{"id":29,"date":"2017-03-21T16:59:36","date_gmt":"2017-03-21T15:59:36","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.factgrid.de\/?p=29"},"modified":"2017-03-21T16:59:36","modified_gmt":"2017-03-21T15:59:36","slug":"die-schwedenkiste-digital-die-obduktion-des-illuminatenordens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/29","title":{"rendered":"Die Illuminaten-Akten online: Die Obduktion der Schwedenkiste"},"content":{"rendered":"<p>Unser Wissen \u00fcber den Illuminatenorden hat sich in den letzten 20 Jahren im kleinen Expertenkreis grundlegend ver\u00e4ndert. Die Z\u00e4sur bilden die 1990er Jahre, mit denen nach dem Fall der Mauer die <a href=\"https:\/\/projekte.uni-erfurt.de\/illuminaten\/Schwedenkiste\">Schwedenkiste<\/a> gr\u00f6\u00dftenteils zug\u00e4nglich wurde. Der Bestand geh\u00f6rte urspr\u00fcnglich Gothas Freimaurerloge. Die NS-Beh\u00f6rden hatten ihn im Dritten Reich beschlagnahmt, die sowjetischen Besatzer nach dem Krieg nach Moskau verbracht und am Ende bis auf den zehnten der 20 B\u00e4nde der DDR zur\u00fcckerstattet. Mit deren Ende gelangte dieser Bestand von Merseburg in das <a href=\"http:\/\/www.gsta.spk-berlin.de\/\">Geheime Staatsarchiv Preu\u00dfischer Kulturbesitz<\/a>. Wer ihn erforschen will, muss sich heute mit dem Besitzer, der Gro\u00dfloge \u201eZu den drei Weltkugeln\u201c, verst\u00e4ndigen \u2013 das Staatsarchiv Preu\u00dfischer Kulturbesitz macht diese B\u00e4nde als Depositum zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Vor dem Wiederauftauchen der Schwedenkiste in den 1990er Jahren basierte die Forschung im Wesentlichen auf den Materialien, die der Bayerische Staat Mitte der 1780er Jahre beschlagnahmt und publiziert hatte, sowie auf den Publikationen Adam Weishaupts und seiner ersten Mitstreiter, die auf die Entdeckung unmittelbar mit weiteren, nun verteidigenden Einblicken reagierten.<\/p>\n<p>Das Bild, das man damit bis in die 1990er Jahre vom Illuminatenorden hatte, blieb auf den bayerischen Geheimbund fokussiert, den der bayerische Staat in Etappen nach 1784 verboten und verfolgt hatte. Die Dokumente, die Bayerns Regierung publizierte, zeigten eine Organisation, die h\u00f6chste Kreise erfasst hatte, und die sich ansonsten als freimaurerisches Hochgradsystem verbreitete \u2013 die idealistischen und idealisierenden Gradtexte waren zentral. Klar war wohl, dass der Orden ausgriff, und dass M\u00e4nner wie Goethe und Herder ihm au\u00dferhalb Bayerns angeh\u00f6rten, doch lie\u00df sich in dieses Geflecht nicht sehr viel tiefer eindringen.<\/p>\n<h2>Die Phasen des Illuminatenordens 1778 bis 1788<\/h2>\n<p>Die Schwedenkiste ist im Wesentlichen der illuminatische und in Randaspekten freimaurerische Aktenbestand <a href=\"https:\/\/projekte.uni-erfurt.de\/illuminaten\/Johann_Joachim_Christoph_Bode\">Johann Joachim Christoph Bodes<\/a> und <a href=\"https:\/\/projekte.uni-erfurt.de\/illuminaten\/Ernst_II._Ludwig_von_Sachsen-Gotha-Altenburg\">Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg<\/a>. Bode war 1783 vom jungen <a href=\"https:\/\/projekte.uni-erfurt.de\/illuminaten\/Knigge\">Freiherrn