{"id":1243,"date":"2018-12-27T00:36:38","date_gmt":"2018-12-26T23:36:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.factgrid.de\/?p=1243"},"modified":"2018-12-27T00:36:38","modified_gmt":"2018-12-26T23:36:38","slug":"die-neue-welt-der-normdaten-einige-erwagungen-zur-gnd-con-die-die-deutsche-nationalbibliothek-vom-3-auf-den-4-dezember-2018-in-frankfurt-veranstaltete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243","title":{"rendered":"Nachklapp zur ersten GNDCon der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt am Main, 3.\/4. Dezember 2018"},"content":{"rendered":"<p>Die Tickets f\u00fcr die erste gro\u00dfe \u2013 vom <a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/GNDCON2018\/GNDCon+2018\">3. auf den 4. Dezember 2018 an der Frankfurter Nationalbibliothek veranstaltete \u2013 GNDCon<\/a> waren Monate zuvor restlos vergeben. Um die 300 Interessenten f\u00fcllten schlie\u00dflich den gro\u00dfen Saal der Adickesallee 1 mit seiner Empore und am Rande aufgestellten Stehtischen: Bibliotheksrepr\u00e4sentanten, Informatiker, die an Museen und in Archiven im deutschsprachigen Raum Datenbanken betreuen, Geisteswissenschaftler aus den Digital Humanities aller m\u00f6glichen Projekte. Schlie\u00dflich sollte es um nicht weniger als die \u201e\u00d6ffnung der GND\u201c, der Gemeinsamen Normdaten gehen, mit denen die Deutsche Nationalbibliothek Kultureinrichtungen im gesamten deutschsprachigen Raum und weltweit versorgt. CC0, frei lizenziert, sind sie schon seit l\u00e4ngerem, doch das soll erst der Beginn der \u00d6ffnung sein.<\/p>\n<p>Die anwesende Forschung war angereist zum guten Teil mit dem Willen aufzubegehren: Man sollte drauf dringen, in Zukunft h\u00f6here Rechte erhalten als das bescheidene, Vorschl\u00e4ge zu neuen Eintr\u00e4gen und zu dringenden Korrekturen machen zu d\u00fcrfen. Bibliothekare \u00e4u\u00dferten sich unter der Spannung eines auf sie zurollenden Softwareumbruchs. Wer auch immer von der \u201e\u00d6ffnung der GND\u201c redete, hatte wom\u00f6glich noch kaum verstanden, wie die GND ihre Autorit\u00e4t bislang verteidigte. F\u00fcr Wikidata sollte die Veranstaltung zu einer eigenartigen Geburtstagsfeier werden: Sechs Jahre waren vergangen und Wikidata war, anders als die Wikipedien zuvor, nach diesem sehr kurzen Spurt in der Lage, unter den globalen Normdatenanbietern mit Autorit\u00e4t zu punkten und mit der Software um die sich alles immer wieder drehte.<\/p>\n<p>Durch das Programm f\u00fchrten Barbara Fischer und J\u00fcrgen Kett, erstere von Wikimedia an die DNB gewechselt. Internetkulturen mischten sich pl\u00f6tzlich mit ganz unerwartetem Charme.<\/p>\n<p><div id='gallery-1' class='gallery galleryid-1243 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon-2018'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/20181203_GNDcon_7012-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-1307\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1307'>\n\t\t\t\tFoto DNB, Stephan Jockel\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon100'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GNDCon100-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon181'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GNDCon181-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon208'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GNDCon208-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon217'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GNDCon217-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon292'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GNDCon292-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon330'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GNDCon330-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/archives\/1243\/gndcon410'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GNDCon410-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/gndcon329'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/GNDCon329-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" sizes=\"auto, 