Die Absolventen des Gothaer Gymnasiums Illustre/ Ernestinum 1524 – 1882

Nach den Pfarrern des Gothaer Territoriums (und ihren Ehefrauen, beidseitigen Eltern, Kindern und deren Ehepartnern – insgesamt gut 15.000 Datenbankobjekten) legt Heino Richard hiermit einen zweiten, quer durch diese Gruppe reichenden Datensatz vor: Die Absolventen des Gymnasiums Illustre Gotha/ Ernestinum.

Primär erfasst sind dabei nach den Listen, die Max Scheider und im Nachtrag Ulrich Lutzkat vorlegten: 4215 Schüler von der Frühphase des am 21. Dezember 1524 gegründeten Gymnasiums bis in den Abschlussjahrgang des Septembers 1882. Von diesen waren uns 872 Schüler bereits bekannt, davon (die Zahlen werden sich ändern, wo immer wir mit den neuen Daten bislang unklare Identitäten auflösen können):

  • 7 aus der Gothaer Illuminatenforschung
  • 21 aus den Gothaer Adressbüchern der Jahre 1828, 1843 und 1846
  • 17 aus dem Gothaer Wählervereichnis von 1849
  • 810 aus dem erwähnten Projekt der Sachsen-Gothaischen Pfarrer

…wobei die Adressbücher uns nach wie vor vor das Problem stellen, dass wir aus ihnen Personen zwar mit Adress- und Berufsangaben aber weitgehend ohne Vornamen bezogen. Die Identifikation kommt hier nur zäh voran.

3343 Personen kamen neu hinzu und zogen dabei 279 neue Väter mit sich, macht unter dem Strich 3622 neue Personen (zwei besonders prominente Neuankömmlinge sind der Absolvent Christian Gryphius mit seinem Vater, dem noch berühmteren Dichter, Andreas).

Die Überlappungen waren ein attraktives Moment des Projektes. Mit jeder von ihnen stabilisierten sich Identifikationen und kamen Hintergrunddaten hinzu, oft zu bislang nur spärlich beleuchteten Personen.

Mit den folgenden beiden Datenbankabfragen werden alle uns bekannten Schüler aufgelistet (es sind derzeit zwei Handvoll mehr, dank einiger bekannter Schüler, die früher abgingen):

Geburtsdaten, Herkunftsorte, Familienbeziehungen, besuchte Universitäten, Berufe…

Wie schon im Fall des Pfarrerbuchs so sind die Daten der Schülerschaft des Gymnasiums Illustre/ Ernestinum, vor alle ein offenes Angebot an die Forschung. Alle erfassten Personen stattete Heino Richard mit Geburtsdaten aus – entweder aus den vorliegenden Quellen oder über eine Rückrechnung (die, wo wir sie vornahmen, durchweg im qualifizierenden Statement zur Genauigkeit der Angabe vermerkt ist; wir gingen dabei von einer 20-Jahres-Differenz als Regelfall aus, das legten die notierten Daten nahe).

Der Artikel der deutschen Wikipedia zum Gymnasium notiert:

Im 17. Jahrhundert wurde das Gymnasium durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg weiterhin gefördert. Er bot Söhnen verfolgter Lutheraner aus Ungarn, Schlesien, Polen, Russland und Skandinavien Asyl, die am hiesigen Gymnasium lernten. [abgerufen 2021-04-21]

Das lässt sich nun präzisieren. Skandinavien (sieht man von einigen Dänen ab) erscheint hier nicht, Schlesien und die ehemaligen deutschen Ostgebiete im heutigen Polen sowie, als Randlage, Ungarn jedoch schon (zudem im 19. Jahrhundert auch ein Schüler aus der Karibik). Näher hinein-gezoomt zeichnet sich dann aber das Sachsen-Gotha-Altenburgisch und Coburgischen Territorium ab. Allein 1462 der 4215 Absolventen kamen unmittelbar aus Gotha, die meisten waren „Landeskinder“, Söhne von Amtsleuten und Pfarrern der Dörfer des Territoriums.

https://tinyurl.com/yezpgqds

Ausgiebig sind Informationen zu Studiengängen, besuchten Universitäten sowie späteren Berufen notiert. Die folgenden Suchen geben die Daten.

