereits bestehenden Items gesetzt werden.

Inspektionsberichte: Wie der Orden versuchte, Überblick in der Informationsflut zu gewinnen

Extensive Quellen sind im Set die fünf Inspektionsberichte Stolberg-Roßlas. In ihnen fließen Informationen aus den Minervalkirchen geordnet nach den Provinzen, ihren Präfekturen und deren Minervalkirchen zusammen in einer Berichterstattung, die bis zu den einzelnen Mitgliedern an den verschiedenen Orten hinab reicht.

Dabei steht als größtes strategisches Problem im Raum, dass im Moment mehr Orte auf der illuminatischen Landkarte der geheimen Ordensgeographie als an diesen Orten bereits arbeitende Minervalkirchen zu finden sind.

Alle 92 Orte, die einen Illuminatenordensnamen erhielten [FactGrid Datenbankabfrage]

Der Aufbau der Minervalkirchen verlief über Mitglieder einzelner Logen, die unmittelbar zu hochrangigen Illuminaten “ihrer” Orte wurden. Von ihnen wurde erwartet, dass sie aus ihren Logen die Mitglieder für die lokalen Minervalkirchen gewinnen. Unter den Mitgliedern machten Studenten eine große Gruppe aus. Zu den flächendeckenden Rekrutierungen kamen die individuellen Vorschläge, die alle Ordensmitglieder machen konnten und über die auf höherer Ordensebene konsistent entschieden werden sollte. Aus den Dokumenten sprechen Konflikte zwischen Beteiligten, die von der Aufnahme anderer erfuhren, mit denen sie keineswegs im selben Orden sein wollten. Gleichzeitig wird sichtbar, dass die Verantwortlichen hier längst in einem Spannungsfeld persönlicher Befindlichkeiten und Verbindlichkeiten agierten, in dem sie im Ernstfall nur noch darauf hoffen konnten, dass Konflikte im Raum des Geheimordens nicht vor der inneren Öffentlichkeit sichtbar werden. Knigge berichtet am 26. September 1782 in diesem Gewirr von Aufnahmen, für die er grünes Licht gab, obwohl er ihr Konfliktpotential absehen konnte:

Mein Plan war, den Epictet nach und nach zu stimmen, und jedem in der Provinz eine Laufbahn zu eröffnen, welche sich nicht kreutzen könnte. Den Hrn. W[und] zu gewinnen, war um so nöthiger, da die neue Freymäurerey die Direction der VIII. Provinz nach Heidelberg verlegt, und ihm die Direction gegeben hat. Ich verlangte als erste Probe der Treue, daß er unsre Leute in der Pfalz mit zu der Sache ziehen sollte … [Tanskript]

Deutlich zeigt sich an dieser Stelle ein nicht mehr zu lösender Widerspruch zwischen der Zentralisierung des Informationsflusses und der Freiheit, mit der die mittlere Führungsebene agieren musste und auch agierte.

Das Berichtswesen, das mit den Dokumenten sichtbar wird, erweist sich als ausgefeilt und modern:

Aus den Minervalkirchen trafen zu allen Personen monatliche Zeugnisse ein. Im Orden wurde, um hier den Überblick zu behalten, ein standardisierter Strichcode eingeführt, mit Hilfe dessen man auf einen Blick zu erfassen hoffte, wo sich besonders interessante Personen sammelten. Aus den Inspektionsberichten schimmert jedoch durch, dass man hier eher erfasste, wo Verantwortliche auf der mittleren Ebene ihre eigene Arbeit in ein besonders gutes Licht zu stellen suchten.

Die Transkripte der Inspektionsberichte geben diese Strichcodes für Hunderte von Personen wieder. Greifbar wird im selben Moment der erhebliche Arbeitsaufwand, den dieses Berichtswesen auch in dieser Kondensierung noch bereitete. Die höhere Hierarchieebene musste Protokolle zusammenführen und Korrespondenzen in alle entstehenden und agierenden Filialen unterhalten. Knigge konnte man hier die Überlastung im Wachstum des Ordens anmerken:

Noch einmal wiederhole ich, was ich nicht genug wiederholen kann: wenn wir|
a.) Das ganze System ausgearbeitet haben,
b.) Wenn jede Provinz ihren Provinzial hat,
c.) Wenn über 3 Provinzen ein Inspector gesetzt ist,
d.) Wenn wir in Rom unsere National-Direction haben:
e.) Wenn mit diesen allen die Areopagiten nichts zu thun haben, sondern im Verborgenen das Ruder führen, folglich nicht entdeckt werden können, nicht so sehr mit verdrüßlichen Details überhäuft sind, sondern das System überschauen, verfeinern, in andere Lander ausbreiten, zur rechten Zeit der dirigirenden Classe beystehen können: – Dann, und nicht eher richten wir etwas aus. Wir bedärfen also dann keiner so lärmenden Anstalten, müßen jeden Provincial in seine Gränzen zurückweisen. – Fahren wir aber fort so in die Kreuz und Quere zu operiren, so sind wir in 3 Jahren gesprengt. Nun zu meinen Berichte… [Transkript]