100vw\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n<br \/>\n<small>Bildquelle: <a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/GNDCON2018\/Bilder+%7C+GNDCon\">https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/GNDCON2018\/Bilder+%7C+GNDCon<\/a>, Lizenz: Creative Commons unter Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5 Generic<\/small><\/p>\n<h2>Normdaten \u2013 Dreh- und Angelpunkte der Verst\u00e4ndigung \u00fcber die Dinge im Internet<\/h2>\n<p>\u00dcber die Normdaten organisieren sich mittlerweile die Katalogsysteme der Archive, Bibliotheken und Museen \u2013 und zunehmend auch Forschungsprojekte in den Digital Humanities.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher vermerkte jede Bibliothek, jedes Museum und jedes Forschungsprojekt f\u00fcr sich, von wem es soeben sprach; ob von \u201eThomas Mann\u201c, dem Autor der <em>Buddenbrooks<\/em>, dem 1946 geborenen CDU-Politiker, dem zwanzig Jahre j\u00fcngeren Juristen oder von einem anderem der <a href=\"https:\/\/portal.dnb.de\/opac.htm?method=moveDown&amp;currentResultId=per%3D%22Mann%2C+Thomas%22%26any&amp;categoryId=persons\">insgesamt 28 Tr\u00e4ger dieses Namens, die die GND listet<\/a>. Eindeutigkeit und Referenzdaten gew\u00e4hrleistet heute die GND-Nummer, an die sich alle Daten koppeln, \u00fcber die die Trennungen verlaufen: biographische Eckdaten, geographische Informationen, Berufsbezeichnungen, zentrale Werkzuweisungen. Nat\u00fcrlich sollte Forschung der Digitalen Geisteswissenschaften sich der GND bei jedem Arbeitsschritt bedienen. Ein Projekt, das in Periodika der Weimarer Republik Autoren namentlich identifiziert, sollte diesen GND-Nummern zuweisen, wo immer solche bereits vorliegen, und so f\u00fcr sp\u00e4tere Auswertungen nachvollziehbar machen, wen genau man identifizierte. Es w\u00e4re im selben Moment praktisch, wenn das Projekt selbst GND-Nummern vergeben k\u00f6nnte. Am Ende erwartet man von der Deutschen Nationalbibliothek, dass sie die Forschung auswertet und neue Eintr\u00e4ge generiert. Die Forschung wei\u00df eigentlich am pr\u00e4zisesten, welche Datens\u00e4tze sie soeben generieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Im Rahmen des organisatorischen Verbunds, der die GND effektiv unter dem \u201eDACH\u201c deutsch-\u00f6sterreichisch-schweizerischer Institutionen produziert, agieren in der GND eben darum l\u00e4ngst schon Forscher mit eingeschr\u00e4nkten Editierrechten, mit Vorschlagsrechten \u2013 was indes eben immer noch weit entfernt bleibt von der Offenheit, mit der Wikidata jedem Nutzer erlaubt, Datens\u00e4tze zu Personen und Werken anzulegen und Q-Nummern zu vergeben.