Universitäre Fächerwahl, Bubble Chart

Zum großen Reiz von Wikibase-Instanzen gehört, dass man sie gewissermaßen über Ecken durchsuchen kann. Die Frage nach der sozialen Herkunft der Schüler lässt sich damit überraschend zielgerichtet angehen. Unmittelbar sind die Berufe, Bildungswege und Arbeitsverhältnisse der Väter ein Indikator für das jeweilige Elternhaus. Die Mütter sind in der Regel Hausfrauen. Ihr Stand entscheidet sich über den Beruf und die Ausbildung ihrer Väter. Die Fragen lassen sic präzise in die Vernetzung der Information hinein stellen:

  • Familiäre Hintergründe: Berufe der Väter und der Väter der Mütter, Kurzlink

Konsequent erfasst sind die genealogischen Hintergrundinformationen; sie ermöglichten die Suche über Eck. Langzeitvisualisierungen der familiären Netzwerke wären eine Herausforderung. Hier ist vor allem unklar, wie man Datenvisualisierungen im historischen Verlauf gestalten sollte – eine Herausforderung für SPARQL-Könner und Tool-Programmierer.

Einladung an die Bildungsgeschichte sich dieses Zettelkastens zu bedienen

Projekte der Bildungsgeschichte, auf der Suche nach einem ergiebigen Untersuchungsgegenstand sollten hier eine extrem praktische Vorarbeit entdecken. Gothas Gymnasium Illustre/ Ernestinum bietet eine noch weitgehend unerschlossene archivalische Überlieferung von 8,3 laufenden Regalmetern im Thüringischen Staatsarchiv Gotha mit extremer Datendichte – darin finden sich:

  • Dokumente zum Unterricht in den verschiedenen Fachgebieten von Griechisch bis Turnen ab der Frühphase
  • Schulordnungen ab 1641
  • Akten der Lehrer mit Gehaltsinformationen ab 1837 ff.
  • Zeugnislisten der Jahrgänge 1641 bis 1946
  • Informationen über „spezielle Verhältnisse der Schüler“ ab 1837
  • Akten zur Finanzierung des Gymnasiums ab 1772

(Hier das elektronische Findbuch zu diesen Beständen.) Spektakulär sind in diesem Bestand die Zeugnislisten mit ihren Beurteilungen der Leistungen im Wandel der Beurteilungskriterien und Fächer. Aus ihnen wird nebenbei ersichtlich, wie die Schule Unterricht organisierte. Man kann mit diesen Listen im Detail Schülerkarrieren – auch die der Schüler, die nicht bis zum Abschluss kamen und uns bislang fehlen – Schuljahr für Schuljahr nachvollziehen.

Zeugnisliste des Gymnasiums Illustre aus dem Thüringischen Staatsarchiv Gotha

Das FactGrid sollte in seinen Datenstrukturen so angenehm frei modellierbar sein, dass es Projekte, die diesen Aktenbestand angehen, anziehen sollte, mit dem Geschenk des fertigen Rasters, von dem aus sich beliebig viel tiefer in die archivalische Datenerhebung einsteigen lässt.


  • Basissuche: einfache Schülerliste: Familienname, Listen-Nummer, GND-ID, Kurzlink
  • Landkartenrepräsentation Geburtsorte der Gothaer Schüler, Kurzlink
  • Besuchte Ausbildungseinrichtungen, Kurzlink
  • Besuchte Ausbildungseinrichtungen, Balkendiagramm
  • Universitäre Fächerwahl, Kurzlink
  • Universitäre Fächerwahl, Bubble Chart
  • Karrieren, Kurzlink
  • Berufliche Positionen, Kurzlink
  • Familiäre Hintergründe: Berufe der Väter und der Väter der Mütter, Kurzlink

Der Gotha Zettelkasten – Wir vergeben Accounts

In den letzten Wochen gaben wir am Forschungszentrum Gotha mehrere – einander überlappende – Datensätze ins FactGrid ein. Unser Ziel ist es, die Grundlage für einen kollektiven großen Zettelkasten zu schaffen. Sein Gegenstand: das historische Gotha.