Die Protokolle der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche und der Konflikt mit Knigge

Die vorgelegten Protokolle aus Frankfurt ermöglichen es, den Konstituierungsprozess einer Minervalkirche exemplarisch nachzuvollziehen und geben einen vertiefteren Einblick in die Geschichte der zwei Minervalkirchen Frankfurts, zwei nacheinander aktiven, verschiedenen Gruppen mit größtenteils denselben Mitgliedern. Die Protokolle der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche zeichnen sich dabei in der Anfangsphase durch die Regelmäßigkeit und Ausführlichkeit sowie formelle Konsistenz aus. Wie später in Gotha traf man sich monatlich in der Minervalkirche und, die höheren Mitglieder, im exklusiven Magistrat. Die Treffen lassen sich mit der Datenbank auf einen Zeitstrahl projizieren und dabei bis auf die Wochentage heranzoomen. Die Frankfurter Teilnehmendenlisten zeugen von Kontinuität und erlauben Rückschlüsse auf die Mitgliederstruktur in diesem Zeitraum. Eingehend erfasst sind in den ersten Monaten jeweils Programmpunkte wie die Planung von gemeinsamen Lesungen und inhaltlichen Diskussionen über Grundsätze der Leitlinien des Ordens, die förmliche Initiation der neuen Magistraten auf einer eigens dafür organisierten, ordentlichen Versammlung und die pünktliche Abgabe schriftlicher Ausfertigungen sowie der Austausch der Quibus Licet und Reprochen, die sich sehr ausführlich dokumentiert in den Transkripten zur weiteren Vertiefung nachlesen lassen.

In den Protokollen werden nicht minder interne Konflikte greifbar, wie sie die Aktivität des Ordens immer wieder nachhaltig prägten. Interessant ist dabei der sich noch vor dem Zerwürfnis zwischen Weishaupt und Knigge aufzeigende Konflikt vor Ort: Am 15. Juni 1783 sollte Johann Ludwig Hetzler nach einer Anweisung der Oberen ein Treffen der vormals aktiven Mitglieder der Minervalkirche Edessa initiieren, um diese nach einem großen internen Streit, der schließlich zur Inaktivität der Gruppe führte, wiederzubeleben. Knigges Wirken stand, so lässt sich in Umrissen ersehen, im Zentrum dieses Konflikts. Nach den Aussagen der anwesenden Mitglieder hatte er versucht, heimlich alle Ordensgeschäfte vor Ort unter seine Kontrolle zu bringen und darüber hinaus eine gänzlich neue Minervalkirche unter Ausschluss der bisher Aktiven zu errichten. Die Konstituierung der neuen Minervalkirche wurde daher auch nur unter der Versicherung der Oberen vollzogen, dass Knigge nichts mehr mit der Präfektur zu tun haben werde (Vgl. J.P.C. Müllers Bericht vom 15.6.1783).

Ihr Gegengewicht finden diese Dokumente in der vorliegenden Textauswahl mit den vier von Frankfurt aus verfassten Inspektionsberichten Knigges aus den Jahren 1781 und 1782. Im Juli 1781 berichtet er bereits, dass die meisten Mitglieder der örtlichen Minervalkirche, die beinahe ausnahmslos deckungsgleich mit den Aktiven und der Führungsebene 1783 sind, unbrauchbar für den Orden seien. Einzig lobend hebt er Simon Friedrich Küstner und Johann Friedrich Piehl hervor (Vgl. Knigge, Inspektionsbericht vom 11.7.1781). Während Ersterer später in der “zweiten” Frankfurter Minervalkirche im Amt des Sekretärs aktiv im Magistrat der Gruppe mitwirkt, erklärte Letzterer noch zu Beginn der neu konstituierten Kirche, dass er, ehemaliger Censor und Teil der bisherigen lokalen Führungsriege, künftig nichts mehr mit dem Orden zu tun haben wolle (Vgl. J.P.C. Müllers Bericht vom 23.6.1783).

Im September 1781 schien sich die Lage noch deutlicher zugespitzt zu haben, denn nun verkündete Knigge, dass er wegen einer generellen Nachlässigkeit aller Mitglieder der Minervalkirche diese verlassen habe und keine Quibus Licet mehr von ihnen annehmen werde, bis eine deutliche Besserung eingetreten wäre. Darüber hinaus hoffe er mit der Hilfe Leonhardis und Küstners, bald eine neue Gruppe ohne die anderen bisherigen Mitglieder aufbauen zu können (Vgl. Knigges Inspektionsbericht vom 10.9.1781). Beide sollten zwei Jahre später höhere Ämter in der “zweiten” Minervalkirche innehaben.