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnungsvortr\u00e4ge der GNDCon folgten aufeinander wie zum Fanal abgestimmt. Harriet Aagaard, die Vertreterin der k\u00f6niglichen Bibliothek Schwedens, Vincent Boulet von der Biblioth\u00e9que Nationale de France und J\u00fcrgen Kett von der Deutschen Nationalbibliothek mit ihren Verschwisterungen nach \u00d6sterreich und in die Schweiz verk\u00fcndeten ihre Entscheidung, Wikidata in Zukunft als Br\u00fcckenkopf im Informationsaustausch einzubeziehen. Dar\u00fcber hinaus werde man pr\u00fcfen, ob nicht Wikibase, die Software von Wikidata, die neue allgemeine Software im Bereich werden k\u00f6nne. Lydia Pintscher f\u00fchrte in Abrundung dieses Fanals in Wikidata ein. Spannung lag im Saal, da diese Weichenstellung verwirrende Unsicherheiten schafft: Wie vermittelt sich diese Entscheidungen der Bibliotheksleiter nach unten? Und: Was genau war hier den Forschern gesagt, die in der GND editieren wollen \u2013 dass sie besser gleich in Wikidata Datens\u00e4tze erzeugten?<\/p>\n<h2>Wie Wikidata solches Gewicht gewann<\/h2>\n<p>Wikidata, der Startschuss zur Softwareentwicklung fiel erst 2012, begann mit dem Versuch, die Binnenverlinkung zwischen den gut 200 weltweit arbeitenden Wikipedien zu \u00fcbernehmen \u2013 bis dahin hatten Wikipedianer sichergestellt, dass man \u00fcber die \u201eInterwiki-Links\u201c korrekt in Parallelartikel der anderen Sprachen gelenkt wurde. Wikidata wei\u00df aus dieser Daten\u00fcbernahme, in welchen Sprachen es einen \u201eThomas Mann\u201c-Wikipedia-Artikel gibt und trennt die Artikel zum L\u00fcbecker Autor dabei m\u00fchelos von den Artikeln zu den anderen Namenstr\u00e4gern in allen Sprachen. Das allein w\u00e4re keine Revolution. Die kam mit der Entscheidung, die eigenen Identifikationen im n\u00e4chsten Schritt mit allen wichtigeren Normdatens\u00e4tzen weltweit zu verbinden. Wikidata wurde damit unvermerkt das Normdaten Repositorium, das den nationalen (und prim\u00e4r bibliothekarischen) Normdatenprojekten zueinander hilft: BNF-Mitarbeiter schlagen in Wikidata nach, welche GND-Datens\u00e4tze den in der BNF identifizierten entsprechen. Doch w\u00e4re auch das vermutlich nur ein praktisches kleines Geschenk gewesen, w\u00e4re Wikidata nicht in jedem Moment dabei ganz anders aufgestellt gewesen: Wikidata kennt nicht nur alle Personen, die in irgendeiner Wikipedia einen Artikel haben, und kann dabei sagen, wo sich zwei Artikel auf dieselbe Person beziehen. Wikidata hat daneben auch Normdatens\u00e4tze f\u00fcr Apfelsorten, Tische, St\u00fchle und B\u00e4nke, ob namhafte Einzelst\u00fccke oder den Apfel, den Stuhl, den Tisch als solchem. Die Aussagen, die Wikidata in den Datens\u00e4tzen macht, sind struktureller Natur: Wikidata erfasst (wie die DNB), dass Heinrich Mann Thomas Manns Bruder war. Anders als die GND-Datenbank wei\u00df Wikidata jedoch zudem, sofern Wissen struktureller Natur ist, nicht nur nebenbei, was \u201eBruder\u201c auf Chinesisch oder Koreanisch hei\u00dft. \u201eBruder\u201c, \u201eVater\u201c, \u201eMutter\u201c\u2026 sind in Wikidata selbst wieder Objekte mit Q-Nummern und mit Aussagen durch P-Nummern, die nun kl\u00e4ren, was einen \u201eVater\u201c von einem \u201eBruder\u201c und einer \u201eMutter\u201c im Geflecht struktureller Aussagen zu nun Generation und Geschlecht unterscheidet \u2013 und hier wird im n\u00e4chsten Zug wieder mit Q-Nummern und P-Aussagen definiert.<\/p>\n<p>Die Normdatens\u00e4tze der Bibliotheken sind, verglichen mit diesen Projekt, eng in ihrer vornehmlich nationalen Orientierung wie ihren Relevanzkriterien, die darauf abzielen, prim\u00e4r Autoren zu identifizieren und Schlagwortkataloge zu beliefern. Auf die Enzyklop\u00e4die aller Begriffe und Diskussionsgegenst\u00e4nde in allen Sprachen hatte es keine der Nationalbibliotheken abgesehen \u2013 Wikidata dagegen entspringt dieser globalen Enzyklop\u00e4die.