Knigge<\/a> f\u00fcr den Orden gewonnen worden. Dieser hatte von Hessen aus seit Beginn der 1780er Jahre den Ausbau des Ordens ma\u00dfgeblich vorangetrieben, indem er ihn konsequent zu einem freimaurerischen Reformprojekt, wenn nicht zu einer neuen Alternative jenseits der Freimaurerei umgestaltete. Knigge rekrutierte unter hochrangigen und unzufriedenen Freimaurern und schuf Loge um Loge, dort, wo er Mitglieder generierte, eine freimaurerische Binnenelite, die sich fortan unter dem neuen Dach der Illuminaten traf. Allein 500 der am Ende 1340 Illuminaten will er aufgenommen haben.<\/p>\n<p>Bode war die prestigetr\u00e4chtige und umstrittene Erwerbung, \u00fcber die Knigge zu Fall kam. Mit Bode sollte die gr\u00f6\u00dfte deutsche Vereinigung der \u201eHochgradmaurerei\u201c, die \u201eStrikte Observanz\u201c, gekapert werden, und Bode sollte deutsche F\u00fcrsten in den Orden bringen. Weishaupt und seine urspr\u00fcnglichen Mitstreiter waren weitgehend gegen die Aufnahme von Regenten wie gegen die Aufnahme h\u00f6herer kirchlicher W\u00fcrdentr\u00e4ger. Bode blieb im Orden, ebenso die drei F\u00fcrsten, die er im Eklat aufnahm, doch musste Knigge gehen und Bode ein Innehalten versprechen.<\/p>\n<p>Im Sp\u00e4tsommer 1783 begann Bode die Arbeit am Aufbau der ihm zugewiesenen Provinz. Von Weimar, \u201eHieropolis\u201c, aus w\u00fcrde er die Illuminaten in \u201eIonien\u201c, Th\u00fcringen organisieren. Seinerseits sicherte sich Bode durch einen strategischen Schachzug im Orden ab, indem er Gothas Ernst II. 1785 in die Position des deutschen \u201eNationals\u201c brachte \u2013 ihm und nicht Weishaupt unterstand er damit.<\/p>\n<p>Grob k\u00f6nnen wir damit heute mindestens drei Orden vorsichtig voneinander trennen: den bayerischen Orden, den Weishaupt und seine Mitstreiter ab 1778 aufbauten (1776 hatte man nur einen losen Studentenbund unter dem Namen Perfectibilisten gegr\u00fcndet) \u2013 seine \u00c4ra geht bis in die bayerischen Verbote und \u201eVerfolgungen\u201c 1785\/86. Ein ma\u00dfgeblich von Knigge au\u00dferhalb Bayerns vorangetriebener Orden steht dem mit den fr\u00fchen 1780er Jahren zur Seite \u2013 unter komplexen pers\u00f6nlichen Spannungen zwischen allen, die \u00fcber sein weiteres Schicksal (vor allem \u00fcber eine Demokratisierung der Ordensf\u00fchrung) diskutieren. Mit Bode entfaltet sich zwischen dem Fr\u00fchjahr 1784 und dem Sommer 1787 Th\u00fcringen als neue f\u00fchrende Provinz mit einem Orden, in dem nun Regenten hinter den Kulissen Positionen einnehmen.<\/p>\n<p>\u00dcber diese letzte bedeutende Provinz sind wir mit der \u201eSchwedenkiste\u201c seit den 1990er Jahren eingehender informiert \u2013 keine nebens\u00e4chliche Akzentverschiebung: Adam Weishaupt wurde 1786 von Gothas Regent in Schutz genommen. Eine Position als Gothaer Rat gestattete ihm das Unterkommen in Regensburg und dann ab 1787 und f\u00fcr den Rest seines Lebens in Gotha.