In den Berichten Knigges vom Oktober 1781 und August 1782 findet sich kein Wort mehr zu der Minervalkirche in Frankfurt, obwohl er in beiden Fällen noch vor Ort lebte und im Orden für die Provinz zuständig war. Ab Februar 1783 kamen seine Inspektionsberichte aus Heidelberg. An diesen Weggang knüpfen jedoch drei Inspektionsberichte Stolberg-Roßlas ab März 1783 an. Dieser erwähnt explizit in dem ersten Inspektionsbericht vom 5. März 1783 über den vorherigen Monat, dass sich Knigge künftig nicht mehr mit Edessa abgebe (Vgl. Stolberg-Roßlas Inspektionsbericht vom 5.3.1783.

Stolberg-Roßlas Berichte geben weiteren Aufschluss über die Entwicklung vor Ort. Auch er kritisiert die lokale Niederlassung und die aktiven Mitglieder stark und spricht ihnen direkt oder indirekt durch die Einschätzungen Dritter den Wert für den Orden ab. Besonders deutlich wird dies durch Zeilen wie:

Alles lesen wollen, über alles lachen, alles tadeln und doch nichts thun, ist, nach Valerius [i.e. Ditfurth], der Geist der Edesser. [Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 27.3.1783]

oder

Das alte Elend! Alles ist confus. […] Alle Bbr. sind gegen einander, fast alle kalt, aufgebracht. Mittelmäßige Leute stehen oben, und andre, die ich aus Briefen als kluge und wohldenkende Männer habe kennen lernen, stehen unten und werden versäumt. Kurz der Geist der Verwirrung herrscht da im höchsten Grade. [Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 5.3.1783]

Konkreter werden die Konfliktlinien und die Probleme vor Ort indes nicht benannt, es findet sich nur eine Andeutung Hetzlers, dass in der Gruppe zu viele Reformierte seien, die herrschen wollten und ein vager Verweis auf Schwierigkeiten mit München. Im selben Bericht schreibt Stolberg-Roßla, dass alles so schön angelegt sei, den Orden auf ewig aus dieser Stadt zu verbannen und ergänzt im folgenden Bericht, Ditfurth und er kämen darüber hinaus zu dem Schluss, dass keinem Edesser, insbesondere nicht Hetzler, der Priester- und Regenten-Grad gegeben werden solle. Dem steht entgegen, dass Knigge nach Stolberg-Roßlas Kenntnisstand schon längst für diese um Erlaubnis gebeten hatte (Vgl. Stolberg-Roßlas Inspektionsbericht vom 27.03.1783). Im April 1783 berichtet Stolberg-Roßla weiter, dass Johann Leopold Bleibtreu, wie schon im März angekündigt, nun vor Ort sei und sein Möglichstes versuche, Ordnung zu schaffen (Vgl. Stolberg-Roßla, Inspektionsbericht vom 18.4.1783).

Berichte zum Konvent von Wilhelmsbad

Eine Gelenkfunktion gewinnen im hier vorgelegten Materialcorpus die Berichte rund um den Konvent von Wilhelmsbad bei Hanau im Sommer 1782. Für die kontinentaleuropäische Hochgradfreimaurerei wurde der mehrwöchige Kongress zur inneren Zerreißprobe, die die Strikte Observanz – gestützt auf nicht länger haltbaren Behauptungen von Wurzeln im Templerorden der Kreuzzugszeit, war sie das große Hochgradsystem der letzten beiden Jahrzehnte gewesen – nicht überleben sollte. Um das Geschichtsangebot, welches die Ursache des Streits war, ging es dabei nur zum Teil. Die Darlegungen drehen sich um Betrüger in der Freimaurerei, um Schwärmerei und damit um bislang in den Konfessionen ausgetragene Konflikte. All dies überlagert von persönlichen Befindlichkeiten zwischen hochrangigen Teilnehmern, die sich gegenseitig nicht angemessen respektiert sahen und mitten im Zusammenbruch der Strikten Observanz um den Zuschnitt zukünftiger Provinzen rangen.

Im ausgewählten Materialkomplex stehen hier Knigges Beobachtungen unmittelbar neben denen Franz Dietrich Freiherr von Ditfurths. Beide waren hochrangige Illuminaten, die mit ihren Berichten direkt an Weishaupt rapportierten – und die, wie aus den Dokumenten sichtbar wird, einander mit deutlicher Skepsis beobachteten. Knigge sollte am Rand des Konvents bahnbrechend J.J.C. Bode für den Orden gewinnen, der im Auftrag Ernst II. von Gotha am Konvent teilnahm, und Bode sollte wiederum im Verlauf Ferdinand von Braunschweig und Carl von Hessen-Kassel, die führenden Repräsentanten der Strikten Observanz auf dem Konvent, in den Illuminatenorden bringen und damit den Orden in eine innere Zerreißprobe führen.