<\/p>\n<h2>Wikibase: Eine Datenbank-Software f\u00fcr jedermann, die typische Bibliothekssoftware \u00fcberraschend schl\u00e4gt<\/h2>\n<p>Ich begriff am Vormittag des zweiten Tags klarer, warum man in der Deutschen Nationalbibliothek und eben nicht nur hier soeben \u00fcber Wikibase nachdenkt. Interessierten war im Keller der Nationalbibliothek Zugriff auf eine Datenbankdoublette der GND einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den, der in Wikibase bereits Datens\u00e4tze anlegte, ist die Software ein Schritt zur\u00fcck in die 1990er Jahre: Die Benutzeroberfl\u00e4che verlangt Einarbeitung. Jede Zeile eines Datensatzes er\u00f6ffnet mit einer Nummer, der Ank\u00fcndigung der nachfolgenden Aussage f\u00fcr den sp\u00e4teren Katalogeintrag. Hinter jeder Nummer muss Information in einer sehr speziellen Sprache abgelegt werden, um nachher korrekt ausgelesen zu werden. Man \u00f6ffnet die begleitende Dokumentation im zweiten Browserfenster, sieht nach, welche Nummern etwa in einem Personendatensatz verwendet werden k\u00f6nnten und wie dabei die Eingabe zu geschehen hat \u2013 hier werden nicht Q-Nummern miteinander verbunden, hier wird vergleichsweise oft Text standardisiert eingegeben. Die Software arbeitet flach: Speichert man ab, wird der bisherige Datensatz \u00fcberschrieben. Wikibase notiert dagegen, welche einzelne Aussage im Datensatz ge\u00e4ndert oder hinzugef\u00fcgt wurde und bietet Raum f\u00fcr Quellenangaben im Plural hinter jedem beliebigen Statement eines jeden Datensatzes. Die GND-Software ist zufrieden mit einer einzigen Quellenangabe f\u00fcr den ganzen Datensatz \u2013 und selbst die fehlt, wo immer man Daten aus vorhandenen Bibliotheksrepositorien \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Entscheidungen muss auch die DNB f\u00e4llen und vorher diskutieren \u2013 die Diskussionen bleiben intern und au\u00dferhalb des Systems, wo in Wikidata ganz wie in den Wikipedien \u00fcber alles \u00f6ffentlich beraten, wenn nicht gestritten wird, was nachher Richtungs\u00e4nderungen mit sich bringt.<\/p>\n<p>Braucht man die Wikipedia-\u00d6ffentlichkeit in nationalen Bibliotheken? Und ist die Versionsverliebtheit der Wikibase-Software mit ihren Bearbeiterstempeln und Datierungen wie ihren \u201eundo\u201c-Aufforderungen mehr als eine nutzlose Anschwellung der Datenbank, die sich besser darauf konzentrierte, Fakten zu pr\u00e4sentieren?<\/p>\n<p>Aus Sicht des Historikers ist die Antwort klar: Was heute erst einmal nach unn\u00fctz viel mehr Daten anmutet, wird in f\u00fcnf Jahren von Laptops geleistet; und nat\u00fcrlich braucht man die Versionierung und die Quellen zu jedem einzelnen Statement. Es gen\u00fcgt nicht, irgendein Geburtsdatum zu kennen. Man sollte sagen k\u00f6nnen, woher dieses Datum bezogen ist. Und bei interessanten gr\u00f6\u00dferen Entscheidungen w\u00fcrde man gerne wissen, auf welcher Argumentation sie zustande kamen, um diese entweder \u00fcbernehmen oder die Revision diskutieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Die Autorit\u00e4t des Monopols<\/h2>\n<p>Die Autorit\u00e4t der nationalen Normdatenanbieter war bislang prim\u00e4r institutionell gew\u00e4hrleistet. Die deutsche Nationalbibliothek bietet das Geburtsdatum des Autors der <em>Buddenbrooks<\/em>, das jede Bibliothek \u00fcbernehmen kann, weil eine \u00c4nderung (wenn sie denn unter einem neuen Befund n\u00f6tig w\u00fcrde) eben der Nationalbibliothek gemeldet w\u00fcrde, um von hier aus in den vielen Katalogen zu erscheinen.