<\/p>\n<h2> Die Schwedenkiste: Einblicke in ein b\u00fcrokratisches Monster<\/h2>\n<p>Im puren Volumen stellt die Schwedenkiste den Aktenbestand, der in den 1780er Jahren in M\u00fcnchen verl\u00e4sslich publiziert wurde (und der sp\u00e4ter verloren ging), vollendet in den Schatten. In 20 Foliob\u00e4nden sind hier \u00fcber 6354 Dokumente \u2013 fast 22.000 Dokumentenseiten \u2013 geordnet. Wir wissen nicht, was die origin\u00e4re Ordnung dieses Bestandes war. 1794 gelangte er, nach dem Tod Bodes, von Weimar nach Gotha. Dort wurde er mit Akten Ernsts II. und der Gothaer Minervalkirche (das illuminatische \u00c4quivalent zu den Logen) aufgestockt. Nach dem Tod Ernst II. ging dieser Bestand, wie testamentarisch 1804 verf\u00fcgt, an das Archiv verbr\u00fcderter Freimaurer nach Stockholm. Aus Schweden kehrte er 1881 nach Gotha zur\u00fcck \u2013 in der \u201eSchwedenkiste\u201c. Von da an dauerte es nochmal mehrere Jahrzehnte, bis man den Bestand ordnete: 1908 brachte ihn der \u00dcllebener Pfarrer Carl Lerp in seine gegenw\u00e4rtige Ordnung, indem er in einer durchaus rabiaten Aktion die Dokumente zum Teil sehr willk\u00fcrlich sortierte und mit Leim auf Pappseiten klebte, die dann von einer Gothaer Buchbinderei zu den bis heute so gef\u00fcgten 20 B\u00e4nden zusammengebunden wurden.<\/p>\n<p>Lerps Eingriff von 1908 macht es heute schwer, die originalen Zusammenh\u00e4nge besser zu erfassen; andererseits verdanken wir seiner Klebearbeit die Gewissheit, dass seitdem zumindest nichts mehr abhanden kam \u2013 nicht unter den nationalsozialistischen und nicht unter den sowjetischen Beh\u00f6rden. Lerp fixierte seine Dokumente, nummerierte sie konsequent durch und listete sie grob.<\/p>\n<p>Jedem, der sich diesem Bestand n\u00e4hert, ist eine massive Einarbeitung abverlangt. Alle Namen von Sendern, Empf\u00e4ngern und Beteiligten sind verschl\u00fcsselt, alle Ortsnamen, wenn Ordensdinge ber\u00fchrt sind. Die Datierungen erfolgen in einem pseudo-persischen Kalender, in dem die Illuminaten sich selbst laufend verheddern. (Das Jahr, exakt 600 Jahre zur\u00fcck, darf nicht am 1. Januar schon eins hochgez\u00e4hlt werden, erst am 21. M\u00e4rz \u2013 da werden laufend Daten der ersten drei Monate um ein Jahr verfehlt abgelegt).<\/p>\n<p>Die Verschleierungen mit Ordensnamen, -orten und -kalender sind oberfl\u00e4chlich. Komplex ist im Orden organisiert, wie transparent \u2013 genauer <em>semitransparent<\/em> \u2013 die Kommunikationen stattfinden. Jedes Mitglied schreibt monatlich zumindest ein \u201eQuibus Licet\u201c, einen Bericht, den jeder \u201eUnbekannte Obere\u201c im Orden lesen darf in den Orden hinein. Zwei Monate sp\u00e4ter erh\u00e4lt es in seiner Minervalkirche die Antwort eines gewissen \u201eBasilius\u201c zur\u00fcck, eine \u201eReproche\u201c. Die zwei Monate Verzug m\u00fcssen verschleiern, wie weit Basilus entfernt ist, und erfordern eine laufende k\u00fcnstliche Informationsbevorratung hinter den Kulissen.