Gotha 1850, nach Abtragung der Stadtmauern

Der Gotha Zettelkasten soll

  • Informationen zu allen möglichen Objekten der Stadt erfassen: zu Häusern, Denkmälern, ja noch zu Bäumen
  • Informationen zu allen uns bekannt werdenden Personen bieten – ob berühmte Bürger oder Kinder, die noch kurz nach der Geburt unter der hohen Kindersterblichkeit der Frühen Neuzeit starben
  • Informationen zu Archivalien mit Datenbankobjekten verknüpfen – ob öffentlich verfügbaren Dokumenten oder privaten, die bei uns in Reproduktionen zugänglich gemacht werden können
  • Informationen zu Ereignissen anbieten, die hier als eigene Gegenstände des Interesses mit Wissen über die Orte, die beteiligten Personen und die vorliegenden Dokumente verknüpft werden

Was bieten wir im Moment?

Manches ist bereits ziemlich unüberschaubar. Das folgende Link bietet (blauen Knopf drücken) alle Personen, die in Gotha (zeitweilig) ortsansässig waren:

Vieles andere ist im Moment noch sehr gewöhnungsbedürftig: Die Datenbank kennt alle Adressen Gothas vor 1859. Viele von ihnen tauchen jetzt in der Suche auf der aktuellen Landkarte auf (wir wollen im Verlauf historische Landkarten verfügbar machen, auf denen man recherchieren kann). Mit dem folgenden Link kann man sich die gegenwärtig georeferenzierten Adressen auf der Landkarte anzeigen lassen:

 
…ist der Stadtplan auch noch unvollständig, weil die heutige Karte schlecht mit den alten Adressen zusammengeht, so bekommt man mit der tabellarischen Suche die gesamte Liste der Adressen vor 1859. Zu Beginn steht jeweils das Link in den Datensatz, unter dem man die früheren Namen der Adresse findet:

(um die Suchanfrage zu bearbeiten, Link links unten anklicken)

Für das Jahr 1848 können wir zudem alle männlichen, damals als Wahlmänner ausgeschriebenen, Erwachsenen nennen und den Häusern zuordnen. Wir wissen damit grob, welche Familien in welchen Häusern beieinander wohnten, wir kennen zudem die Berufe der Hausväter. Leider kennen wir damit noch lange nicht die Familien selbst: die Frauen und Kinder, die Eltern und Großeltern und mit diesen die Verwandtschaftsbeziehungen in der Stadt.

Hier vier Blicke in einzelne Häuser:

Dürftig ist zur Zeit unser Dokumentenvorrat – das Illuminatenprojekt (dessen Bestände in derselben Datenbank liegen) führt in die 1780er Jahre und berührt Gothas Stadtgeschichte und Bevölkerung nur hier und da.

Was wollen wir möglich machen?

Das FactGrid ist eine Wikibase-Datenbank. In gewisser Hinsicht kann sie alles, was Wikipedia kann: Man kann mit ihr beliebige Informationen auf Seiten zusammenstellen und die Informationen verlinken. Anders als in Wikipedia werden hier jedoch keine Artikel geschrieben, sondern Aussagen gesammelt: Wer war der Vater, wer die Mutter, wer die Ehefrau, wer die Kinder. Wann, wo geboren? Wann wo gestorben? Welchen Beruf? Welche Dokumente? Wann wo gewohnt? Wann wechselte dieses Haus den Besitzer? Wann wurde es abgerissen und neugebaut? Welche Namen trug es? Wo genau stand es auf der Landkarte?

Man kann ebenso gut Aussagen zu Dokumenten machen: In welcher Akte liegt das Dokument? Von wann ist es? Welche Personen sind genannt?

Anders als in Wikipedia wird es bei uns keine Debatte darüber geben, ob eine Person oder ein Dokument einen Wikipedia-Artikel „wert“ ist. Das Kind, das im Jahr 1784 zweijährig verstarb und von dem wir nur wissen, wer die Eltern waren, wie es hieß, wann es geboren wurde – ist mit all diesen Informationen einen Datenbankeintrag wert. Wir können im selben Moment sagen, wie viele Kinder Frauen im 18. Jahrhundert gebaren und wie viele davon nur überlebten. Uns interessieren Familienbilder, private Briefe, Tagebücher von Ur-Ur-Urgroßeltern, sollten sie noch irgendwo auf einem Dachboden liegen.

Wie kann man mitmachen?