<\/p>\n<p>Den Scan der Geburtsurkunde ben\u00f6tigt die DNB dabei nicht. Wikidata w\u00fcrde ihn ben\u00f6tigen, die Datenbank, in der jeder Dahergelaufene Unsinn behaupten k\u00f6nnte, und die erst mit einem \u00f6ffentlichen Quellenbeleg eine korrekte Information durchsetzen kann. Wikibase bietet die Nachweis-Aufforderung bis hin zur Option, einander widersprechende Daten mit den jeweiligen Quellen als genau solche divergierenden Daten verwalten zu k\u00f6nnen \u2013 eine extrem attraktive Option, da wir in der Daten\u00fcberlieferung oft nicht mehr haben, als einander widersprechende Quellen.<\/p>\n<p>Eine neue GND-Software wird mindestens so leistungsf\u00e4hig sein m\u00fcssen wie Wikibase gegenw\u00e4rtig ist. Sie wird in der Lage sein m\u00fcssen, Nummern mehrsprachig zu belegen. Sie wird Edits einzeln versionieren k\u00f6nnen, um in Datens\u00e4tzen jede einzelne Stellungnahme \u00fcberpr\u00fcfbar zu machen. Sie wird den Quellennachweis zu jeder Aussage einfordern und der \u00d6ffentlichkeit Einblick in Entscheidung gew\u00e4hren, um mehr Sicherheit als Wikidata zu geben.<\/p>\n<p>Wikibase ist frei lizenziert. Theoretisch k\u00f6nnte man die Software wohl so umprogrammieren, dass sie danach wesentliche Hierarchien in Bearbeitungsrechten aufweist, wie intransparente, \u201erein interne\u201c gegen\u00fcber \u00f6ffentlich sichtbaren Bereichen. Praktisch wird der Schritt in Wikibase viel einfacher sein, wenn es gelingt, Instanzen in Kommunikation miteinander zu bringen. Man wird dann von der Nationalbibliothek aus mehrere Instanzen betreiben \u2013 \u00f6ffentliche und weniger \u00f6ffentliche und zwischen diesen die Richtungen im fortlaufenden Datenfluss autoritativ festlegen.<\/p>\n<p>Dass Wikibase-Instanzen sich untereinander austauschen k\u00f6nnen, das Projekt von \u201eFederated Wikibase Instances\u201c, steht unabh\u00e4ngig davon in den <a href=\"https:\/\/www.wikidata.org\/wiki\/Wikidata:Development_plan\">Wikimedia Entwicklungspl\u00e4nen<\/a>.<\/p>\n<p>Einigten die zentralen Normdatenanbieter sich global auf Softwarestandards, w\u00e4re man einen immensen Schritt weiter im Streben nach neuer Eindeutigkeit im weltweiten Datenaustausch. Gemeinsam mit Wikidata w\u00fcrden die alten Bibliotheken wieder Sicherheiten von Aussagen ins Netz bringen, h\u00e4rtere Aussagen als die der fuzzy Google searches, an die wir uns gew\u00f6hnten.<\/p>\n<h2>Und die Forschung?<\/h2>\n<p>In der GND zu editieren ist unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen f\u00fcr Forschungsprojekte nur bedingt attraktiv. Die Software ist unbefriedigend, doch nat\u00fcrlich w\u00e4re man gerne als Lieferant und Bezieher von GND-Nummern mit dabei, falls diese nicht soeben rapide an Wert verlieren. Im Moment sticht die GND &#8211; sobald man auf die nationale Ebene geht &#8211; Wikidata noch in der puren Quantit\u00e4t der Daten in den Kerngebieten aus; ein Rechenexempel aus Gothas Illuminaten-Projekt kann das verdeutlichen:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Zahl der <a href=\"https:\/\/database.factgrid.de\/query\/#SELECT%20%3FIlluminatenorden%20%3FIlluminatenordenLabel%20WHERE%20%7B%0A%20%20SERVICE%20wikibase%3Alabel%20%7B%20bd%3AserviceParam%20wikibase%3Alanguage%20%22%5BAUTO_LANGUAGE%5D%2Cen%22.%20%7D%0A%20%20%3FIlluminatenorden%20wdt%3AP91%20wd%3AQ10677.%0A%7D\">nachgewiesenen Mitglieder im Illuminatenorden<\/a><\/td>\n<td align=\"right\">1354<\/td>\n<td align=\"right\">100%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zahl der nachgewiesenen <a href=\"https:\/\/database.factgrid.de\/query\/#SELECT%20%3FIlluminatenorden%20%3FIlluminatenordenLabel%20%3FGND%20WHERE%20%7B%0A%20%20SERVICE%20wikibase%3Alabel%20%7B%20bd%3AserviceParam%20wikibase%3Alanguage%20%22%5BAUTO_LANGUAGE%5D%2Cen%22.