<\/p>\n<p>Zu den Quibus Licet und Reprochen von und an die 81 Th\u00fcringer Mitglieder der Minervalkirchen in Syracus (Gotha), Lycopolis (Erfurt), Butus (Jena), Aquinum (Rudolstadt) und Piacentia (Buttst\u00e4dt) kommen die Aufs\u00e4tze, die die Mitglieder zu den lokalen Sitzungen schrieben, die Sitzungsprotokolle der Minervalkirchen und Magistrate, die an Bode gingen, und Bodes Berichte an Ernst II. Bode verf\u00fcgte zudem \u00fcber eine weit nach Deutschland ausgreifende Mitgliederdatei, heute der in Moskau liegende doch im Digitalisat bekannte zehnte Band; er korrespondierte wie Ernst II. auf h\u00f6heren Ebenen; beide sammelte Debattenniederschl\u00e4ge aus der internen Reformdiskussion und Informationen aus Streitf\u00e4llen.<\/p>\n<p>All dies schafft heute ein \u00e4u\u00dferst dichtes Informationsgefecht \u2013 jenes Geflecht, aus dem der Orden seinerzeit seine Macht gegen\u00fcber den Betreuten bezog: Wer in ihn eintrat, war gezwungen, sich laufend zu allen Themen und h\u00f6chst pers\u00f6nlich schriftlich zu \u00e4u\u00dfern. Der Orden stand ihm dunkel gegen\u00fcber; doch betreuten ihn \u201eUnbekannte Obere\u201c laufend mit dem Bekunden, an seiner intellektuellen Fortenwicklung teilhaben zu wollen \u2013 und sie waren bestens \u00fcber jeden zu Betreuenden informiert.<\/p>\n<p>Verschw\u00f6rungstheoretiker vermuten in der Regel, dass Geheimorganisationen keine Spuren hinterlassen. Das Gegenteil ist der Fall: Eine geheime Organisation muss kommunikativ sein, wenn sie den Mitglieder glaubhaft versichern will, dass sie existiert. Sie sollte b\u00fcrokratisch Daten sammeln \u2013 der Illuminatenorden tut das bis in die Charaktertabellen hinein, die jeder \u00fcber sich zu Beginn einreichen muss \u2013 um sicherzustellen, dass sie die Mitglieder kennt, denen h\u00f6here Ebenen ja nur im Ausnahmefall auch einmal pers\u00f6nlich begegnen.<\/p>\n<h2>Die Schwedenkiste erschlie\u00dfen: Ein in mehrfacher Hinsicht komplexes Projekt<\/h2>\n<p>Die Schwedenkiste zu erschlie\u00dfen, ist ein Forschungsdesiderat, dem man sich ohne eine Datenbank nur h\u00f6chst unbeholfen ann\u00e4hert.<\/p>\n<p>Nahezu alle Dokumente sind handschriftlich fixiert. Jedes Dokument muss erschlossen werden: Wer schreibt hier tats\u00e4chlich, von wo, wann genau (wenn man die hunderte Datierungsfehler einkalkuliert)? Wer las? Die Absender wissen regelm\u00e4\u00dfig nicht, an wen sie genau schreiben. Wir wissen aber, dass der lokale Superior zumeist der Erstleser ist, dass Basilius der zentrale Leser ist \u2013 in der Provinz Ionien (Th\u00fcringen) ist das Aemilius (Bode), der aber eben nicht den Ordensnamen Aemilius je zusammen mit dem Funktionsnamen Basilius verwenden darf. Wir wissen, dass Bode Schriftst\u00fccke weitergibt \u2013 nach oben, aber auch an Mitarbeiter, die ihm eine Vorauswertung vorlegen oder gar seinen Posten bei Abwesenheiten \u00fcbernehmen. Schreiber arbeiten f\u00fcr Bode, auf dass seine Handschrift ihn nicht verr\u00e4t. Diese laufende Semitransparenz von Kommunikation l\u00e4sst sich nur in einer Datenbank klarer erfassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31\" aria-describedby=\"caption-attachment-31\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/SK10-643-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"394\" class=\"size-large wp-image-31\" srcset=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/SK10-643-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/SK10-643-300x225.jpg 300w, https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/SK10-643-768x576.jpg 768w, https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/SK10-643-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/SK10-643.jpg 1940w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31\" class=\"wp-caption-text\">Seiten aus dem 10. Band der Schwedenkiste. Deutlich sichtbar, wie hier Dokumente lagenweise (und darum oft schwer entzifferbar) eingeklebt sind.