In Ditfurths Bericht tauchen all diese Beteiligten auf – nun kritisch von Ditfurth beobachtet, dessen Wirken Knigge kritisch kommentiert. Ditfurths Bericht wird sich so schnell nicht zusammenfassen lassen. Auf 34 Seiten Manuskript wurde hier, ohne sichtbare Gliederung, eine Aneinanderreihung von Augenblickswahrnehmungen und Gesprächsfetzen, die den Autor aufrüttelten, sowie Charakterisierungen der Teilnehmer Weishaupt vorgelegt. Bode erscheint in diesem Gewirr als pragmatischer Politiker, der den ganzen Kongress rettet, als er allen nahelegt, hier erst einmal frei zu sprechen und später für sich zu entscheiden, welchem maurerischen System sie in Zukunft anhängen wollen. Mit Ferdinand von Braunschweig und Carl von Hessen-Kassel gerät Ditfurth in den unter höflichen Repliken verborgenen offenen Konflikt. Knigge als über Dritte informierter Beobachter nimmt Ditfurth inmitten dieser Konflikte als jemanden wahr, der sich öffentlich unmöglich macht.

Für den Illuminatenorden wurde der Konvent ein heimlicher Wendepunkt. In Knigges Bericht für den Januar 1783 wird das spektakulär deutlich. Während Ditfurth sich, so Knigges (mit Vorsicht zu lesende) Darstellung, mit seinem konfrontativen Auftreten erst einmal unmöglich machte, soll doch seltsam verbreitet bekannt gewesen sein, dass es den Orden gab, so bekannt, dass er, Knigge, am Rande von allen möglichen Seiten aus kontaktiert und mit Aufnahmeanträgen überhäuft worden sei:

Mit den Cheffs des Zinnendorfischen Systems nahm ich Gelegenheit, einen Briefwechsel anzufangen, den ich auch noch jetzt fortsetze. Die Emissarien anderer Gesellschaften forschte ich theils durch andere Wege aus, theils hatten sie selbst das Zutrauen zu mir, sich mir zu entdecken, weil sie von mir wußten, daß ich mich nicht aus Eigennutz, sondern aus Eifer für die gute Sache dabey interessiere. Die Deputierten im Wilhelmsbad aber kamen fast alle zu mir, und da sie | (ich weiß nicht woher) Nachricht von der Existenz unsrer Verbindung hatten; so bathen sie mich alle, auch der [Prinz Carl] von H[essen], um die Aufnahme. Nun hielte ich es am beßten gethan, daß ich die Mehrsten einen Revers unterschreiben ließ, ihnen also Stillschweigen auferlegte, aber keinem einzigen von ihnen, während der Convent-Zeit das geringste schriftlich mittheilte. Dieß that ich, und redete nur im allgemeinen mit ihnen. [Transkript]

Wollte Weishaupt seine Organisation eher aus reinem machtpolitischen Kalkül mit der Aura großer Geheimnisse ausgestattet haben, um das gegnerische Lager zu infiltrieren, so wird aus diesem Kalkül unter der Hand ein kaum kontrollierbares Anliegen – der Orden verändert sich mit der rasanten Aufnahmepraxis und droht unregierbar zu werden, nun nachdem er Regenten aufnimmt und ein ganzes, soeben scheiterndes, von “Schwärmerei” durchdrungenes System als Führungsebene importiert.

Die Sitzungsprotokolle aus Gotha und Weimar

Die Sitzungsprotokolle aus Gotha und Weimar tun Schritt in die letzte Phase des Ordens. Knigge hatte Bode für den Orden am Rand des Konvents von Wilhelmsbad gewonnen. Im Herbst 1782 hatte dieser Ernst II. dazu bewegt, sich auf das Experiment Illuminatenorden einzulassen. Gothas Minervalversammlung sollte der Testfall und Zentrum der Ordensarbeit in der neuen Provinz Ionien werden, die Bode binnen zweier Jahre aufbaute, und die nach seinen Planungen von Weimar regiert bis nach Berlin im Norden und Dresden im Osten reichen sollte. Während das Experiment in Gotha und im Verlauf in Erfurt, Rudolstadt und Jena glückte, sollte es in Weimar scheitern, trotz oder vielleicht gerade wegen der berühmten Teilnehmer, die hier mit Goethe und Herder die hohen Ränge der Weimarer Minervalkirche hätten bekleiden sollen. Diese Entwicklungen zeichnen sich in den ausgewählten Protokollen noch nicht ab. Sie geben Einblick in die konkreten ersten Schritte mit denen in Gotha und Weimar Minervalkirchen geplant wurden. Man agierte jeweils aus dem Magistrat von oben herab. Die Gothaer Magistratsberichte werfen dabei ein Licht auf die Infiltration, die der Orden meisterte. Es geht hier en passant um Konflikte zwischen der Gothaer und der Loge Altenburger Freimaurer-Loge. Die Freimaurerei gewinnt eine geheime Dachebene über die der Orden Einblicke erhielt. Das Protokoll vom Dezember 1784 gibt einen Einblick in die Themen der auf den Minervalsitzungen gehaltenen Vorträge und eine kurze Schilderung der Neuaufnahmen. Das Protokoll aus Weimar berichtet von der Sitzung am 17. März 1785, auf der die Verfolgungen Weishaupts, die Gründung einer Filiale in Jena, die studentische Freimaurer aufnehmen solle, und die Konstituierung der eigenen Minervalkirche in Weimar Thema waren. Die hier gegebene Auswahl ist dabei mittlerweile eingeholt von der Erschließung, mit der Markus Meumann, Olaf Simons und Christian Wirkner sämtliche Sitzungsprotokolle des 15. Band der Schwedenkiste auswerteten, um hier die behandelten Aufsätze genauer zu lokalisieren.