%20%7D%0A%20%20%3FIlluminatenorden%20wdt%3AP91%20wd%3AQ10677.%0A%20%20OPTIONAL%20%7B%20%3FIlluminatenorden%20wdt%3AP76%20%3FGND.%20%7D%0A%7D\">Illuminaten mit GND-Nummern<\/a><\/td>\n<td align=\"right\">553<\/td>\n<td align=\"right\">41%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Zahl der nachgewiesenen Illuminaten mit <a href=\"https:\/\/query.wikidata.org\/#SELECT%20%3FIlluminatenorden%20%3FIlluminatenordenLabel%20WHERE%20%7B%0A%20%20SERVICE%20wikibase%3Alabel%20%7B%20bd%3AserviceParam%20wikibase%3Alanguage%20%22%5BAUTO_LANGUAGE%5D%2Cen%22.%20%7D%0A%20%20%3FIlluminatenorden%20wdt%3AP463%20wd%3AQ133957.%0A%7D\">Wikidata-Nummern<\/a><\/td>\n<td align=\"right\">191<\/td>\n<td align=\"right\">14%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die GND erfasst mehr historische Personen. Dass sie Studenten mit einer bibliotheksnotierten Dissertation beim Namen nennt, macht sie bei den Illuminaten \u00fcberlegen; diese rekrutierten vornehmlich Studenten mit guten Karriereprognosen.<\/p>\n<p>Im Zeitalter des freien Datenflusses hat ein solcher Vorsprung sein Verfallsdatum. Wikidata k\u00f6nnte die gesamte GND-Personenliste importieren (man mag ob der Doubletten, die man sich einhandeln w\u00fcrde, wie der fehlenden Vernetzung der Datens\u00e4tze, vor einem solchen Import zur\u00fcckschrecken). Die Masse Wikidata-nummerierter Personen bleibt im Gegenzug f\u00fcr die GND so uninteressant wie chinesische Lokalpolitiker, die Artikel in der Wikipedia ihrer Sprache haben. Die \u00dcberlegung l\u00e4sst erahnen, von wo nach wo der Informationsfluss verlaufen wird: von den feinmaschigen vielen nationalen Datenbanken hin zu Wikidata.<\/p>\n<p>Die Frage der \u201eRelevanzkriterien\u201c, die es bei der GND und weniger hart bei Wikidata gibt, ist am Ende die Frage, die f\u00fcr ganz eigene Forschungsplattformen spricht, denn die Forschung ben\u00f6tigt in letzter Konsequenz g\u00e4nzlich offene Plattformen, auf denen man Datens\u00e4tze bereits anlegen kann, wenn man erst noch sehen muss, ob sich mehr Dokumente zum Namen finden, \u00fcber den man soeben stolperte. Ein Forschungsprojekt zum Bev\u00f6lkerungsaufbau in fr\u00fchneuzeitlichen St\u00e4dten wird Datens\u00e4tze f\u00fcr S\u00e4uglinge anlegen, die in den ersten zwei Lebensjahren verstarben \u2013 eine Erlaubnis, solche Personen einf\u00fcgen zu d\u00fcrfen, wird ein solches Forschungsprojekt von niemandem erbitten wollen. Was in der Forschung \u201erelevant\u201c ist, darauf wetten Projekte kompetitiv in einer Zukunftsprognose: Was wichtige Forschung und damit relevante Information ist, das stellt sich dann heraus, wenn die Zitate der Arbeit beginnen und die Daten-Nutzung in Gang kommt, so die Spekulation jedes einzelnen Projekts.<\/p>\n<p>Es ist dies der Grund, warum eine unabh\u00e4ngige Wikibase-Instanz mit den GND-Daten f\u00fcr die deutschsprachige Forschung so besonders spannend w\u00e4re &#8211; eine Plattform, die danach Schrittweise Datens\u00e4tze anderer Nationen aufn\u00e4hme.