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kaum ein Forschungsprojekt kann sich in den regul\u00e4ren drei Jahren F\u00f6rderdauer in das Gewirr einarbeiten und einen Forschungsband aus dem Gewirr heraus vorlegen. Klug w\u00e4re es, Eingearbeitete w\u00fcrden eine Crowd-Erschlie\u00dfung betreuen. Mit ihr w\u00fcrde es vor allem darum gehen, die internen Bez\u00fcge dieser Akten wiederherzustellen, zu erfassen, was da auf was jeweils die Antwort ist \u2013 die Ordensb\u00fcrokratie \u00fcberliefert laufend intern bewahrte Vorschriebe, mit denen wir wissen, wie eingehende Briefe beantwortet wurden.<\/p>\n<p>Was wir ben\u00f6tigen, ist eine Datenbank, die alle 21.723 Digitalisate verwaltet und die sich f\u00fcr deren beliebige interne Vernetzung offen erweist, eine Software, die daneben die kollektive Transkription von Bilddateien erlaubt. Die Wikisource-Software ist hier wie keine andere geeignet.<\/p>\n<p>Zu den Voraussetzungen eines solchen Projektes geh\u00f6rt im selben Moment eine gr\u00f6\u00dfere \u00dcbereinkunft unter gro\u00dfem wechselseitigen Vertrauen: Eine Kooperation zwischen<\/p>\n<ol>\n<li>der Gro\u00dfloge \u201eZu den drei Weltkugeln\u201c als Eigent\u00fcmerin des Materials,<\/li>\n<li>dem Geheimen Staatsarchiv Preu\u00dfischer Kulturbesitz Berlin, das dieses Material zug\u00e4nglich macht,<\/li>\n<li>einer Forscher-Gruppe, die die breitere Erschlie\u00dfung mit ausgewiesener Expertise verantwortungsvoll betreute, und<\/li>\n<li>einem Partner, der in der Lage ist, eine international agierende Community auf ein solches Projekt anzusetzen und die genutzte Software an Problemf\u00e4llen wachsen zu lassen (Wikimedia Deutschland bietet sich hier an).<\/li>\n<\/ol>\n<h2>\u00dcber den Tellerrand gesehen<\/h2>\n<p>Spannend wird die Erschlie\u00dfung des illuminatischen Aktenbestandes in der Sekunde, in der die benutzte Ressource neue Recherche-Angebote macht. Bei der Durchleuchtung des Illuminatenordens wird man von Visualisierungen der Beziehungsgeflechte und Kommunikationsgef\u00fcge profitieren. Von wo nach wo flossen in diesem Orden die Informationen? Wie wurde unterschiedliche Transparenz des Informationsflusses eingesetzt? Welche Beziehungsnetze ergaben sich mit der Hierarchie? Welche Beziehungsnetze unterliefen die Hierarchieebenen? Wie weit wussten einzelne Mitglieder Seilschaften im Orden zu handhaben?