Die Datenbank ist offen sichtbar – was drin ist, kann sich jeder Besucher im Internet zeigen lassen. Im Moment ist das noch etwas holprig, da uns eine bessere Benutzeroberfläche fehlt. Man kann bereits jetzt wie in Wikipedia suchen (über das Suchfeld oben rechts).

Link in die FactGrid Datenbank

 
Daneben gibt es für Suchende mit besseren Computerkenntnissen die SPARQL Suche und eine Seite mit ersten Muster-Suchanfragen – eine reguläre Suchmaske ersetzt das nicht; sie muss kommen.

Wer sich von uns einen Account eröffnen lässt, kann sofort sehr viel mehr tun: Mit dem Account lässt sich die Benutzersprache auf Deutsch umstellen und, eingeloggt, kann man nun Änderungen an den Datensätzen vornehmen oder neue Datenblätter zu Personen der eigenen Familie anlegen wie zu Dokumenten aus dem eigenen Familienarchiv. Freuen würden wir uns, wenn sich hier eine Community bilden würde, die beim großen Puzzlespiel zusammenarbeitet und die sich mit unterschiedlichen Fähigkeiten ergänzt: Wer kann deutsche Handschrift lesen? Wer kann aus der Datenbank mit kleinen Programmierkenntnissen sehr viel mehr herausholen? – denn manches wird hier erst einmal ungewohnt sein: Man möchte bei einer Person einfach hinschreiben, wer der Vater war, doch will die Datenbank erst einmal, dass dieser Vater seine eigenen Q-Nummer hat, mit der sie dann gerne alle Verbindungen herstellen will. Wir helfen bei allen technischen Hürden online weiter.

Um den Start einfacher zu machen, gaben wir für die Mitte des 19. Jahrhunderts alle gut 1300 damals notierten Häuser ein und verteilten auf diese die gut 2400 bekannte Familienväter aus der Wahlliste des Jahres 1848. An diese ersten Datensätzen kann man nun leichter Steine anfügen im großen Puzzlespiel der historischen Stadt-Daten.

Für wen ist das spannend und warum soll man hier mitmachen?

Spannend ist die Datenbank für jeden, der zu Gotha privat oder beruflich forscht. Spannend ist sie aber auch für jeden, der seine Familiengeschichte oder die Geschichte seines Hauses hier zurückverfolgen will. Spannend sollte die Datenbank für Schulprojekte werden, die sich mit der Geschichte der Stadt oder des Territoriums auseinandersetzen – wir geben gerne ganze Recherchethemen, bei denen man in Projektarbeit über Akten und Geschichte und Informatik schlauer wird.

Der “Gotha Zettelkasten” sollte im Verlauf eine Ressource werden, um kollektiv Wissen sammeln und gemeinsam zu sortieren. Er sollte im selben Moment Menschen einander näherbringen, die hier ihr persönliches Wissen zu Gotha und seinen Bewohnern zusammenbringen.

Kontakt:

Via Facebook: Öffentliche Facebook Gruppe “Der Gotha Zettelkasten”

Am Ort und per E-mail:

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
— Dr. Olaf Simons
Schloss Friedenstein
99867 Gotha


Präsentation auf der Gothaer Stadtgeschichte Tagung 2022

Kopfzerbrechen Nr. 4: Organigramme

In Google Books findet sich eine kleine Serie der Herzoglich-Sachsen-Gotha- und Altenburgischer Hof- und Adreß-Kalender:

Die Serie von 1768 bis 1825: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/54350/1/ /
https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jpvolume_00240779

Die Publikationen waren nicht ungewöhnlich. Man entnahm ihnen nach dem kalendarischen Vorspann und den Informationen über die Post-
und Botenverbindungen Überblick über den Aufbau des gesamten Staats und seiner Landeskirche samt den Namen und Posten aller Amts- und Würdenträger bis hinab zu den Angestellten, die der Herrschaft auf dem Schloss aufwarteten.

Netzwerkdarstellungen wurden in den letzten Jahren populär. Sie erlauben es, Knoten in größeren Kommunikationsgefügen auszumachen. Insbesondere informelle offene Korrespondenzgefüge gewinnen hier Transparenz.

Tatsächlich wissen wir aber dank solcher Kalender und vergleichbarerer Publikationen über die Interaktionsgefüge weit mehr. Wir verfügen über Organisationspläne aus staatlichen und kirchlichen Behörden, wir kennen die Gefüge der Armee, größerer Anstalten wie kleinerer Firmen, kennen die Positionen in geheimen und nicht geheimen Gesellschaften, die Gremien und Ausschüsse von Parlamenten und Parteien und so fort.