Einige Bemerkungen zur technischen Realisation und zu Problemstellen der Datenbanksoftware, die hier zur Nutzung kommt

Die Aktenlage des Illuminatenordens war für mich zu Beginn des Praktikums so neu wie die hier zum Einsatz kommende Technik. Desiderate der Plattform, die nun Zugriff auf die eingebrachten Transkripte und die mit ihnen korrespondierenden Datenbankobjekte erlaubt, sind bereits im Blog, in dem dieser Beitrag erscheint, notiert:

Desiderat 1: Eine Präsentationssoftware, die Transkripte und Objektdaten sichtbar macht

Wikibase verbindet ein konventionelles Media-Wiki, wie es die Wikipedien zum Einsatz bringen, mit einer Wikibase Datenbank. Das FactGrid nutzt beide Bereiche integrativ, das heißt, ich legte für die Transkripte MediaWiki Seiten mit dem aus den Wikipedien bekannten Text Markup an und koppelte diese an Datenbankobjekte, im Konkreten zu den Dokumenten und den nachweisbaren Ereignissen.

Die Koppelung erlaubt es zwar, in der Volltextsuche auf beides, also die Datenbankobjekte zu den Dokumenten und Transkriptseiten, zuzugreifen, aber beide sind lediglich mit wechselseitigen Links aneinander gebunden. Befindet man sich auf einer Textseite, muss man über den Metadaten-Link im Seitenbeginn in den Datensatz hinüberschalten, erst dort stehen die Angaben zu Datum, Autor, Quelle und allen weiteren Informationen.

Was der Software an dieser Stelle fehlt ist eine Präsentationssoftware, die die Informationen aus den Datenbankobjekten geordnet lesbar macht und die dabei in der Lage ist, die Transkripte sichtbar zu machen und auf Wunsch des Lesers zur Gänze einzuspielen.

Desiderat 2: Eine Vorbefüllung der Datenbank, die großflächig Personen zur Verfügung stellt, auf die nun nur noch verlinkt werden muss

Das wohl zeitintensivste Arbeitshemmnis des FactGrid im gegenwärtigen Zustand ist die immer noch zu geringe Anzahl der bereits vorhandenen Datenbankobjekte. Die Dichte bereits vorhandener Personen ist zwar im Projektfeld Illuminatenorden ausgesprochen hoch, doch fehlen im selben Moment kontinuierlich Personen, die hier nur am Rand auftauchen, eigentlich jedoch Schlüsselfiguren der deutschen Geschichte des 18. Jahrhunderts sind. Die Recherche dieser Personen in der GND und Wikidata war in der Regel kein Problem, die Personen mit den hier auffindbaren Daten im FactGrid als aussagekräftige Objekte anzulegen blieb jedoch mühselig und fehleranfällig. Das Problem scheint seit den ersten Editiervorgängen allen in der Datenbank vertraut – das Projekt, die gesamte GND zu importieren, trägt ihm Rechnung, doch bleibt die nützliche breite Datenlage im Moment ein Desiderat.

Desiderat 3: Eine Benutzeroberfläche, die zu guten Datenstrukturen Rat gibt

Wikibase ist konsequent Triple-basiert, theoretisch lassen sich ganz beliebige Aussagen zu ganz beliebigen Objekten formulieren. Tatsächlich lassen sich damit identische Sachverhalte jedoch nicht minder auch ganz unterschiedlich ausdrücken – etwa in sehr definierten Tripeln oder in allgemeineren Tripeln, bei denen man mit Qualifikatoren Kontexte näher bestimmt. Verschiedene Formulierungen von parallelen Aussagen finden sich in der Folge. Zu ihrer Vielzahl kam es offenbar vor allem, weil die Quellenlage mal die eine und mal die andere Variante einer Formulierung nahelegte und von hier aus dann als Muster auf weitere Bearbeiter wirkte.