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Kulturrevolution steht am Ende weniger f\u00fcr die GND oder Wikidata an, als f\u00fcr die Geisteswissenschaften, f\u00fcr deren bedeutendste Repr\u00e4sentanten das Internet im Moment noch immer nicht viel mehr als ein grandioser Selbstbedienungsladen ist. Hier stellen, so die professorale Sicht, Gro\u00dfkonzerne wie Google gemeinsam mit Bibliotheken Hunderttausende von B\u00fcchern ins Netz, und hier schreiben flei\u00dfige namenlose Bienchen Wikipedia-Artikel, aus denen man mit copy &amp; paste Informationen schnell mal eben beziehen kann, verbl\u00fcffend verl\u00e4sslich. Man selbst schreibt ein gro\u00dfes Buch und erwartet im Gegenzug mit dem Selbstverst\u00e4ndnis des wissenschaftlich Publizierenden, dass die Leute aus dem Internet die eigene Arbeit geflissentlich beachten und noch aus den Fu\u00dfnoten, die man setzte, die biographischen Richtigstellungen beziehen und korrekt in die Kataloge und Wikipedia-Artikel bringen. (Emp\u00f6rt ist man, wenn die eigene Arbeit dabei nicht ordnungsgem\u00e4\u00df zitiert wird; entt\u00e4uscht, wenn sie von denen im Internet unbeachtet bleibt.)<\/p>\n<p>Die GND wird in der Transformation der Geisteswissenschaften, die hier noch immer ansteht, den interessantesten Impuls geben, wenn sie ihre Haltung zu den Wissenschaftlern wie zur eigenen Arbeit \u00e4ndert. Es wird n\u00f6tig werden, dass Wissenschaftler die Datenlage, die sie nutzen, unter der laufenden Arbeit in gesellschaftlicher Verantwortung in Stand halten \u2013 offen proklamiert. Sie ben\u00f6tigen dazu Plattformen, auf denen sie auch marginale Korrekturen von Daten noch als Forschungsbeitr\u00e4ge verbuchen k\u00f6nnen \u2013 sie ziehen es andernfalls vor, den pers\u00f6nlichen Wissensvorsprung auf dem privaten Rechner in Word-Dateien f\u00fcr sich und gegen\u00fcber den Kollegen zu behaupten, die ihre eigenen Word-Dateien mit bahnbrechenden Informationen f\u00fcr sich sorgsam h\u00fcten.<\/p>\n<p>Die GND und Wikidata sind gegenw\u00e4rtig in der einmaligen Lage, die Plattformen zur Verf\u00fcgung stellen zu k\u00f6nnen, auf denen sich in Zukunft Wissen diskursiv \u2013 durch das Angebot des Belegs und der nachvollziehbaren Forschung \u2013 von der Flut der haltlosen bleibenden Behauptungen abgrenzt. Der Aufbau der neuen \u00fcberlegenen, weil zitierbaren Ressourcen ist dabei derzeit noch gar nicht als Zentrum der Verantwortung der Geisteswissenschaften f\u00fcr das Wissen unserer Gesellschaften (wieder) in den Blick genommen.<\/p>\n<h2>Mehr Links<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/pages\/viewpage.action?pageId=143294739\">Ausf\u00fchrliches Programm<\/a><\/li>\n<li>Dokumentation der GNDCon, inkl. Videomitschnitte <a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/GNDCON2018\/Dokumentation+der+Sessions+der+GNDCon+2018\">https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/GNDCON2018\/Dokumentation+der+Sessions+der+GNDCon+2018<\/a><\/li>\n<li>Bilder: <a href=\"https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/GNDCON2018\/Bilder+%7C+GNDCon\">https:\/\/wiki.dnb.de\/display\/GNDCON2018\/Bilder+%7C+GNDCon<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/factgrid-tools.geschichte.uni-halle.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/2018-12-03-GND-Con-01.jpg\">Featured Image<\/a>: Olaf Simons, CC0<\/li>\n<li>The GNDCon on Twitter <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/gndcon?f=tweets&amp;vertical=default&amp;src=hash\">#GNDcon<\/a><\/li>\n<li>The GNDCon&#8217;s Wikidata Item <a href=\"https:\/\/www.wikidata.org\/wiki\/Q59389831\">Q59389831<\/a><\/li>\n<li>Wikidata and Wikibase roadmap for 2019 <a href=\"https:\/\/www.wikidata.org\/wiki\/Wikidata:Development_plan\">https:\/\/www.wikidata.org\/wiki\/Wikidata:Development_plan<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tickets f\u00fcr die erste gro\u00dfe \u2013 vom 3. auf den 4. 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