<\/p>\n<p>Statistische Auswertungen werden interessant sein: In welchen Sch\u00fcben erweiterte sich der Orden geographisch? Wie ver\u00e4nderte sich im Verlauf die Mitgliederstruktur? Inwieweit hob der Orden Konfessionsschranken auf, inwieweit zeichnen sie sich in ihm ab? All dies sind Fragen, die die Arbeit mit einer Datenbank einfordern, und diese wiederum wird unmittelbar weitere Projekte in ihren Bann ziehen: Der Illuminatenorden infiltrierte die kontinentaleurop\u00e4ische Freimaurerei. Sie wiederum ist nur die Spitze des Eisbergs in einem sehr komplexen Soziet\u00e4tenwesen, das im Lauf des 18. Jahrhunderts die alten politischen und territorialen Strukturen neu vernetzte \u2013 unter Ma\u00dfgabe neuer b\u00fcrgerlicher Interessen mit einem erheblichen Bildungsanspruch, der am Ende ins 19. Jahrhundert weist.<\/p>\n<p>Das Spannende am Illuminatenorden liegt im selben Moment laufend au\u00dferhalb dieses Bestandes: Ein enormes \u00f6ffentliches Interesse gilt den Illuminaten: das Interesse von Verschw\u00f6rungstheoretikern und das Interesse einer breiten \u00d6ffentlichkeit, die nicht versteht, wovon diese Verschw\u00f6rungstheoretiker hier tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Der Orden erweist sich dabei als sehr modernes Konstrukt einer Informationen akkumulierenden Institution, jedoch auch als ein Konstrukt, das klar macht, wo die Verschw\u00f6rungstheorien haken: Einen solchen Orden zu betreiben, ist hochgradig ineffizient; die Struktur, die dabei entsteht, kann sich selbst im Verlauf nicht mehr reformieren. Die Basis kennt nur lokale Strukturen und bleibt desorientiert zur\u00fcck, wenn die h\u00f6heren Ebenen das Projekt aufgeben.<\/p>\n<p>Die heutigen Verschw\u00f6rungstheorien sind in ihrer ersten Phase den Jahren zwischen 1786 und 1800, der Nachhall dieser Desorientierung.<\/p>\n<h2>Links etc.<\/h2>\n<ul>\n<li>The Gotha Illuminati Research Base. <a href=\"https:\/\/projekte.uni-erfurt.de\/illuminaten\/Main_Page\">Link<\/a><\/li>\n<li>Metadaten zu den knapp \u00fcber 6000 Dokumenten der &#8220;Schwedenkiste&#8221;, des zentralen Aktenbestands im Nachlass des Illuminatenordens. <a href=\"https:\/\/docs.google.com\/spreadsheets\/d\/1tn-FNCr4jcdMuPAwGfD989Pcrshy01Wn3jz5_4DvhLU\/edit#gid=1684872053\">Link<\/a><\/li>\n<li>Renate Endler, \u201eZum Schicksal der Papiere von Johann Joachim Christoph Bode\u201c, in: <em>Quatuor Coronati<\/em>, Jahrbuch 27 (1990), S. 9\u201335.<\/li>\n<li>Renate Endler, \u201eBand X der Schwedenkiste aufgefunden\u201c, in: <em>Quatuor Coronati<\/em>, Jahrbuch 31 (1994), S. 189\u201397.<\/li>\n<li>Olaf Simons\/ Markus Meumann, \u201e\u201aMein Amt ist geheime gewissens Correspondenz\u2018. Bode als \u201aUnbekannter Oberer\u2018 des Illuminatenordens\u201c, in: Cord-Friedrich Berghahn\/ Gerd Biegel\/ Till Kinzel (eds.), <em>Johann Joachim Christoph Bode. Studien zu Leben und Werk<\/em> [= <em>Germanisch-Romanische Monatsschrift<\/em>, Beiheft 83] (Heidelberg: Universit\u00e4tsverlag Winter, 2017), S. 435\u2013504.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Wissen \u00fcber den Illuminatenorden hat sich in den letzten 20 Jahren im kleinen Expertenkreis grundlegend ver\u00e4ndert. Die Z\u00e4sur bilden die 1990er Jahre, mit denen nach dem Fall der Mauer die Schwedenkiste gr\u00f6\u00dftenteils zug\u00e4nglich wurde. Der Bestand geh\u00f6rte urspr\u00fcnglich Gothas Freimaurerloge. 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