Eine der interessantesten Leistungen des FactGrids könnte darin liegen, diese Gefüge mit den Personendaten und Archivalien zu erfassen. Hier sind Organisationsstrukturen ausgewiesen samt Titeln, Positionen und den Namen der Amtsinhaber. Wie müsste die Dateneingabe aussehen, um aus ihr Organigramme für jeweils gewünschte Zeitschnitte zu generieren – mit Links zu den Personen und zu Schriftstücken ihrer Hand?

Die Adress-Kalender erfassen, wie der größte Arbeitgeber im frühneuzeitlichen Staat mit der Bevölkerung seines Territoriums verwoben war: Welcher Prozentsatz der Stadt- und der Landbevölkerung stand in Dienstverhältnissen zum Hof? Wie verliefen – hier wird die Serie der Kalender aufschlussreich – Karrieren bei Hof? Welche Positionen erweisen sich als sozial durchlässiger als andere?

Wie sind – wenn wir Organisationsgefüge miteinander korrelieren – Gothas Freimaurer mit Staat und Kirche des Herzogtums verwoben? In wieweit überlappen sich Kreise des Klubbs, der Thee-Gesellschaft, der Besucher der wissenschaftlichen Vorlesungen des Hofarchivars Ludwig Christian Lichtenbergs in der Stadt, der Illuminaten im Haus des Schlosshauptmanns Christian Georg von Helmolt mit staatlichen Strukturen? Welche Mitgliedschaften waren Eintrittskarten in Karrieren, welche persönlichen Kontakte öffneten Türen?

Aus den Akten des Illuminatenordens Schwedenkiste Band 10, 200: Die Mitgliederliste der Gothaer Freimaurer-Loge von 1783. Deutlich sichtbar: Führende Hofbeamten treffen sich in der Loge wieder – aber nicht alle… Vergrößern

Übersichtlichkeit werden Organigramme generieren, sobald sie mit der Aktenüberlieferung korreliert werden, und man auf die Schnelle in die Arbeit von Behörden Einblick nehmen kann.

Bleibt die zentrale Frage: Was muss wie eingegeben werden, um welche Darstellungen zu erlauben und welche Fragen stellen zu können?

Struktur Stadtverwaltung Gotha, Organigramm 2017 http://www.gotha.de/rathaus-politik/stadtverwaltung/organigrammaktenplan.html

Kopfzerbrechen Nr. 1: Gothas Wohnhäuserverzeichnisse 1828, 1841, 1846

Gothas Stadtarchiv überließ uns zur weiteren Arbeit drei Exceltabellen, die die Angaben aus den Gothaer Wohnhäuserverzeichnissen der Jahre 1828, 1841, 1846 enthalten.

Die Daten sind ein spannendes Problem für das aufzubauende FactGrid.

Gothas Häuser sind nach Straßen geordnet einfach gezählt von Nr. 1 bis Nr. 1296. Wir können über eine Umrechnungstabelle die genauen Geo-Koordinaten geben und dort, wo Gebäude unverrückt stehen, auch die heutigen Adressen nennen. Für die Fleischgasse (seit 1894 Hünersdorfstraße benannt nach Karl Heinrich Hünersdorf) macht die Tabelle 1828 etwa die Angaben, die ich am Ende gleich tabellarisch liste.

Problemstellung

Die Liste bietet regulär nur Nachnamen, manche doppelt. Viele dieser Namen tauchen 20 Jahre später in der Nachfolgeliste wieder auf. Wir wissen nicht, wann sie Wohnadressen notieren und wann Hausbesitzer. Man wird diese Namen samt und sonders in der Datenbank haben wollen, um sie im Lauf der Zeit mit Informationen anreichern zu können.

Manche Namen tauchen auch in der GND und Wikidata auf. Wir werden versuchen mit einem Import eine Landschaft bereits bekannter Personen zu liefern in der mögliche Treffer komfortabler zu identifizieren sind.