Dadurch, dass es keine einheitlichen Standards bei der Erstellung von Statements gibt, kam es häufiger zu uneindeutigen oder inhaltlich identischen Aussagen oder Redundanzen, deren Erfassung eine gewisse Zeit im Arbeitsprozess beansprucht. Auch gibt es keine klaren Vorgaben, welche Informationen aus Texten in welcher Form in Triples verwandelt und an anderer Stelle rezipiert werden sollen. Diese freie Gestaltungsmöglichkeit kann gleichzeitig als Vor- und Nachteil betrachtet werden, da die Software der eigenen Arbeit und Weiterentwicklung schon bestehender Arbeit in ihrer sehr offenen Komplexität kaum Grenzen setzt, jedoch im Vergleich zu sehr standardisierter Arbeit deutlich voraussetzungsreicher ist und laufende Seitenblicke auf bestehende Objekte einfordert, um einen passenden Umgang zu finden. Man lernt hier eher eine Sprache möglicher Aussagen, die jederzeit erweitert und präzisiert werden kann, als dass Eingabeschablonen abgearbeitet werden. Das Desiderat könnte an dieser Stelle ein Sowohl-als-auch sein, eine Plattform, die für erste Objekterschließungen Eingabeschablonen gibt, die grundlegend konsistente Datenobjekte in den Basisdaten herstellen, während man bei weiterer Erforschung jederzeit dazu übergehen könnte, Aussagen nach eigenem Interesse und Nutzen bei der Materialdurchdringung frei zu formulieren.

Alle Dokumente, Transkripte und Ereignis-Datensätze dieses Projektes chronologisch sortiert

Datum Dokument Transkript Ereignis
1 1781-02-01 Johann Georg Wendelstadt, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1781-02. Transkript
2 1781-02-20 Amand Philipp Ernst von Ebersberg, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Mainz, 1781-02-20 Transkript
3 1781-07-01 Christian Carl Kröber, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1781-07 Transkript
4 1781-07-11 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-07-11. Transkript
5 1781-09-10 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-09-10. Transkript
6 1781-10-01 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1781-10-01. Transkript
7 1781-12-31 Johann Ludwig Carl Graf von Cobenzl, Bericht für die Provinz Franken und Schwaben des Illuminatenordens, Eichstädt, 1781-12-31. Transkript
8 1782-01-01 Johann Leopold Bleibtreu, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782 Transkript
9 1782-02-01 Otto von Gemmingen, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Wien, 1782-02. Transkript
10 1782-02-02 Costanzo Marchese di Costanzo, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, München, 1782-02-02. Transkript
11 1782-07-05 Friedrich Joseph Roth von Schreckenstein, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Immendingen, 1782-07-05. Transkript
12 1782-08-01 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1782-08. Transkript
13 1782-08-01 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-08 Transkript
14 1782-08-07 Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Wetzlar 1782-08-07. Transkript
15 1782-08-10 Franz Dietrich Freiherr von Ditfurth, Anhang zu Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Wetzlar, 1782-08-10. Transkript
16 1782-09-26 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Heidelberg 1782-09-26. Transkript
17 1782-09-30 Christian Gottlob Neefe, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Frankfurt am Main, 1782-09-30 Transkript
18 1782-10-01 Johann Joachim Christoph Bode, Autobiographisches für den Illuminatenorden. Transkript
19 1782-11-24 Georg Ernst von Rüling, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Hannover, 1782-11-24. Transkript
20 1782-12-11 Johann Benjamin Koppe, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Göttingen, 1782-12-11. Transkript
21 1782-12-31 Christian Carl Kröber, Provinzialbericht Thessalien (Westfalen) für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-12-31. Transkript
22 1782-12-31 Johann Georg Wendelstadt, Inspektionsbericht für den Illuminatenorden, Neuwied, 1782-12-31. Transkript
23 1783-01-04 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Abenmeh 1152 [November 1782], Neuwied, 1783-01-04. Transkript
24 1783-01-29 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Adarmeh [Dezember 1782] , Neuwied, 1783-01-29. Transkript
25 1783-02-01 Adolph von Knigge, Ordensbefehl, 1783-02. Transkript
26 1783-02-05 Adolph von Knigge, Inspektionsbericht über die Provinz Ionien für den Monat Dimeh 1152 [Januar 1783], Heidelberg, 1783-02-05 Transkript
27 1783-03-07 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Dimeh 1152 [Januar 1783], Neuwied, 1783-03-07. Transkript
28 1783-03-25 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Benmeh [Februar 1783], Neuwied, 1783-03-25. Transkript
29 1783-04-18 Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla, Illuminaten-Inspektionsbericht für den Monat Asphandar [März 1783], Neuwied, 1783-04-18. Transkript
30 1783-06-15 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-15. Transkript Ereignis
31 1783-06-23 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-23. Transkript Ereignis
32 1783-06-26 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-26. Transkript Ereignis
33 1783-06-27 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-06-27. Transkript Ereignis
34 1783-07-03 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-03. Transkript Ereignis
35 1783-07-24 Christian Heinrich Wehmeyer, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Gotha, 1783-07-24 Transkript
36 1783-07-27 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-27. Transkript Ereignis
37 1783-07-30 Johann Peter Clemens Müller, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-30. Transkript Ereignis
38 1783-07-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-07-30. Transkript Ereignis
39 1783-08-01 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-08-01. Transkript Ereignis
40 1783-08-06 Christian Georg von Helmolt, Curriculum vitae, 1783-08-06 Transkript
41 1783-08-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-08-25. Transkript Ereignis
42 1783-08-28 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-08-28. Transkript Ereignis
43 1783-09-07 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, Magistratsversammlung, 1783-09-07 Transkript Ereignis
44 1783-09-25 August Gottlob Dörrien, Autobiographisches für den Illuminatenorden. Transkript
45 1783-09-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-09-30. Transkript Ereignis
46 1783-10-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-10-25. Transkript Ereignis
47 1783-11-10 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-11-10. Transkript Ereignis
48 1783-11-12 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-11-12. Transkript Ereignis
49 1783-11-17 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-11-17. Transkript Ereignis
50 1783-12-02 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1783-12-02. Transkript Ereignis
51 1783-12-06 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1783-12-06. Transkript Ereignis
52 1784-01-06 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-01-06. Transkript Ereignis
53 1784-01-07 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-01-07. Transkript Ereignis
54 1784-01-30 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-01-30. Transkript Ereignis
55 1784-02-02 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-02-02. Transkript Ereignis
56 1784-02-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-02-23. Transkript Ereignis
57 1784-03-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-03-23. Transkript Ereignis
58 1784-03-23 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-03-23. Transkript Ereignis
59 1784-04-03 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, Magistratsversammlung, 1784-04-03. Transkript Ereignis
60 1784-04-30 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, Magistratsversammlung, 1784-04-30 Transkript Ereignis
61 1784-05-07 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-05-07. Transkript Ereignis
62 1784-06-04 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-06-04. Transkript Ereignis
63 1784-06-25 Simon Friedrich Küstner, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-06-25. Transkript Ereignis
64 1784-08-13 Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1784-08-13. Transkript Ereignis
65 1784-10-01 Friedrich Christian Rudorf, Mein Leben und Charakter, Gotha, 1784-10 Transkript
66 1784-12-21 Friedrich Christian Rudorf, Bericht: Versammlung der Minervalkirche Gotha, 1784-12-21. Transkript Ereignis
67 1785-03-01 Bericht: Versammlung der Minervalkirche Frankfurt am Main, 1785-03-01. Transkript Ereignis
68 1785-03-17 J.J.C. Bode, Bericht Illuminatenversammlung, Weimar 1785-03-17. Transkript Ereignis
69 1785-11-01 Heinrich August Ottokar Reichard, Autobiographisches für den Illuminatenorden, Gotha, 1785-11 Transkript
70 1785-12-24 Schack Hermann Ewald, “Schilderung meines Charakters” und “Mein Lebenslauf” Informationen für den Illuminatenorden, Gotha, 1785-12-24 Transkript
71 1799-03-06 Susanna Maria Neefe, Neefes Lebensgeschichte von seiner hinterlassenen Wittwe fortgesetzt, 1799-03-06. Transkript