Wie aver handhabt man blanke Nachnamen in der Hoffnung auf eine spätere Anreicherung, sprich so, dass anderen Mitspielern auf derselben Plattform im Verlauf ein rotes Lämpchen leuchtet, wenn es sein könnte, dass bereits eine rudimentäre Information zu der Person ihres Interesses vorhanden ist?

Datenexzerpt aus dem Wohnhäuserverzeichnis von 1828, Gothas Fleischgasse

Hausnummer Name Beruf Sonstiges
907 Gayer Kaufmann
908 Gayer Kaufmann
909 Schuchardt Schuhmacher
910 Gams Kaufmann
911 Zeyß Obermarktmeister und Schnittwarenhändler
912 Schmidt Goldarbeiter
913 Thorwarth,sen. Seiler
914 Kaiser Schuhmacher
915 Straube Gürtlerswitwe
916 Fischer Kürschner
917 Schäfer Hofhautboist, Witwe
918 Friede Tuchmacher
919 Kiel Buchbinder
920 Holstein Nagelschmidt
921 Blumenau pens.Garde-Friseur
922 Krause Zinngieser
923 Müller Büchhändler und Antiquar
924 Möller Bürgerluitenant und Tuchhändler
925 Jusatz Rathsbaumeister und Kupferschmidt
926 Görlach Klempner
927 Thomas Posamtier
928 Schack,Carl Bäcker
929 Rüger Victualienhändler
930 Klug Seifensieder
931 Merbach Zinngieser, Witwe
932 Kohlstock,sen. Drechsler

Featured Image

Stadtplan von Gotha aus dem Brockhaus von 1910.

Gotha um 1800. Natur – Wissenschaft – Geschichte

“Die beiden Lichtpuncte Thüringens waren Weimar und Gotha; von ihnen strahlte geistige Kultur nach allen Richtungen der weiten deutschen Gaue: Weimar ist die Wiege deutscher Literatur und Kunst gewesen, Gotha ein Sitz ernster Wissenschaften, die hohe Schule der Erd- und Himmelskunde.” (Heinrich Berghaus, 1840)

Gotha3

Der Sammlungs- und Forschungsverbund Gotha, Gotha3, ist eine Kooperation der Forschungsbibliothek und des Forschungszentrums Gotha sowie der Stiftung Schloss Friedenstein. Unterstützt vom Freistaat Thüringen und der Universität Erfurt zielt der Verbund darauf ab, die außergewöhnlichen Gothaer Bestände durch innovative Forschung international sichtbar zu machen.

Hochrangige Sammlungen auf Schloss Friedenstein

Seit Begründung des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg (1640) setzte das Herrscherhaus wiederholt auf den Erwerb ganzer Sammlungen — zu Repräsentationszwecken, aber auch in genuiner Begeisterung für die jeweilige Materie. Neben Werken der bildenden bzw. angewandten Künste kamen so antike Münzen, reformationszeitliche und orientalische Handschriften, Gelehrtennachlässe und -bibliotheken sowie naturkundliche Objekte und Instrumente auf den Friedenstein. Ergänzt durch eine breite archivalische Überlieferung, sind diese Bestände heute ein einzigartiger Forschungsgegenstand.

Vom Hof in die Stadt in die Welt

Die herzogliche Sammlungstätigkeit und ‚Liebhaberei‘ blieb nicht ohne Folgen. Neben den Angehörigen des Herrscherhauses waren es die höfischen Amtsträger, gymnasialen Pädagogen und städtischen Verleger, die Wissen generierten und kommunizierten. So entwickelte sich die zentral gelegene Residenzstadt im 18. Jahrhundert zunächst zu einem Standort der Zeitungs- und Journalproduktion, um dann im 19. Jahrhundert zum Sitz eines global führenden Landkarten-Verlags zu werden.

Gotha um 1800. Natur – Wissenschaft – Geschichte

Ein erstes Forschungs- und Erschließungsprojekt des Verbunds befasst sich mit Gotha als europaweit vernetztem Zentrum der Naturforschung. Um 1800 entstanden in Gotha Forschungen und Sammlungen zur Astronomie und Geodäsie, zu Mineralogie und Paläontologie, zur Konchyliologie und Ornithologie. Das Projekt fragt danach, welche Erkenntnisse dabei gefunden wurden, welche Akteure daran beteiligt waren und welche Geltung die Gothaer Forschung innerhalb gelehrter Netzwerke beanspruchen konnte.