Eine Sitzung der Gothaer Illuminaten von 1786 — rekonstruiert für die “Lange Nacht der Wissenschaften” der Uni Erfurt, 2019

[kollektive Arbeit Erik Liebscher, Markus Meumann, Olaf Simons] Am 8. November 2019 inszenieren Mitarbeiter und Promovierende des Forschungszentrums Gotha anlässlich der Erfurter “Langen Nacht der Wissenschaften” 2019 eine Sitzung des Illuminatenordens aus dem Jahr 1786 – eine Zeitreise und ein Blick in den geheimnisumwobenen Alltag des Ordens. Wenn die Illuminaten auch ein Geheimorden waren und wenn freimaurerische Riten auch der Öffentlichkeit nicht erklärt werden, so sind wir im doch Rückblick ausnehmend gut in der Lage, zu erfassen, was in den Sitzungen zumindest in der letzten Ordensprovinz „Ionien“ (Thüringen) in den 1780er Jahren geschah. Der Orden hatte eine ausgefeilte Bürokratie. Man protokollierte die Sitzungen und archivierte die vorgetragenen Aufsätze. Die Rituale waren dabei an der Freimaurerei geschult, die man von zwei Seiten organisatorisch umschloss – von unten, indem man Jungmitglieder rekrutierte und auf die Freimaurerei mit drei Schulungs-Graden vorbereitete und von oben, indem man auf die drei Johannisgrade der Freimaurerei ein eigens Hochgradsystem aufsetzte, dessen Mitglieder sich wiederum eigens, außerhalb der infiltrierten Loge trafen. Wir sind Stefan Sarrach von der “Grossen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln” dankbar dafür, dass er mit uns gemeinsam einen Blick in die „Rituale“ warf, die vorgaben, wie Sitzungen regulär zu gestalten waren. Die Bewegungen und Handlungsschritte blieben hier mit Wissen des Freimaurers zu erschließen.

Die Sitzung, die wir auswählen, fand am 28. Dezember 1786 statt, wie immer im zum Park hin vor dem Schloss gelegenen Haus des Obergärtners Wehmeyer. Details sprachen für die Wahl dieser Sitzung: Wir suchten ein Treffen mit überschaubarer Teilnehmerzahl (und müssen in der ausgewählten Sitzung noch immer auf drei Statisten verzichten) und mit spannenden Beiträgen. Die ausgewählte Sitzung war dabei besonders: Einer der „Minervalen“, der 26jährige Johann Georg Geißler („Quintus Cicero“ in Gothas Ordensniederlassung) hatte selbst ein Thema gestellt. In der Regel gaben die Ordensoberen die Arbeiten vor. Geißlers Thema war dabei tiefsinnig:

Soll ich meinem Freunde absichtlich Äuserungen entlocken deren Bekanntwerdung er fürchten muß, um ihn dadurch zu Beförderung eines moralischen guten Endzweckes desto fester an mich zu ketten?

Geißlers Rückblick auf die Geschichte seiner Themenstellung zeigt, dass die Mitbrüder sein Thema erst einmal „dunkel“ fanden. Brisant war es zudem im Orden, in dem doch gerade die geheime Organisation den besonderen Raum für eine vertrautere Freundschaft schaffen sollte, in der sich dann Freiheit des persönlichen — auch einmal gefahrvollerem — Denkens herausfordern ließ. Kann man frei sprechen, wenn man riskiert, dass man damit erpressbar wird? Kann man in einem Orden frei sprechen, der alle Beiträge akribisch auswertet und archiviert und nachher schriftliche Dokumente gegen einen in der Hand hat? Die Fragen stehen im Raum werden aber in dieser Brisanz nicht angesprochen.

Wir wissen, dass Geißlers Aufsatz mit Applaus diskutiert wurde, im Gegensatz zum dem seines um drei Jahre jüngeren Mitbruders August Ludwig Hoppenstedt (Ordensname „Diognet“). Sein Aufsatz ging erst in der zweiten Fassung, die er zum 21. März 1787 vorlegte, zu den Akten, weshalb wir nicht mehr genau erfassen konnten, womit Hoppenstedt Kritik auf sich zog.

Welche Punkte der Ordensstatuten in der Sitzung verlesen wurden, ist nicht exakt notiert. Wir wählten gleich die ersten aus, da sie genau auf das Thema zugeschnitten sind. Unklar bleibt auch wie viel aus Schillers philosophischen Briefen zwischen Julius und Raphael an jenem Spätnachmittag des Jahres 1786 zum Vortrag kam – der Text der Seiten 117 und folgende des dritten Hefts der Thalia schafft mit seinen Erwägungen zum göttlichen höchsten Wesen jedenfalls ein elegantes Gegengewicht zur Ode, die Schack Hermann Ewald (Cassiodor) der Seele widmete.

Wir haben die Texte für die Aufführung im Rahmen der „Langen Nacht“ etwas gekürzt; das Publikum soll hier zwischen vielen Veranstaltungen sich hier zwischen vielen Veranstaltungen hin und her bewegen können. Im Folgenden das Protokoll mit dem Sitzungsablauf und Links zu den archivierten und von uns ausgewerteten Beiträgen, wie sie die „Gotha Illuminati Research Base“ im Erfurter FactGrid erfasst.

Die Teilnehmer

  1. Christian Georg von Helmolt (Chrysostomus), der Superior [Markus Meumann]
  2. Christian Heinrich Wehmeyer (Cleobolus), der Censor [Olaf Simons]
  3. Schack Hermann Ewald (Cassiodor), Quaestor [Martin Mulsow]
  4. Christoph Friedrich Chrysostomus Schenk, Sekretär (Robertus Stephanus) [Marian Hefter]
  5. Johann Georg Geißler (Quintus Cicero) [Erik Liebscher]
  6. August Ludwig Hoppenstedt (Diognet) [Marie Nosper]
  7. Johann Gottfried Bohn (Spanheim) [Rolle nicht besetzt]
  8. Carl Friedrich Ernst von Helmolt (Guido della Torre) [Rolle nicht besetzt]
  9. Friedrich Ernst Carl Mereau (Thuanus) [Rolle nicht besetzt]
  10. Hans Ulrich von Gadow (St. Evremont) [Rolle nicht besetzt]

Das überlieferte Sitzungsprotokoll

Sitzungsprotokoll der Sitzung der Gothaer Minervalkirche vom 28. Dezember 1786.

Die vorgetragenen Texte

Was in der Aufführung nicht ganz erkennbar sein wird

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